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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Goet – Gograf

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Goes'

dar; es wurde für Portinari, den Agenten der Mediceer in Brügge, gemalt und gehört zu den großartigsten Schöpfungen der altflandr. Schule. Auch einige kleinere Bilder, wie: Verkündigung in München und Berlin, Beweinung Christi im Hofmuseum zu Wien, werden ihm zugeschrieben.

Goēt (grch.), Zauberer; Goētie, Zauberei, Geisterbeschwörung.

Goette, Alexander Wilhelm, Zoolog und Embryolog, geb. 31. Dez. 1840 zu St. Petersburg, studierte in Dorpat 1860–66, promovierte 1866 in Tübingen, wo er 6 Jahre lang privatisierte, siedelte 1872 nach Straßburg i.Els. über, wurde daselbst Assistent am Zoologischen Institut der Universität und habilitierte sich daselbst. 1877 wurde er zum außerord. Professor, 1880 zum Direktor des städtischen Museums ernannt. 1882 folgte er einem Ruf als ord. Professor der Zoologie nach Rostock, 1886 in gleicher Eigenschaft nach Straßburg. G. schrieb außer zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften folgende selbständige Werke: «Die Entwicklungsgeschichte der Unke» (Lpz. 1875), «Über Entwicklung und Regeneration des Gliedmaßenskeletts der Molche» (ebd. 1879), «Abhandlungen zur Entwicklungsgeschichte» (Heft 1–5, Hamb. 1882 u. 1890), «Über den Ursprung des Todes» (ebd. 1883), «Tierkunde» (Straßb. 1890).

Goffer, s. Taschenratte.

Goffo (ital.), Tölpel, Tolpatsch, eine komische Figur des ital. Theaters.

Gofrieren, s. Gaufrieren.

Gogeln (Gugeln, Kogeln), die spitzen Schnäbel der Schuhe, die im Mittelalter beliebt waren.

Gogerichte, s. Gograf.

Göggingen in Bayern, Markt im Bezirksamt Augsburg des bayr. Reg.-Bez. Schwaben, an der Einmündung der Singold in die Wertach, südwestlich dicht vor Augsburg liegend, mit dem es durch Straßen- und Pferdebahn verbunden ist, hat (1890) 3606 E., darunter 507 Evangelische, Postexpedition, Telegraph, Fernsprechverbindung, viele Villen und Gärten Augsburger Bürger, einen Palmengarten mit Theater, eine berühmte orthopäd. Heilanstalt mit Kurhaus, 6 Ziegeleien, die größte Zwirnerei und Nähfadenfabrik in Deutschland und 2 Brauereien.

Gögglinger Ried, s. Donauried.

Gogo, Ghagô oder Gagho, Land im westl. Sudan in Nordwestafrika, im Gebiete der Songhaý, östlich vom Niger, 17 Tagereisen unterhalb von Timbuktu. Die Hauptstadt G. im Reiche der Songhaý, durch Askia 1492 gegründet, schildern die arab. Geographen als die schönste Stadt des mohammed. Sudan. Jetzt ist sie ein Haufe von 300 bis 400 elenden Hütten mit einer verfallenden großen Moschee. Nur Mungo Park und H. Barth haben diesen Ort besucht.

