Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

593
Gwaliar - Gyges
linien ein und war in einsichtiger Weise für die
Hebung des Landes bestrebt. Im Juni 1874 ordnete
er die Aufhebung aller Klöster des Landes an. Nach-
dem er 1877 die Präsidentschaft niedergelegt hatte,
wurde er 1879 wiedergewählt und war Präsident
bis 1884 und dann wieder von Sept. 1886 bis
Aug. 1887. Darauf ging er nach Paris, wo er als
Privatmann lebt. G. B. wurde wegen der energi-
schen Handhabung der Gesetze oftmals als Tyrann
verschrieen, doch erfreute sich Venezuela unter ihm
des innern Friedens und steigenden Wohlstandes,
während bald nach seinem Rücktritt neue Partei-
kämpfe das Land zerrütteten.
Gwäliar (engl. 6nk1i0l). 1) Vasallenstaat der
Mahratten in Centralindien, dessen Herrscher in
der Mitte anderer Titel den Namen führt: "Maha-
radscha Dschiadschi Rao ^indhia Vahadur" von
G. G. besteht aus einem Hauptstücke, nördlich von
der Lieutenant-Gouvernenrschaft der Nordwestpro-
vinzen, im O. der Centralprovinzen, und aus mehrern
lleinern in Indaur, Vhopal und andernAgentschaften
Centralindiens gelegenen Teilen, zu dem es in ad-
ministrativer Beziehung gehört. G. umfaßt 75227
cikm mit (l891) 3 378 774 E. (1881: 3115857 E.,
darunter 2 768 385 Hindu, 167320 Mohammedaner,
12230 Dschain, 208 Christen, 198 Sikh und 167516
Angehörige unkultivierter Stämme). Die Einkünfte
betragen 24515396 M., von denen die engl. Re-
gierung 3677300 M. erhält und wofür dieselbe
8400 Mann stellt. Die Armee des Maharadscha
besteht aus 6000 Mann Kavallerie, 5000 Mann
Infanterie und 48 Kanonen. Hauptprodukte des
fruchtbaren Landes sind Wein, Opium und Baum-
wolle. Industrie und Handel sind aber nur gering.
Der herrschende Stamm sind Mahratten', anßer-
dem giebt es Vundela, Dschat und Nadschputen.
- 2) Hanptstadt des Staates G., unter 26° 13'
nördl. Är. und 78° 12' östl. L., in einer Ebene an
der Eisenbahn Agra-Dschhansi, enthält eine sehr
lange Straße, viele Steinhäuser und ist im ganzen
ein schmutziger Ort. Daneben liegt das Laschkar
oder das stehende Feldlager des Maharadscha, eben-
falls ein schmutziger Häuserhaufe, mit zwei großen
Dschaintcmpcln, einer Reihe in den Fels des Forts
gehauener Grotten und Skulpturen sowie dem Palast
des Man-Singh, einem gnten Beispiel der Palast-
architektur der Hindu. An der Westseite liegt die
berühmte Festung G., eine der stärksten in Vorder-
indien, auf einem 110 in hohen isolierten ^and-
steinfclsen, der auf allen Seiten mit senkrechten
Wänden abfällt. Am Nordostende steht die von
sechs hohen Türmen überragte Citadelle. Inner-
halb der Ringmauer befinden sich große Wasser-
bassins sowie auch Acker für eine Besatzung von
15000 Mann. Die Einwohnerzahl von G. mit der
Residenz (beide zusammen heißen jetzt Laschkar) be-
trägt (1891) 85040, darunter etwa 70000 Hindu
und 15000 Mohammedaner.
Gwandjolva, Stadt in Westafrika, s. Salaga.
Gwinner, Wilh. Heinr. von, Forstmann, geb.
13. Okt. 1801 in Ötisheim bei Maulbronn, war
1826-41 Lehrer der Forstwissenschaft in Hohen-
heim, wurde 1841 Kreisforstrat zu Ellwangen, 1850
Forstrat in Stuttgart, 1858 Direktor der fürst-
lich sigmaring. Herrschaften in Böhmen. Er starb
19.Ian. 1866inBistritz. Sein Hauptwerk ist: "Der
Waldbau in kurzen Umrissen" (Stuttg. 1334; 4. er-
weiterte Aufl., von Dengler, 1858). G. gab mehrere
forsüicke Zeitschristen heraus: "Forstliche Mitteilun-
Vrockhauv' Kunversations-Loxikon. 14. Aufl. VIII.
gen" (12 Hefte, Stuttg. 1836-47), "Monatschrist
für das württemb. Forstwesen" (7 Jahrg., ebd. 1850
-56),"Monatschrift für das Forst- und Jagdwesen,
mit besonderer Berücksichtigung von Süddeutsch-
land" im 1. Bd. (ebd. 1857).
