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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gotter - Göttergeschick
genz und seinen Liebeswillen nach Analogie des endlichen Geisteslebens zu fassen, bat fast unüberwindliche Schwierigkeiten, die bei jeden: Versuche, G.s Eigenschaften näher zu bestimmen, zu Tage treten. Dennoch kann der Mensch davon nicht ablassen, sich das Wesen G.s auf solche Weise vorstellig zu machen, und findet ein Recht dazu in der Erkenntnis, daß der endliche Geist eben als Geist die Offenbarung des unendlichen ist. Vor allem das religiöse Bedürfnis verlangt einen lebendigen G., zu dem wir beten können, dem der Betende vertrauensvoll wie Ich und Du gegenübertritt. Leere Abstraktionen bringen dieses Bedürfnis niemals zum Schweigen. Die Spekulation muß das Recht dieses Bedürfnisses anerkennen, aber auch auf ihrem eigenen Rechte bestehen, die notwendige Bildlichkeit aller religiösen Vorstellungen nachzuweisen. Die Einheit unsers Geisteslebens aber fordert den Aufbau einer einheitlichen Weltanschauung, welche die natürliche (kausale) und die religiös-sittliche (teleologische) Weltbetrachtung versöhnt, indem sie den unendlichen Geist als den höchsten Einheitsgrund der natürlichen und der sittlichen Welt, zugleich aber als den erst in letzterer sich voll offenbarenden zwecksetzenden Willen auffassen lehrt.
Die neuerdings von der Ritschlschen Schule erhobene Forderung, den ganzen Inhalt des Gottesbegriffs auf den Gedanken des zwecksetzenden Willens zu beschränken, den Inhalt desselben aber lediglich der geschichtlichen Offenbarung im Christentum zu entnehmen und alle metaphysischen Untersuchungen über den Begriff des "unendlichen Geistes" und des ewigen Daseinsgrundes von Natur und Geist beiseite zu stellen, bedeutet keine Lösung der dem menschlichen Denken sich von alters her aufnötigenden Probleme.
Gotter, Friedr. Wilh., Dichter, geb. 3. Sept. 1746 in Gotha, versuchte sich schon als Knabe in kleinen dramat. Stücken in franz. Sprache. In Göttingen, wo er 1763-66 die Rechte studierte, stiftete er, durch den Schauspieler Elhof angeregt, ein Gesellschaftstheater. 1766 wurde er Archivar zu Gotha; 1767 ging er als Legationssekretär nach Wetzlar. Im nächsten Jahre begleitete er zwei junge Edelleute auf die Universität zu Göttingen, wo er mit Boie den "Musenalmanach" begründete, kehrte aber 1769 nach Gotha und 1770 aus seinen Posten nach Wetzlar zurück. 1771 wurde er in Gotha bei der Geheimen Kanzlei (seit 1782 Geh. Sekretär) angestellt, lernte 1774 bei einer Erholungsreise nach Lyon das franz. Theater näher kennen und widmete sich nun hauptsächlich seinen dramat. Arbeiten. Er starb 18. März 1797 zu Gotha. Besonders waren es die franz. Dichtungen, deren Glätte in Form und Vers G. zu erreichen strebte, daher auch seine Vorliebe für den Alexandriner. Er versuchte sich in allen Gattungen der dramat. Kunst und hatte vermöge seiner genauen Kenntnis der Bühne, seiner großen formellen Gewandtheit und seiner breiten Bildung auf das Repertoire des deutschen Theaters seiner Zeit großen und in formeller Hinsicht günstigen Einfluß. Seine Episteln, Lieder, Erzählungen und Elegien zeichnen sich durch ihre schalkhafte Laune aus. Von ihm erschienen "Gedichte" (2 Bde., Gotha 1787-88), "Singspiele", Bd. 1 (Lpz. 1778), "Schauspiele" (ebd. 1795) und einzelne theatralische Arbeiten, meist Übersetzungen, unter denen das Monodrama "Medea" (1775) durch Bendas Musik (1778) am meisten bekannt wurde; nach seinem Tode ein dritter Band seiner "Gedichte", auch als "Nachlaß" (Gotha 1802). - Vgl. V. Litzmann, Schröder und G., eine Episode aus der deutschen Theatergeschichte (Hamb. u. Lpz. 1887): Schlösser, Zur Geschichte und Kritik von G.s Merope (Lpz. 1890).
