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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grasseyieren - Graßmann
(2 Bde., Dresd. 1842) und gab die "I^enä^ ^urea"
des Iacobus a Voragine (ebd. 1846) herails. Dem
Gebiete der Eagentunde gehören an die Unter-
suckungen über "Die Sage vom Ewigen Inden"
(ebd. 1844) und "Die Sage vom Ritter Tann-
Häuser" (ebd. 1846; 2. Aufl. u. d. T.: "Der Tann-
häuser und Ewige Jude", 1860), sowie die "Bei-
träge zur Litteratur und Sage des Mittclalters"
(ebd. 1850). Diesen reihten sich an der "Sagen-
schatz des Königreichs Sachsen" (ebd. 1854-55;
2. Aufl., 2 Bde., 1874), die mit Asbjörnscn ver-
anstaltete Märchensammlung "Nord und Süd"
(ebd. 1858), sein "Sagenbuch des preuß. Staates"
(2 Bde., Glog. 1868-71), "Geschlechts-, Namen-
und Wappensagcn des Adels deutscher Nation"
(Dresd. 1876), "Bierstudicn" (ebd. 1872), "Iäger-
brevier" (1. Aufl. anonym, ebd. 1857; 2. Aufl.,
Wien 1869) und als Fortsetzung "Iägerhörnlein"
(anonym, Dresd. 1861), "Hubertusb rüder" (2. Aufl.;
2. Tl. des "Iägerbrevier", Wien 1875; neue Ausg.
beider Teile in'i Bd., Verl. 1885) und "Des deut-
schen Landmanns Praktika" (Dresd. 1858). Außer-
dem veröffentlichte G. ein "Handbuch der alten
Numismatik" (Lpz. 1858), "Beiträge zur Geschichte
der Gefäßbildnerei, Porzellanfabrikation u. s. w."
(Dresd. 1853), "(^uiäo äs i'ainiitLui' ä" porce-
1lNQ63 6t ä6 M61-168" (ebd. 1864; 7. Aufl. 1885),
"(^uiäö cl6 i'amatLui' cl'ol^Ltg ä'llit 0t äe curio-
8it6" (ebd. 1872; 2. Aufl. 1877), "Beschreibender
Katalog des Grünen Gewölbes" (ebd. 1872; 4. Aufl.
1881); "Beschreibender Katalog der königl. Por-
zellan- und Gefäßfammlung" (ebd. 1874), "0rdi3
iatinuZ" (lateinische geogr. Namen; ebd. 1361),
"Sachs,<ms Fürsten aus dem Hause Wettin" (ebd.
1876), "Unsere Vor- und Taufnameu" (ebd. 1875).
Seit 1878 veröffentlichte G. eine "Zeitschrift für
Mufcologie".
Grasseyieren (frz., spr. grassäj-), den R-Laut
ohne Zitterbclveguug der Zunge, als Gaumen- oder
Kehllaut sprechen.
Grafsi, Angela, span. Schriftstellerin, geb.
2. April 1826 zu Crema in Italien, stammt von
ital. Eltern, die aber bald nach Barcelona übersiedel-
ten. Mit 15 Jahren schrieb sie das Drama "Oimou
^ e^i^cion", das in Barcelona zur Aufführung
tam, und dem bald eine Reihe Komödien folgte, wie
"^.IN01' ^ 01'^VlIIO", "1^03 uItiM08 äil13 ä6 UN 1'6illH(l0"
u. s. w. Ihre Hauptstärke liegt jedoch auf dem Ge-
biete des Romans und der Novelle. Beliebt sind
"IiiHU6?a8 ä^i alma", "I^ü Fota. äo ir^all", "1.08 hu"
H0 3i6indi-^n, U0 co^'ou", "L1 capit^i äs Ia virtuä"
und "^ÜHi'iua. Xarracion ui8tüi'ic^" (Madr. 1877).
Sie leitet feit 1868 den "^oi-reo de 1a. moäa".
Grassi, Anton, Bildhauer, geb. 1755 zu Wien,
war ein Schüler der dortigen Akademie und I. W.
Beyers, wurde dann Modellmeister an der kaiferl.
Porzellanfabrik, als welcher er eine bedeutungsvolle
Thätigkeit entfaltete. 1792 besuchte er Italien, wo
die Meisterwerke Canovas ihn in seiner antikisieren-
den Richtung bestärkten. Seit 1794 war er Direktor
der Wiener Akademie und starb 31. Dez. 1807 in
Wien. G. fertigte zahllose anmntige Modelle zu
den ft'rr die Wiener Porzcllanfabrik eigentümlichen
weiften Biskuits; fo die Gruppe des Paris-Urteils,
die Grazien u. s. w. Viele seiner Modelle besitzt das
österreichische Museum für Kunst und Industrie in
Wien, darunter die Verkleinerungen der Niobiden.
