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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haustruppen - Hauswirtschaft
Peronosporeen, sind es büschelartige Mycelfäden,
die in das Innere der Zellen eintreten, bei den epi-
phytischen Meltaupilzen wachsen kleine zapfeliartige
Fortsätze in die Epidcrmiszellen hinein. Bei den
böhern Pflanzen sind die H. oder Saugwarzen ineist
wurzelähnliche Gebilde, so bei den Orobanchen, bei
den Arten der Gattung OuöcutH (s. d. nebst Tez't-
figur). Die H. haben inl allgemeinen die Funktion
der Wurzeln, wenn auch ihr anatom. Van und ihre
Stellung am Mutterorgan nicht mit den gewöhn-
lichen Wurzeln übereinstimmt.
Haustruppen, die Trnppen, die den Sicher-
heits- und Ehrendienst um die Person des Monarchen
uud um die Personen der Mitglieder seines Hauses
zu versehen haben; sie bilden eine Leibgarde, bei der
kriegerische Verwenduug streng genommen außer-
halb ihrer Aufgabe liegt. Die in mehrern Staaten
in frühern Jahrhunderten errichteten Garden waren
zunächst meist nur H.; später, als sie auch im Kriege
Verwendung fanden, verloren sie den Eharakter der
H., trotzdem sie im Frieden deren Dienst versahen,
und wurden zu Elitetruppen umgewandelt. H. gab
es schon am ostrom. Hofe und später bei fast allen
Höfen unter Verschiedellen Namen, in Frankreich
als NHinou du ioi, in Brandenburg als Trabanten-
garde. Auch jetzt giebt es noch verschiedene H., z.V.
in Österreich-Ungarn die Arcierenleibgarde (s. d.),
die uugar. Leibgarde, die Trabanten-Leibgarde, die
Hofburgwache, die ungar. Kronwache; in Bayern
die Leibgarde derHartschiere, in Rußland der Convoi
des Kaisers (f. Leibgarde-Kosaken), in Preußen und
Württemberg die Schloßgarde-Compagnie, im Vati-
kan die päpstl. Leibgarden.
Hausurnen, merkwürdige Thongefäße aus vor-
geschichtlicher Zeit, die die Form der damaligen
Wohnhäuser zeigen. Sie werden in einzelnen Grä-
berfeldern gefunden und enthalten wie alle andern
Graburnen die von Leicheubraud übriggebliebenen
halb verbrannten und verkohlten Gebeine von
Verstorbenen. Sie wurden zuerst in altetrusk.
Gräberfeldern, befonders in der Nähe von Albano
in Italien, entdeckt, dann hat man auch in Deutsch-
land in zwei Gegenden in verschiedenen Gräberfel-
dern ähnliche Exemplare gefunden, in der Umgegend
von Afcherslebcn und in der Westpriegnitz, auch
ist je ein Eremplar aus Mecklenburg und Däne-
mark bekannt. Die meisten sind ruud mit gewölb-
tem Dach und einer großen viereckigen die Thür
darstellenden Osfnung auf der l^eite (f. Tafel: Ur-
geschichte IV, Fig. 9), einzelne sind auch viereckig
und zeigen schon deutlich die Balken, die das Dach
und den Giebel bildeten (Fig. 10). Fensteröffnungen
kommen nicht vor. Die Thür bildet eine viereckige
Tbonplatte und die Schlußvorrichtuug ist ein ein-
facher Querriegel, der durch ^sen auf den beiden
Seiten der Thüröffnung geschoben wurde. Die in
Deutschland gefundenen H. gehören der mittlern
german. Zeit an, etwa den letzten Jahrhunderten
v.Chr. Geburt. Einige gute Exemplare sind im königl.
Museum für Völkerkunde in Berlin ausgestellt.
Hausvater übersetzt die Nechtssprache den lat.
Ausdruck Mt6ckmi1ia8, und versteht darunter den
Vorstand eines Hauswesens. Wegen der Befug-
nisse und Rechtsstellung eines H. s. Ehe und Eltern.
Im weitern ^inne bezeichnet das Wort Msr-
faini1iÄ8 den selbständigen rechtsfähigen Mann.
Sorgfalt eines ordentlichen H. (äili^sutiH doui
Pkti'iäi'ainiliaZ) bezeichnet die Sorgfalt, mit der ein
verständig winschaftender Mensch handelt.
