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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Halle

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Halle (in Westfalen)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Halle'

mene Verbindungsbahn (6 Km) zwischen dem Sophienhafen im W. der Stadt und dem Centralbahnhof erhalten.

Eisenbahnen. H. liegt an den Linien H.-Soran-Guben, H.-Bebra (210,2 km, Thüringer Eisenbahn), H.-Berlin (167,7 Km, Berlin-Anhalter Eisenbahn), H.-Nordhausen-Cassel (217,6 km), Magdeburg-H.- Leipzig (119,1 km), H.-Vienenburg (126,9 km) der Preuß. Staatsbahnen, welche sämtlich in den großartigen 3. Okt. 1890 eröffneten Centralbahnhof (Baukosten 11 Mill. M.) einmünden. Die Zahl der täglich auf demselben ankommenden Züge beträgt etwa 300, darunter 54 Schnell- und 120 Personenzüge. 1892 wurden in H. 1 230 404 Fahrkarten ausgegeben. Der Güterverkehr bezifferte sich in Tonnen folgendermaßen:

GüterEmpfangVersand
Eilgut32432962
Stückgut3452458099
Wagenladungen zu 5 t4066943720
Wagenladungen zu 50 t557510163893

Der Viehverkehr wies im Versande 75 003 Stück nach.

Geplant ist, als Fortsetzung der erwähnten Hafenbahn, eine normalspurige Kleinbahn (44 km) über Nietleben (Braunkohlenwerke, Ziegeleien, Cementfabrik), Dölau (Thonerde- und Porzellanwerke), Lieskau (Kalkwerke), Schwittersdorf und Helmsdorf (Zuckerfabriken), Gerbstedt nach Hettstedt zur Aufschließung des landwirtschaftlich und industriell hochentwickelten Mansfelder Seekreises.

Die Hallesche Straßenbahn (seit 15. Okt. 1882) mit 57 Beamten, 26 Wagen und 104 Pferden führt vom Bahnhof über den Markt und über die Poststraße nach Giebichenstein (6 km) und beförderte (1892) 2 128 902 Personen; die Stadtbahn (seit 1889) mit elektrischem Betriebe (8,4 km) und 85 Beamten und 28 Motorwagen führt im O. der Stadt von S. nach N. (Giebichenstein und Trotha) und in einzelnen Linien quer durch die Stadt; sie beförderte 1 942 165 Personen.

H. hat je zwei Postämter erster Klasse und Stadtpostanstalten mit Telegraphenbetrieb, ein Telegraphenamt erster Klasse und ein Bahnpostamt; die Fernsprecheinrichtung (110,9 km Linien mit 908,6 km Leitungen) hatte (Ende 1891) 604 Teilnehmer mit 641 End-und Zwischen-Fernsprechstellen. 1891 gingen ein (wurden aufgegeben) 9 028 942 (11 679 538) Briefe, Postkarten, Drucksachen und Warenproben, 566 980 (470 669) Pakete ohne, 78 475 (57 807) Briefe und Pakete mit Wertangabe, 51 805 Postnachnahmesendungen und 21 418 Postauftragsbriefe. Der Wert der ausgezahlten Postanweisungen betrug 33,378 Mill. M., der eingezahlten 22,165 Mill. M. Der Telegrammverkehr betrug 282 2l8 Stück, darunter 143 264 aufgegebene.

Umgebung. Südwestlich von H. die zum Teil bewaldete Rabeninsel, westlich unmittelbar an der Saale ausgedehnte Wiesenflächen, das Stadtgut Gimritz auf der Peißnitz mit Parkanlagen, der Weinberg, die Bergschenke und das Dorf Cröllwitz, im N. der Stadt das benachbarte Giebichenstein (s. d.) mit Ruinen und schönen Felspartien am Ufer der Saale.

