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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Zeitungswesen)

Trotzdem gewann die periodische Presse zusehends an Einfluß. 1662 wurde der "Kingdom's Intelligencer" gegründet, dessen Erfolg den Censor L'Estrange 1663 zur Herausgabe des "Intelligencer" veranlaßte, der, seit 1665 in eine zu Oxford erscheinende offizielle Zeitung verwandelt, noch jetzt u. d. T. "London Gazette" fortdauert. Auch an Oppositionszeitungen gegen den Hof fehlte es nicht, unter welchen "The Weekly Packet of Advice from Rome" (1678-83) hervorragte; für die Regierung nahmen unter andern der "Observator" (1680) und "Heraclitus Ridens" (1681-82) Partei. Die meisten Zeitungen erschienen und erscheinen noch in London; die erste Provinzialzeitung kam 1639 zu Newcastle heraus. In Schottland ward die erste Zeitung "Mercurius Politicus", eine Reproduktion des gleichnamigen von Marchmont Needham, einem Freunde Miltons, redigierten Londoner Blattes, 1653 im Hauptquartier Cromwells zu Leith gedruckt.

Im J. 1709 entstand das erste Tageblatt "Daily Courant". Die Preßfreiheit bestand rechtlich, unterlag aber thatsächlich willkürlichen Beschränkungen von seiten des Parlaments und der Regierung. Ein harter Schlag für das aufblühende Zeitungswesen war die Stempeltaxe (1712). Dieselbe wurde unter Georg I. aufgehoben, 1725 von neuem eingeführt und allmählich von 1/2 Penny auf 4 Pence gesteigert, bis man sich 1836 durch das Überhandnehmen von ungestempelten Blättern genötigt sah, sie auf 1 Penny herabzusetzen. Auch dieser Rest verschwand 1855. Die Veröffentlichung der Parlamentsverhandlungen war lange unter harten Strafen verboten; seit 1715 erschien indes eine Skizze der wichtigsten Debatten in "Boyer's Register". Umfassendere, obschon noch magere Berichte gaben das "London Magazine" und das "Gentleman's Magazine". Erst unter Georg III., als die Presse durch den von Wilkes geleiteten "North Briton" und die 1767-71 im "Public Advertiser" eingerückten Juniusbriefe einen mächtigen Aufschwung nahm, wagte ein Verleger, Almon, in der "London Evening Post" vollständige Berichte zu veröffentlichen. Sein Erfolg ermutigte andere Blätter zur Nachahmung. Die Herausgeber, die das Parlament verhaften ließ, wurden auf richterlichen Befehl wieder in Freiheit gesetzt, und der Kampf endete damit, daß den Zeitungen das Recht blieb, die Parlamentsverhandlungen zu drucken. Das einflußreichste aller Organe der engl. Presse, die "Times" (s. d.), erschien zuerst Jan. 1788 als Fortsetzung des "Daily Universal Register". Um diese Zeit wurde von Peter Stuart auch das erste tägliche Abendblatt, der "Star", gegründet.

Von den ältesten jetzt noch bestehenden Zeitungen sind zu nennen: die zweimal wöchentlich erscheinende "London Gazette", das 1665 gegründete offizielle Regierungsorgan, und das "Ipswich Journal" seit 1720. Einmal werden ausgegeben "The Lincoln Rutland and Stamford Mercury" seit 1695. Täglich erscheinen der für die Handelswelt wichtige "Public Ledger" seit 1760, "The Edinburgh Gazette" seit 1700 und "The Salisbury and Winchester Journal" seit 1729. In Irland ist die älteste Zeitung die jetzt noch sehr gelesene "Belfast News Letter" seit 1737. Nach dem Fall der Stempeltaxe 1855 (bez. dem Aufhören der Papiertaxe 1861) brach die Zeit der Penny Papers an. Der "Daily Telegraph" (s. d.) war das erste in großem Format erscheinende Penny Paper. Die ursprünglichen 4 Seiten wurden schon nach 2 Jahren auf 8 Seiten erhöht und gegenwärtig ist die Seitenanzahl oft 12-16. Anfänglich war der "Daily Telegraph" von entschieden liberaler Tendenz, doch suchte er sich später der jeweiligen Zeitströmung anzuschmiegen. Seine tägliche Auflage beträgt (1893) 300000 Exemplare. Es ist das erste Annoncenblatt der Hauptstadt. Der nach seinem Beispiel gegründete "Morning Star", das Organ der Manchesterpartei, verwandelte sich nach dem anfänglichen Scheinerfolg in den "Evening Star" und ging 1867 ganz ein. Der konservative, 1827 zuerst herausgegebene "Standard" (s. d.) wurde als Penny Paper 1857 zum neuen Leben erweckt. Seine Auflage beläuft sich (1893) täglich auf 255300 Exemplare. Der "Standard" hat eine Abendausgabe, den "Evening Standard". Er bringt sympathische Berichte über deutsche Verhältnisse.

