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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grabow - Grabowski
centraler Anlage (Schönbornkapelle am Dom zu
Würzburg von C. Neumann u. a.), dieHeiligengräber
und die über ihnen errichteten Kirchen wurden mit
größter Pracht ausgestattet. Selbst das bürgerliche
G. zeigt reichen Aufwand an Figuren, meist alle-
gorischen Inhalts. Mit Vorliebe begann man aber
in Deutschland nach dem Dreißigjährigen Kriege
den Tod als Skelett auf den G. darzustellen, diesen
einen mehr düstern Charakter zu geben; so z. B.
an dem G. des Marschalls Moritz von Sachsen in
der Thomaskirche zu Straßburg. Mit dem Siege
des Klassicismus kamen die abgebrochenen Säulen,
die Urnen u. dgl. als Zeichen der G. in Aufnahme,
bei größern Anlagen tempelartige Aufbauten (Mau-
soleum Friedrich Wilhelms III. und der Königin
Luise zu Charlottenburg). Auf den neuern Fried-
höfen sieht man G. in fast allen Formen, entweder
freistehend als Sarkophage, Stelen, oder an eine
Wand gelehnt als Epitaphien, kleinere und größere
tempelartige Bauten. Als Schmuck derselben gelten
Embleme, Inschriften, plastische Darstellungen der
Verstorbenen, welche letztern namentlich in Italien
oft in realistischer Weise durchgeführt werden.
Grabow, Fluß im preuß. Reg.-Bez. Köslin,
mündet nach einem Lauf von 122 km unterhalb
Nügenwalde links in die Wipp er, 1 km vor deren
Mündung in die Ostsee.
Grabow. 1)G. an der Oder, Stadt im Kreis
Randow des preuß. Reg.-Vez. Stettin, links an der
Oder, im (H. und W. an Stettin anstoßend, im N.
nur durch den Mühlenbach von Bredow getrennt,
hat (1890) 15 703 (7730männl., 7973 weibl.) E.,
darunter 425 Katholiken und 64 Israeliten, Post
zweiter Klasse, Telegraph, neue Friedenskirche (1890),
eine königl. Navigationsschule, höhere Knaben- und
Mädchenschule: Eisengießerei, Maschinenfabrik, 2
Schiffswerften, 3 Dampfschneidemühlen, mehrere
Kunst- und Handelsgärtnereien, eine Brauerei,
eine Blockmacherei und mehrere Neeperwerkstätten.
G., schon 1234 urkundlich erwähnt, war bis 1847
Dorf, dann Flecken und ist seit 1855 Stadt. -
2) G. in Mecklenburg, Hauptstadt des Doma-
nialamtes Grabow-Eldena (337,50 hkm, 11461 E.)
im Herzogtum Mecklenburg des Großherzogtums
Mecklenburg-Schwerin, 401cm südöstlich von Schwe-
rin, an der zur Elbe gehenden Elde und an der
Linie Berlin-Wittenberge-Hamburg der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz des Domanialamtes, eines
Amtsgerichts (Landgericht Schwerin) und einer
Chaussee- und Flußbauinspektion, hat (1890) 4521E.,
darunter 19 Israeliten, Post zweiter Klasse, Tele-
graph, Pfarrkirche, Synagoge, Gasanstalt; ein Real-
progymnasium, Filialen der Mecklenburgischen Hy-
potheken- und Wechselbank, der Mecklenburgischen
Bank und Lebensversicherung^- und Sparbank zu
Schwerin; ferner eine chem. und Teerprodukten-
fabrik, Dampfmühle, Lohgerberei, Brauerei, Leisten-
fabrik, 3 Dampfsägemühlen und Kornhandel. G.
ist 1220 von den Grafen zu Dannenberg gestiftet,
gehörte 1293-1320 den Markgrafen von Branden-
burg, wurde dann vom FürstenHeinrich von Mecklen-
burg erworben und war 1669-1720 Residenz einer
jüngern fürstl. Linie. - 3) G. inPosen, Stadt im
Kreis Schildberg des preuß. Reg.-Bez. Posen, an
der Prosna, nahe der russ. Grenze, hat (1890)
1708 E., darunter 199 Evangelische und 126 Israe-
liten, Post, Fernsprechverbindung: Kloster-, früher
Franziskanerkirche, kath. Pfarrkirche, evang. Kirche
(1887)- Molkerei, Kram-, Vieh- und Pferdemarkte.