Geschichte. H. wird zuerst 806 als Burg Halla erwähnt, die damals als deutsche Grenzfestung gegen die Slawen unter Karl d. Gr. angelegt worden war. Kaiser Otto I. schenkte die Landschaften an ↔ der Saale mit Giebichenstein und den Salzwerken 965 dem neuen Moritzkloster, und seitdem ist das polit. Schicksal von H. mit dem des Erzbistums Magdeburg eng verbunden. Als Stadt wird H. im J. 1064 zum erstenmal urkundlich erwähnt. Wahrscheinlich entstand schon damals neben der befestigten Altstadt im Thale eine Oberstadt auf dem Berge (Bergstadt oder Berg genannt). 1116 gründete der Erzbischof Adalgoz das große Augustinerkloster Neuwert. 1180-84 wurde das Moritz-, 1231 das Cisterciensernonnenkloster (in Glaucha) und später noch mehrere andere gegründet. Mit Anfang des 12. Jahrh. beginnt die Handelsblüte der Stadt, die dann im 13. und 14. Jahrh, als Mitglied der Hansa ihren Territorialherren, den Erzbischöfen von Magdeburg, gegenüber sich fast unabhängig stellte. Erbitterte Kämpfe zwischen der zünftigen Demokratie und dem Patriciat der Pfänner brachten es dann dahin, daß Erzbischof Ernst 1478 die Stadt unterwerfen konnte. Die Reformation fand in H. schon seit 1522 Eingang, siegte aber erst 1541. Im Dreißigjährigen Kriege wurde der Wohlstand der Stadt auf lange Zeit gänzlich zerrüttet. Durch den Westfälischen Friedensschluß kam sie mit dem Erzstift an das Haus Brandenburg, in dessen Gebiet sie 1680 einverleibt wurde. Im franz. Kriege wurde sie 17. Okt. 1806 mit Sturm genommen, hierauf zum Königreich Westfalen geschlagen und erst nach der Auflösung desselben 1813 wieder mit Preußen vereinigt. 1809 wurde ein Solbad an der Saale gegründet, welches später wieder einging und 1846 durch Bad Wittekind ersetzt wurde. 1817 wurden die Städte Neumarkt und Glaucha mit H. vereinigt und seit der Mitte des Jahrhunderts hat die schnelle Entwicklung von H. zur Großstadt begonnen, namentlich durch den Bau der Eisenbahnen, deren erste (Magdeburg-Leipzig) 1840 erbaut wurde.

Litteratur. Dreyhaupt, Ausführliche Beschreibung des Saalkreises (2 Bde., Halle 1749-55; im Auszuge von Stiebritz, 2 Bde., ebd. 1771-73; fortgesetzt von Eckstein u. d. T.: Chronik der Stadt H./ebd. 1842-44); Hendel, Chronik von H. (ebd. 1818); Knauth, Kurze Geschichte und Beschreibung der Stadt H. (3. Aufl., ebd. 1861); vom Hagen, Die Stadt H., nach amtlichen Quellen (2 Bde., ebd. 1866 - 67; Ergänzungshefte: die Verwaltungsberichte der Stadt H., ebd. 1868-73); Führer durch H. (6. Aufl., ebd. 1892); H. und Umgegend (3. Aufl., ebd. 1892); Schwetschke, Zur Gewerbegeschichte der Stadt H. von 1680 bis 1880 (Tl. I, ebd. 1883); Die Stadt H. im J. 1891. Festschrift ... (ebd. 1891); Hertzberg, Geschichte der Stadt H. von den Anfängen bis zur Neuzeit, I. H. im Mittelalter (ebd. 1889); II. H. während des 16. und 17. Jahrh. (ebd. 1891); III. H. während des 18. und 19. Jahrh. (ebd. 1892).

Halle in Westfalen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Minden, hat 303,89 qkm, (l890) 28 8l9 (14 205 männl., 14 614 weibl.) E., 4 Städte, 35 Landgemeinden und 2 Gutsbezirke. -

2) Kreisstadt im Kreis H., 12 km im NW. von Brackwede, in schöner Gegend am Leibach und an der Nebenlinie Brackwede-Osnabrück der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Bielefeld), hat (1890) 1815 E., darunter 61 Katholiken und 30 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph; Tabakfabrikation, Gerberei, Seilerei, Branntweinbrennerei, Fleischwarenfabriken und Handel mit Landesprodukten, namentlich Schinken

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 682.