Gotter, Gustav Adolf, Graf, preuß. Staatsmann, geb. 26. März 1692 in Altenburg, stammte aus einer bürgerlichen Familie in Gotha. Er wurde 1716 goth. Legationssekretär in Wien und stieg schnell von Stufe zu Stufe, wozu besonders seine bestechenden gesellschaftlichen Eigenschaften beitrugen. G.s Haus war eins der glänzendsten und üppigsten in Wien; allerseits war der schöne, liebenswürdige, witzige und beredte Mann beliebt und gesucht; auch der Zar Peter II. von Rußland und Friedrich Wilhelm I. von Preußen umwarben ihn und zeichneten ihn trotz seiner grenzenlosen Verschwendung in jeder Weise aus. Er wurde vom Könige von Preußen zum Geh. Staatsrat mit 1000 Thlr. Gehalt ernannt, ohne daß er irgend eine Verpflichtung dafür einzugehen hatte; ebenso erhielt er eine reiche Präbende im Stift Halberstadt und selbst den Schwarzen Adlerorden. 1732 trat er in preuß. Dienste als bevollmächtigter Minister am Wiener Hofe. Doch 1736 zog sich G., der bei dem üppigen Leben seine Gesundheit untergraben hatte, auf seine Güter im Gothaischen zurück, wo er herrliche Bauten errichtete und dem GothaerHofe glänzende Feste veranstaltete. Der junge König Friedrich II. berief ihn als Oberhofmarschall nach Berlin, während Kaiser Karl VI. ihn in den Reichsgrafenstand erhob. G. ward in außerordentlicher Mission nach Wien gesandt, um hier für die preuß. Ansprüche auf Schlesien einzutreten. Einige Jahre später wurde er Generaldirektor der königl. Oper zu Berlin, 1753 Minister des Generaldirektoriums und Oberpostmeister, während des Siebenjährigen Krieges vermittelte er die Beziehungen zwischen Friedrich d. Gr. und der vom Könige hochgeschätzten, geistvollen Herzogin von Gotha, Luise Dorothea. G. starb 28. Mai 1762 in Berlin.
Götterbaum, Pflanzengattung, s. Ailanthus.
Götterdämmerung, s. Göttergeschick.
Götterduft, Göttergeruch, Beiname von Pflanzen der Familie Diosma. (s. d.).
Göttergeschick, Ragnarök, in der nordischen Mythologie der Jüngste Tag, an dem Götter und Menschen im Kampfe mit den bösen Mächten unterliegen und die Welt untergeht. Allerlei Vorzeichen künden es an: Baldr stirbt, ein langer und harter Winter tritt ein, unter den Menschen herrscht Mord, Treulosigkeit und Ehebruch. Endlich schlägt der Sturmriese Egdir die Harfe und der rote Hahn Fjalar weckt die Bewohner Walhallas. Heimdall stößt in sein Horn und ruft die Götter; Odin holt sich beim Haupte Mimirs Rat. Loli hat seine Fesseln gesprengt und zieht an der Seite der Midgardsschlange, welche die Erde mit Wasser überschüttet, gegen die Götter. Die Reifriesen kommen heran und Eurt führt die Feuerriesen zum Kampfe; an der Spitze seines Schwertes trägt er die Sonne. Auf der weiten Ebene Vigrid entbrennt die eigentliche Schlacht, in der fast alle Götter fallen. Der Himmel geht in Flammen auf und die Erde versinkt ins Meer. Nur Vidar und Vali haben den Kampf überlebt und unter ihrem Regiment steht die neuerschaffene Welt; ein neues goldenes Zeitalter bricht heran. Die Dichtung von dem G. geht wohl auf einen alten Naturmythus zurück; sie ist die Ver-^[folgende Seite]