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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gurnigelbad - Gürtel
Gurnigelbad, Kurort im Bezirk Seftigen des
schweiz. Kantons Bern, 14 kiu westlich von Thun,
31km südlich von Bern, mit diesem durch Post verbun-
den, liegt in 1153 m Hohe auf einer waldumsäumten
Wiesenterrasse am nordwestl. Abhang des obern Gur-
nigel oder Gurnigelhubel (1550 m), eines nördl.
Ausläufers der Stockhornkette, besteht aus einem
großen Kurhause und mehrern Nebengebäuden, und
besitzt drei Quellen, von denen das Scbwarzbvönnli
und das Stockwasser kalte gipshaltige Schwefelwasser
sind, während die dritte zu den erdigen Eisenwassern
gehört. Das Wasser der Schwefelquellen wird seit
dem 16. Jahrh, sowohl zur Trink- als zur Badekur
verwendet. Die heilkräftigen Quellen, die stärkende
Vergluft und die schöne Umgebung, verbunden mit
der musterhaften Einrichtung des Bades, machen
das G. trotz seiner isolierten Lage zu einem der be-
suchtesten Kurorte der Schweiz (jährlich etwa 2000
Kurgäste). Von den nahen Gipfeln der Stocthorw
kette wird am häufigsten der Ganterist (s. d.) be-
stiegen. - Vgl. Verdat, Gurnigel. Einrichtungen,
Klima, Mineralquellen, Heilresultate, Notizen für
praktische Ärzte (Bern 1876); ders., Naux minerale^
8uIflir6u8C3 äu Aoui'nißkl (Par. und Bern 1879).
Häuser, G. bei Bern (Viel 1879); Gsell-Fels, Die
Bäder und klimatischen Kurorte der Schweiz (3. Ausl.,
Zür. 1892): Briefe vom G. (Bern 1883).
Gursay (engl., spr. görse), Handelsgewicht der
drit.-ostind. Provinz Madras von 20 Kandis ((^nl-
llio8) oder 400 NNU1163 W000 engl. Handeln
pfund oder 4535,92" k^.
Gurschno, Stadt, s. Gorzno.
Gurt, in der dekorativen Kunst cin architek-
tonisches Glied, ein Band oder Streifen, der um
einen Gegenstand in der Mitte herumgeführt ist, um
ein Zusammenfassen in wagerechtem oder eine Tren-
nung in lotrechtem Sinne anzudeuten. Im Hochbau
bezwecken dies die Gurtgesimse <s. Sims), welche
in Höhe der Balkenlagen oder auch in Brüstung^
höhe angebracht werden, um die einzelnen Geschosse
oder Stockwerke zu kennzeichnen oder zu trennen.
Sie sind nächst den Hauptgesimsen die kräftigsten
Gliederungen der Gebäudefronten. - Über G. bei
Trägern s. d.; über G. als Gewebe s. Gurte; als
Bekleidungsstück, s. Gürtel.
Gurtbogen nennt man die entweder zum selb-
ständigen Tragen von Gewölben (Kappengewölbe)
oder nur zur Verstärkung von Tonnengewölben
oder zur Verspannung von Pfeilern bei Kreuz
gewölben und Kuppeln dienenden, nach unten oder
oben vorspringenden Bogen. Bei der Einteilung
großer Räume (wie Kirchen, Hallen u. s. w.) in Ge-
wölbjoche, die auf Pfeilern oder Säulen ruben, un-
terscheidet man Längs- und Quergurte, bisweilen
auch Kreuz- und Diagonalgurte. Sie sind entweder
von einfach rechteckigem Profil, wie in der röm. oder
roman. Kunst, oder von profiliertem Querschnitt, wie
im got. Stil. Die in der Diagonale oder am Grat
von Kappen auftretenden Nebengurtbogen werden
Nippen genannt.
Gurtbremse, s. Bremsen.
Gurte, dicke bandförmige Gewebe, die zu mannig-
sachen Zwecken verwendet werden. Während man
sich der geringsten als Tragbänder, als elastischer
Unterlage für die schneckenförmigen Stahlfedern der
Kiffen, beim Polstern der Stühle, Sofas u. s. w. be-
dient, werden bessere Sorten für den Grundsitz der
Reitsättel (Sattelgrundgurte) sowie zur ge-
polsterten Wagenarbeit (Wagen gurte), feinere
und weichere Sorten als Hosenträger, Halftern so-
wie als eigentliche Sattelgurte (Bauchgurte) be-
nutzt. Durch die Art der Anwendung wird die Wahl
des Materials sowie die Art des Gewebes bedingt.
Tragbänder und Tapeziergurte bestehen
aus sehr grobem Hanf- oder Werggarn und sind
glatt (leinwandartig) gewebt. Damit sie üch nicht
der Breite nach zusammenrollen, ist die Kette ab-
wechselnd aus rechts und aus links gedrehtem Ge-
spinst oder Gezwirn hergestellt.
Die Sattelgrundgurte und Wagengurte werden
aus Hanfgarn, Hanf- oder Leinenzwirn, oder auch
aus zweidrähtigem Bindfaden verfertigt und sind
teils glatt, teils zweiseitig geköpert; im ersten Fall
ist die Kette aus rechts und links gedrehten Fäden
zusammengesetzt. Sattelgurte und Halftern be-
stehen ganz aus Kammwollgespinst und sind stets ge-
köpert, zuweilen auch mit kleinen Mustern durchwebt.
In derselben Weise werden Hosenträger verfertigt,
doch webt man diese noch öfter ganz aus Baumwolle
oder mitbaumwollenerKetteund Einschlag von Jute.
Die Herstellung der ordinären G. aus Hanfgarn,
Werggarn und Bindfaden gehört zum Geschäft des
Seilers, welcher sich hierzu eines sehr einfachen Web-
stuhls (Schlagstuhl, Gurtenschlagstock) be
dient. Die G. aus Zwirn sowie die aus Wolle
werden auf dem Handstuhl der Bortenwirker gewebt.
Auch die feidenen G. sind eine Arbeit des Posamen-
tiers und erfordern oft die ganze komplizierte Ein-
richtung des Wellenstuhls oder des Iacquardge-
triebes. Gemusterte Hosenträger werden auf Band-
mühlen mit Iacquardgetriebe verfertigt. Als eine
besondere Art G. sind die in der Neuzeit als Treib-
riemen für Maschmen sowie statt der Ketten und
Seile bei Personen- und Güterauszügen in Gebrauch
gekommenen baumwollenen G. anzuführen.
Gürtel, ein zum Festhalten der Kleidung am Kör-
per dienender Gurt. Der G. ist in Tracht, Sitte und
Sage von vielfacher Bedeutung. Bei der Neuver-
mählten hatte im Altertum das Lösen des G. einen
symbolischen Sinn. Die Werwölfe, d. h. in Wölfe
Fig. 1.
Fig. 2.
verwandelte Menschen, nahmen die Tiergestalt durch
einen Zaubergürtel an. Im Alten Testament gürtet
sich der jüd. Priester mit der Leibbinde von Byssus