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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gummibaum (blauer) - Gummi Senegal

altem Lehm. Im Mai oder Juni jedes Jahres ist er umzupflanzen. Zu seinem Gedeihen bedarf der G. nicht nur der Wärme, sondern auch einer reichen Menge von Licht. Sehr gut bekommt ihm öfteres Abwaschen beider Blattflächen mit lauwarmem Wasser. Wenn, wie häufig, die untern Blätter gelb werden oder abfallen, so wird dies dadurch verschuldet, daß der Abzug des überflüssigen Wassers gehemmt ist. Finden sich Schmarotzerinsekten, z. B. der Blasenfuß, auf der untern Blattfläche ein, so muß diese mit einer Abkochung schlechten Tabaks gewaschen werden. - G. wird auch oft der Kautschukbaum (s. Siphonia) genannt.

Gummibaum, blauer, s. Eucalyptus.

Gummi Cambiogiae, s. Gummigutti.

Gummi elasticum, s. Kautschuk.

Gummi Elemi, Elemi, s. Elemiharz.

Gummieren, das Anfeuchten mit Gummiwasser (Lösung von arab. Gummi) bez. mit einer Lösung von Tragant, Hausenblase oder Pergamentleim, ein zur Steifung leichter Seidengewebe angewendetes Appreturverfahren.

Gummifeigenbaum, s. Gummibaum.

Gummifluß, s. Gummosis.

Gummigänge nennt man in der Botanik Intercellularräume (s. d.), die mit Gummi oder ähnlichen Stoffen erfüllt sind. Sie finden sich bei zahlreichen Pflanzen, z. B. allgemein in den Familien der Marattiaceen, Cycadeen, bei vielen Kakteen und Araliaceen. Sie durchziehen die betreffenden Pflanzenorgane, in welchen sie vorkommen, auf große Strecken, und stehen in der Regel mittels Anastomosen miteinander in Verbindung. Die chem. Beschaffenheit der in den G. enthaltenen Stoffe sowohl wie die Bedeutung derselben für den Ernährungsprozeß der Pflanzen bedarf noch der genauern Untersuchung. Die Gummibildung in den G. ist ein normaler Vorgang und hat nichts zu thun mit der krankhaften Umbildung der Zellwände, wie sie bei der Gummosis (s. d.) eintritt.

Gummigeschwulst, s. Syphilis.

Gummi Gettania, s. Guttapercha.

Gummiguttbäume, die das Gummigutti (s. d.) liefernden Arten von Garcinia (s. d.).

Gummigutti, Gummigutt, Gutti (Gummi Cambogiae), der eingetrocknete Milchsaft mehrerer Arten von Garcinia (s. d.), besonders von Garcinia Morella Desv., gehört seiner Zusammensetzung nach zu den Gummiharzen (s. d.). Zu seiner Gewinnung macht man vor Eintritt der Regenzeit (Februar bis April) Einschnitte in den Stamm und fängt den ausfließenden Milchsaft in Bambusröhren auf. Durch Erwärmen am Feuer erhärtet das G. in den Röhren, zieht sich dabei zusammen und wird nach dem Erkalten als cylinderförmige Masse (Röhrengummigutti) herausgestoßen. Früher ließ man den Milchsaft auch in Kokosschalen erhärten und brachte das G. in Kuchenform an den Markt, doch hat diese Art der Gewinnung mehr und mehr nachgelassen. Die Handelsware bildet bis gegen 7 cm dicke Röhren verschiedener Länge oder verbogene und zusammengeflossene Klumpen von grünlichgelber Farbe, welche leicht in gelbrote flachmuschelige undurchsichtige Splitter brechen. Zerstoßen liefert es ein gesättigt gelbes Pulver. Mit zwei Teilen Wasser verrieben, bildet es eine gelbe Emulsion. Es besteht aus etwa 85 Proz. alkohol- und ätherlöslichem Harz und 15 Proz. wasserlöslichem Gummi. In ätzenden Alkalien löst es sich mit roter Farbe. Hauptproduktionsgegend sind die Uferlandschaften von Kambodscha, Ausfuhrhafen Singapur (durchschnittlich jährlich 30000 kg im Werte von 150000 M.). Verpackung in Kisten à 1 Picul (etwa 60 kg). Auch auf Ceylon, Maisur und Borneo wird G. gewonnen, gelangt aber nicht in den europ. Handel. - In der Technik wird G. als Wasserfarbe zum Gelbmalen, zum Färben von Weingeistfirnissen u. s. w., medizinisch als drastisches Purgiermittel angewendet und ist in das Deutsche Arzneibuch aufgenommen.

