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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guayana
durchaus tropisch. Die stachen Savannen sind wäh-
rend der trocknen Jahreszeit dürr und ode, aber
nach den Regengüssen mit üppigem Grase (Cypera-
ceen, Il^poi^truin u. a.) bedeckt. Niedere Bäume
(Myrtaceen, die Proteacee Koup^Ia) fehlen nicht;
wo aber das Wasser ausdauert, zeigt sich der eigent-
liche Tropenwald mit Farnen und Mauritiapalmen.
Auch in der trocknen Jahreszeit wird noch für Mo-
nate das der Vegetation nötige Wasser durch starke
Taubildung geliefert: erst Mtte Oktober legt die
Savanne ihr bleichgelbes Gewand an. Sehr frucht-
bar zeigt sich der Boden in der weiten o'stl. Niede-
rung und an den großen Flüssen. Die Waldungen
enthalten in ihrer mit dem äquatorialen Brasilien
übereinstimmenden Physiognomie viele kostbare
Farbehölzer, Arzneistoffe und wilde Früchte, während
das angebaute Land Kaffee, Baumwolle, Kakao,
Zucker, Tabak, Indigo liefert. Die Tierwelt ist
die tropisch-südamerikanische wie in Brasilien.
Bevölkerung. Die Eingeborenen gehören teils zu
den Tupi- und Kariben-Stämmen, wie die Arekuna,
Arinagoto, Makusi, Wapisiana, Rukujenne, teils zu
den Arrawaken, wie die Bewohner der Küste. Diese
sind jedoch stark gemischt mit den Buschnegern, Boni
oder Maron. In den polit. Besitz G.s teilen sick
Venezuela (Staat Volivar), Brasilien ("Htaat Ama-
zonas), dessen Anteil, südlich der Hauptwasserscheide,
sich auf 1 Mill. c^m belauft, England, Frankreich
und die Niederlande. Doch sind weder die Grenzen
der europ. Kolonien gegeneinander noch gegen Vene-
zuela und Brasilien genügend festgelegt; dagegen
ist 1880 die Grenze zwischen letztern im einzelnen
festgesetzt worden.
Kolonien. Die drei Kolonien sind folgende:
I. Britisch-Guayana, die westlichste, zwischen
der Wasserscheide, dem Ocean, dem Corentyne und
einer Linie vom Roraima zur Orinocomündung,
229600, nach engl. Angabe 281220 <ikm. (S.
Karte: Columbia, Venezuela u.s.w.) Indessen
beansprucht Venezuela den westl. Teil bis zum
.Hauptflusse, dem Essequibo. Besiedelt und bebaut
ist nur der Küstenstrich, das Innere bedeckt dichter
Urwald. Das Land nimmt den Nordadfall des
Hochlandes ein. Die Bevölkerung beträgt (1891)
288328 E., d. i. nur 1,2 auf 1 tillin; darunter
waren 2533 in Europa geboren, 105465 ostind.
Kulis, 99615 Neger und 3714 Chinesen. Der
größte Teil des Landes ist Urwald. Unter Anbau
standen (1891) 81171 Acres, darunter waren 78308
mit Zucker bestanden. Viehzucht ist nicht bedeutend.
Hauptaussuhvartikel sind vor allem Zucker (1891:
116998 t im Werte von 7,98 Mill. Doll.), Melasse,
Rum (1,28 Mill. Doll.), Holzkohlen, Schindeln
(5,4i Mill. Stück), Kokosnüsse, Holz (im Werte
von 96329 Doll.), Kakao (50443 Pfd.), Kaffee
und Gold, von dem 101298 Unzen im Werte von
1,80 Mill. Doll. gewonnen wurden, gegen 62615
Unzen (1,i Mill.) im I. 1890. Der Zucker geht
nach Großbritannien und den Vereinigten Staaten.
Der Gesamtausfuhr von 11,49 Mill. Doll. steht eine
Einfuhr von 8,19 gegenüber. Diese besteht aus
Manufakturwaren, Kohle, Eisenwaren, Maschinen,
Dünger und Ehwaren aus Großbritannien und
seinen Kolonien, Reis aus Ostindien, Fleisch und
Petroleum, Fischen und Hafer aus Nordamerika.
