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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haller (Berthold) - Hallier
Ernst, der ihn beseelte, geradezu ein Vorläufer Klop-
stocks; zu dem hohen Aufschwünge, den die deutfche
Poesie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh, nahm,
hat er bedeutend beigetragen; noch Schiller verrät
seinen Einfluß. Seine reflektierenden Poesien stehen
dicrch Klarheit und Tiefe der Gedanken wohl am
höchsten; sein berühmtestes Gedicht, "Die Alpen",
das in fast Rousseauscher Weise die grandiose Schön-
heit des Hochgebirges und die unschuldige Sitten-
einsalt seiner Bewohner schildert, leidet für uns
doch unter dem Übermaß des beschreibenden Ele-
ments. H.s Sprache zeigt härten, Überladungen
und schweiz. Idiotismen, ringt sich aber doch aus
dem Schwulst früherer Zeit zu knapper, feierlicher
Gedrungenheit durch, dank der unermüdlichen Feile,
dieH. übte. H.s "Gedichte", die zuerst ohne seinen
Namen erschienen (kritische Ausgabe mit umfasfen-
der Biographie von L. Hirzel, Frauenscld 1882),
wurden in fast alle neuern Sprachen übersetzt. ^
Vgl. Zimmermann, Das Leben des von H. (Zür.
1755); Haller, Tagebuch seiner Beobachtungen über
Schriftsteller und über sich selbst (2 Bde., Bern
1787); A. Frey, A. von H. und seine Bedeutung
sür die deutscheLitteratur(Lpz. 1879); E.Vodemann,
Von und über A. von H. (uugedruckte Briefe uud
Gedichte, Hannov. 1885); Bonds, H.s philof. Ge-
dichte lLpz. 1891).
Haller, Berthold, der Reformator Berns, geb.
1492 in Aldiugeu bei Rottweil, besuchte die Schule
in Pforzheim, wo er mit Melauchthon Freundschaft
schloß, studierte seit 1510 in Köln Theologie, ward
1512 Lehrer in Nottwcil, 1513 in Bern, 1519 Pre-
diger daselbst, 1520 Chorherr und Leutpriester.
Seit 1522 wandte er sich mit Entschiedenheit der
Reformation Zu, stellte Weihnachten 1525 die Messc
ab, beteiligte sich 1526 am Religionsgespräch zu
Baden, 1528 an der Berner Disputation und er-
reichte, daß die Stadt Bern durch das Edikt vom
7. Febr. 1528 die Reformation annahm. Er starb
25. Febr. 1530. - Vgl. Pestalozzi, Vertold H.
("Leben und ausgewählte Schriften der Väter und
Begründer der reform. Kirche", 9. Bd., 2. Hälfte,
Elberf. 1861).
Hallermund (Hallermündel, frühere kleine
Reichsgrafschaft im hannov. Fürstentum Calenberg,
kam 119 l, nach dem Erlöschen der Grafen von H.
im Mannsstamm, an die Grafen von Käfernburg,
nach deren Aussterben 1436 an Vrauufchweig, end-
lich 1707 an die Grafen Platen.
Hallersches Sauer, Hallcrsche Säure
(^lixtura Luit'liricü, aciäa,), ist uach dem Deutschen
Arzneibuch ein Gemisch von 1 Teil Schwefelsäure
und 3 Teilen Weingeist. Es wird, mit Wasser ver-
dünnt, innerlich bei Blutungen, Kongestionen, Herz-
klopfen, auch als Einreibung bei Hautjucken benutzt.
Hallefches Verfahren, ein Verfahren der
Stärkefabrikation, s. Stärkemehl.
Halle-Sorau-Gubcner Eisenbahn (298,39
Km), ehemalige 1868 und 1872 genehmigte Privat-
bahn von Halle über Eilenburg und Cottbus nach
Guben und ^orau (Niederlausitzer Eisenbahn, 271,85
km), mit Zweiglinie Eilenburg-Leipzig (26,54 km).
Infolge der schon während der Bauzeit eingetretenen
finanziellen Schwierigkeiten gewährte der preuß.
Staat Zinsgarantie; 1. Jan. 1877 übernahm er die
Verwaltung und 1885 erwarb er die Bahn, welche
bis auf die zum Eisenbahndirektionsbezirk Berlin
gehörende Strecke Cottbus-Guben der königl. Eisen-
dahndirektion zu Erfurt untersteht.
