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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Groß-Wartenberg - Grot
Badekuren gegen Blutarmut und Skrofeln verwen-
det werden. Die beiden Badehäuser, das Bischofs--
und das Felixbad sind gut eingerichtet. (Vgl. Hirsch-
feld, 1^63 6QUX inin0i'll,i68 da-IlonFrio, Wien 1876.)
- G. ist eine der ältesten Städte Ungarns und wurde
angeblich von König Ladislaus dem Heiligen (gest.
1095) gegründet, nach dem der schönste Platz der
Stadt benannt ist. G., berühmt durch die 1214-55
abgehaltenen Gottesurteile, wurde im 13. Jahrh,
von den Tataren Zerstört. Zu G. wurde 24. Febr.
1538 zwischen Ferdinand I. und Johann Zapolya
Frieden geschlossen. Die Stadt kam 1557 an Sieben-
bürgen und wurde 1598 von den Türken vergebens
belagert, 27. Aug. 1660 aber eingenommen und
durch den Vasvärer Frieden diesen überlassen. Erst
5. Juni 1692 nahmen sie die Ungarn und Aster-
reicher wieder. Als im Laufe der Revolution von
)848 und 1849 die ungar. Regierung sich nach
Debrcczin zurückzog, wurden Vanknotenpresse, Ge-
wchrsabrik, Archive u. s. w. nach dem nur 45 kin
entfernten G. verlegt. - Vgl. G. und seine Um-
gebung (Großward. 1872).
Groß-Wartenberg. 1) Kreis im preuß. Neg.-
Vez. Breslau, hat 812,?i ql^m und (1890) 50022
(23229 männl., 26 793 weibl.) (5., 3 Städte, 118
Landgemeinden und 83 Gutsbezirke. - 2) G.,
früher fälschlich Polniscb -Wartenberg genannt,
Kreisstadt im Kreis G., 52 km im NO. von Vres-
lau, in 153 m Höhe, an der Nebenlinie Öls-Wil-
helmsbrück der Breslau-Warschaucr Eisenbahn, Sitz
des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Ols) sowie der Direktion der Breslau-Warschauer
Eisenbahn, hat (1890) 2385 E., darunter 893 Katho-
liken und 99 Israeliten, evang. und kath. Pfarr-
kirche, Vorschuhverein. Nahebei das Rittergut
Wartenbcrg mit Schloß in der Standcshcrrschast
Wartenberg des Prinzen von Kurland.
Großwefir, Groftvezicr, türk. 8^dr a'^^m,
d. i. der hohe Vorsitz, so benannt nach dem früher
im Diwansaal des Sultans von dessen höchstem
Beamten eingenommenen Ehrenplatz zur Rechten
des dem Eingänge gegenüber befindlichen Kamins,
ist in den islamit. Ländern, besonders in der Türkei,
der Titel eines lediglich dem Herrscher unterstehen-
den Großwürdentragers, der denselben früher in
Ausübung seiner weltlichen Macht im Kriege und
Frieden vertrat. Während dem G. also die weitcst-
gehende Gewalt über Leben und Freiheit der Unter-
thanen und Beamten zustand, befand er sich in un-
bedingtester Abhängigkeit von der Laune des Ge-
bieters, und zu gewissen Zeiten war es nur Aus-
nahme, daß ein G. eines natürlichen Todes starb.
Unter ihm leiteten der Kjaja Bey die innern, der
Reis Effendi die äußern Angelegenheiten, der
Tschausch Vascbi die Polizeigewalt. Besonders
wichtig wurde die Großwesirwürde, als in der zwei-
ten Hälfte des 16. Jahrh, die Sultane sich jeder
unmittelbaren Regicrungsfunktion zu entziehen be-
gannen und sich dem Volke gegenüber vollkommen
durch den G. vertreten ließen. Im 19. Jahrh, wurde
bei der fortschreitenden Ausbilduug der selbstän-
digen Ministerien die Macht des G. allmählich
der eines Ministerpräsidenten ähnlich; zweimal,
zuerst unter Mabmud 11. 1833, dann unter Abd
ul-Hamid II., wurde sogar das Amt gänzlich ab-
geschafft und durch das eines Vasch Wekel (ersten
Ministers) ersetzt: in deiden Fällen wurde es aber
bald wieder bergestellt, auch im türk. Staatsgrund-
gesetz von 1877 beibehalten.
