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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gris Coupier - Grisette
aus weißem und schwarzem oder dunkclm Garn
seingitterig gewebte Seidenstoffe.
(3-ris voupisr (frz.,spr. grikuplch), s. Induline.
<?^"Feb., bei botan. Bezeichnungen Abkürzung
für Aug. Heinr. Nud. Grisebacb (s. d.).
Grifebach, Aug. Heinr. Nud., Naturforscher
und Reisender, geb. 17. April 1814 zu Hannover,
widmete sich zu Göttingen und Berlin neben mediz.
Studien mit besonderer Vorliebe der Botanik. Nach-
dem er sich 1837 zu Göttingen als Privatdocent
habilitiert hatte, unternahm er 1839 eine wissen-
schaftliche Neise durch die Türkei, 1842 nach Nor-
wcgcn und 1850 in die Pyrenäen. 1841 wurde er
zum außerord. und 1847 zum ord. Professor an der
Universität ernannt. 1875 erhielt er die Direktion des
Botanischen Gartens in Göttingen, wo er 9.Ä)iai 1879
starb. Als Ergebnisse seiner Reisen und Studien sind
außer der "Reise durch Rumelien und nach Vrussa"
(2 Bde., Gott. 1841) und zahlreichen, besonders
pflanzengeogr. Abhandlungen zu nennen: "(^6u6ra
el 3pLoie3 (^ntiaiiLai'mii" (Stuttg. 1839), "8pici-
legiuin iioi'Ie Ilumolicas" (2 Bde., Vraunschw.
1843-45), "Über die Bildung des Torfs in den
Emsmoorcn" (Gott. 1846), "Die Vcgetationslinien
des nordwestl. Deutschland" (ebd. 1847), "Die geogr.
Verbreitung der Hieracien" (ebd. 1852), "Systema-
lische Vemerkuugen über die Pftanzensammlungen
Philipps und Lechlers im südl. Chile und an der
Magellansstraße" (ebd. 1854), "Systematifche
Untersuchungen über die Vegetation der Karaibcn"
(ebd. 1857), "Erläuterungen ausgewählter Pflanzen
des tropischen Amerika" (ebd. 1860), "I^iora. ol
Vritiäii ^VkLtinäiHn I3ianä8" (2 Bde., Lond. 1859
-64), "Die geogr. Verbreitung der Pflanzen West-
indiens" (Gott. 1865), "(^tlUoZU3 plcintarum l^u-
dcn3ium" (Lpz. 1866), "Die Vegetation der Erde
nach ihrer klimatischen Anordnung') (2 Bde., ebd.
1872; 2. Aufl. 1884), "I^ntas I^i-eiitöianae, Be-
arbeitung argentin. Pflanzen" (Gott. 1874). Zum
Gebrauch für akademische Vorlesungen verfaßte er
einen "Grundriß der systematischen Botanik" (ebd.
1854). G. gab schätzbare "Berichte" (11 Hefte, Verl.
1845-53; fortgesetzt in Vehms "Geogr. Jahrbuch",
Bd. 1-6, Gotha 1866-76) über die Fortschritte der
Pflanzenaeographic und botan. Systematik heraus.
Auch bearbeitete er den Abschnitt über Pstanzcn-
gcographie in der von Bruhus herausgegebenen Bio-
graphie A. von Humboldts (3 Bde., Lpz. 1872), die
Pflanzengeographie und Botanik in der 1. Aufl. von
Neumayers "Anleitung zu wissenschaftlichen Beob-
achtungen auf Reifen" (Berl. 1875). Nach feinem Tode
erschienen "Gesammelte Abhandlungen und kleinere
Schriften zur Pflanzengeographie" (Lpz. 1880).
Grifebach, Eduard, Schriftstellerund Dichter,
Sohn des vorigen, geb. 9. Okt. 1845 in Göttingen,
studierte seit 1864 die 'Rechte in Leipzig, Berlin und
Göttingen, und trat in den preuß. Staatsdienst,
1872 in den Reichsdicnst. Zunächst der deutschen
Gesandtschaft in Rom, dann der in Konstantinopcl
beigegeben, wurde er 1875 Kanzler des deutschen
Konsulats in Smyrna und arbeitete seit 1876 in:
Auswärtigen Amt in Berlin. 1878 wurde er Vice-
lomul in Iassy, 1880 Konsul in Bukarest und
als solcher 1881 nach Petersburg, 1883 nach Mai-
land, 1886 nach Port-au-Prince auf Ha'iti versetzt.
Seit 1889 lebt er in Berlin. Von G.s anfänglich
anonym crfchienenen Dichtungen sind hervorzu-
beben "Der ncue Tanhäuser" (Berl. 1869; 17. Aufl.
1892) und "Tanhäuscr in Rom" (Wien 1875;
N^oswuö' Konversations-Lexilon. 14. Aufl. VIII.
