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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guittone d'Arezzo - Guizot
in Chicago und bewarb sich beim Amtsantritt Gar-
fields um den Posten als amerik. Konsul in Mar-
seille, wurde aber abgewiesen. Am 2. Juli 1881
verwundete er Garsield durch zwei Revolverschüsse,
denen derselbe erlag. G. wurde sogleich verhaftet,
zum Tode verurteilt und 30. Juni 1882 im Gefäng-
nis zu Washington gehängt. - Vgl. Doehn, Dre
Administration Garsields und der Guiteau-Prozeß
(in "Unsere Zeit", 1882, II); Der Neue Pitaval
(Neue Serie, Vd. 17, Lpz. 1882); Veard, '1^6 c^
ok (^.) 2. pä^dwiogical 8tuä)^ (1882).
Guittöne d'Arezzo, gewöhnlich Fra Guit-
tone genannt, ital. Dichter, geb. um 1230 in Arezzo,
trat, etwa 35 I. alt, in den 1261 gegründeten Laien-
orden der (^valiei'i äi 8a.utÄ Naria ("^r^ti ^3>u-
äcnti"), verlieh ohne Zwang Weib und Kinder und
moralisierte ernst und trocken in Briefen und Ge-
dichten, die zu Predigten und Traktaten wurden. Er
starb 1294, nachdem er 1293 einen Teil seines Ver-
mögens zur Gründung des Camaldulenscrklosters
vessli ^nzoli in Florenz geschenkt hatte. In jüngern
Jahren folgte G. in Canzonen und Sonetten der
die Troubadours nachahmenden Richtung der Zeit
und sang schwärmerisch von Liebe. Auf die Dichter
der Zeit übte er bedeutenden Einfluß, obgleich er
kein Talent besaß; doch zeigt sich in seinen Versen
männlicher Sinn und starke Überzeugung, weshalb
einige polit. Canzonen, wie die auf die Schlacht von
Montapcrti, nicht unwirksam sind. Seine "^ime"
sind hg.von Valeriani (2 Bde., Flor. 1828; schlechter
Abdruck, ebd. 1867). Seine Briefe, eins der ältesten
Denkmäler italienischer litterar. Prosa, veröffent-
lichte Bottari: "I.ott^i" di !>". 6. ä'^." (Rom 1715).
- - Vgl. Vigo, Döiio rim6 äi ^ia tt. (Rom 1879, im
"(^ioi'nals <1i kiolo^iu romHQxa.").
Guizot (spr. gisoh), ssramois Pierre Guillaume,
franz. Staatsmann, Historiker und Publizist, geb.
4. Okt. 1787 zu Nimes, stammte von prot. Eltern
und verlor seinen Vater, der Advokat war, 1794 auf
dem Schafott. Seine Mutter flüchtete nach Genf,
wo G. das Gymnasium und die Akademie besuchte.
Er ging 1805 nach Paris, nm Jura zu studieren,
und war 1807-8 Hanslehrer bei Stapfer, dem ehe-
maligen Gesandten der Schweiz bei der franz. Re-
publik, der ihn besonders zum Studium der deut-
schen Litteratur und Philosophie veranlaßte. 1812
erfolgte feine Ernennung zum Professor der neuern
Geschichte an der Sorbonne. Beim Sturze des
Kaiserreichs (1814) wurde er, auf Royer-Collards
Empfehlung, Generalsekretär im Ministerium des
Innern, welche Stellung er bei Napoleons Rückkehr
von Elba verließ, um Ludwig XVIII. nach Gent
nachzureisen. Mit den Vourbons kehrte er nach
Frankreich zurück und versah nun wichtige 'Amter
unter den ersten Ministerien der Restauration. Als
konstitutioneller Royalist stellte er gewissermaßen
das Manifest seiner Partei auf in der Schrift "Du
A0UV01'N6IN6Nt 1'6pr686NtHtik tit äs I'ötkt actutii äc
^i'Huc6" (Par. 1816; 4. umgearbeitete Aufl. 1821).
Auch stiftete er in Verbindung mit Royer-Collard
die sog. doktrinäre Schule (s. Doktrinär), in deren
Geist er auch die Schrift "D68 inox6N8 äs ßouvslNL"
mont st ä'oppoLition äkQ8 1'6tat actusi ä6 1a.
