Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

330

Griechenland (Geschichte 146 v. Chr. bis 1503 n. Chr.)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Griechenland (Geschichte)'

bracht hatten, jedoch erst, als Kaiser Heraklius (seit 610) mit Avaren und Persern in langen Kriegen lag. Sie setzten sich in Dalmatien, Dardanien, Illyrien und Mösien fest, und wahrscheinlich sind slaw. Scharen in dieser und der folgenden Zeit auch schon schrittweise südwärts bis nach dem innern Peloponnes gezogen. Der Druck, der sie südwärts schob, erhöhte sich, als die in langsamer Slawisierung begriffenen Bulgaren endlich 679 in der noch heute nach ihnen benannten Landschaft ein Reich bildeten, von dem aus sie sich südlich und südwestlich immer weiter auszubreiten versuchten.

Noch aber behaupteten die Hellenen in G. ihr Übergewicht, zumal die Not der Zeit sie sehr oft zwang, auf Grund ihrer alten municipalen Selbstverwaltung nun auch im Kriege sich selbst zu helfen. Von seiten der byzant. Regierung kam zu Hilfe die seit Heraklius eingeleitete, wahrscheinlich unter Leo III. (seit 718) vollendete Gliederung des Reichs in Themen oder kleinere, militärisch organisierte, von Strategen verwaltete Militärgouvernements, von denen G. fünf, die Themen Peloponnes, Hellas, Nikopolis, Agäisches Meer und Samos umfaßte. (S. die Karte: Byzantinisches Reich u. s. w., Bd. 3, S. 814.) Die noch vorhandene Kraft der Hellenen zeigte sich 727 bei dem Aufstand gegen den «Bilderstürmer» Kaiser Leo III. Allein das verwegene Unternehmen, durch einen Seezug nach Konstantinopel diesen Kaiser zu stürzen, endigte mit einer schimpflichen Niederlage. Weit mehr jedoch als durch diesen Fehlschlag wurde die beste Kraft der Hellenen durch die furchtbare Pest gebrochen, die 746–747 in G. wütete. Noch war diese nicht vorüber, als sich die Einfälle der Slawen erneuerten, die, von den Bulgaren gedrängt, jetzt ungehindert ganz G. überfluteten, den Isthmus in Masse überschritten und sich in mehrern Teilen des Peloponnes, namentlich in Arkadien und Elis, im nördl. Messenien, in Lakonien und auf dem Taygetos, festsetzten. In dieser Zeit entstanden neben den griech. Stadtgemeinden in dem offenen Lande sehr zahlreiche slaw. Gemeinwesen, die sich unter eigentümlicher Stammverfassung nach und nach zu besondern Zupanien verbanden, allmählich zwar in friedlichem Verkehr von griech. Sitte, Art und Sprache viel annahmen, dann aber, bei weiterer Ausbreitung ihrer Niederlassungen und ihrer Macht, zu den griech. Städten und zu der byzant. Regierung in ein feindliches Verhältnis traten. Erst nach hartnäckigem Kampfe wurden sie von den Byzantinern unterworfen und später für das Christentum gewonnen. Eine höchst gefährliche Erhebung der Slawen fand zu Anfang des 9. Jahrh. statt; ihre Niederlage vor Paträ (805 oder 807) bezeichnet den Punkt ihres beginnenden Niedergangs, und um die Mitte des 9. Jahrh. wurden durch Theoktistos Bryennios sämtliche Slawen bis auf die zwei Stämme der Milinger und Ezeriten am Taygetos (Pentedaktylos), die sich nur zu Tributzahlung verstanden, unterworfen. Noch einmal kam es 941 zu Händeln mit den Milingern und Ezeriten; seitdem verschmolzen die Slawen mit der griech. Bevölkerung zu einem «romäischen» Ganzen.

