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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hayesin - Haymerle
der zu seiner Praxis nach Cincinnati zurückkehrte.
1875 von neuem zum Gouverneur seines Staates
gewählt, erhielt er 1876 von dem republikanischen
Parteikonvent in Cincinnati die Nomination als
Präsidentschaftskandidat. Sein Gegner war der
Gouverneur Samuel I. Tilden von Neuyork. Die
7. Nov. 1876 stattfindende Wahl ergab keine Ent-
scheidung, indem Tilden Zwar 4285 992 Volksstim-
men gegen 4033 768, die auf H. fielen, aber nur
184 sichere Wahlstimmen hatte. Auf H. fielen 166
sichere, die andern 19 Stimmen der drei Staaten
Südcarolina, Florida und Louisiana waren wegen
Unregelmäßigkeiten und Betrug zweifelhaft. Zur
Entscheidung der Angelegenheit setzte der Kongreß
6. Jan. 1877 ein Schiedsgericht ein (s. Niectoi-^I-
^ollimiLLion), das alle 19 zweifelhafte Stimmen als
H. gehörig und diesen somit 2. März 1877 für
gewählt erklärte. H. erlieft bei seinem Amtsantritt
4. März 1877 eine im versöhnlichsten Geist gehaltene
Botschast,worin er namentlich derReform des öffent-
lichen Dienstes das Wort redete. Hervorragende
Ereignisse sind in seiner Amtsfübrung nicht zu ver-
zeichnen. Er bemühte sich zum Teil mit Erfolg, die
aus dem Kriege herrührenden feindlichen Gegen-
sätze zu versöhnen. Der einzige Vorwurf, der ihn
treffen könnte, wäre der, daß er nicht immer mit
Energie einschritt. Seine Gerechtigkeit und Unpar-
teilichkeit wagten selbst seine Gegner nicht anzufech-
ten. Am 4. März 1881 trat er ins Privatleben zurück
nnd >og nach Fremont im Staate Ohio. Er starb
18. Jan. 1893. - Vgl. Conwell, I^ito lniä pudlic
36rvic63 ok N. V. II. (Boston 1876); Howells, I.it0
anä cQkrÄcter ol N. Z. 14. (Neuyork 1876).
Hayesm, Mineral, f. Voronatrocalcit.
Hayes Place (spr. hehsplehß), in der engl.
Grafschaft Kent, s. Vromley.
Hayez, Francesco, ital. Maler, geb. 15. Febr.
1791 in Venedig, wo er an der Akademie die erstell
Studien machte. Dann begab er sich nach Rom zu
Pelagi und malte anfangs im Stil des Klassicis-
mus. Später wählte er Darstelluugen aus der
ältern Geschichte Italiens. Derartige Werke sind:
Dem Grafen Carmagnola wird das Todesurteil
verkündigt, Die Sicilianifche Vesper, Pietro Rossis
Abschied von seiner Gattin (1820), Filippo Visconti
und die gefangenen Königinnen von Navarra und
Aragon (1829), Die beiden Foscari (kaiserl. Galerie
in Wien), Romeo und Julie, Flucht der Bianca
Capcllo (1854; Berlin, Nationalgalerie); endlich
malte er auch religiöse Bilder, wie Magdalena in
der Wüste, St. Iakobus und Philippns/ Als Illu-
strator hat er sich mit 22 Blättern zu Walter Scotts
"1vkn1in6" (Mail. 1834) versucht, H. repräsentiert
für die ital. Malerei seiner Zeit die Wendung zur
Romantik, deren Schwächen seine Kunst teilt. Seine
Kompositionen sind theatralisch, der Ausdruck süß-
lich-sentimental. Erstarbii.Febr. 1882 in Mailand.
Hayingen, frz. Hayange, Stadt im Kreis und
Kanton Diedenhofen des Bezirks Lothringen, 7 km
südwestlich von Diedenhofen, an der Fentsch und
der Linie Diedenhofen-Fentsch und der Nebenlinie
H.-Algringen (4,8 kni) der Elsaß-Lothr. Eisen-
bahnen, hat (1890) 6163(3142 männl., 3021 weibl.)
