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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Harley – Harmonie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Harleß (Emil)'

Außerdem gab er auch «Populäre Vorlesungen aus dem Gebiete der Physiologie und Psychologie» (Braunschw. 1851) heraus.

Harley (spr. -le), Robert und Edward, s. Oxford, Robert Harley, Graf von.

Harlingen (fries. Harns), die bedeutendste Seestadt der niederländ. Provinz Friesland, auf der Westküste an der Nordsee und an der Linie H.-Leeuwarden gelegen und durch einen Kanal mit Franeker, Leeuwarden, Groningen u. s. w. verbunden, ist regelmäßig gebaut, von Kanälen durchschnitten und hat (1891) 10110 E., eine Realschule, eine schöne reform. Kreuzkirche, einen trefflichen 1870–77 neu erbauten Hafen, Dampfschiffverbindung mit Amsterdam, dem Nieuwediep, Hüll und London. Sehr lebhaft ist der Handel mit England und Norwegen. Ausgeführt werden zumeist landwirtschaftliche Erzeugnisse der Provinz. Der Ort liegt an der Stelle, wo 1134 eine ganze Stadt von den Meeresfluten verschlungen wurde; 1566 litt die Gegend abermals durch Überschwemmungen.

Harlingerland (Harlingia), eine nach dem Flüßchen Harle benannte, im nordöstl. Teile des preuß. Reg.-Bez. Aurich gelegene Landschaft, die den größten Teil des Kreises Wittmud bildet und meist aus fruchtbarem Marschlande besteht. – Das H. gehörte früher nicht zum eigentlichen Ostfriesland, sondern war ein Lehen des Herzogtums Geldern: die Verbindung mit Ostfriesland wurde erst 1745 unter preuß. Verwaltung durchgeführt. Hauptort ist Esens.

Harmălarot, s. Harmalin.

Harmalin, ein Alkaloid von der Zusammensetzung C13H14N2O, das neben einem zweiten Alkaloid, dem Harmin, C13H12N2O, in dem im Orient als Gewürz benutzten Samen der Steppenraute, Peganum harmala L., vorkommt. Aus denselben Samen läßt sich ein roter, im Lichte wenig beständiger und daher unwichtiger Farbstoff, das Harmalarot, gewinnen.

Harmand (spr. armáng), Francois Jules, Forschungsreisender, geb. im Okt. 1845 zu Saumur, trat in das ärztliche Korps der Marine und nahm bis 1870 an verschiedenen franz. Flottenexpeditionen teil. 1871 machte er in Algerien den Feldzug gegen die Kabylen mit und wurde dann der wissenschaftlichen Expedition beigesellt, die unter Delaporte Kambodscha und Tongking erforschen sollte. Da die Mitglieder der Expedition erkrankten, so ging H. mit Garnier allein nach Tongking, wo er den Feldzug mitmachte und eine Zeit lang Gouverneur war. 1874 kehrte er nach Frankreich zurück, unternahm aber 1875 eine neue Reise nach Kambodscha, auf der er das Strombecken des Mekong zwischen 12 und 18° nördl. Br. untersuchte und ostwärts durch Annam nach Hué gelangte. H. kehrte nach Paris zurück und wurde 1882 Konservator des Musée des Colonies. – Vgl. Maunoir und Duveyrier, Année géographique (Par. 1879).

Harmattan, der eigentümliche, sehr trockne, aber kühle Wind, der periodisch drei- bis viermal im Jahre 1–5 oder 14 Tage lang vom Innern Afrikas, Senegambien und der westl. Sahara nach dem Atlantischen Ocean zu weht. Er herrscht besonders in den Monaten Dezember, Januar und Februar und ist meist von einem dichten Dampf, Nebel und mineralischem Staub begleitet, der die Sonne oft ganze Tage verbirgt. Gewächse verdorren vor seinem Hauch, alles Holzwerk reißt auf und die Früchte erlangen die Notreife. Die ↔ Menschen leiden, während er weht, an Trockenheit im Gaumen, schälen sich bei langer Dauer desselben an Händen und im Gesicht und fühlen sich beim Atemholen bis zum Ersticken beschwert. Während seines Wehens wird die tägliche Wärmeschwankung vergrößert; die Nächte werden kühler, die Tage heißer.

