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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hainspach - Haiti
Katholiken,' Post, Telegraph; eine große Papier-
fabrik, je zweiTürkifchrotfärbereien, Schmelztiegel',
Drahtbürsten- und Möbelfabriken, Maschinenbau-
Anstalt,Vrauerei,MühlemitSägewerkund Bäckerei.
Hainspach, czech. ilansMcii, Markt in der
österr. Bezirkshauptmannschaft Schluckenan in Böh-
men, an der Linie Rumburg - Nixdorf der Böhm.
Nordbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (103,58 ^m,
1 1 Gemeinden, 24 Ortschaften,'3193 Häuser, 23029
meist kath. deutsche E., darunter 354 Evangelische),
hat (1890) 609, als Gemeinde 2907 E., Post, Tele-
graph, ein Schloß mit Park, Familiengruft und
Fideikommißherrschaft (2744 da) des Reichsgrafen
Thun-Hohenstein und eine Brauerei. Bei H. liegt
das Dorf Hielgersdorf (1585 E.), der nördlichste
Punkt der Monarchie.
Haircord (engl., spr. hähr-, ".haarstrick"), ein
glattes, leinwandartiges Baumwollgewebe, dessen
Kette farbig gestreift ist und in regelmäßigen Ab-
ständen drei- bis fünffache nicht gezwirnte Fäden
enthält, wodurch der Stoff der Länge nach zart ge-
rippt erscheint und ein dem Schnürchcnpercal (s. Per-
cal) ähnliches Aussehen gewinnt.
Hairochen, Fisch, s. Rochen.
Haistulfus (Ahistulsus), s. Aistulf.
Haiterbach, Stadt im Oberamt Nagold des
württemb. l^chwarzwaldlreises, 9,n I<m südwestlich
von Nagold, in 505 m Höhe, ist an den Fuß des Stau-
dachs angebaut und hat (1890) 1823 meist evang. E.,
Postagentur, Telegraph, Reste der alten Ringmauer,
eine schöne, 1886 ernenerte Kirche, Mittelschule, ge-
werbliche Fortbiloungs-, Industrieschule für Näh-
nnd Strickarbeiter: Böttcherei, Möbelschreinerei,
Brauerei und Mühlen. - H. war eine gräflich Hohen-
bergische l^tadt und kam 1363 an Württemberg.
Haiti oder Hayti nach ihrem ursprünglichen,
Santo Domingo nach ihrem span. in der Han-
dclswelt noch immer üblichen Namen, früher auch
Hispaniola genannt, Insel, nach Cuba die
ansgedehnteste unter den Großen Antillen, wird
durch die Monapassage von Portoriko, durch die
Windwardpassage (Kanal von Jamaika) von Cuba
l87 Kni) und Jamaika getrennt und hat, bei einer
Breite von 40 bis 265 km in westöstl. Richtung
660 kni lang, einen Flächeninhalt von 75074, mit
den kleinen dazugehörigen Inseln Tortnga, Gonave,
Grande (5ayemite, Lavache, Saona und Beata von
77 253 (ikm. Die Bevölkerung wird auf 1377 000 E.
geschätzt. (S. Karte: Antillen, Bd. 1, S. 692.)
Bodengestaltung. Die Insel ist reich gegliedert
und sehr gebirgig. Das Verhältnis von Ebene zu
Gebirge ist 4:11. Den Hauptstock bildet eine gegen
Ostsüdost streichende Kette, welche im Südosten der
Insel den Namen Cibao führt. Der höchste Gipfel
ist der 2955 m hohe Uaqui, ungefähr in der Mitte
des Landes. Parallele Ketten ziehen an der Nord-
küste und im Südwesten. Sie bestehen aus Sand-
steinen und Schiefern der Kreidezeit, in den böchsten
Teilen aus alten Massen- und Eruptivgesteinen;
dagegen sind die großen Längsthäler, namentlich
das des Jaqui und des Juna im Norden, Alluvial-
bildungen. Schroffe Hörner bilden die Gipfel, niedri-
ges welliges Hügelland und weite grasreiche Ebenen
(Vegas) das tiefere Land. Die Bewässerung ist gut;
außer dem Uaqui und der Juna, welche in dem
nördl. Längsthal fließen, entsendetdas Cibaogebirge
gegen Süden einen zweiten Uaqui, gegen Westen
den Artibonite, doch sind alle diese Flusse versandet
nnd nicht schiffbar. Das südl. Längsthal wird durch
zwei große Seen (Laguna Enriquillo) eingenommen.