Halley (spr. halle), Edmund, Mathematiker und
Astronom, geb. 29. Okt. 1656 zu Haggerston bei
London (jetzt ein Teil Londons), widmete sich an-
fangs der Litteratur und den Sprachen, nachher
der Mathematik und Astronomie. Bereits in seinem
17. Jahre bezog er die Universität Oxford; 19 I.
alt, veröffentlichte er eine Abhandlung aus der
Planetcntheorie. 1676 schickte ihn die engl. Regie-
rung nach St. Helena, um die Örter der Sterne des
südl. Himmels zu bestimmen. Nach seiner Rückkehr
nahm ihn die Königliche Gesellschaft zu London als
Mitglied auf. Im Auftrag derselben ging er nach
Danzig, um den zwischen Hooke und Hevelius ent-
standenen wissenschaftlichen Streit über den Ge-
branch der Fernrohre an Meßinstrumenten auszu-
gleichen, und später nach Frankreich und Italien.
Auf diefer Reife entdeckte er den uach ihm benann-
ten großen periodifchen Kometen. Von 1698 bis
1700 machte er als Kapitän Reisen an der engl.
Küste und im Atlantischen Meere bis zu 52° südl.
Vr., um die Abweichungen der Magnetnadel zu
bestimmen, und verfertigte eine Karte von den
Küsten des Kanals. 1703 wnrde er Professor der
Geometrie zu Oxford und 1720 königl. Astronom
zu Greenwich. Hier bearbeitete er die Theorie des
Mondes, um sie bis zur Anwendung auf Längen-
bestimmungen zur (^ee zu vervollkommnen. Auch
machte er auf den 1761 bevorstehenden Vorüber-
gang der Venus vor der ^onne aufmerksam und
lehrte aus dessen Beobachtung an verschiedenen
Orten der Erde die Parallaxe der Sonne bestim-
men. Er starb 14. Jan. 1742. Sein Hauptwerk
sind die "^Ixil^u 3,8tr0Q0micii6", die erst nach sei-
nem Tode (Lond. 1749) erschienen und später in
franz. Übersetzung (1. Tl. von Chappe d'Auteroche,
Par. 1754; 2. Tl. vonLalande, 1759) herausgegeben
wurden; außerdem veröffentlichte er "OawloFUZ
8t6i1aruin ansti-aimin" (Lond. 1679). H. berechnete
nach Newtons Vorfchriften die Bahnen von 24 Ko-
meten, die von 1337 bis 1698 genau beobachtet
worden waren. Dies führte ihn auch zu der Ent-
deckung, daß der Komet von 1682 bereits 1456,
1531 und 1607 erschienen war, woraus er auf feine
Wiederkehr nach je 76 Jahren fchloh. Auf das Vor-
handenfein vonEigenbcwegungen bei den Fixsternen
wies er schon 1718 hin.
Halleyfche Periode, s. Chaldäifche Periode.
Hallier, Ernst, Botaniker und Philofoph, geb.
15. Nov. 1831 zu Hamburg, trat 1848 als Gärtner in
dem Botanischen Garten zu Jena in die Lehre, arbei-
tete dann als Gehilfe in verschiedenen Gärtnereien
und widmete sich feit 1854 zu Berlin, Jena und Göt-
tingen den Naturwissenschaften und der Philofophie.
1860 habilitierte er sich zu Jena und wurde 1864
außerord. Professor. H. schrieb: "Pharmaceutische
Naturgefchichte und Warenkunde" (Mainz 1865),
"Die pflanzlichen Parasiten des menschlichen Kör-
pers" (Lpz. 1866), "Gärungserscheinungen" (ebd.
1867), "Das Cholcrakontagium" (ebd. 1868), "Phyto-
pathologie" (ebd. 1868) u. s. w. Ferner besorgte H.
! die Umarbeitung von Kochs "Taschenbuch der deut-
! schen und schweiz. Flora" (ebd. 1878) und die Neube-
! arbeitung der "Flora von Deutschland" von Schlech-
l tendal, Langethal und Schenk (5. Aufl., 30 Bde.,
z Gera 1880-88). Seit 1883 hat sich H. fast ganz
auf die Philosophie beschränkt. Seine Hauptwerte
darüber sind: "Die Weltanschauung des Natur-
forschers" (Jena 1875), "Kulturgeschichte des 19.
Jahrh, in ihren Beziehungen zu der Entwicklung