Harmelraute, Steppenraute, s. Peganum.

Harmenopulos, Konstantin, byzant. Jurist, geb. um 1320, war kaiserl. Rat und starb um 1380 in Konstantinopel. Sein «[griechischer Text]» (hg. von Heimbach, Lpz. 1851.; neueste Ausg., Athen 1872) war das beliebteste Rechtshandbuch der spätbyzant. Zeit.

Harmensen, s. Arminius, Jak.

Harmin, Alkaloid, s. Harmalin.

Harmodius und Aristogiton (grch. Harmodios und Aristogeiton), zwei durch Freundschaft verbundene athenische Jünglinge, erdolchten 514 v. Chr. den Sohn des Pisistratus, Hipparchus (s. d.). Harmodius wurde gleich nach vollbrachtem Morde von der Leibwache niedergestoßen, Aristogiton später ergriffen und hingerichtet. Ihre That wurde von den demokratischen Athenern hoch gefeiert. Die ersten ihnen zu Ehren von Antenor gefertigten Bildsäulen, die Xerxes entführte, sind verloren, dagegen sind noch Kopien in zwei Marmorstatuen (im Museum zu Neapel) erhalten.

Harmonĭa, Tochter des Ares und der Aphrodite. Bei ihrer Vermählung mit Kadmos waren alle Götter zugegen. Kadmos gab ihr zum Brautgeschenk ein Gewand (Peplos) und ein von Hephaistos verfertigtes unheilvolles Halsband. Dessen Wirkung empfanden zuerst H. und Kadmos (s. d.) selbst, indem beide, als sie nach einem langen unglücklichen Leben nach Illyrien gegangen waren, in Schlangen verwandelt wurden. Hierauf empfand die Wirkung des Halsbandes Amphiaraos und seine Gattin Eriphyle, welche von ihrem Sohne Alkmaion ermordet wurde. Dieser gab es an Phegeus’ Tochter Alphesiboia (oder Arsinoe), hernach an des Acheloos Tochter Kallirrhoe. Nachdem Alkmaion selbst sowie Phegeus und seine Söhne Opfer des Halsbandes (und Peplos) geworden waren, wurde es von Alkmaions Söhnen als Weihgeschenk zu Delphi niedergelegt. Allein auch hier soll noch Unglück von ihm ausgegangen sein, als sich die Führer im sog. Heiligen Kriege an den Kostbarkeiten in Delphi vergriffen. H. ist jedenfalls ursprünglich ein ihrer Mutter Aphrodite nahe stehendes Wesen, denn sie wurde in Theben ebenso wie sonst Aphrodite Pandemos als Schützerin der bürgerlichen Gemeinschaft und Eintracht verehrt. An diese Seite ihres Wesens schließt sich die Auffassung als reine Personifikation der Ordnung und Eintracht an. Als solche ist sie Mutter der neun Musen und der Chariten. – H. ist auch der Name des 40. Planetoiden.

Harmonĭa evangelĭca, s. Evangelienharmonie.

Harmŏnie (grch., d. i. Zusammenstimmung, Übereinstimmung), das richtige Verhältnis der Teile eines Ganzen. Über prästabilierte H. s. Leibniz. In der Musik versteht man unter H. den geordneten Zusammenklang mehrerer Töne. Die Regeln oder Gesetze einer solchen Verbindung bilden die Harmonielehre oder Harmonik im engern Sinne; nach der weitern Bedeutung des Wortes H. gehört aber alles hierher, was die Lehre vom Kontrapunkt (s. d.) ausmacht. Die H. kann nämlich auf zweierlei Art entstehen:

  • 1) durch begleitende Beitöne einer gesungenen oder gespielten Melodie,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 820.