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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Handelssperre - Handelssprachen
welche nachmals für viele neuere H. Vorbild ge-
wesen ist, wnrdc von der Leipziger Kramerinnuug
begründet und von Schiebe (s. d.) eingerichtet und
zuerst geleitet. Sie ist jetzt Eigentum der Leipziger
Handelskammer und hat außer einer Lehrlinge b-
tcilung und einer höhern Abteilung (Mittelschule)
von dreijährigem Kursus noch eine sachwissenschaft-
liche Abteilung von Jahresdauer für Zöglinge,
welche bereits vor ihrem Eintritt die Reife zum ein-
jährigen Militärdienst in der deutschen Armee er-
worben haben. Die Öffentliche Handelslehranstalt
in Dresden, von der dortigen Kaufmannschaft 1854
begründet, hat eine etwas andere Verfassung und
steht wie dieLeipzigerHandelsschnle in großerVlüte.
Nberbaupt hat das Handelsschulwesen auch der mitt-
lern Stufe unter allen deutschen Staaten in Sachsen
durch kaufmännische Gilden und Vereine die weit-
gebendste Förderung erfahren. Nächstdem dürfte
Bayern in Betracht kommen, wo der Staat selbst
Handelsabteilungen mit verschiedenen Realschulen
verbunden hat, oder die Gemeinden H. gegründet
bez. übernommen haben (Städtische H. in München,
Nürnberg und Marktbreit). In München hat auch
eine vonReischle geschaffene Handelsschule für Mäd-
chen gute Erfolge aufzuweisen. Am wenigsten ist für
kaufmännifche Mittelschulen in Preußen geschehen,
wo die Gründung und Unterhaltung derselben fast
ausschließlich denPrivatunternehmern überlassen ist.
Auch im Auslande macht man in neuerer Zeit
große Anstrengungen, die H. zu fördern. Voran
steht Osterreich, welches fast an allen bedeuten-
dern Handels- und Industrieplätzen zum Teil sehr
gut eingerichtete H. besitzt. Sie führen öfters den
Namen Handelsakademien (Wien, Linz, Graz,
Trieft, Innsbruck, Prag ^eine deutsche und eine
czechischej), gehen aber in ihren Einrichtungen und
Lchrzielen nicht oder nicht viel über den Plan
einer Mittelschule hinaus. Frankreich hat eben-
falls eine Neihe von guten H. in Paris, Havre,
Lyon, Marseille u. s. w., welche im Gegensatz zu
den deutschen und österreichischen H. zum Teil in
der Form von Aktiengesellschaften begründet sind
und für die der Staat etwa 100000 Frs. jährlich
aufwendet. Am opferwilligsten zeigen sich Staat,
Provinz und Kommune in Italien znr Förderung
des Handelsschulwesens, wo die wichtigern H.
(Florenz, Genua, Rom, Turin u. s. w.) von der Ge-
meinde oder dem Staate selbst begründet sind. Von
russischen Handelsmittelschulen sind erwähnens-
wert die 1804 mit kaiserl. Unterstützung begründete
Handelsschule in Moskau, die seit 1862 bestehende
Handelsschule in Odessa, die durch Legate und
Schenkungen reich dotierte Handelsschule in Peters-
burg (1772 begründet) und die Handelsschule in
Warschail (seit 1875). Schweden und Norwegen
besitzen nennenswerte H. in Stockholm (1865),
Gothenbnrg (1826) und Kristiania (1875). In
Rumänien sollen zwei höhere H. in Iassy und
Bukarest (1893) errichtet werden. In England
ist man bis jetzt nicht viel über das Stadium der
Vorbereitung hinausgekommen. In jüngster Zeit
sind auf Veranlassung der Handelskammern Kom-
missionen ins Ausland geschickt worden, welche die
wichtigern H. in Deutschland, Osterreich u. s. w.
besichtigt und über ihre Wahrnehmungen Bericht
erstattet haben. In den Vereinigten Staaten
von Amerika endlich giebt es eine große Anzahl von
Privathandclsschulen (Vn8in688 oder ^ommLivial
co1!oF<?5) für beide Geschlechter.
VrocklMlä' Kouv^rsationZ-Lt'xilon. 11. Aufl. VIII.