Gya oder G ayah, verderbt aus Gaja, Distrikt
und Stadt in Bengalen, s. Bihar.
Gyalla (spr. djal-), Alt- und Neu-, zwei Dör-
fer im ungar. Komitat Komorn. 1) Alt- oder Ö-
Gyalla, Groß-Gemeinde und Hauptort des
Stuhlbezirks Udvard (40119 E.), 13 km im NO.
von Komorn, links an der Zsitva, nahe deren
Mündung in die Neutra, hat (1890) 2362 E., Post,
Telegraph und ist merkwürdig durch die musterhaft
eingerichtete Sternwarte, eine Schöpfung des dor-
tigen Großgrundbesitzers und Astronomen Nikolaus
von Konkol'y-Thege. - 2) Neu-oderUj-Gyalla,
Klein-Gemeinde in demselben Stuhlbezirk, hat
(1890) 926 E. und Post.
Gyarmathi (spr. djär-), Samuel, ungar. Sprach-
forscher, geb. 15. Juli 1751 in Klausenburg, stu-
dierte 1776-82 in Wien Medizin, wirkte mehrere
Jahre als Erzieher, seit 1787 als Komitatsarzt des
Hunyader Komitats und lebte 1795-96 in Göttin-
gen. 1800 wurde er Professor in Zilah in Sieben-
bürgen, trat aber 1809 in den Ruhestand und starb
im April 1830 in seiner Vaterstadt. Sein erstes
Werk ist "Okozkoäva, tanito ina^ar n^6ivui68t6i'"
(Klauseuburg 1784; auch deutsch: "Kritische Gram-
matik der ungar.Sprache", 2Bde., ebd. 1794). Sein
Hauptwerk: "^kiiiiitag lin^uas tiun^Nricas cuin
linZuiä lknnicae oi-i^inis Fi-^ininHtic6li6in0iiFtrHw"
(Gott. 1799), für welches ibn die Göttinger Gelehrte
Gesellschaft zu ihrem Mitgliede wählte, hat trotz man-
cher Mißgriffe lange als Hauptquelle der ugrifchen
vergleichenden Grammatik gegolten.
Gyäros, der antike Name der zu den griech.
Cykladen gehörigen Insel Giura (s. d.).
Gycres (spr. ojehresch), Marktflecken in Sieben-
bürgen am Aranyos (s. d.).
Gyergyö (spr. djerdjoh), eine weite, hochgelegene
Ebene in Siebenbürgen, die oberste Thalstufs des
Maroc-flusses, welcher dieselbe von S. nach N.
durchströmt und dann, gegen W. sich wendend, den
Engpaß zwischen Olah-Toplicza und Deda durch-
bricht. Die G. bildet den nördl. Teil des Komitats
Csik und liegt 650-840 in ü. d. M. Trotz dieser
hohen Lage ist die G. mit Weizen, Roggen, Hafer
und Heidekorn gut angebaut. Die bedeutendsten Ort-
schaften diefer von Magyaren (Szekler) bewohnten
Ebene sind Gyergyö-Szent-Miklös (s. d.), Gyergyö-
Ditrö (Dittersdorf, 5811 E.), Gyergyö-Alfalu
(5175 E.) und Gyergyö-Remete (4584 E.).
Gyergyo-Borfzek, f. Vorszek.
Gyergyöer Gebirge, s. Karpaten.
Gyergyö-Szent-Miklös (spr. dstrdjoh ßent
miklohsch), Groß-Gemeinde im ungar. Komitat Csik,
früber Hauptort des Ezekler Stuhls Gyergyö in
Siebenbürgen, auf der Hochebene Gyergyö (s. d.) in
812 ui Höhe, Sitz eines königl. Bezirksgerichts, hat
(1890) 6104 meist magyar. kath. E., darunter 123
Griechisch-, 410 Armenisch-Katholische und 77 Re-
formierte, Post, eine schöne armenische, eine röm.-
und eine griech.-kath. Kirche, sowie Handel mit Vieh
und Holzwaren. Die Armenier Wandertennach 1668
ein und haben sich vollständig magyarisiert, obgleich
sie die Messe noch in der armenischen Sprache lesen.
Gyges, Sohn des Daskylos, war nach Herodot
ein Günstling des lydischen Königs Kandaules aus
38