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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grundlinie - Grundrechte
Grundlinie, soviel wie Basis (s. d.).
Grund-Log, s. Log.
Grundlfee, See in der österr. Bezirkshaupt-
mannschaft Gröbming in Steiermark, in 709 ni
Höhe, ist 425 da groß, 6 km lang, 64 m tief, sehr
fischreich und von waldigen Bergen umschlossen.
Ihn durchstießt einer der drei Quellbäche der Traun.
Die Gemeinde G. (23 meist aus Alpenhütten be-
stehende Ortschaften) hat (1890) 1161 E. und zahl-
reiche Villen. 1 Km thalaufwärts der To plitz see,
kaum ^2 hkin groß und 106 m tief.
Grundluft, Bodenluft, die in den Poren des
Bodens enthaltene Luft. Der Boden, auf dem un-
sere Wohnungen stehen, ist in den seltensten Füllen
aus massivem Gestein; meistens besteht er aus einem
ziemlich porösen Material, dessen Poren teils mit
Wasser, teils mit Luft erfüllt sind. Sehr lockerer
Boden, z. B. Sand-, Kies- oder Geröllboden, kann
bis über ein Drittel seines Volumens Luft enthalten.
Sie ist atmosphärische Luft, welche aber in ihrer
Zusammensetzung mehr oder weniger verändert
ist. Namentlich Zeichnet sich die G. durch einen
durchschnittlich viel höhern Gehalt an Kohlensäure
aus (bis Zu mehrern Volumenprozenten gegenüber
0,04 ProZ. in der atmosphärischen Luft), der auf das
organische, vorzüglich pflanzliche Leben, das auch
in tiefem Bodenschichten vorhanden ist, zurückzu-
führen ist. Durch den Regen werden stets organische
Stoffe von der Oberfläche in den Boden geschwemmt,
es entwickeln sich deshalb im Boden, unter Betei-
ligung der verschiedensten Pilze, mannigfaltige Zer-
setzungsprozesse (Fäulnis, Verwesung, Gärung),
durch welche Kohlensäure gebildet wird. Im Win-
ter, wo wegen der Kälte die Zersetzungsprozesse
langsamer ablaufen, ist der Kohlensäuregehalt der
G. viel geringer als im Sommer. Nur da, wo alles
organische Leben im Boden fehlt, wie in der Wüste,
ist der Kohlensäuregehalt der G. ebenso hoch wie
der der atmosphärischen Luft.
Die Kohlensäure der G. ist eine der Quellen für
den Gehalt der atmosphärischen Luft an Kohlensäure
und die hauptsächlichste Ursache für den Kohlensäure-
gehalt der aus dem Boden stammenden Wässer.
Daß dieser letztere häufig so bedeutend ist, erklärt
sich einfach daraus, daß das Wasser unter stärkerm
Luftdruck und in Berührung mit kohlensäurereicher
Luft mehr Kohlensäure absorbieren kann. Luftschich-
ten in großer Tiefe des Bodens stehen aber, da der
Luftdruck sich leicht durch den porösen Boden fort-
pflanzt, unter höherm Luftdruck als oberflächliche.
Durch Gasaustausch (Diffusion) und unter dem Ein-
fluß von Luftdruck- und Temperaturfchwankungen
sowie infolge Winddrucks tritt fortwährend G. in
die atmosphärische Luft und diese wieder in die G.
über. Es entsteht dadurch ein beständiger Wechsel
der Luft im Boden, wir sprechen daher von Boden-
ventilation. Eine fortwährende Bodenventilation
verursachen unsere Häuser, die, weil fast immer
wärmer als die umgebende Luft, wie Kamine die
Bodenluft ansaugen, am stärksten im Winter, da
hier der Unterschied in der Temperatur des Innern
der Häuser und im Freien am größten ist. Dieses
Ansaugen erfolgt auf beträchtliche Bodenstrecken.
