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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gregor (von Tours) - Gregorovius
Dogmas. 375 mußte er den Arianern weichen,
kehrte aber 379 auf seinen bischöfl. Stuhl zurück,
betrieb 381 die Verurteilung der Arianer und starb
394. Gesamtausgabe seiner Werke von Morclli
(3 Bde., Par. 1638) und den Benediktinern (ebd.
1780); eine Auswahl (griechisch und deutsch) ver-
anstaltete Ahler (4 Bde., in der "Bibliothek der
Kirchenväter", Tl. 1-4, Lpz. 1858-59), deutsch von
Heyd (2 Bde., in der "Bibliothek der Kirchenväter",
Kempt. 1874-80). - Vgl. Rupp, G.s von Nyssa
Leben und Meinungen (Lpz. 1834); Böhringer, Die
Kirche Christi und ihre Zeugen, Bd. 8 (2. Aufl.,
Stuttg. 1876); ferner über G.s Lehrbegriff die
Einzelabhandlungen von E. G. Möller (Halle 1854),
Stigler (Negensb. 1857), Kleinheidt (Freib. i. Br.
1860), Hermann (Halle 1875), Vergades (Lpz. 1876)
und Hilt (Köln 1890).
Gregor vonTours, frank. Geschichtfchreiber,
geb. um 540 in der Auvergne, aus einem vornehmen
röm. Geschlecht, hieß eigentlich GeorgiusFloren-
tius, nannte sich dann aber nach seinem Ahnherrn,
dem heil. Bischof Gregor von Langres. Er wurde
573 Bischof von Tours und starb 17. Nov. 594.
Ausgezeichnet durch eine für feine Zeit bedeutende
Bildung, christl.-frommen Sinn, Milde und Festig-
keit des Charakters, stand er bei den frank. Königen
Siegbert, dem Gemahl Vrunhildes, bei Guntram
und Childebert ll. in hohem Anfehen und verteidigte
die Interessen feiner Kirche standhaft gegen Chil-
perich und Fredegunde. Sein Hauptwerk, die "His-
toria ^raucoi-uin", in 10 Büchern, ist die Zaupt-
quelle für die Geschichte der Merowinaer bis 591.
Der Wunderglaube spricht sich in den 8 Büchern von
den Nundnn der Märtyrer und Vekenner, beson-
ders des heil. Martin, aus. Ausgaben der Werke
von Ruinart (Par. 1699), in Mignes "I^trolo^",
Bd. 71, und von Arndt und Krusch in den "Nonu-
M6nt3. (^si'maniae tiiätorica. 8cript0l68 rernin
Nkrovin^icai'uin" (Vd.1,Tl.2,Hannov.1885). Die
"Geschichte der Franken" übersetzte W. Giesebreckt
(in den "Geschichtschreibern der deutschen Vorzeit",
2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1879). - Vgl. Loebell, G.
von Tours und, feine Zeit (Lpz. 1839; 2. Aufl.
1869)/, Monod, ^Wä63 criti(iu68 (in "LidliotkequE
(1e I'^cole ä68 Kaut63 6tuä68", 1872); Bonnet, 1^6
latin ä6 (^rkFoire äs ^ourg (Par. 1890).
Gregöras, Nicephorus, byzant. Gefchichtfchrei-
ber, geb. 1295 zu Heraklea, stieg zu hohen kirchlichen
Würden empor und wurde 1351 als Gegner des
"häretischen" Kaisers Johannes VI. Kantakuzenos
und des Patriarchen Kallistos nach dem Kloster
Chora verwiesen, wo er bis zum Sturze des Kaisers
(Ende 1354) bleiben mußte. Ein vielseitiger Schrift-
steller, dessen Werke zum Teil erst handschriftlich be-
kannt sind, ist er für die fpätere byzant. Geschichte
wichtig. Seine "L^anting. liiytoria" behandelt in
38 Büchern die Zeit von 1204 bis 1359 (hg. von
Schopen im "Oorpu" Zoriptornm Iiiätoi'. L)^im-
twas", 3 Bde., Bonn 1829-55). Auch sind Frag-
mente einer grammatischen Schrift, verfchiedene
Briefe, eine Schrift von der Konstruktion des Astro-
labiums auf einer ebenen Fläche und anderes be-
kannt. ^ ^Lebens.
Gregorianer, s. Brüder des gemeinsamen
Gregorianische Kirche, f. Armenische Kirche.
