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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Geschichte 1603-1714)

neuen Ordnung den festen Halt in einer monarchischen Spitze: die Offiziere übertrugen ihm das Protektorat; er war gebunden an die Beschlüsse eines neuzubildenden Staatsrates, neben dem das aus nur einem Hause bestehende, auch von Iren und Schotten beschickte Parlament die gesetzgebende Gewalt haben sollte.

Glanzvoll entfaltete sich Englands auswärtige Macht unter der Führung des Protektors. Nach dem Friedensschluß mit den Niederlanden wandte er sich gegen Spanien. Wie unter Elisabeth sollte der Kampf um den Protestantismus in Europa mit dem Kampf um Englands Meeresherrschaft vereint werden. Er schloß Bündnisse mit prot. Mächten und auch mit Frankreich. Eine engl. Flotte eroberte Jamaika, eine andere unter Blake focht siegreich im Mittelmeer, 1658 fiel Dünkirchen den verbündeten Engländern und Franzosen in die Hand. Aber nach wie vor umsonst blieben Cromwells Bemühungen, den Ausgleich seiner Macht mit den Machtansprüchen seiner Parlamente zu finden. Nachdem das erste Parlament unter dem Protektorat nach fünfmonatigem unfruchtbarem Hader von ihm aufgelöst war (Jan. 1655), herrschte eine reine Militärdiktatur, bis die außerordentlichen Anforderungen der auswärtigen Unternehmungen wieder zu einer Parlamentsberufung nötigten (Sept. 1656). Auf die Wahl war ein starker Druck geübt worden. Die trotzdem eindringenden gegnerischen Elemente wurden ausgeschlossen, und diese zurechtgestutzte Versammlung beriet eine endgültige Verfassung. Bezeichnend für sie war das Anerbieten an den Protektor, in seiner Person die königl. Würde zu erneuern; nach langen und ernsten Erwägungen lehnte dieser ab und begnügte sich mit der neuen Bestätigung seines Protektorats. Aber nach dem Erlaß der neuen Verfassung kehrten die ausgeschlossenen Mitglieder in das Parlament zurück; neuer Zwist entstand, eine neue Auflösung war die Folge. So blieb alles Bemühen, der neuen Ordnung gesetzliche Dauer zu schaffen, vergebens, und als der gewaltige Mann, der alle Gegenwirkungen niederzuhalten vermocht hatte, 3. Sept. 1658 gestorben war, da brachen diese gewaltsam zu Tage; sein schwacher als Protektor ihm folgender Sohn Richard Cromwell wurde vom Heer zur Niederlegung seiner Würde gezwungen (April 1659). Der Versuch ehrgeiziger Offiziere, wie Lambert, eine neue Militärherrschaft zu gründen, scheiterte vor allem an dem Widerstand des in Schottland kommandierenden Generals Monk. Im geheimen Vernehmen mit Karl Stuart, dem Sohn des hingerichteten Königs, stehend, sorgte er für das Zustandekommen eines gesetzmäßigen Parlaments, das den rechtmäßigen Erben des Thrones zurückrief.