7. Aufl., Berl. 1890), ferner seine litterarhistor.
Arbeiten "Die Wanderung der Novelle von der treu-
losen Witwe durch die Wcltlitteratur" (Wien 1873;
5. Aufl. als "Editio definitive, Berl. 1886; 2. ver-
mehrte Ausgabe der letztern, ebd. 1889), "Kin-Ku-
Ki-Kuan. Neue und alte Novellen der Chinesischen
1001 Nacht" (Stuttg. 1880), "Cbines. Novellen. Die
seltsame Geliebte. Das Iuwelentästchen" (deutsch
mit einer bibliogr. Notiz, Lpz. 1884); ferner: "Die
dcutfche Litteratur feit 1770. Lichtenberg. Herder.
Bürger. Die Parodie in Österreich. El. Brentano.
H.Heine"(Wien 1876; 4.Ausg., Bcrl. 1887), "Das
Goc-thesche Zeitalter der deutschen Dichtung. Mit
ungedruckten Briefen Wilhelm Hcinfes und Clemens
Brentanos" "Lpz. 1891), die Ausgaben von Lichten-
bergs "Gedanken und Marimen" (ebd. 1871), von
Vlumaucrs "Äneis" (ebd. 1872), W. Waiblingers
"Bildern aus Neapel" (ebd. 1879) und desselben
"Liedern des röm. Karnevals" (ebd. 1881), "Heinr.
von Kleists Werken" (2 Bde., ebd. 1884), "G. A.
Bürgers sämtlichen Gedichten" (2 Bde., Berl^1889)
und "Münchhausens wunderbaren Reisen" (stuttg.
1890; 292. Bd. der Collektion Spemann). Außerdem
veröffentlichte G.'. "Edita und Inedita Schopen-
haueriana" (Lp). 1883) und Arthur Schopenhauers
"Sämtliche Werke" und "Handschriftlicher Nachlaß"
(10 Bde., ebd. 1891 fg.).
Griseldis heißt die Heldin einer 1373 verfaßten
lat. Erzählung Petrarcas, die ihrerseits eine Nach-
bildung der letzten Novelle in Boccaccios "Dec^mo
rone" ist. AIs Tochter eines armen Landmanns
wird G. von dem Markgrafen Walther von Saluzzo
zur Gemahlin gewählt, der dann ihren Gehorsam
und ihre Demut auf Proben stellt, die in ihrer un-
begründeten übertriebenen Grausamkeit verletzend
wirken: er tötet scheinbar ihre Kinder, verstößt sie,
ja er läßt durch sie sein Haus zum Empfange der
neuen Braut fchmücken; jetzt erst erhebt er sie wieder
an seine Seite. Durch Übersetzungen ist die Petrar-
casche G. seit Ende des 15. Jahrh, in Deutschland,
Frankreich, den Niederlanden, Dänemark, Schweden
und Böhmen zum beliebten Volksbuch, ja zum Volks-
märchen geworden, und zahlreiche Dichter haben den
Stoff epifch und dramatisch behandelt: episch na-
mentlich Chaucer in seinen "(^nterdui'^ tal68" und
Charles Perrault in der Reimnovellc "I.a marciui80
äo 8a1n886 on la, Mtikucs äs (^." (Par. 1691); dra-
matisch uuter andern der Dichter des 1395 verfaßten
franz. "^1^3tei'6 äs (r.", Hans Sachs in der Komödie
"Die geduldig und gehorfam Markgräfin Griselda"
(1546), Th. Dekker, H. Chettlc- und W. Haughton
in ihrer gemeinsamen Arbeit "^k6 piea^ut coineä^
ot'Mtiknt 6i-i8i11" (Lond. s1603), Lope de Vega in
dem Drama "1^1 exmnpio 66 ca33,äH3 ^ prusvlr ä6
la paciencia", und Friedrich Halm (Münch-Velling-
hausen) in freier Umgestaltung des Stoffs (Wien
183? u. ö.). - Vgl. R. Köhler in Ersch und Gru-
bers Allgemeiner Encyklopädie der Wissenschaften
(Sekt. 1, Bd. 91^Lpz. 1871); F. von Westenholz,
Die Griseldis-^age in der Litteraturgeschichte
(Heidelb. 1888).
Grifette (frz., benannt nach dem gleichnamigen
Stoff, einem grauen Wollzcug, den die G. vorzugs-
weise zu tragen pflegte), in Frankreich, besonders in
Paris, früher Bezeichnung für Näherinnen, Putz-
macherinnen u. dgl., die mit ihrcn Liebhabern, haupt-
sächlich Studenten und Künstlern, eincn gemein-
schaftlichen Haushalt führen. Die G. spielt nament-
lich in dcn Romanen Paul dc Kocks eine große Rolle.