Hausväterverband, eine Vereinigung von
Haushaltsvorständen einer evang.-kirchlichen Ge-
meinde zu gemeinnütziger Thätigkeit innerhalb dieser
Gemeinschaft, namentlich zur gegenseitigen Hilfe
nnd Unterstützung, zu gemeinsamem Genuß von
anregenden Unterhaltungen zwecks naturgemäßen,
ungezwungenen Ausgleichs der gesellschaftlichen
Gegensätze und zur Förderung des kirchlichen Ge-
meindelebens. Der Gedanke, wohl zuerst von Pastor
Sülze in Dresden ausgesprochen, hat sich in einer
von der <Hulzeschen etwas abweichenden Richtung
am erfolgreichsten in der Ägioiengemeinde in Han-
nover entwickelt. Das Charakteristische der H. den
sonstigen gemeinnützigen Vereinen gegenüber besteht
darin, daß sie ihre Thätigkeit geographisch ans eine
bestimmte kirchliche Gemeinde oder einen Teil der-
selben (Bezirk) beschränken. Ähnliches, jedoch ohne
Anlehnung an die Kirche, erstreben die von Mit-
gliedern der Gesellschaften für ethifche Kultur in
England und Am^vita begründeten Nachbar-
sch aftsgildcn(s.d.).-Vgl. E. Sülze, Dio evang.
Gemeinde (Gotha 18l)1).
Hausverträge, eine Form, in welcher sich die
Antonomie der souveränen und hochadligen Fami-
lien bethätigte (s. Hausgesetze und Familienpakt).
Hausvogt, Anfsichtsbeamter für Schlösser oder
öffentliche Gebäude; Hausvogtei, Gcsangenen-
anstalt (für Untersuchungsgefangene) in Berlin.
Hauswirtschaft, im weitern Sinne gleichbc-
deuteud mit der privaten Einzelwirtschaft im Gegen-
fatz zur Volkswirtschaft. Im engern Sinne aber
bezeichnet H. die Haushaltung, d. h. die plan-
mähige Ordnung der Konsumtion in der Einzelwirt-
schaft. Es kommt darauf an, daß nicht nur im all-
gemeinen die Ausgaben mit dem Einkommen min-
destens im Gleichgewicht bleiben, sondern daß auch
auf die Hauptarten der Bedürfnisse eine möglichst
Leplay, Ducpetiaur, Engel, Laspeyres, Schnapper
u.a. haben sich eingehend mit der Untersuchung des
Haushaltungsbudgets solcher Familien be-
schäftigt, die für gewisse Kategorien, namentlich der
Arbeiterbevölkerung, als typisch betrachtet werden
konnten, und es hat sich dabei namentlich heraus-
gestellt, daß auf die Nahrung ein um so größerer
Bruchteil des Einkommens verwendet wird, je kleiner
das letztere ist. Von einem Einkommen von 800 bis
W0M. nimmt in einer Arbeiterfamilie von mittlerer
Größe das Nahrungsbedürfnis etwa 70Proz. in An-
spruch, während eineFamiliemit5000M. Einkommen
für Nahrungsmittel kaum 30Proz. dieses Betrages
verausgabt. Die Ausgaben sür Kleidung nehmen
in der Arbeiterbevölkerung (nach den Berechnungen
von Laspeyres) die zweile Stelle ein(14-18Proz.)
und die für die Wohnung erscheinen in der dritten
Reihe mit 6 - 8Proz., während in den mittlern
Ständen die Reihenfolge meistens die umgekehrte
fein dürfte. Nach Nachweisen (1891) in den Ver-
einigten Staaten von Amerika (vgl. 36V6ntIi Hunua!
XI^IV) braucht eine Normalfamilie, bestehend aus
Mann, Frau und 3-5 Kindern bis zu 14 Jahren
durchschnittlich im Jahre 2240 M. Ähnliche Nach-
weise sinden sich über 704 Haushaltungen mit den
Kosten für Obdach (Zkeiter) statt der Miete im
"X5M8Q8 I^dor Nt^or^ hon I8Z7 vor, und mit
ihnen allen ist eine ältere Berechnung von Ernst
Engel (s. d.) vergleichbar. Aus der folgenden Über-
sicht lassen sich dic Anteile der Hauptausgabezweigs