I^nc6" (1821) verfaßte. Durch seine Polemik gegen
das Villelesche Ministerium verlor G. seine Staats-
ämter und widmete sich nun eifrig seiner schriftstelle-
rischen Thätigkeit. Damals erschienen die "IIi8toii"
du FMlVOi'iionioiit, roi)i'686iitÄtif" (2 Bde., Par. 1821
-22), ein Wiederabdruck seiner Vorlesungen; die
"(^oiiection äss memoir63 relativ ü. I'Inswii-o
ä'^n^owrre" (26 Bde., ebd. 1823 fg.), aus dem
Englifchcn überfetzt und von G. mit Einleitungen
nnd Anmerkungen begleitet; die "^oiiection 668
M6ni0ir68 l6ig.tit'8 ö. 1'Iii8toii-6 ä6 ^I-HNCL", mit An-
merkungen und kleinen Abhandlungen (31 Bde.,
1823 fg.); die "IIi8toir" ä6 1a. i Evolution ä'^n^ic-
t6ri-6", von der Thronbesteigung Karls I. bis zum
Regierungsantritt Karls II. (2 Bde., Par. 1827-
28 u. ö.). Das Martignacsche Ministerium setzte
G. wieder in den Besitz seines Lehrstuhls an der
Sorbonne und seiner stelle im Staatsrat (1828).
Als Professor bildete er damals mit Cousin und
Villemain das berühmte Triumvirat, das über den
öffentlichen Unterricht in Paris fo hellen Glanz ver-
breitete. An seine Professur knüpften sich seine popu-
lärsten Geschichtswerke: der "^oui-8 ä'di3t0il6 mo
ä6rn6" (6 Bde., Par. 1828-30), in den folgenden
Auflagen in zwei Werke getrennt u. d. T.: "IIi8toii'6
66 la, civi1i8lNioii on Nurope" und "IIi5toii'6 ^sue-
raie äo 1^ eivi1i8^tion 6n l>^iic6", 4 Bde., viel-
fach neu gedruckt. Gleichzeitig wurde er von der
Oppositionspartei zu Lisieur in die Deputierten-
kammer gewählt, wo er znm linken Centrum gehörte,
gegen das Ministerium Polignac die Adresse der
221 votierte und auch das Manifest der Opposition
gegen die Juliordonnanzen verfaßte.
Nach der Revolution von 1830 provisorischer
Minister des öffentlichen Unterrichts, sodann Mit-
glied des Lafitteschen Kabinetts, weigerte sich G.,
den liberalen Tendenzen des Conseilpräsidenten bei-
zutreten, und gab seine Entlassung. Dagegen unter-
stützte er das Ministerium Casimir Parier und bildete
mit Thiers und Broglic das Kabinett vom 11. Okt.
1832. Als Minister des öffentlichen Unterrichts
übte er vier Jahre hindurch im Conseil sowohl als
in der Kammer bei den allgemeinen Verhandlungen
großen persönlichen Einfluß und beförderte das
Durchdringen der Repressivpolitik, that aber auch
viel für die Verbesserung des öffentlichen Schul-
wesens in Frankreich. Unter dem Ministerium Mole
(15. April 1837) gehörte er zur Opposition. Mit
Beginn der orient. Wirren ward G. Anfang 1840
an Se'bastianis Stelle als Gesandter nach London
geschickt. Sein Ruf, feine Konfession, seine Arbeiten
über engl. Geschichte und Litteratur, die puritanische
Würde seines äußeru Benehmens gewannen ihm in
dieser Stellung ein großes persönliches Ansehen,
doch erlitt er in der orient. Frage die vollständigste
diplomat. Niederlage. Nachdem Ludwig Philipp
das Ministerium Thiers entlassen, übernahm G.
unter der nominellen Präsidentschaft des Marschalls
Soult 29. Okt. 1840 das Portefeuille dcs Auswär-
tigen und wurde nach Soults Rücktritt im ^ept.
1847 auch dcr offizielle Chcf des Kabinotts, das bis
zur Revolution von 1848 im Amte verblieb. Das-
selbe war das Werkzeug der persönlichen Politik des
Königs, die nach außen Frieden um jeden Preis,
nach innen Stillstand zum Zielpunkt hatte. Durch
seine Wahlkorruption 1846 und durch die hartnäckige
Ablehnung jeder Wahlreform rief G. die zunächst
gegen seine Person gerichtete Bewegung von 1848
hervor. Am 23. Febr. wurde das Ministerium G.
entlassen; am 24. floh er nach England, wurde von der
Provisorischen Regierung in Anklagestand versetzt,
kehrte jedoch, vomGerichtshof freigesprochen, 1849
nach Paris zurück und suchte wieder ins polit. Leben
einzutreten, erhielt jedoch kein Abgeordnetenmandat.
Er wurde ein eifriger Beförderer des Systems der