Die Zahl der polit. Zeitungen ist noch in stetigem Wachstum begriffen. Eine Unmenge wöchentlicher, monatlicher und vierteljährlicher Zeitschriften, Unterhaltungsblätter, kirchlicher und wissenschaftlicher Organe gesellen sich ihnen zu. Nach Ausschluß der jährlichen Adreßbücher, Kalender u. s. w. und der meist vierteljährlichen Veröffentlichungen gelehrter Gesellschaften erscheinen in G. u. I. 4230 Blätter. Davon gelangen 198 täglich (Morgen- und Abendzeitungen), 2312 wöchentlich und 1720 in längern oder kürzern Zwischenräumen zur Ausgabe. London und seine Vorstädte sind hierunter mit 786 Blättern und Zeitschriften vertreten, nämlich mit 32 täglichen Blättern, 21 2-5mal wöchentlich ausgegebenen Blättern, 20 Vierteljahrsschriften, Revuen und Fachschriften, 213 monatlichen Zeitungen, Unterhaltungsschriften und Magazinen, 480 wöchentlichen Publikationen jeglicher Art. In England (ohne London) erscheinen: 2888 Blätter und Zeitschriften, in Schottland 245, Irland 195, in Wales 95, auf Man 7, auf den Kanalinseln 14.

Von der Presse Londons sind außer der "Times" (s. d.), der Königin aller Zeitungen, dem "Daily Telegraph" und dem "Standard" noch folgende hervorragend: das große liberale Parteiblatt "Daily News" (s. d.), das Organ der Gladstonianer, wurde unter den Auspicien der Anti-Corn-Law-League 1845 von Charles Dilke und Charles Dickens gegründet. Ursprünglich kostete das Blatt 3 Pence, wurde aber 1868 auf 1 Penny heruntergesetzt. Berühmt sind die Kriegsberichte von Archibald Forbes (s. d.). Seine Auflage ist (1893) über 130000 täglich.

Als das Organ der Radikalen gilt die ausgesprochen deutschfeindliche, 1855 begründete "Daily Chronicle". Ein besonderer Vorzug dieses Blattes bildet das täglich erscheinende "Litterar. Supplement" mit Besprechungen aller litterar. Neuigkeiten. Die Auflage ist 145000 täglich. Hochkonservativ ist die 1772 gegründete "Morning Post" (s. d.), das fashionable Organ der Aristokratie. Nach langem Sträuben setzte auch diese Zeitung ihren Preis auf 1 Penny fest. Ihre Glanzperiode fiel in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrh. Der 1793 von einer Gesellschaft Londoner Gast- und Speisewirte begründete "Morning Advertiser" spielte in den fünfziger Jahren eine große Rolle. Für die Handelswelt wichtig sind der seit 1760 bestehende "Public Ledger", die 1726 als "Lloyd's List" begründete und seit 1836 als "Shipping Mercantile Gazette and Lloyd's Lists" erscheinenden Blätter.

Für die Finanzwelt und Börse werden täglich die "Financial News" und die "Financial Times" ver-^[folgende Seite]