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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamilton (Alexander) - Hamilton (George)
Hamilton (spr. hämmilt'n), Alezander, Mitbe-
gründer der Vereinigten Staaten von Amerika, geb.
11. Jan. 1757 auf der westind. Insel Nevis als
uneheliches Kind, kam im Alter von 14 I. nach
Neuyork und erhielt in dem ^owuidia. (Ü0II6F6 da-
selbst eine wissenschaftliche Bildung. Als die Zer-
würfnisse der Kolonien mit dem Mutterlande be-
gannen (s. Vereinigte Staaten von Amerika), ver-
teidigte er deren Rechte in Reden und mehrern
Schriften. Beim Ausbruch des Kampfes trat er als
Artilleriehauptmann in das nordamerik. Heer, er-
warb sich das Vertrauen Washingtons, wurde 1777
dessen Adjutant und gewann großen Einfluß. Er
war Oberst, als 1783 der Friede geschlossen wurde.
Mit Eifer widmete er sich nun der Rechtswissen-
schaft und war bald einer der bedeutendsten Sach-
walter in Neuyork. 1782-83 war er Mitglied des
Bundeskongresses, 1786 Mitglied des Gesetzgeben-
den Körpers des Staates Neuyork und im folgen-
den Jahre nahm er als Abgeordneter seines Staates
an dem Verfassungskonvent zu Philadelphia teil.
Mit Madison hatte er wesentlichsten Anteil an dem
Entwurf der Unionsverfassung, und sein Verdienst
war es, durch seine Beredsamkeit und durch die Auf-
sätze, die später als "^?1i6 ^6ä6i-ali"t" gesammelt
erschienen, die Stimme des Staates Neuyork 1788
für die neue Verfassung zu sichern. H. war auch der
eigentliche Gründer der Partei der Föderalisten
(s. Föderalismus). 1789 wurde er zum Sekretär des
Schatzes ernannt und bewirkte zuvörderst zur Hebung
des Kredits die Fundierung der innern Schuld, grün-
dete die Bank der Vereinigten Staaten, ordnete das
Steuerwesen, führte unter dem größten Widerstände
die Besteuerung des Branntweins ein und wurde
überhaupt der Schöpfer der nordamerik. Finanzen.
Von den Demokraten heftig verfolgt, legte er 1795
sein Amtniederundwandtesichnunwiederseinem Be-
rufe als Sachwalterzu. Als 1798 ein Krieg mitFrallt-
reich drohte, wurde er nach dem Willen Washing-
tons zum zweiten Befehlshaber des Heers ernannt,
und nach dessen Tode (1799) mußte er auf kurze
Zeit, bis zum Friedensschlüsse, den Oberbefehl über-
nehmen. 1804 geriet er mit Oberst Bnrr polit. An-
sichten halber in Streit. Es kam zwischen beiden zu
einem Zweikampf, wobei H. eine Wunde erhielt, an
der er 1^. Juli 1804 in Neuyork starb. H. wird
jetzt nicht nur als der größte Finanzminister, son-
dern auch als der größte Staatsmann von Nord-
amerika nach Washington und Lincoln anerkannt.
Die Schriften H.s wurden im Auftrag des Bundes-
tongresses 1850 - 51 in 7 Bünden veröffentlicht.
Eine andere Ausgabe veranstaltete Lodge (Neuyork
1^85 fg.). - Vgl.'seines Sohnes John O. Hamilton
Ilistoi'^ öl tlie 1^6pul)1ic ol tlie I/niteä 8t9.t68, a>8
tl iic6l1 in t1i6 >vi-itinA8 ol ^i6X3.nä6r H. anä 1Ü8
lxnit6Nii()i'Äri68 (7 Bde., Neuyork 1858-64; 4. Aufl.
1879): Morse, ^tw lit'e ok ^I6xanä6r II. (2 Bde.,
Bost. 1876); Lodge, ^xanäsi- H. (ebd. 1882).