Hauptstadt und Haupthafen ist Georgetown (s. d.);
daneben ist wichtig Neu-Amsterdam. An der Spitze
der Kolonie steht der Gouverneur, ihm zur Seite em
Rat; das Land ist in 5 Bezirke geteilt. Es bestehen
181 öffentliche Schulen mit 25841 Kindern. Die
Einnahmen betrugen 1890/91 560201, die Aus-
gaben 531099, die Schulden 735429 Pfd. St. Die
schiffbaren Fluhläufe betragen 442,4 km; die Wege
sind gut, von Eisenbahnen sind 35 km (Georgetown-
Bart'ika Grove) in Betrieb. 1891 liefen 723 Schiffe
(214 Dampfer) in den Häfen ein, darunter 464 bri-
tische. Die Kolonie hatte unter dem Rückgänge der
Zuckerproduktion bis zur Einführung von Kuli und
Chinesen zu leiden, jetzt entwickelt sie sich rasch.
II. Niederlä'ndisch-Guayana oder Suri-
nam, zwischen den Flüssen Corentyne und Maroni,
bedeckt 129100 hkm. (S.Karte: Brasilien.) Das
Innere des Landes ist noch sehr wenig bekannt. Die
großen Flüsse vereinigen sich an der Küste mittels
toter Arme und Sumpfland. Dämme und Kanäle wie
in Holland durchziehen diefe 40 1"n breite Nieder-
landszone, welche, allein kolonisiert, fünf Sechstel
der Bevölkerung trägt. An der Küste herrscht Man-
grovewald, gegen das Innere folgen tropische Ur-
wälder; darauf die Savannenzone, endlich die bergige
Waldzone, die den ganzen Süden bedeckt. Die Kolonie
hat 56873 E., darunter 1400 Israeliten, wozu noch
12000 Indianer und Buschneger kommen; 77 Proz.
der Bevölkerung sind Cbristen. Die Bewohner sind
freie Indianer, unkultiviert, durch Branntwein stark
demoralisiert, und Buschneger. Diese zerfallen in die
Stämme der Saramakka,Aukaner,Voni,Paramakka.
Die Vuschneger, die Nachkommen entlaufener Skla-
ven, sind jetzt völlig unabhängig und in Fetisch- und
Baumdienst zurückgesunken, Aussatz und Syphilis
herrschen unter ihnen, doch sind sie gute Holzarbeiter,
Jäger und Fischer, aber schlechte Ackerbauer. An-
gebaut werden von den Eingeborenen Maniok, im
übrigen sind mehrere Palmen und der Orleans-
bäum (LixH oiLliHna /^.) zu erwähnen. Die Boden-
kultur ist Plautagenbau an den Flüssen. Jede Pflan-
zung ist etwa 200-2000 Ka groß, nur zu einem
Zehntel bebaut und von 40 bis 100 Menschen be-
wohnt. 1889 wurden auf 114 Plantagen 7,5 Mill. kg
Zucker, auf 88 Plantagen und 363 kleinern Pflan-
zungen 2,i6 Mill. kF gewonnen. Wald bedeckt den
Rest. Nach der Aufhebung der Sklaverei 1863 ist der
Baumwoll- und Kaffeebau fast ganz verschwunden.
Man erzeugt noch Bananen, Obst, Ruin und Melasse.
Gold ist seit 1876 besonders an der franz. Grenze
gefunden worden und zwar bis 1889 im Werte von
12,4? Mill. Holland. Fl. und hat fofort zu Grenz-
streitigkeiten Veranlassung gegeben. Seit 1863
wurden 14 500 Arbeiter eingeführt, meist aus Indien,
ohne die Sklaven ersetzen zu können. Der einzige
größere Ort ist die Hauptstadt Paramaribo (s. o.).
Dem Gouverneur zur Seite steht ein Rat, dessen
6 Mitglieder der König ernennt. Die Staaten setzen
sich aus 4 ernannten und von je 200 Wählern ge-
wählten Mitgliedern zusammen. 1892 betrugen die
Einnahmen 1,62, die Ausgaben 1,53 Mill. Fl.;
lange Zeit waren Zuschüsse vom Mutterland nötig.
Es bestehen (1889) nur 17 öffentliche und 29 Privat-
schulen mit zusammen 5684 Kindern. Der Wert der
Einfuhr erreichte (1889) 4,89, der der Ausfuhr
3,52 Mill. Fl. Dem Verkehr dienen vor allem Schiffe
und kleine Dampfer.
III. Französisch- G u a y a n a, 1^ (^n> iu^ li-an-
Hin86, zwischen dem Maroni und dem Oyapoc, im
S. und O. von Brasilien, im W. von Niederlä'ndisch-
Guayana begrenzt, zählte auf 78900 hkin (1890)
29 637 E., d. i. nur 0,3 auf 1 ykm. (S. Karte.Bra-
silien.) Das Innere ist erst in den letzten Jahren