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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Halleluja - Haller (Albr. von)
das Glashütte, chem. Produktenfabrik und große!
Marmorwarenfabrik besitzt. Bei 5. liegt Adnet
(1295 E.) mit großen Marmorbrüchen.
Halleluja (d. h. Lobet Iahwe!), ein in die Bibel-
übersetzungen übernommener feierlicher Ausruf der
hevr. Poesie. Sein Gebrauch ging aus dem jüd.
Gottesdienste in den christlichen über. In der morgen-
land. Kirche sang man das H. zu allen Zeiteil, die
abendländische ließ es schon im 5. Jahrh, in der
Fastenzeit weg und stimmte es erst Ostern zum Zei-
chen der Freude wieder an. Die Juden nennen die
Psalmen 113 bis 118 das große H., weil bier be-
sondere Wohlthaten Gottes gegen das jüd. Volk ge-
priesen werden, und singen diesen Lobgesang beson-
ders am Passah- und Laubhüttenfeste.
Hallölt, Andreas, schwed. Komponist, geb.
22. Dez. 1846 zu Göteborg, studierte in Leipzig,
München und Dresden, dirigierte seit 1872 mit
geringen Unterbrechungen die Musikvereinskonzerte
in Göteborg und lebt seit 1884 in Stockholm als
Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft, seit
1892 als Kapellmeister der königl. Oper. H.s Kom-
positionen - eine Oper "Harald der Wiking" (1881),
die Orchester-Chorwerke "Vom Pagen und der
Königstochter", "Traumkönig und sein Lieb", "Vi-
neta"; nordische Rhapsodien und sinfonische Dich-
tungen sür Orchester, schwed. und deutsche Lieder,
eine Violinromanze, "Das Llhrenfeld" für Frauen-
chor und Klavier u. s. w. - haben bis jetzt wenig
Verbreitung gefunden. Sie machen sich durch das
Streben nach besondern Klangwirkungen bemerkbar.
Hallenberg, Stadt im Kreis Brilon des preuß.
Neg.-Vez. Arnsberg, 35 km im SSO. von Olsberg,
in 425 m .höhe, an der Nuhne, hat (1890) 1085 E.,
darunter 28 Evangelische und 34 Israeliten, Post,
Telegraph, reichhaltige Schieferlager und vorzüg-
liche Pflastersteinbrüche. Westlich davon der veide-
lops (698 m).
Hallenkirche, eine Kirche, bei der die Neben-
schiffe des Langhauses gleiche oder doch annähernd
gleiche Höhe erhielten wie das Mittelschiff, sodaß
ein Dach das ganze Langhaus überdeckt. Die H.
gehören in erster Linie Deutschland an, erscheinen
in Westfalen schon im roman. Stil. Die Elisabeth-
tirche zu Marburg in Hessen (1235) ist die erste K. mit
got. Anlage. In der spätern Zeit herrschen dieß. vor.
Haller, Albr. von, Anatom, Physiolog, Bota-
niker, Arzt und Dichter, geb. 16. Okt. 1708 zu Bern,
aus einer schweiz. Patricierfamilie stammend, ver-
lebte einen großen Teil der Jugend auf dem fchönen
einsamen Hasligute, wo sich seine Naturandacht
berausbildete, und bezog 1721 das Gymnasium zu
Bern. Seit 1723 studierte er in Tübingen Medizin.
Voerhaaves Ruf zog ihn 1725 nach Leiden, wo er
1727 die Doktorwürde erwarb. Nach einer wissen-
schaftlichen Reise durch England und Frankreich
studierte er in Basel unter Bernoulli die höhere
Mathematik. (Vgl. Albrecht H.s Tagebücher seiuer
Reisen nach Deutschland, Holland und England
1723 - 27, hg. von L. Hirzel, Lpz. 1883.) Aus
einem Ausflug in die Alpen, den er mit feinem
Freunde Joh. Gehner 1728 unternahm, legte er
den Grund zu seinem großen botan. Werke und
zu seinem Lehrgedicht "Die Alpen". 1729 ließ er
sich in Bern als Arzt nieder, aber erst 1734 er-
laubte man ihm, der durch satir. Dichtungen Anstoß
erregt hatte, anatom. Vorlesungen an dem neu-
gegründeten anatom. Theater zu halten. 1735
wurde er Stadtarzt und Stadtbibliothekar. Auch
bereiste er jährlich die Alpen und sammelte zu seiner
"Nnuineratio ätirpiuin llslvsticaruin ", die erst in
Göttingen 1742 erschien. Sein "Versuch schweiz.
