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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Griotte; Griphus; Grippe; Gripsholm; Griqua; Grisaille

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Griotte – Grisaille

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Grinnell-Land'

und Hermelinen, die sich nur im Sommer hier aufhielten. Die Küsten waren bevölkert von Schneeammern und Eiderenten.

Griotte oder Griottemarmor, ein Marmor, bei dem rotbraune oder fleischfarbige gebogene Thonschieferlagen sich wellig zwischen linsenförmigen größern Kalkpartien von grauer oder gelblicher Farbe einherwinden, wodurch die als Flaserkalk bezeichnete Ausbildungsweise hervorgebracht wird. Die Kalkknauern enthalten sehr oft einen Cephalopodenrest, eine Clymenia, einen Goniatiten, auch wohl eine Orthoceras-Art, die wahrscheinlich die Ansammlung des kohlensauren Kalks innerhalb des Schieferschlamms unterstützt haben. Diese prächtigen zur oberdevonischen oder carbonischen Formation gehörigen Marmore werden namentlich in den Pyrenäen bei Sarrancolin im Aurethal gebrochen und zu Bagnères-de-Bigorre verarbeitet, ebenso wie der benachbarte Marmor aus dem Campanerthal, gleichfalls ein Flaserkalk, bei dem die Kalksteinnieren rot oder weiß und die Schieferlagen grünlich sind. Unter Ludwig XIV. wurden die Brüche ausgebeutet, dann aufgelassen und 1845 wieder in Betrieb gesetzt. Ganz ähnlicher Marmor findet sich auch in Asturien.

Griphus («Netz»), griech. und lat. Bezeichnung für Rätsel (neben aenigma), deren uns eine Anzahl überliefert ist. Sie bildeten eine Hauptunterhaltung bei den griech. Gelagen und fanden bei besondern Dichtern auch litterar. Pflege. (S. Rätsel und Vexierrätsel.) – Vgl. Hagen, Antike und mittelalterliche Rätselpoesie (Bern 1877).

Grippe, epidemisches Katarrhfieber, russischer Katarrh, Blitzkatarrh oder Influenza, der epidemische und, wie alle Infektionskrankheiten, unter fieberhaften schweren Allgemeinerscheinungen einhergehende Katarrh der Luftwege. Mit Unrecht nennt man G. auch jeden nichtepidemischen, von keiner Infektion abhängigen Katarrh, wenn er nur heftig auftritt und hartnäckig ist. Die G. beginnt meist plötzlich mit Frost und hohem Fieber (40–41°C.), heftigem Kopfschmerz in der Stirngegend, Schwindel, großer Mattigkeit und ziehenden Schmerzen in den Gliedern und im Rücken, woran sich heftiger Husten und Auswurf zähen Schleims, Schlaflosigkeit und Mangel an Eßlust anschließen; häufig stellen sich auch Erbrechen und Durchfall ein. Nicht selten treten dabei auch schwere nervöse Störungen (Delirien, Krämpfe, Hallucinationen, Neuralgien u.dgl.) auf, ja dieselben können so sehr in den Vordergrund treten, daß ein Nervenfieber oder eine Gehirnentzündung im Anzug zu sein scheint. Die Dauer der Krankheit, welche an sich bei kräftigen Individuen nicht gefährlich ist, beträgt gewöhnlich 8 bis 14 Tage, mitunter zieht sich aber die Genesung lange hinaus und manche Kranke klagen noch Monate lang über Schwäche und Kraftlosigkeit. Besonders Kindern, Greisen und schwächlichen Individuen kann die G. gefährlich werden, weil sich bei diesen der Katarrh leicht zu Lungenentzündung und andern schweren Lungenleiden steigert. Die Krankheit entsteht wahrscheinlich durch Infektion mit specifischen Mikroorganismen, den sog. Influenzabacillen, winzig kleinen, an beiden Enden hantelförmig aufgetriebenen Stäbchen, die im Auswurf der Kranken enthalten sind und leicht durch die Luft weithin verschleppt werden; doch sind dieselben noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Keine andere Krankheit zeigt eine so eminent pandemische ↔ Ausbreitung wie die G., in manchen Epidemien sind bis zu vier Fünftel der Bevölkerung von ihr ergriffen worden. Eine der ersten genauer beschriebenen Epidemien verbreitete sich 1510 von Malta aus, eine andere 1557 von Asien aus über Europa, eine dritte 1580 über Asien, Europa und Afrika. Die große Epidemie, die 1732 Europa von Osten nach Westen durchzog, befiel weit über die Hälfte der Bevölkerung. Nicht so bedeutend waren die Epidemien von 1800, 1835, 1857 und 1858. Eine besonders heftige Epidemie verbreitete sich im Nov. und Dez. 1889 von Sibirien aus mit rapider Schnelligkeit über ganz Ost- und Centraleuropa und wanderte von hier aus in der Richtung von Osten nach Westen fast über die ganze bewohnte Erde. Die Behandlung der Krankheit beschränkt sich auf Betthüten, einfache Diät und gelinde Anregung der Schweißsekretion durch reichliches warmes Getränk; gegen die begleitenden Neuralgien erweisen sich Antipyrin und salicylsaures Natron nützlich. Bei alten und sehr geschwächten Kranken sind die Kräfte durch Darreichen von starkem Wein, kräftiger Fleischbrühe u.dgl. zu unterstützen. – Über die G. der Pferde s. Influenza.

