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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Halle (an der Saale)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Halle'

grenzenden Staaten (1889), der Gartenbauverein (1870), der Ornithologische Centralverein für Sachsen und Thüringen, der Verein für Insektenkunde (1889), Journalleseverein der Halleschen Ärzte (1851), Verein der praktischen Ärzte (1860), Verein für Volkswohl mit 9 Abteilungen, der Kunstgewerbeverein sowie mehrere Musikvereine (Singakademie, Neue Singakademie u. a.). In der städtischen Sparkasse befanden sich (Ende 1892) auf 37 859 Büchern 17 Mill. M., in der Sparkasse des Saalkreises auf 72 287 Scheinen 12,418 Mill. M.

Die Stadt hatte (Ende 1892) 21 Orts-, 12 Betriebs-, 2 Innungskranken- und 2 freie Hilfskassen mit 13 218, 1900, 456 und 869 Mitgliedern, 219 887, 43104, 1993 und 7706 M. Einnahmen, 221 223, 37 741, 2815 und 8101 M. Ausgaben und 201 928, 73985, 1480 und 11 245 M. Gesamtvermögen.

Wohlthätigkeitsanstalten. Es bestehen das Hospital St. Cyriaki et Antonii (14. Jahrh.) zur Ausnahme kranker und unvermögender alter Einwohner, die Diakonissenanstalt (1857 gegründet, 120 Betten, 81 Diakonissen, 52 Hilfsschwestern), das Martinsstift für Sieche und Einsame (80 Insassen), das städtische Siechenhaus (1892 eröffnet), ein Kinderasyl und ein Asyl für Obdachlose.

Außerdem besitzt die Stadt eine Reinigungsstation für Schmutzwässer (bis 3000 cbm täglich) und eine Anstalt zur Desinfektion von Kleidungsstücken bei ansteckenden Krankheiten, welche polizeilich vorgeschrieben ist.

Industrie. Der älteste Gewerbebetrieb ist die Salzgewinnung, die schon im 10. Jahrh, ein Lehn der Erzbischöfe von Magdeburg war. Sie war seit alters her in den Händen der Pfännerschaft, neben deren Saline durch den Großen Kurfürsten eine staatliche Saline entstand. Laut Vertrag mit der Regierung 1817 lieferte die Pfännerschaft jährlich 85 498 Ctr. Salz an den Staat; 1868 erwarb sie die königl. Saline, und 1876 bildete sich die Konsolidierte Hallesche Pfännerschaft, die ihr Vermögen in 6000 Kuxe geteilt hat. Die Saline liegt auf einer Insel der Saale westlich der Stadt, die Solquellen auf der "Halle" nahe der Marienkirche. Die Arbeiter in den Salzwerken sind unter dem Namen der Halloren (s. d.) bekannt. Die Salzwerke lieferten (1890) 8534 t Siedesalz. Sehr alt und noch jetzt bedeutend sind die Weizenstärkefabrikation (19 Fabriken lieferten 5000 t Stärke) in Verbindung mit Schweinemästerei, die Brauerei (18 Brauereien verwendeten 1890: 3600 t Gerstenmalz, brauten 40 762 hl obergäriges und 173 821 hl untergäriges Bier und zahlten 155 282 M. Brausteuer), die Branntweinbrennerei, die Zuckerindustrie in der Stadt (Raffinerie und Zuckersiederei) und in der Umgebung. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrh. haben sich entwickelt vor allen die Eisengießerei, Maschinenindustrie und Kesselschmiede, namentlich der Bau von Förder- und Wasserhaltungsmaschinen für Bergbaugewerke (die älteste Fabrik, Leutert u. Co. in Giebichenstein, ist 1856 gegründet), von Apparaten für Zuckerfabriken u. s. w. (A. L. G. Dehne; Hallesche Maschinenfabrik und Eisengießerei, Aktiengesellschaft; Wegelin u. Hübner; A. Wernike) und Brennereien und von Dampfkesseln (Victor Lwowsky, F. Schmidt, Seyffert, Melzer, Wuth H Dietrich), von landwirtschaftlichen Maschinen (F. Zimmermann u. Co.), von Dampfmaschinen (Weise u. Monski), von Baukonstruktionen (Otto Neitsch u. a.), im ganzen 37 größere Maschinenfabriken, wozu noch eine ↔ große Anzahl von andern Metallbearbeitungsanstalten kommen. Außerdem besteht Fabrikation von Chemikalien, Malz, Wagen, Farbewaren, Cigarren, Cichorien, Kakao und Schokolade, Honigkuchen und Zuckerwaren (David u. Söhne), Korbwaren, Düngemitteln, Soda, Ceresin und Schmieröl, Seifen, Parfümerien, Damenmänteln, künstlichen Blumen, Leder, Handschuhen, Papier (Cröllwitzer Papierfabrik) und Luffawaren, ferner Holzschneidereien, Tischlereien, Wagenbauereien und bedeutende Mühlen in der Umgebung (in Böllberg, Döllnitz u. a.). Die zahlreichen Braunkohlengruben in der Nähe haben eine großartige Industrie hervorgerufen. Die A. Riebeckschen Montanwerke förderten (1890) aus 16 Kohlengruben etwa 24 Mill. hl Kohlen, aus welchen 200 000 t Briquetts, 3,6 Mill. Naßpreßsteine und in 592 Schwelöfen 25 000 t Teer gewonnen wurden, aus letzterm wieder 1902 t Solaröl, 875 t helle, 10 190 t dunkle Öle und 3379 t Paraffin; die Sächsisch-Thüringische Aktiengesellschaft (1855 gegründet) förderte 5,5 Mill. hl Kohle und erzeugte in 6 Schwelereien mit 171 Chamottecylindern 7500 t Teer; die Zeitzer Paraffin- und Solarölfabrik zu H. (1884 gegründet) erzeugte 5150 t Teer.

