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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Halligen; Hallĭmasch; Hallingdalen; Hallĭwell-Phillipps; Halljahr; Hallōren

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Halligen - Halloren

der Naturwissenschaften» (Stuttg. 1889), «Ästhetik der Natur» (ebd. 1890), «Ästhetik der Landschaftsgärtnerei» (Lpz. 1891).

Halligen, d. h. Abhänge, die unbedeicht gebliebenen Marschflächen an der deutschen Nordseeküste, insbesondere die an der Westküste Schleswigs im sog. Wattenmeer belegenen 12 (bez. 13) kleinen flachen Inseln, welche dem Angriff der Meereswogen preisgegeben sind. (S. Karte: Hannover u.s. w.) Eine solche Hallig ist eine flache Wiese, kaum 1 m höher als der Stand der gewöhnlichen Flut, und wird daher oft und im Winter wohl zweimal an einem Tage überschwemmt. Die bedeutendsten sind noch nicht 30 qkm groß, die kleinern, oft nur von einer Familie bewohnt, kaum 1000 m lang und breit. Die kleinsten dienen nur dazu, ein wenig kurzes und feines Heu zu gewinnen. Auf künstlichen Erderhöhungen oder Werften (Warfen) stehen die einzelnen, auf und durch Pfahlwerk befestigten Wohnungen. Die Zahl und der Umfang der H. war früher bedeutend größer. Seit der Vermessung von 1703 haben sie ungefähr um ein Viertel abgenommen. Gegenwärtig umfassen die 13 H. eine Fläche von 2000 ha mit (1889) 123 Häusern und 512 E. (1769: 500 Häuser und 2000 E.). Die größten H. sind: Hooge, Nordmarsch-Langeneß, Gröde und Nordstrandischmoor, Hamburger Hallig, Oland, Süderoog, Südfall, Habel, Appelland und Norderoog; die letzten drei sind unbewohnt und ganz kleine Eilande. Die Behnshallig ist in den letzten Jahren verschwunden. Die zu den H. gezählte Pohnshallig ist jetzt durch einen Damm mit Nordstrand, die Hamburger Hallig mit dem Festlande verbunden. Vier H.: Oland, Langeneß, Hooge und Gröde, haben noch eigene Kirchen. Da Quellen fehlen, wird das Regenwasser in sog. Fethingen gesammelt. Man trifft überall nur das fahle Grün der schmutziggrau überschlickten Stellen oder von stehenden Lachen unterbrochenen Grasfelder, die den Schafen spärliche Nahrung gewähren. Dennoch liebt die Bevölkerung ihre ärmliche Heimat, und der aus der Sturmflut Gerettete baut sich immer wieder da an, wo er vor kurzem alles verlor. Die Halligleute sind Nordfriesen (s. d.), wenn auch mehr als ein Drittel jetzt die plattdeutsche Sprache angenommen hat. – Vgl. Johansen, Halligenbuch. Eine untergehende Inselwelt (Schlesw. 1866); Chr. Jensen, Die Nordfries. Inseln (Hamb. 1891); E. Träger, Die H. der Nordsee (Stuttg. 1892).

Hallĭmasch oder Honigpilz (Agaricus melleus s. Armillaria mellea Vahl.; s. Tafel: Pilze Ⅰ. Eßbare Pilze, Fig. 2), eßbarer Pilz, der am Grunde alter Stämme wächst oder auf den Wurzeln derselben sitzt. Die Fruchtträger treten stets in größerer Anzahl an einem Stamm auf; dieselben werden bis zu 12 cm hoch und der Hut hat meist eine Breite von 6 bis 8 cm; der Stiel ist central gestellt, mit einem häutigen Ring versehen und an seiner Basis etwas verdickt; der Hut ist flach, nur in der Mitte etwas gebuckelt, seine Oberfläche ist hellbraun, die Unterseite weißlich. Sein Mycelium, eine Rhizomorphe (s. Rhizomorpha), verursacht die als Harzsticken, Harzüberfülle oder Erdkrebs (s. d.) bekannte Baumkrankheit.

Hallingdalen, ein etwa 120 km langes, schmalem Gebirgsthal im norweg. Amt Buskerud, 5520 qkm umfassend, mit etwa 15000 E., die vielfach an alten Gebräuchen festhalten.