So wird verständlich, daß Gase, welche sich gelegent-
lich der G. beimischen, z. V. Leuchtgas bei Brüchen
der Straßenrohrleitungen, auf weite Strecken hin
in Häuser eindringen. Als zuerst bekannt wurde,
daß der Boden auf Entstehen und Vergehen ge-
wisser epidemischer Krankheiten Einfluß hat, hat
man in der G. den Vermittler für die Übertragung
der Krankheitskeime auf den Menschen gesehen. Je-
doch mit Unrecht, da spätere Versuche gezeigt haben,
daß die Grundluftströmungen viel zu langsam und
>u gering sind, um feste Körperchen, als welche wir
die Krankheitskeime uns denken müssen, entgegen
dem Gesetz der Schwere, vom Boden fortzuführen,
namentlich nicht wenn der Boden, wie in tiefern
Schichten immer, feucht ist. Litteratur s. Grundwasser.
Grundmasse, in der Gesteinsmnde diejenige
dem bloßen Auge dicht und homogen erscheinende
Substanz, in der bei den Felsarten mit Porphyr-
struktur die größern Krystalle von Quarz, Feldspat,
Hornblende u. s. w. eingebettet liegen. Die G., die
demzufolge ein rein makroskopischer Begriff ist, kann
unter dem Mikroskop eine sehr wechselnde Mineralog.
Zusammensetzung und Struktur aufweisen; sie ist
bei sehr starker Vergrößerung bald ein völlig granit-
ähnliches und durchaus krystallinisches Aggregat
winziger Mineralpartikelchen, und zwar meist der-
selben, die auch die größern ausgeschiedenen Krystalle
bilden, bald wird sie zum größten Teil aus rund-
lichen sphärolithischm Kügelchen zusammengesetzt.
In andern Fällen stellt sie ein verschieden geartetes
Gemenge von krystallinischen Individuen und von
amorpher glasiger oder mikrofelsitischer Materie dar,
in noch andern bildet diese letztere, nicht individua-
lisierte Substanz vorwiegend die G. Ihre chem.
Zusammensetzung ist in den meisten Fällen nicht
sonderlich verschieden von derjenigen des ganzen
Gesteins, d. h. von der Vereinigung der G. und der
darin hervortretenden größern Krystalle. Im all-
gemeinen ist die G. erst nach der Ausscheidung der
darin liegenden großen Krystalle zur Verfestigung
gelangt.
Gründnergemeinden, s. Gründe.
Gründonnerstag (lat. äi68 viriäinm, lm-j".
donN Huinta, amtlich l6liI. Huiuta in O^'n".
vouiini), der Donnerstag vor Ostern, seit dem
7. Jahrh, als Gedächtnistag der Einsetzung des
heiligen Abendmahls gefeiert. Die Bezeichnung G.
wird bald von der alten und noch jetzt verbreiteten
Sitte, an diesem Tage grüne Kräuter zu genießen,
bald von Ps. 23, 2, einem angeblichen kirchlichen
Lcseabschnitt dieses Tages, bald davon abgeleitet,
daß an diesem Tage nach beendeter Kirchenbuße die
Büßer als Sündlose ("Grüne") wieder in die Kirchen-
gemeinschast aufgenommen wurden. Daher heißt
der G. auch Tag der Grünen, äies adFowtiouiz
oder inäulAontias, Antlaßtag oder Erlaß tag.
Grundrechte, in der polit. Bewegung von 1848
Bezeichnung der Rechte und Freiheiten der Staats-
bürger, die man als die Grundlage und Vorbe-
dingung eines freiern Zustandes des allgemeinen
Staats- oder Volkslebens ansehen zu müssen glaubte,
also ungefähr dasselbe, was die Engländer in ihrer
N9.FQ3. ^dai-tg., ihrer ^stitlou, ok ri^ktä und Vili ok
i'^lit" besitzen, die Franzosen in ihrer ersten Revo-
lution "Allgemeine Menschenrechte" (OroitL <1o
I'lioiuink) nannten, die Nordamerikaner in ihrer
Deciaration okinäspenäencs (s.d.)als einen wesent-
lichen Teil in ihre Bundesverfassung aufnahmen,
und was teilweise schon fast alle neuern Verfassungen
des europ. Festlandes enthielten. Alle 1848 neu ent-
stehenden Verfassungen und Verfassungsentwürfe
deutscher Staaten enthielten sogenannte G. Am wich-
tigsten waren die von der Deutschen Nationalver-
sammlung zu Frankfurt beschlossenen und 21. Dez.
1848 von der Centralgewalt als Neichsgesetz ver-