Gripsholm, königl. schwed. Lustschloß in reizender Lage an der Südküste des Mälarsees, ein fünfeckiges Gebäude mit vier Türmen, wurde von Gustav Wasa 1537 gegründet. Dessen Sohn Erich XIV. hielt hier 1563–67 seinen aufrührerischen Bruder Johann III. in Haft, ward aber selbst von letzterm 1571–73 nach der Entthronung zu G. gefangen gehalten; 1809 entsagte hier Gustav IV. Adolf dem Throne.

Griqua, Volk in Südafrika, stammt von Mischlingen (holländ. Boers und Hottentottenfrauen) und bewohnt das Land zwischen 27°40' südl. Br. und dem Oranje-River und zwischen 22°30' und 25°30' östl. L. von Greenwich. Ihr Gebiet gewann erst Bedeutung, als 1868 der erste Diamant am untern Vaalflusse gefunden wurde. Der Häuptling des westl. Griqualandes, Waterboer, suchte 1871 um Einverleibung seines Gebietes in die Kapkolonie nach. Das neue Gebiet erhielt den Namen Westgriqualand und wurde 24. Jan. 1881 vollständig in die Kapkolonie einverleibt. Das Land zählte (1891) auf 39358 qkm 83115 E., darunter 29469 Weiße. Ein Teil der G. wanderte 1862 von den Plateaus des Oranjeflusses über die Drakenberge nach der Südseite unter Adam Kok aus und gründete im sog. Nomansland Ostgriqualand, zwischen Natal, dem Tambu- und Pondoland gelegen. Die Gebirgsgegend enthält in den Thälern reiche Getreidefelder und vorzügliche Weideplätze. Außer den 2–3000 G. fanden hier Kaffern (Pondomisi), Fingo und Basuto eine Zufluchtstätte; die Bevölkerung stieg allmählich bis auf (1891) 152609. Hauptstadt ist Kokstad (1500 m ü.d.M.) an einem Zufluß des Umzimvubu. 1876 wurde Ostgriqualand (19668 qkm) von der Kapkolonie annektiert. – Die Ausbeute an Diamanten in West-Griqualand betrug (1888) 80½ Mill. M. Hauptstadt ist Kimberley (s. d.) mit (1891) 28718 E., das Centrum des Handels nach Betschuanenland, dem Oranje-Freistaat und nach Transvaal.

Grisaille (frz., spr. -sáj), grau in grau mit verschiedenen Schattierungen ausgeführte Malerei, wie solche besonders in der Email- und Glasmalerei Verwendung findet. Auch werden Fresken, nach dem Vorbild der pompejanischen Wandgemälde, öfters als G. behandelt. – G. heißen auch leichte,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 385.