Gogol (spr. gógolj), Nikolaj Wassiljewitsch, russ. Dichter, geb. 31. (19.) März 1809 in Sorotschinzy im Gouvernement Poltawa, ging 1828 nach Petersburg und wurde 1830 als Kanzlist bei einem Ministerium angestellt, nahm jedoch bald seinen Abschied und betrat die litterar. Laufbahn. 1830 erschien seine erste Erzählung u.d.T. «Bassawrjuk oder der Abend vor dem Johannisfest», 1831 ein Kapitel aus einem histor. Roman «Der Hetman». Er wurde nun mit Shukowskij, Puschkin und Pletnew, dem Kurator des Patriotischen Instituts, bekannt. Letzterer verschaffte ihm eine Stelle als Litteraturlehrer am Institut und Privatstunden. 1834 wurde er Adjunkt für mittlere Geschichte an der ↔ Petersburger Universität, nahm aber bereits 1835 seinen Abschied. 1831 erschien anonym der erste Teil seiner «Abende auf einem Meierhof bei Dikanjka», kleinruss. Erzählungen, die großen Erfolg hatten. Die Frucht seiner histor. Forschungen war der histor. Roman «Tarasj Buljba» (deutsch nach Viardot von Bode, Lpz. 1846). 1834 erschienen die «Arabesken» und die «Erzählungen von Mirgorod», meist romantisch gefärbte Novellen. Indessen kommt bereits seine realistische Richtung zum Durchbruch in den Schilderungen aus den kleinrussischen kleinbürgerlichen und Petersburger Beamtenkreisen («Altväterische Gutsbesitzer», «Wie Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch sich verzankten», «Der Newskij-Prospekt», «Die Nase», «Die Kalesche», «Der Mantel»). 1836 wurde mit ungeheuerm Erfolg «Der Revisor» in Petersburg aufgeführt, eine unbarmherzige Schilderung der Beamtenwirtschaft (neueste Ausg. von N. Tichonrawow, Mosk. 1886; deutsch von Viedert, Berl. 1854), die die Wut der gegeißelten Kreise erregte. Im Sommer 1836 ging G. ins Ausland und hielt sich größtenteils in Rom auf. 1837 begann er sein Hauptwerk die «Toten Seelen» (Tl. 1, 1842; deutsch von Löbenstein, Lpz. 1846), wozu ihn Puschkin angeregt hatte, fühlte sich aber, je weiter er kam, desto unbefriedigter. Die Erfolge des «Revisors» und der «Toten Seelen» steigerten sein Selbstbewußtsein ins Maßlose; er hielt sich für von Gott inspiriert, richtete tadelnde und ermahnende Briefe an seine Freunde und gab einen Teil dieser Korrespondenz als «Ausgewählte Stellen aus einer Korrespondenz mit Freunden» (1846) heraus. In seinen lichten Augenblicken arbeitete er an der Fortsetzung der «Toten Seelen», verbrannte aber dann das Geschriebene wieder. 1848 machte er eine Pilgerfahrt nach Jerusalem und kehrte nach Rußland zurück, um nicht wieder wegzugehen. Die letzten Jahre lebte er in Moskau, wo er 4. März (21. Febr.) 1852 starb. Die beste Ausgabe seiner Werke ist bisher die von P. Kulisch (6 Bde., davon 2 Bde. Briefe, Petersb. 1858). Eine neue kritische Ausgabe: «G.s Werke» (10.Ausg.), wird von Nik. Tichonrawow veranstaltet. Die beste Biographie G.s sind P. Kulischs «Aufzeichnungen über das Leben N. W. G., zusammengestellt aus den Erinnerungen seiner Freunde und seinen eigenen Briefen» (2 Bde., Petersb. 1856). Übersetzungen ins Deutsche finden sich in Wolfsohn, «Russisches Leben und Dichten » (ebd. 1851); Ascharin, «Russischer Novellenschatz» (in «Reclams Universalbibliothek» und in der «Kollektion Spemann»).

Gogolin, Dorf im Kreis Groß-Strehlitz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, 20 km im SO. von Oppeln, an der Linie Breslau-Oderberg der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 2893 meist kath. poln. E., Post, Telegraph, Gasanstalt, Kunststeinfabrik, in welcher aus Kalkasche und Cement Steinplatten verfertigt werden, sowie 30 sehr bedeutende Kalkbrennereien mit Rumfordschen Öfen und 2 Ringöfen. Die Gogolin-Goradzer Kali-Aktiengesellschaft hat eine Tagesproduktion von 400 t Stück- und 100 t Würfelkalk. Aus ihren Steinbrüchen werden täglich 1000 cbm Rohsteine mit Industriebahn nach den Brennereien geschafft.

Gogra, ind. Fluß, s. Ghagra.

Gograf. Den Centgerichten (s. Cent) entsprachen in Westfalen und Sachsen die Gogerichte. Der G., dem fränk. Centenarius entsprechend, hielt je über sechs Wochen sein Geding, welches die nicht mit

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 119.