Diese Vereinigung war aber für G. selbst von großem Nutzen. Eine große Lebendigkeit in den verschiedenen Zweigen wirtschaftlicher Betriebsamkeit erzeugte bald, namentlich in den Seestädten des Peloponnes, einen ansehnlichen Wohlstand. Für zweckmäßige Verteidigungsanstalten der Romäer auf dem Festlande und für deren Seetüchtigkeit ↔ zeugen mißlungene Versuche der Saracenen, sich daselbst festzusetzen. 825 hatten sie zwar Kreta genommen, sich dann aber unter Kaiser Basilius I. vergeblich gegen die Insel Euböa versucht; als sie 881 mehrere Punkte des Peloponnes, Patras, Korinth und Methone bedrohten, wurden sie auch hier mit bedeutendem Verlust zurückgeschlagen. Dann aber kam eine Zeit, in der sie die Inseln, 896 auch Demetrias in Thessalien, 900 Lemnos und 904 Thessalonich ausraubten. Ihre Macht sank seit 924 nach einer Niederlage bei Lemnos, und 961 verloren sie in großen Kriegen endlich wieder Kreta. Dagegen erreichte im 10. Jahrh. der Bulgarensturm, der seit langer Zeit schon Macedonien und Thrazien beunruhigt hatte, auch G. Schon 978, und zum zweitenmal 996, drangen die Bulgaren verwüstend in Thessalien ein, überschritten den Peneios und durchzogen Böotien und Attika. Beim Rückzuge erlitten sie jedoch am Spercheios eine vollständige Niederlage, worauf Thessalien von ihnen befreit und ihr Reich von dem gewaltigen Kaiser Basilius II. (976–1025) unterworfen wurde.

Sehr hart wurde G. durch die Heerfahrten der apulischen und sicil. Normannen betroffen. Unter dem Vorwand, dem vertriebenen Kaiser Michael VII. (Parapinakes) wieder zum Throne zu verhelfen, erschien Robert Guiscard 1081 mit Heeresmacht an der Küste von Epirus, besetzte einige Inseln, eroberte die wichtigsten Küstenstädte Aulon und (1082) Dyrrhachium und drang von hier aus in das Binnenland ein. Als er durch die Verhältnisse in Italien zur Rückkehr genötigt war, setzte sein Sohn Bohemund die Eroberungen fort, bis er endlich nach einem unglücklichen Angriff auf Larissa durch Kaiser Alexios I. Komnenos im Juni 1084 zum Rückzug genötigt wurde, was den Verlust sämtlicher Eroberungen zur Folge hatte. Bei einer zweiten Heerfahrt im Herbst desselben Jahres gewannen die Normannen zwar nochmals Kerkyra, Aulon und Buthrotum; allein infolge des plötzlichen Todes Guiscards mußten sie ihre sämtlichen Eroberungen wieder aufgeben. Der Heerzug, den Bohemund 1107 als Fürst von Tarent unternahm, scheiterte gänzlich. Sehr verderblich für G. wurde dagegen 1147 der Raubzug einer Flotte des Königs Roger II. von Sicilien. Von Kerkyra aus umsegelte sie die Küsten des Peloponnes, eroberte und plünderte Korinth, den Sitz des Statthalters des Peloponnes, und die reiche Handelsstadt Theben. Jedoch scheint sich das Land von diesem Schlage schnell wieder erholt zu haben. Man kann annehmen, daß G. in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. zu den wohlhabendsten Teilen des Byzantinischen Reichs gehörte, und daß es im Fortschreiten der Bildung mit Italien gleichen Schritt gehalten hätte, wenn nicht der vierte Kreuzzug im 13. Jahrh. eine ungeheure Kalamität über das Land gebracht hätte.

Nach der Eroberung von Konstantinopel 1204 durch die Lateiner wurde nämlich das Byzantinische Reich in eine Anzahl kleiner Reiche und Herrschaften zerrissen, von denen das bedeutendste auf griech. Boden das Königreich Thessalonich des Markgrafen Bonifacius II. von Montferrat war. Bonifacius schlug an den Thermopylen das griech. Heer des peloponnes. Machthabers von Nauplia und Korinth, Leon Sguros, und zog fast ohne Schwertstreich in Theben und Athen ein. Sein Plan, auch in Morea, wie seit dem Anfang des 13. Jahrh, der Peloponnes genannt wurde, Eroberungen zu machen, scheiterte

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 331.