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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hagen (Friedr. Heinr. von der) - Hagen (Gotthilf)
(1840). Ferner schrieb er: "Norica" (Vresl. 1829;
6. Aufl., Lpz. 1887; engl. Übersetzung, Lond. 1851),
dem Nürnberger Kunstleben gewidmet, und "Acht
Jahre aus dem Leben Michael Angelo Bonarrotis"
(Berl. 1869). Einen wissenschaftlichen Charakter
tragen H.s "Beschreibung der Domkirche zu Königs-
berg" (Königsb. 1833) und die "Geschichte des Thea-
ters in Preußen" (in den "Neuen preuß. Provinzial-
blättern", ebd. 1850-53). Als Stifter der 1844
zu Königsberg begründeten Altertumsgesellschaft
Prussia gab er 1846-57 die "Neuen preuß. Pro-
vinzialblätter" heraus. Auch veröffentlichte er eine
Schrift über "Max von Schenkendorfs Leben, Den-
ken und Dichten" (Berl. 1863).
Hagen, Friedr. Heinr. von der, Germanist, geb.
19. Febr. 1780 zu Schmiedeberg in der Ukermark,
studierte in Halle Rechtswissenschaft, war kurze Zeit
im praktischen Staatsdienste und wandte sich 1807
ganz dem Studium der ältern deutschen Litteratur zu.
1810 wurde H., der erste akademische Vertreter der
deutschen Philologie, außeroro. Professor der deut-
schen Sprache und Litteratur an der neueröffneten
Universität zu Berlin; 1811 nach Breslau berufen,
dort 1818 zum ord. Professor befördert, kehrte er
als solcher 182 l nach Berlin zurück, wo er später
auch in die Akademie der Wissenschaften gewählt
ward. Er starb 11. Juni 1856 in Berlin. H. war
unter den Forschern aus der Frühzeit der deutschen
Philologie einer der verdientesten und gelehrtesten.
Seine Liebe für das deutfche Altertum wurzelte
tief in der Romantik und den patriotischen Ten-
denzen der Freiheitskriege; bei bewundernswerter
Arbeitskraft und Gelehrsamkeit behielt er sein Leben
lang eine dilettantische Sorglosigkeit, eine flache
Selbstzufriedenheit, eine sprachliche Unkenntnis,
einen Mangel an Methode und Kritik, der ihn
trieb sich gegen die Fortschritte zu verschließen, die
die deutsche Philologie durch Lachmann und die
Grimm machte. Sein Hauptverdienst beruht auf
seinen zahllosen Ausgaben, die, meist freilich bloße
Handschriftenabdrücke, eine Menge bis dahin un-
bekannter altdeutscher Dichtungen zugänglich mach-
ten und zumal in den patriotisch erregten Zeiten
um 1813 das Interesse für das deutfche Mittel-
alter in weite Kreise trugen. Vom Nibelungenlied
lieh er außer einer Art neuhochdeutscher Umschrift
(1807) vier Ausgaben erscheinen (1810,1816,1820,
1842). Gedichte der Heldenfage enthielten auch die
"DeutfchenGedichte des Mittelalters" (mit Vüsching,
2 Bde., Verl. 1808-25; darin "Das Heldenbuch in
der Ursprache" mit Primisser) und das "Heldenbuch"
(2 Bde., Lpz. 1855). H.s noch heute unentbehrliches
Hauptwerk ist die fleißige Sammlung der "Minne-
singer" (4 Bde. in 5 Abteil., Lpz. 1838; dazu der
"Bildersaal altdeutscher Dichter", Berl. 1856), deren
letzter Band einen ungeheuern, freilich wenig ver-
arbeiteten Stoff über die Lebensverhältnisse und
Werke der lyrischen Dichter des 12. bis 14. Jahrb.
zusammenträgt. Durch umsichtige und gelehrte Nach-
weise brauchbar ist seine Sammlung mittelhochdeut-
scher Reimnovellen "Gesamtabentcuer" (3 Bde.,
Stuttg. 1850). H. gab außerdem unter vielem andern
heraus das "Narrenbuch" (Halle 1811; humoristische
Voltsbücher erneuernd), "Buch der Liebe" (Bd.1, mit
Büsching, Berl. 1809), "Altdeutsche und altnordische
Heldensagen" (2. Aufl., 2 Bde., Vresl. 1855), "Des
Landgrafen Ludwig des Frommen Kreuzfahrt" (Lpz.