Gummiharze, Weichharze, Schleimharze, Halbharze, Gemenge von Harzen und Gummi, die als trübe, farblose oder gefärbte Flüssigkeiten aus verletzten Stellen der Rinde, der Zweige, des Stammes und der Wurzeln mancher Pflanzen austreten und an der Luft zu teils spröden, teils weichen Massen eintrocknen. In der lebenden Pflanze bilden sie meist den Inhalt der Milchsaftgefäße. Sie sind weder in Wasser noch in Alkohol vollkommen löslich; an Wasser geben sie Gummi ab und lassen das Harz in mikroskopisch kleinen Tröpfchen zurück; von Alkohol wird nur das Harz gelöst, während das Gummi darin unlöslich ist. Meist sind sie gefärbt und finden zum Teil ihres Farbstoffs wegen Verwendung, andere enthalten Bestandteile von mediz. Wirkung und sind daher geschätzte Heilmittel. Hierher gehören Ammoniak, Asa foetida, Galbanum, Bdellium, Myrrhe, Euphorbium, Weihrauch, Opopanax, Gummigutti. (S. die Einzelartikel.)

Gummi Kutera (Kutira), eine dem Tragant ähnliche geringwertige Gummiart.

Gummilack, s. Schellack.

Gummilackschildlaus (Coccus lacca Kerr) oder Gummischildlaus, eine ostind. Schildlaus, die auf verschiedenen Feigenbaumarten lebt und durch ihre Stiche das Ausfließen des Gummilacks oder Schellacks veranlaßt.

Gummineae, s. Lederschwämme.

Gummipasta, s. Altheepasta.

Gummipflaster, zusammengesetztes Bleipflaster, Doppeldiachylon- oder auch Zugpflaster (Emplastrum Lithargyri compositum), eine Mischung aus 24 Teilen einfachem Bleipflaster, 3 Teilen gelbem Wachs und je 2 Teilen Ammoniakgummi, Galbanum und Terpentin.

Gummiplatten, s. Gummiwarenfabrikation.

Gummischildlaus, s. Gummilackschildlaus.

Gummischläuche, s. Gummiwarenfabrikation (S. 557 a).

Gummischleim, eine wässerige Lösung von arab. Gummi (s. d.). Für den offizinellen G. (Mucilago Gummi arabici) schreibt das Deutsche Arzneibuch 1 Teil Gummi und 2 Teile Wasser vor.

Gummischnüre, Gummischuhe, s. Gummiwarenfabrikation (S. 557 b und 558 a).

Gummi Senegal besitzt die gleiche botan. Abstammung wie arabisches Gummi (s. d.) und wird in Senegambien in den ausgedehnten Gebieten zu beiden Ufern des Senegal gesammelt und von den Eingeborenen als Tauschobjekt an die franz. Niederlassungen abgegeben. Dort wird es in Säcke zu 80-90 kg verpackt und als "bas du fleuve" (vom Unterlauf des Senegal) und "haut du fleuve" (aus dem Oberlande) nach Bordeaux verschifft, wo es meist einer weitern Auslese unterliegt. Es bildet kugelige ei- oder auch wurmförmige Stücke von weißgelblicher bis rötlicher Färbung, löst sich in Wasser ziemlich vollständig auf und findet in der Technik die gleiche Verwendung wie arab. Gummi.