Gregorianischer Choral, s. Kirchenmusik.
Gregorianischer Kalender, s. Kalender.
Gregorianus, röm. Jurist aus der Zeit des
Diocleüan (284-305 n. Chr.) oder nach demselben,
verfaßte eine auf uns nicht vollständig gekommene
Zusammenstellung der Kaiscrgesetze von Kadrian
bis auf Diocletian (das jüngste von 295), den sog.
(^oclex dsi-6F0liaiiu8. Diese Sammlung wird in den
Rechtsquellen der Kaiserzeit oft citiert und liegt
auch dem Iustinianeischen Coder mit zu Grunde.
Gregorienthal, Santt, s. Münsterthal.
Gregorios V., Patriarch von Konstantinopel,
geb. 1745 zu Dimitzana, wurde 1784 Metropolit
in Smyrna und 1797 Patriarch von Konstanti-
nopel. Bald darauf, als die Franzofen die Tür-
kei bedrängten, geriet er in Verdacht, mit den
Landesfeinden im Bunde zu stehen, und wurde des-
halb 1799 nach dem Berge Athos verbannt. Auf
dem Athos widmete er sich mit großem Eifer wissen-
schaftlichen Studien und war auch nach feiner Zu-
rückverufung nach Konstantinopel (1806) um die
Förderung der Wissenschaften sehr bemüht. Noch
einmal (1808) abgesetzt, kam er 1819 zum drittenmal
als Patriarch zurück. Als die Griechen sich für ihre
Unabhängigkeit erhoben, kam G. in den Verdacht,
ihre Bestrebungen zu unterstützen, und wurde am
Osterfeste, 22. April 1821, in vollem Ornat am
Hauptportal der Kirche des Patriarchats gehängt.
- Vgl. Papadopulos und Angelopulos, 'I" x^a
17 (2 Bde., Athen 1865-66).
Gregorios Thaumaturgos (d. h Wunder-
thäter), griech. Kirchenlehrer, ursprünglich Theo-
dorus, geb.zuNeocäsareaimPontus; 231 für das
Christentum gewonnen, war er acht Jahre lang im
palästinensischen Cäsarea Schüler des Origencs,
wurde 244 Bischof in Neocäsarea und wirkte eifrig
für Ausbreitung des Christentums im Pontus. Er
starb um 270 und erhielt später den Namen des
"Wunderthäters". Seine Schriften, darunter eine
Lobrede auf Origenes, eine Paraphrase des Pre-
digers Salomo und eine kanonifche Epistel über
Kirchenzucht, gab griechisch und lateinisch G. Vossius
heraus (Mainz 1604); eine vollständige Ausgabe
erschien zu Paris 1621-22. - Vgl. Ryssel, G. T.,
Leben und seine Schriften (Lpz. 1880).
Gregoriusfeft, Kinder- und Schulsest zu Ehren
und am Gedächtnistag (12. März) Gregors I. d.Gr.,
des Patrons der Schuljugend. Papst Gregor IV.
soll es um 830 eingeführt haben, doch ist es wahr-
scheinlich jünger. - Vgl. Mücke, Über den Ursprung
des G. (Lpz. 1797); Reinsberg-Düringsfeld, Das
festliche Jahr (ebd. 1863).
Gregorovius, Ferd., Geschichtschreiber, geb.
19. Jan. 1821 zu Neidenburg in Ostpreußen, stu-
dierte in Königsberg Theologie und Philosophie,
wandte sich aber dann der Litteratur und Geschichte
zu. Im Frühjahr 1852 ging G. nach Rom, seinen
Weg über Corsica nehmend, durchwanderte im Laufe
der nächsten Jahre Italien und legte seine Studien
undBeobachtungcnnach und nach in der Sammlung
feiner "Nanderjahre in Italien" (5 Bde., Lpz. 1857
-77: teilweise schon in 7. Aufl. erschienen) nieder.
Für die Darstellung dieses reichen Stoffs erschuf sich
G. eine neue eigenartige Form und Behandlungs-
weise. Die Landschaft hat G. zuerst mit der ge-
schichtlichen Figurenwelt harmonisch durchdrungen.
1880 unternahm er eine Reise nach Griechenland,
1882 nach Ägypten, Syrien und Konstantinopel.
Seitdem lebte er abwechselnd in Rom und in
München, wo er auch für die beiden dortigen Aka-
demien der Wissenfchaften thätig war. Er starb
1. Mai 1891 in München.