Grabow, Wilh., preuß. Politiker, geb. 15. April
1802 zu Prenzlau, studierte seit 1821 in Berlin die
Rechte, trat dann in den praktischen Iustizdienst und
wurde bald zum Justiz- und Stadtgerichtsrat er-
nannt. 1836 ward er Hofgerichtsrat und Nniversi-
tätsrichter in Greifswald, 1838 zum Oberbürger-
meister von Prenzlau gewählt. 1841-47 war er
Abgeordneter der märkischen Kreis- und Provinzial-
landtage. Dem Vereinigten Landtage von 1847
gehörte G. als Mitglied der Zweiten Kurie an. Für
Prenzlau in die Nationalversammlung von 1848
gewählt, hielt er sich mit den Altkonstitutionellen
zum rechten Centrum und wurde an Mildes Stelle
nach dessen übertritt in das Ministerium erster Präsi-
dent des Hauses, legte aber im Oktober, als die
Linke durch den Gang der Ereignisse in den Vorder-
grund gelangte, den Vorsitz und bald darauf auch
sein Mandat nieder. Er trat im Frühjahr 1849 in
die auf Grund der oktroyierten Verfassung vom
5. Dez. 1848 gewählte Zweite Kammer, deren Prä-
sidium ihm zuteil wurde. Als aber dieselbe 27. April
aufgelöst, ein neues Wahlgesetz oktroyiert und die
Kreis- und Provinziallandtage wiederhergestellt
wurden, protestierte er dagegen. Die Regierung
verweigerte hierauf 1850 die Bestätigung der Wahl
G.s zum Oberbürgermeister von Magdeburg und
später seiner Berufung als lebenslänglicher Ober-
bürgermeister von Prenzlau und ließ nur feine
Neuwahl auf 12 Jahre bestehen. 1850-61 war er
Vicepräsident des Abgeordnetenhauses; in der neu-
gewählten Kammer von 1862 wurde feine Thätig-
keit für eine Annäherung der verschiedenen liberalen
Fraktionen durch seine mit größter Mehrheit voll-
zogene Wahl zum Präsidenten des Abgeordneten-
hauses anerkannt. Auch bei dem Wiederzusammen-
tritt des Landtags 19. Mai 1862 gelangte G. aufs
neue zum Präsidium, und es vollzog sich zugleich
die engste Verbindung der liberalen Elemente, indem
die bisherige Fraktion G. sich auflöste. Auch auf
den 14. Jan. und 9. Nov. 1863 fowie 14. Jan. 1865
zusammengetretenen Landtagen war er Präsident
und trat in dem Verfassungsstreite der Bismarckschen
Politik scharf entgegen. Später zog er sich vom polit.
Leben zurück und starb 15. April 1874 in Prenzlau,
wo ihm 1875 ein Denkmal errichtet wurde.
Grabower Bodden, s. Bodden.
Grabowski, Michael, poln. Schriftsteller, geb.
1805 im Gouvernement Kiew, empfing seine Bil-
dung in Human, nahm Ende der zwanziger Jahre
in Warschau an den Kämpfen der Romantiker gegen
den Klafsicismus teil und lebte dann meist in der
Ukraine. 1860 zum Generaldirektor des Kultus und
Unterrichts im Königreich Polen ernannt, starb er
18. Nov. 1863 in Warschau. G. war seiner Zeit
der bedeutendste poln. Kritiker; seine Arbeiten er-
schienen namentlich in der poln. "Petersburger
Wochenschrift" und gesondert in "Literatur und
Kritik" (3 Bde., Wilna 1837-40) und "Litterarische
Korrespondenz" (1842 fg.). Seine Romane, meist
aus der ukrain. Geschichte, veröffentlichte er zuerst
unter dem Pseudonym Eduard Tarsza: "Kolisx-
c?v2NH i 8top^" (Wilna 1838), "ZtNunica HulHj-
poiLka" (5 Bde., ebd. 1841), "Der Schneesturm in der
Steppe" (Petersb. 1862) u. a. Ferner veröffentlichte
er: "Ukram. Melodien" (1828), "Heimische Denk-
mäler" (Warsch. 1845), "Die alte und die neue
Ukraine" (Kiew 1850) und gab heraus mit Graf
Przezdziecki "Materialien zur Geschichte Polens"
(2 Bde., Wilna 1843-44).
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