Mineralschätze sind häufig. Berühmt war der Gold-
reichtum sogleich nach der Entdeckung; Silber, Kupfer,
Platin, Eisen, Zinn, Antimon, Schwefel, Steinsalz,
Jaspis, Marmor, Petroleum sind nachgewiesen, wer-
den aber nicht ansgebeutet. Weiden und Wiesen sind
namentlich in der Vega Real am I)aqui und der
I)una zu finden.
Klima,Pflanzen-und Tierwelt. Das Klima
ist ganz tropisch, heiß und feucht, auf den Bergen aber
herrscht ewiger Frühling. Selbst die Küstenstrecken, wo
das Klima durch die Seewinde gemäßigt ist, eignen
sich wenig für den Europäer. Die Zeit der atmo-
sphärischen Niederschläge ist auf den verschiedenen
Teilen nickt dieselbe. Während gegen Ende Novem-
ber der nordöstl. Teil durch reichliche Regengüsse
erquickt wird, leidet der Süden und zum Teil auch
der Westen durch anhaltende Dürre. Im Westen
und Süden, sowie im Innern gilt die Zeit von
April bis Oktober für den Winter oder die Jahres-
zeit der Stürme, Gewitter und Regengüsse; im Nor-
den dagegen rechnet man gerade umgekehrt. Hier
ist die Regenmenge größer als im Westen und Süden.
Znweilen wird die Insel von Orkanen und Erdbeben
heimgesucht: so namentlich 1564, 1684, 1691,1751,
1770 und 1842. Prachtvolle Wälder bekleiden die
fast bis zu den Gipfeln kulturfähigen Gebirge.
Hauptprodukte sind Kaffee, dessen Ernteertrag von
der Menge und Verteilung des Regens über das
Jahr abhängt, Kakao, Zucker, Indigo, Baumwolle
und Tabcu, ferner kommen Vanholz, Mahagoni-
und andere Hölzer zur Ausfuhr. Die von den
Europäern eingeführten Hanstiere sind verwildert
und in großer Menge vorhanden, namentlich Rin-
der und Schweine, auch die eingeschleppten Ratten
und Mänse haben sich ungemein vermehrt. Flüsse
und Seen sind von Kaimanen und Alligatoren be-
lebt. Von wilden Säugetieren kommen außer meh-
rern Fledermäusen bloß eine eigene Art Insekten-
fresser und 2 eigene Arten von Nagetieren vor. Land-
vögcl finden sich 40 Arten, davon 17 eigentümliche,
unter ihnen Kolibris, Kuckuck, Tauben, Tanagras,
Spechte, Drosseln, Papageien (1 Art) u. s. w.
Gegenwärtig bestehen auf der Insel zwei Staa-
ten, von denen der östliche den ehemals span. Anteil
umfaßt und die Republik Santo Domingo (s. d.),
der westliche, aus dem ehemals franz. Anteil her-
vorgegangene Staat die Republik H. bildet.
Die Republik H. hat 28676<ikin und 960000 E.,
d. i. 33 auf 1 hliin. Das Land ist topographisch und
geologisch sehr wenig bekannt. Fast die ganze Be-
völkerung sind Neger, nnr ein Zehntel Mulatten,
dazu kommen 600 -700 Deutsche. Die Mulatten
sind höher begabt als die Neger, aber moralisch ver-
kommen. Die männliche Bevölkerung verhält sich
zur weiblichen wie 2:3. Im ganzen ist das Land dünn
bevölkert, teils wegen der unaufhörlichen Bürger-
kriege, teils wegen der hohen Kindersterblichkeit.
Landwirtschaft, Handel und Verkehr. Der
Ackerbau verfällt mehr und mehr, obwohl das Land
äußerst fruchtbar ist. An die Stelle des Zucker-
robrs ist die Kultur des Kaffees und der Farbe-
hölzer getreten. 189l. wurden ausgeführt: Kaffee
78, Blauholz 160, Kakao 3, Baumwolle 1 Mill.Pfd.
Dazu kommen Felle, Mahagoni-, andere Nutz- und
Farbhölzer, Schildpatt n. f. w. Le Cap H. und Port-.
au-Prince sind die wichtigsten Hafenorte, ferner Go-
na'ives, Ieremie, St. Marc und Port de Pair. Der
Bau einer 1886
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