H. ist Sitz der 4. Sektion der Knappschafts-, der 8. der Papiermacher-, 6. der Steinbruchs-, 2. der Magdeburgischen Baugewerks-, 6. der Buchdrucker-, 12. der Fuhrwerksberufsgenossenschaft sowie der 7. Sektion der Berufsgenossenschaft der Schornsteinfegermeister des Deutschen Reichs.

Handel. Der Handel ist gleich der Industrie sehr bedeutend und in lebhaftem Aufschwung begriffen. Hervorragend ist der Handel mit Zucker, Getreide und Mühlenprodukten, der durch die Gründung der Halleschen Getreide- und Produktenbörse 1865 in der Stadt konzentriert wurde und sich durch die Umwandlung derselben 1888 in die "Börse zu Halle a. S." noch mehr gehoben hat. Aufsichtsorgan der letztern ist die Handelskammer (1845 gegründet). Die Reichsbankstelle hatte (1892) einen Umsatz von 1098 Mill. M.

Verkehrswesen.


Textfigur:

Der Schiffsverkehr auf der Saale war schon im Mittelalter sehr bedeutend und erstreckte sich auf Salz, Getreide, Holz, Steine, Kupferschiefer aus dem Mansfeldischen und Kohle. Besonders hob er sich nach dem Dreißigjährigen Kriege durch den vom Großen Kurfürsten befohlenen Umbau der hölzernen Schleusen in steinerne, welcher 1698 beendet war. Durch Regulierung in der Mitte des 19. Jahrh, ist die Saale bis H. für Kähne bis zu 300 t Ladegewicht fahrbar gemacht und durch die Einführung der Kettenschleppschiffahrt 1884 ein regelmäßiger Verkehr hergestellt worden. Im J. 1889 wurden 1858 Frachtschiffe mit einer Ladung von 113 956 t befördert. Durch die erste Saalschleuse bei Calbe gingen:

Eine erhebliche Förderung wird der Schiffs- und Umschlagsverkehr durch die in Angriff genom-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 681.