Gedichte" (Bern 1732 u. ö.; neu hg. von Frey in
Kürschners "Deutscher Nationallitteratur") erregte
trotz mancher Anfechtungen Aufsehen, besonders da
Vodmer sich dafür erklärte.
Im 1.1736 wurde H. als Professor der Medi.nn,
Anatomie, Botanik und (Chirurgie an die neuerrich-
tete Universität zu Göttingen berufen, wo er 1738
ein anatom. Theater und 1739 einen botan. Garten
anlegte, auch ein anatom. Kabinett errichtete und
1750 eine Entbindungsanstalt gründete. In dem-
selben Jahre arbeitete er den Plan zur königl. So-
cietät der Wissenschaften aus, die er nach vollstän-
diger Genehmigung des Planes als deren immer-
wahrender Präsident 1751 eröffnete. In dieser
Zeit wurde er von Kaiser Franz 1. in den Adel-
stand erhoben, nach Utrecht, Oxford, Berlin, halle
und Petersburg berufen, vom König von Eng-
land zum Staatsrat und Leibarzt ernannt und
1745 von seiner Vaterstadt als Mitglied in den
Großen Rat aufgenommen. Diese Auszeichnung
veranlaßte ihn, 1753 seine Amter, mit Ausnahme
der Präsidentschaft der königl. Societät, niederzu-
legen und sich nach Bern zurückzuziehen, wo er zum
Rathaus-Ammann erwählt wurde. Er nahm teil
an den Staatsgeschäften, indem er die Einrichtung
dcr Salzwerke zu Ber und Aigle, die Anstalten der
Akademie zu Laufanne und die mediz. Polizei ver-
besserte, den Ackerbau beförderte, das Waisenhaus
zu Bern begründete, die Grenzstreitigkeitcn zwischen
Bern und Wallis schlichtete u. s. w. Von seiner,
wissenschaftlichen Arbeiten in dieser Zeit sind seine
epochemachenden Beobachtungen über die Entwick-
lung des tierischen Keims im Ei, über das Wachs-
tum der Knochen, besonders seine "N1"in6ntli pk)'-
ssiolo^iiik coi-poi'iä nuuiani" (8 Bde., Lausanne
1757 - 66), und von seinen belletristischen Pro-
duktionen seine drei lehrhaft polit. Romane "Usong"
(Bern 1771 u. ö.), "Alfred" (ebd. 1773) und "Fa-
bius und Cato" (Gott. und Bern 1774) über die
despotische, monarchische und republikanisch-aristo-
kratische Rcgierungsform zu erwähnen. Außerdem
erschienen von ihm mehrere Werke, zu denen er seit
langer Zeit gesammelt hatte, die "LidliotQecll. do-
t^nica" (2 Bde., Zür. 1771-72), "Lidliotukc^
aniitoiniciv) (2 Bde., ebd. 1774-77), "Vidliotuec^
cIiii'ui'FicI." (2 Bde., Bern 1774-75) und der An-
fang der "Lid1i0tn6cain6äicinll6pi'3ctic3.6)) (4 Bde.,
Bas. 1776-87). Von den gegen 1200 Recensionen,
die er für die "Göttinger Gelehrten Anzeigen" schrieb,
wurden die wichtigern mitgeteilt in "Sammlung
kleiner K.scher Schriften" (2. Aufl., 3 Bde., Bern
1772). Seit 1773 fortwährend kränklich und schwer-
mütig, starb er 12. Dez. 1777.
Die Medizin und die Naturwissenschaft verdanken
H. sehr viel, namentlich aber sind es die Botanil
und die Physiologie in ihrem ganzen Umfange,
welche er mit rastlosem Eifer durchforschte. In der
Physiologie machte er Epoche durch seine Lehre
von der Irritabilität. Außer den bereits ange-
führten sind von feinen größern Werken noch zu
erwähnen: "Iconen anatomicas" (Gott. 1743),
"?riina6 lineae pIi^ioloAi'aö" (2. Aufl., ebd. 1780),
"D6 snnctioinIinZ coipoi'iZ I^uinkni pi'a^ciMHvuin
pln-tiuin" (4 Bde., Bern 1777-78). Als Dichter
war H. durch seine edle pathetische Sprache, die
Größe seiner poet. Anschauungen und den heil.