Hallĭwell-Phillipps, James Orchard, engl. Litterarhistoriker, geb. 21. Juni 1820 zu Chelsea, studierte seit 1837 in Cambridge namentlich Litteratur. Bekannt machte er sich zuerst durch eine Ausgabe der Reisen Sir John Mandevilles (1839), ferner veröffentlichte er «Account of the European Manuscripts in the Chetham Library at Manchester» (Manch. 1842), einen von ihm entdeckten metrischen Roman aus dem 15. Jahrh.: «Torrent of Portugal» (Lond. 1842; 2. Aufl. 1856), und für die Shakespeare-Society die Urschrift der «Lustigen Weiber von Windsor» (ebd. 1842). Weiterhin erschienen «Shakesperiana» (ebd. 1841), «Life of Shakespeare» (ebd. 1848) und «Outlines of the life of Shakespeare» (2. Aufl. 1883), «Early history of freemasonry in England» (1842; deutsch von Asher, Hamb. 1842; von Marggraff, Lpz. 1842), das «Dictionary of archaic and provincial words» (2 Bde., Lond. 1844‒45; 10. Aufl. 1887) und die Sammlung der «Popular rhymes and nursery tales» (1849). Durch die Herausgabe der «Letters of the kings of England» (2 Bde., Lond. 1846) machte er bisher in den Archiven begrabene interessante Schriftstücke dem Publikum zugänglich. H. unternahm 1852 eine Ausgabe der sämtlichen Werke Shakespeares (16 Bde.) mit Kommentar und prachtvollen Illustrationen (1865 vollendet). Er starb 3. Jan. 1889 auf seiner Besitzung Hollingbury Copse bei Brighton. ^[Spaltenwechsel]

Halljahr oder Jobeljahr (weil Posaunenschall [hebr. jobel = Posaune] es eröffnete, daraus deutsch: Jubeljahr, s. d.) heißt in einer sekundären Stelle des Priestercodex (3 Mos. 25) jedes 50., je auf ein 7. Sabbatjahr (s. Sabbat) folgende Jahr. In ihm sollen die Sklaven jüd. Abkunft freigelassen, die Schulden gelöscht und die verpfändeten und verkauften Ländereien an die ersten Besitzer oder deren Erben unentgeltlich zurückgegeben werden (daher Freijahr, Erlaßjahr). Die Bestimmungen über das H. werden nicht etwa zwecks Einordnung bestehender Gebräuche in die Gesetzbücher gegeben, sondern enthalten eine theol. Spekulation, die je sieben Sabbatjahren einen feierlichen Abschluß hinzufügt. Die für das H. vorgeschriebenen Gesetze sind dem Sabbatjahr entlehnt. Nirgends findet sich in den vorexilischen Quellen eine Spur des H. Von dem hebr. Worte Jobel ist abgeleitet Jubiläum.

Hallōren, die Arbeiter im Salzwerk zu Halle (s. d.) a. d. S. Dieselben haben eigentümliche Festlichkeiten und Reste eines besondern Dialekts, der in zahlreichen Kunstausdrücken von dem Gebrauche aller andern deutschen Salinen durchaus verschieden ist und nur bei denen zu Staßfurt und Schönebeck von Halle aus Eingang gefunden hat. Früher beobachteten die H. eine strenge, kastenartige Abgeschlossenheit, sodaß sie lange auch keine Heiraten mit der übrigen Bevölkerung der Stadt schlossen; ihre Anzahl war einst so bedeutend, daß sie noch 1545 über 600 streitbare Männer gestellt haben sollen. Im Mittelalter erscheinen sie als treue Anhänger der Hallischen Pfänner-Aristokratie und waren für die Verteidigung der Stadt mit dem Dienst an deren Geschützen betraut.

Nach ihrer Beschäftigung zerfielen die H. in drei Klassen: die Gerentner, die Wirker und die Läder mit den Stopfern. Die Gerentner oder Bornknechte zogen das Salzwasser, die Sole, aus den Brunnen und trugen es in die Siedehäuser, wofür sie ihren Lohn nicht in Geld, sondern in Sole erhielten, die unter dem Namen Gerente auf ihre Rechnung versotten wurde. Sie bildeten eine be-^[folgende Seite]