Großwürdenträger, Staatsbeamte der ersten
Nangklasse; in der kath.Kirche die Inhaber der höchsten
geistlichen Würden: Kardinale, Erzbischöfe, Bischöfe.
Großzahlt, f. Megalodon.
Großzahnbarsche, s. i'i-iztipoin^uäao.
Groß-Zimmern, Marktflecken im Kreis Die-
burg der Hess. Provinz Starkenburg, 3 km südlich
von Dieburg, an der Gersprenz, hat (1890) 3083
E., Postagentur, Fernsprechverbindung; Fabrika-
tion von Zunder, Streichhölzern, Holzdraht und
Pappdeckeln, außerdem Thongruben und bedeuten-
den Geflügelhandel.
<3ro8 tonrnois (frz., spr. gro turnöä), 'lour-
noi8, die ältesten franz. Groschen zu 12 Deniers,
die Ludwig der .heilige 1226 zuerst in Tours prägen
ließ. Sie führten auf der eiuen Seite eine tirchen-
ähnlichc Figur, vielleicht das Zeichen von Tours,
und die Umschrift "'InrormZ civi(tii)3". Das Silber
des (^. t., von dem 60 Stück auf die Märt gingen,
war 15lo'tig. Diese gut geprägte Münzsorte wurde
sehr bald auch außerhalb Frankreichs sehr beliebt
und in den Rhcingegenden und den Niederlanden,
wo sie Tournoisgros ch e n oder Tu rnoscn hie-
ßen, mit den ursprünglichen Typen nachgeahmt.
Grot, Münze, s. Groten.
Grot, Jakob (russ. Iakow Karlowitsch), russ.
Sprachforscher und Historiker, geb. 27. (15.) Dez.
1812 in Petersburg, erhielt seine Bildung im
Lyceum zu Zarskoje-Sclo, trat dann in den Staats-
dienst, trieb aber eifrig fprachliche und littcrarge-
schichtlicbe Studien und wurde 1841 Profesfor der
russ. Litteratur und Geschichte in Hclsingfors. )853
ward er als Lehrer der Großfürsten Nikolai und
Alexander (des jetzigen Kaifers Alexander 111.) nach
Petersburg berufen und zugleich Professor am
Alexander-Lyceum, 1855 zum Mitglied der Akade-
mie der Wissenschaften erwählt, 1889 deren Vice-
präsident. Von seinen Werken sind hauptsächlich zu
nennen: eine kritische Ausgabe der Werke Tersha-
wins mit Biographie (9 Bde., Petcrsb. 1864-80),
"Katharina 11. im Briefwechsel mit Grimm" (ebd.
1884), eine Ausgabe dieses Briefwechsels (im "Tdor-
niw) der kaiserl. Historischen Gesellschaft, Bd. 23
und 33); als besonders wertvoll für die Erkenntnis
der russ. Sprache: "Philol. Untersuchungen" ("I'ilo-
i0Fiö08kj.jH raxMvkiiiM", 2 Bde., 3. Aufl., Petersb.
1885). Von der G. übertragenen Neubearbeitung
des ruff. "Wörterbuchs der Petersburger Akademie"
erfchien das erste Heft Petersburg 1891, das zweite
1892. G. starb 5. Juni (24. Mai) 1893 in Petersburg.
Grot, Nicolaus Iakowlewitsch, russ. Philosoph,
geb. 1852 in Petersburg, studierte daselbst, war
1876-83 Professor der Philosophie an dem bistor.-
philol. Institut in Nicgine, 1883-86 ord. Professor
der Philosophie an der Universität in Odessa und ist
als solcher seit 1886 an der Universität zu Moskau
thätig. In eincrReihevonrussischenphilos. Schriften
sucht^G. auf Grund eines selbständigen Kriticismus
eine positive Weltanschauung zu begründen, welche
das Gefühl als objektive Erkenntnisquelle anerkennt
und in der stufenweifen Veherrfchung der Materie
durch den Willen (Geist) den Endzweck des Daseins,
sieht. G. schrieb in russ. Sprache unter anderm:
"Psychologie der Gefühle" (1880), "Philosophie als
Kunst" (1880), "Zur Reform der Logit" (1882),
"Klassifikation der Wissenschaften" (1884), "Gior-
dano Bruno" (1885), "Die Seele und die moderne
Lehre von der Kraft" (1886), "Bedeutung des Ge-
fühls für die Erkenntnis" (1889), "Kritik des Be-