H., die nach ihrer Verfassung, ihrem Lehrplan
und ihrer Methode sowie nach der geistigen Reife
ihrer Zöglinge den Namen einer Handelsaka-
demie wirklich verdienen und daher der Hochschul-
stufe beigezählt werden könnten, sind wohl wicder-
bolt (z. B. in Wien) unternommen worden, beste/Ml
aber doch nur ganz vereinzelt. Hierher tann man
zählen: die 1881 von der Handelskammer zu Paris
begründete Schule für höhere Handelsstudien (i^coi"
ä63 IiÄ!it68 "tucl68 coinmerciaiek), die 1868 er-
öffnete höhere Handelsschule in Venedig, die auch
Konsuln für den auswärtigen Dienst und Lehrer
für das Handelsfach ausbildet, das seit 1853 bc--
steheude höhere Handelsinstitut (In8tiwt 8up6li6nr
äs commsree) in Antwerpen und die Handels-
abteilung des Polytechnikums in Riga. - Vgl.
Leautev, I^'ou86i^n6in6nt cummsicial 6t 168 6ccii08
de commLico 6u I^rano6 ot äan8 I" monäe sutier
(Par. 1886): Harry Schmitt, Das kaufmännische
Fortbildung^schulwesen Deutschlands (Berl. 1892).
Handelssperre im eigentlichen Sinne ist die
gänzliche Abschließung eines Landes vom Verkebr
mit einem oder mchrern andern, wie sie unter civi-
lisierten Nationen nur noch in Kriegsfällen vor-
kommt, von Cbina und Japan aber bis vor weni-
gen Jahrzehnten noch in weitem Umfange aufrecht
erhalten wurde. Das merkwürdigste Beispiel einer
als Kriegsmaßregcl dienenden H. ist die von Napo-
leon I. gegen England versuchte Kontinentalsperre.
Das ältere Kolonialsystem der Spanier, Engländer,
Franzosen und Holländer beruhte ebenfalls auf einer
Absperrung der .Kolonien von allem direkten Ver-
tehr mit andern Ländern als dem Mutterlande. Im
weitern Sinne wird auch das Prohibitivsystem als
H. bezeichnet, welches wenigstens den Eingang ge-
wisser Waren, namentlich der wichtigern Fabrikate,
teils geradezu verbot, teils durch enorme Zölle so
gut wie unmöglich machte und z. V. in Frankreich bis
zum I. 1860 bestanden hat. (S. Einfuhrverbote.)
Handelsfprachen, Sprachen, die in gewissen
Gebieten auch unter anders redender Bevölkerung
als gemeinsames Verständigungsmittel im Handel
und Verkehr angewendet werden. So ist das Ita-
lienische Handelssprache in den Ländern an der Ost-
bälfte des Mittelländischen Meers (der sog. Levante),
das Französische in den westlichern Häfen desselben,
das Deutsche an den Ostseeküsten, das Rnssische in
Sibirien und Centralasien, das Arabische in den
westl. Küstenländern des Indischen Oceans und an
der Ostküste Afrikas. Das spanische herrscht in den
ehemaligen span. Kolonien vom nördl. Meriko an
längs der Westküste Amerikas bis Chile und Pata-
gonien, ferner auf den Philippinen und teilweise in
Westindien; das Portugiesische in Brasilien und
den portug. Kolonien, das Holländische im ostasiat.
Archipel. Die größte Verbreitung als Handels-
sprache hat aber das Englische infolge der Größe
des brit. Kolonialbesitzes und des brit. Seeverkehrs,
und weil auch das Land mit dein nächst größten
Seeverkehr, die Vereinigten Staaten von Amerika,
sich des Englischen als Muttersprache bedient. Rein-
heit und Wohllailt der Sprache leiden freilich oft-
mals bei der Anpassung an fremde Verhältnisse;
so bat sich z. B. aus dem Englischen in den chines.
Häfen dnrch Mischung mit dem Chinesischen das
sog. Pidgin-Englisch als Verkehrssprache entwickelt.
Bisweilen, jedoch selten, deckt sich der Begriff der
Handelssprache mit dem der Geheim- (resp. Gauner-)
spräche. Hierher gehört z. B. der sog. "I<^rtü3cliin3ki
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