1854). Mit Habicht und Schall führte er die Mär-
cben der "Tausendundeine Nacht" (15 Bde., 5. Aufl.,
Bresl. 1840), allein aber "Tausendundein Tag"
(11 Bde., Prenzl. 1826-32; 2. Aufl. 1834) in die
deutsche Litteratur ein. Sein in Verbindung mit
Büsching verfaßter "Litterar. Grundriß der Ge-
schichte der deutschen Poesie" (Berl. 1812) ist eine
für jene Zeit sehr rühmliche Inventarisierung des
Handsckriftenmaterials. 1809 - 11 leitete H. mit
Docen und Büsching das "Museum für altdeutsche
Litteratur und Kunst", das auch die bildenden Künste
berücksichtigte, 1812 die "Sammlung für altdeutsche
Litteratur und Kunst", 1836-53 das "Neue Jahr-
buch der Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache
und Altertumskunde". Wissenschaftliche Reifen ver-
anlaßten H. zu seinen "Briefen in die Heimat" (4Vde.,
Vresl. 1816-21), welche das Volksleben und die
Natur, in der die Künstler aufwuchsen, zum Ver-
ständnis der Kunstwerke der deutschen Vergangen-
heit heranziehen wollen.
Hagen, Gotthilf, Wasserbaumeister, geb. 3. März
1797 zu Königsberg, widmete sich auf der Universität
daselbst unter Nessel mathem. und astron. Studien.
Im Auftrage der Berliner Akademie der Wissen-
schaften beobachtete er in Culm die totale Sonnen-
finsternis 18. Nov. 1816. Die Berechnung der ver-
schiedenen Beobachtungen derselben veröffentlichte H.
im 5. Bande der "Zeitschrift für Astronomie und ver-
wandte Wissenschaften". In der Folge ging H. zum
Studium des Baufachs über, wurde 1825 als Stell-
vertreter des Regierungs- und Vaurats nach Dan-
zig berufen und 1826 als Hafenbauinspektor in
Pillau angestellt. 1831 trat er mit dem Titel
Oberbaurat in die Oberbaudeputation. Daneben
war er bis 1849 an der Bergakademie Lehrer der
Wasserbaukunst; 1842 wurde er auf Alexander von
Humboldts Vorschlag Mitglied der Akademie der
Wissenschaften. Er erhielt 1847 den Titel Geh. Ober-
baurat, trat 1850 bei Auflösung der Oberbaudepu-
tation als vortragender Rat in das Handelsmini-
sterium und war 1854-56 in der Admiralität mit
der Ausstellung des Projekts und Einleitung des
Baues des Kriegshafens an der Jade beschäftigt,
worauf uach dem Wiedereintritt in das Handels-
ministerium vorzugsweise die Hasenbauten ihm
übertragen wurden. H. wurde 1866 mit dem Titel
Oberbaudirektor Vorsitzender der technischen Bau-
deputation und 1869 zum Oberlandesbaudirettor
erhoben. Er starb 3. Febr. 1884 in Berlin.
Unter H.s Arbeiten sind hervorzuheben: "Be-
schreibung neuer Wasserbauwerke" (Königsb. 1826),
"Grundzüge der Wahrscheinlichkeitsrechnung" (Berl.
1837; 3. Aufl., mit Nachtrag: "Der Konstanten
wahrscheinliche Fehler", ebd. 1882 u. 1884) und vor
allem sein "Handbuch der Wasserbaukunst" (3 Tle.,
ebd. 1841 - 65; Tl. 1 u. 2, 3. Aufl. 1869 - 74;
Tl. 3, 2. Aufl. 1878 - 81), "Der Marne-Nhein-
kanal" (ebd. 1847), "über Form und Stärke ge-
wölbter Bogen und Kuppeln" (2. Aufl., ebd. 1874),
"Zur Frage über das deutsche Maß" (ebd. 1861),
"Die Kanalisierung der obern Saar" (ebd. 1866),
"Über die Bewegung des Wassers in Strömen"
(ebd. 1868), "über die Bewegung des Wassers in
cylindrischen, nahe horizontalen Leitungen" (ebd.
1870), "über den Seitendruck der Erde" (ebd. 1871),
"Untersuchungen über die gleichförmige Bewegung
des Wassers" (ebd. 1876), "Die Seehäfen in den
Provinzen Preußen und Pommern" (2 Tle., ebd.
1883 - 85). Auch veröffentlichte er zahlreiche Ab-
handlungen in den Denkschriften der Berliner Aka-
demie, wie "über Form und Stärke der gewölbten