Am 29. Mai 1660 zog Karl II. (1660-85) in London ein. Der Druck der Gewaltherrschaft Cromwells, die allgemeine Unsicherheit und Auflösung nach seinem Tode hatten bewirkt, daß ein Sturm von Loyalität den heimkehrenden König begrüßte. Aber dieser verkannte, daß seine Stellung eine andere war wie die seines Vaters und Großvaters, und daß die Ansprüche königl. Alleinherrschaft weniger Hoffnung auf Erfüllung haben konnten als je. Karls II. ganze Regierung ist erfüllt vom Kampf für die alten Ansprüche des Königtums; alle andern Interessen des Staates brachte er diesen zum Opfer, und doch ist gerade unter ihm der parlamentarische und prot. Charakter des engl. Staates nur stärker befestigt worden. Die Versuche Karls, auf den verwerflichsten Wegen zum Ziel zu kommen, haben zur Vertreibung seines Hauses drei Jahre nach seinem Tode geführt. Seine toleranten Bestrebungen, besonders gegenüber den Katholiken, reizten das Parlament nur zu stärkerer Intoleranz, sein Geldbedürfnis und der Wunsch, trotzdem eine vom Parlament unabhängige Stellung zu behaupten, trieben ihn in die Arme Ludwigs XIV. Gegen hohe Geldbewilligungen verkaufte er diesem seine Bundesgenossenschaft gegen Holland und machte ihm trotz der bestehenden Landesgesetze weitgehende Versprechungen zu Gunsten des Katholicismus in England. Das Ministerium, das dem König nach dem Sturz seines ersten Beraters Clarendon in dieser Politik zur Seite stand, war das sog. Cabalministerium (s. d.). Wie aber die von Karl erlassene religiöse Indulgenzerklärung (1672) der vom Parlament dagegen durchgesetzten Testakte (s. d.) weichen mußte, so mußte er den begonnenen Krieg gegen Holland aufgeben. Eine angebliche Papistenverschwörung hatte eine Verstärkung der katholikenfeindlichen sog. No-Popery-Bewegung zur Folge, die sich vor allem gegen den zum Katholicismus übergetretenen Bruder und mutmaßlichen Nachfolger des Königs, den Herzog Jakob von York (s. Jakob II.), wandte und sich schließlich zu einem Kampf um dessen Ausschließung von der Thronfolge zuspitzte. Mehrere Parlamente wurden aufgelöst, und im erbitterten Fortgang dieses Streites hat sich zuerst die Scheidung der beiden großen Parteien, der Tones und Whigs, vollzogen. Neue Geldspenden des Franzosenkönigs, der sich Englands Neutralität für seine Eroberungskriege erkaufte, machten Karl finanziell unabhängig; die beginnende Reaktion wurde durch die Aufdeckung einer whigischen Verschwörung, des sog. Rye-House-Komplotts (s. d.), gefördert; in solcher Lage wurde Karl vom Schlagfluß getroffen und starb wenige Tage darauf (6. Febr 1685).

Die günstige Gestaltung der Verhältnisse ließ die Thronbesteigung des kath. Jakob II. (1685-88) widerstandslos geschehen. Jakob war bereits in den letzten Jahren der leitende Geist am Hofe seines Bruders gewesen. Persönlich war er anders geartet, männlicher, entschiedener, aber auch abstoßend und fanatisch. Karl hatte nur für den Augenblick gelebt, Jakob ging fest auf ein Ziel zu: dem Glauben, den er bekannte, mit der ganzen Macht seines Königtums Geltung zu verschaffen. Er beanspruchte in diesem Sinne das Recht, von Landesgesetzen zu dispensieren, er korrumpierte die Gerichte, die Verwaltung, die Wählerschaften. Auf das engste stand er natürlich zu Ludwig XIV. Die Gefahr kath. Reaktion stieg immer höher, zumal als ihm ein Thronerbe geboren wurde, und so traten die Führer der Unzufriedenen in geheime Verbindung mit dem Gemahl von Jakobs ältester prot. Tochter, dem niederländ. Statthalter Wilhelm von Oranien. Durch eine starke Koalition gedeckt, segelte dieser gegen seinen Schwiegervater aus, und 5. Nov. 1688 landete er zu Torbay. Der Abfall war allgemein, ein schimpflich verjagter Flüchtling kam Jakob II. am Weihnachtstag Schutz suchend nach Frankreich.

Am 22. Jan. 1689 trat unter der Regentschaft Wilhelms ein ohne königl. Ausschreiben berufenes Konventionsparlament zusammen. In der "Erklärung der Rechte" (s. Declaration of rights) schuf es eine Verfassungsgrundlage, welche die Nation gegen Versuche königl. Willkür schützen sollte, und über-^[folgende Seite]