Hamilton (spr. hämmilt'n), Anthony, Graf von,
engl. Schriftsteller, stammte von einem jüngern
Zweige der Familie der schott. Herzöge dieses
Namens und war 1646 in Irland geboren. Mit
seinen Eltern folgte er nach der Hinrichtimg Karls I.
dcn königl. Prinzen nach Frankreich, kehrte 1660
nach England zurück und erhielt von Jakob II. ein
Regiment Infanterie in Irland und den Oberbefehl
von Limerick. Als Jakob II. in Frankreich ein Asyl
fand, wandte sich auch H. dahin und starb 21. April
17^0 zu St. Germain-en-Laye. Seine hinterlassenen
Schriften sind voll Geist und Witz, namentlich
"^0nt68" (gesammelt, 3 Bde., Par. 1805; neue Ausg.
von de Lescure, 4 Bde., ebd. 1873-74). Durch an-
mutige Leichtigkeit der Darstellung fesseln "N6-
111011-68 äs 1a V16 äu C0int6 äs (FlNllioiit" (seines
Schwagers, 1713; neueste Ausg., Lond. 1889;
deutsch, Lpz. 1853), zwar frivol, aber eine reiche
Fundgrube der Sittengeschichte. Eine gute Aus-
gabe seiner Werke ist die von Renouard (4 Bde.,
Par. 1812); eine deutsche Übersetzung seiner aus-
erlesenen Schriften besorgte F. Jacobs (Zür.1807).
Hamilton (spr. hämmilt'n), Emma, Lady, Ge-
mahlin des Gesandten Sir William H., bekannt
durch ihre Schönheit und ihr abenteuerliches Leben,
geb. um 1761 in Great-Neston in der Grafschaft
Ehester, kam mit 16 Jahren als Hausmagd nach
London, war die Maitresse mehrerer Männer, dar-
unter Charles Grevilles, von dem sie drei Kinder
hatte und den nur sein finanzieller Ruin an der
Heirat mit ihr hinderte. Als seine Abgesandte ging
sie seinen Oheim, Sir William H., den engl. Ge-.
sandten in Neapel, um Unterstützung an und wußte
diesen so für sich einzunehmen, daß er sie zu seiner
eigenen Geliebten machte und sie 1791 sogar hei-
ratete. Er führte sie am Hofe von Neapel ein, wo
sie die Vertraute der Königin Karoline wurde. Als
solche spielte sie auch eine polit. Rolle. Durch sie
erfuhr England 1796 von feindlichen Umtrieben
Spaniens. In Neapel zog Lady H. 1798 auch
Nelfon, der nach der Schlacht von Abukir dorthin
gekommen war, in ihre Netze, verwickelte ihn mit
in die grausame von Acton (s. d.) geleitete Reaktions-
herrschaft und begleitete ihn nach der Nicderlegung
feines Kommandos 1800 nach England, wo sie ihm
eine Tochter gebar, ohne daß dadurch die Beziehun-
gen zu ihrem Gatten eine Störung erlitten hätten.
Nach dessen Tode (1803) lebte sie auf dem von
Nelson ihr gekauften Landhaus Merton-Place und
ergab sich, nachdem dieser 1805 gestorben war, aufs
neue einem ausschweifenden Leben. Sie starb bci
Calais 16. Jan. 1815. Lady H. hatte es in mimischen
Darstellungen namentlich antiker Statuen und in
derKunstderAttitüde(s.d^) zu hoher Vollkommenheit
gebracht und ist in dieser Beziehung das Vorbild
der Händel-Schütz geworden. Diese mimisch-plasti-
schen Darstellungen, gezeichnet vom Maler Rehberg,
gestochen von Piroli, erschienen als "Dig.>vin^3
t'aitlifull^ copi6ä li'om natui'6" (Rom 1794) und in
Lithographien von H. Dragendorf (Münch. 1840).
Ihre zerrütteten Vcrmögensverhältnisse bewogen
sie, die vertraulichen Briefe Nelsons zu veröffent-
lichen ("Lti6 i6tt6i-8 ok I^orä ^6i80ii to 1^<Iy II.",
2 Bde., Lond. 1814). - Vgl. Palumbo, N^^aro-
liiill.: 8U0 cart6M0 con I^äv Umina. II. (Neap.
1877); Ieassrefon, I.!läv HZ anä I.m'd Noiäou
(Lond. 1887).
Hamilton (spr. hämmilt'n), Gail, Pseudonym
der Schriftstellerin Dodge (s. d.).
Hamilton (spr. hämmilt'n), George, Lord, kon-
servativer engl. Politiker, geb. Dez. 1845 zu Brigh-
ton, jüngerer Sohn des ersten Herzogs von Ader-
corn, trat 1864 in die Armee, schied aber schon bei
seiner Wahl ins Unterhaus 1868 aus. Unter Tis-
raeli(Lord Beaconsfield) wurde er 1874Unterstaatä-
sekretär für Indien, 1878 Vicepräsident dcs Er-
ziehungsrates und Mitglied des Gebcimen Ralcs.
Nachdem er unter Gladstone seit April 1880 in der
Opposition gestanden hatte, war er unter Salisbury
in seinem ersten Ministerium Juni 1885 bis Febr,