Ferner sind zu erwähnen seine Büsten Eanovas,
Kaiser Josephs II., Franz'II., des Erzherzogs Karl.
G.s Schöpfungen gehören dem libergang des zier-
lichen Stils Ludwigs XVI. zum strengern Klassi-
cismus an.
Sein Bruder Joseph G., Maler, geb. 22. April
1757 zu Wien, war Schüler der Akademie daselbst,
wurde 1799 als Professor an die Akademie nach
Dresden berufen, hatte 1816 - 2l die Leitung der
Kunstpcnsionäre des fächs. Hofs in Rom und starb
7. Jan. 1838 in Dresden. Seine Bildnisse sind
natürlich in der Auffassung, nicht ohne Anmut und
zart in der Ausführung. Zu nennen sind: Friedrich
Wilhelm III. von Preuften, Königin Luise von
Preußen (königl. Schloft zu Berlin), Selbstbildnis,
Bildnis seines Bruders Anton (Wien, Akademie).
Die Dresdener Galerie besitzt von ihm Johannes
den Täufer und den Apostel Petrus.
Grassieren (lat.), um sich greifen, sich verbreiten
(von Epidemien); als Substantiv Grassation.
Grassittiche (NnpnemI.), Gattung der Papa-
geien (s. d.) mit schwach abgerundetem, stark geboge-
nem Schnabel, stufigem Schwänze, großen runden
Nasenlöchern, schwacher Wachshaut, befiederten Zü-
geln und Augenkreifen. Grün mit blau, gelb oder rot
gezeichnete, selten größer als Finken werdende Papa-
geien, die sich von Grassamen u. s. w. ernähren und
in 7 Arten Australien und Tasmanien bewohnen.
Der rotschultcrige Grassittich oder Schön-
sittich (NnpIiLmk Micnoillr H7imli, s. Tafel: Papa-
geien III, Fig. 4) ist grün mit himmelblauer Maske
und Flügeldeckfedern und braunem Schulterfleck. Ve-
wobnt das östl. Australien.
Graßmantt5.^ermann,Mathematikerund Orien-
talist, geb. 15. April 1809 zu Stettin, studierte 1827
-30 in Berlin Theologie und Philologie, später
Mathematik. Er wurde 1834 Lehrer der Mathematik
an der Berliner Gewerbeschule, 1836 an der Otto-
schule zu Stettin, 1843 an derFricdrich-Wilhelms-
schule und 1852 am Marienstifts-Gymnasium da-
selbst. Er starb 26. Sept. 1877 in Stettin. Seine
Hauptwerke auf dem Gebiete der Mathematik find:
"Die Wissenschaft der extensiven Größe oder die
Ausdehnungslehre" (Tl. 1 u. d. T.: "Die lineare
Ausdehnungslehre", Lpz. 1844; 2. Aufl. 1878),
"Die Ausdehnungslehre, vollständig und in strenger
Form bearbeitet" (Berl. 1862) und das "Lehrbuch
der Mathematik" (2 Bde., ebd. 1861-65). Als er
bereits das fünfzigste Lebensjahr überschritten,
wandte er sich der vergleichenden Sprachwissenschast
und dem Sanskrit zu, um auf diesen Gebieten bald
einen Platz unter den ersten seiner Zeit einzunehmen.
Unter den verschiedenen Abhandlungen über sprach-
wissenschaftliche Gegenstände, welche er in Kuhns
"Zeitschrift für vergleichende Sprachforfchung" ver-
öffentlichte, ist von der größten Bedeutung die "Über
das ursprüngliche Vorhandensein von Wurzeln,
deren Anlaut und Auslaut eine Aspirate enthielt"
(Bd. 12,1863). Ein Denkmal erstaunlichen Fleißes
ist sein "Wörterbuch zmn Rigveda" (Lpz. 1875) und
seine Übersetzung des"Nigveda" (2 Bde., ebd. 1876-
77). - Vgl. Schlegel, Hermann G., sein Leben und
seine Werke (Lpz. 1878), und Aug. Müllers Nachruf
in Bezzenbergers "Beiträgen zur Kunde der indo-
gcrman. Sprachen" (Bd. 2, Gott. 1877).
Gratzmann, Robert, Bruder des vorigen, geb.
8. März 1815 in Stettin, studierte Theologie, Philo-
sopbie, Mathematik und Naturwissenschaften, war
1841 und 1848 Lehrer und ist seitdem Redacteur,
! Buchdrucker und Verlagsbuchhändler daselbst, ^eine
! litterar. Thätigkeit ist sehr vielseitig; Hauptwerke