E., darunter 222 Evangelische und 99 Israclitcn,
Post zweiter Klasse, Telegraph, große Eisenwerke
und Hochöfen. - H. wird 875 als Hain^3, 1067
als HNNFL8 Villa, erwähnt.
Hayingen, Stadt im Oberamt Münsingen des
württemb. Donaukreises, hat (1890) 734 E., Post,
Telegraph, ein Schloß und stark besuchte Vieh- und
Pferdemärkte. Dabei das Schloß Ehrensels, die
Ruine Altehrenfels, die Friedrichshöhle und auf
einem Felsen Reste eines röm. Kastells.
Hayle (spr. hehl), Seestadt in der engl. Graf-
schaft Cornwall, an der St. Ives-Bai, 19 ^in nord-
östlich von Penzance, hat (1891) 1142 E. und eine
große Maschinenfabrik.
Haym, Nud., polit. und litterarhistor. Schrift-
steller, geb. 5. Ott. 1821 zu Grünberg in Schlesien,
studierte Theologie und Philofophie zu Halle und
Berlin, war einige Zeit als Lehrer am Köllmschen
Gymnasium und an der Nobackschen Handelsschule
in Berlin thätig und lebte 1846. und 1847 zu Halle.
Die Schrift "Reden und Redner des Ersten preuß.
Vereinigten Landtags" (Berl. 1847) wurde Anlaß,
daß er als Abgeordneter der beiden Mansfelder
Kreise Mitglied der Frankfurter Nationalversamm-
lung wurde, über die er in der Schrift "Die deutsche
Nationalversammlung" (3 Tle., Franks, und Verl.
1848-50) vom Standpunkt der Partei des rechten
Centrums historisch berichtete. Denselben, d. h. den
altliberalen,Parteiinteressen dienteH. darauf als Re-
dacteur der "Konstitutionellen Zeitung" in Berlin;
dieser Thätigkeit machte jedoch seine von Hinckeldey
verfügte Ausweisung bald ein Ende. Nach Halle zu-
rückgekehrt, begann er 1851 seine Wirksamkeit als Do-
cent derPhilosophie und neuern deutschen Litteratur-
geschichte. Gleichzeitig leitete er die "Preuß. Jahr-
bücher" von ihrem Beginn 1858 bis 1864 als Her-
ausgeber. 1860 wurde er zum außerord. und 1868
zum ord. Professor an der Universität ernannt.
Politisch war H. nur noch in der Landtagssession
von 1866 bis 1867 als Abgeordneter für Halle und
den Saalkreis thätig. Seine Hauptwerke sind:
"W. von Humboldt. Lebensbild und Charakteristik"
(Berl. 1856), "Hegel und seine Zeit" (ebd. 1857),
"Arthur Schopenhauer" (ebd. 1864), "Die roman-
tische Schule" (ebd. 1870), "Herder, nach seinem
Leben und seinen Werken" (2 Bde., ebd. 1877-85),
"Das Leben Max Dunckers" (ebd. 1890).
Haymerle, Heinr., Freiherr von, österr. Staats-
mann, geb. 7. Dez. 1828 zu Wien, studierte an der
Orientalischen Akademie daselbst, folgte Okt. 1848
dem Aufruf der Wiener Studentenfchaft zu den
Waffen, wurde bei der Einnahme der Stadt ge-
fangen und entging nur durch die Fürsprache des
Barons Hübner der kriegsrcchtlichen Erschießung.
H. wurde 1850 Dolmetschadjunkt der Internuntia-
tur in Konstantinopel und während des Krimkrieges
mit einer Mission zu Omer Pascha betraut, 1857
Legationssekretär in Athen, 1861 in Dresden, 1862
zurVundespräsidialgesandtschaftnachFrankfurtver-
setzt, wo er 1863 während des Fürstenkongresses
besonders thätig war. Ende 1864 wurde er als
Geschäftsträger nach Kopenhagen geschickt und 1866
als Unterhändler des Prager Friedens und zur
ßen verwendet; er blieb als interimistischer Geschäfts-
träger bis 1868 in Berlin und ging dann nach kurzem
Aufenthalt in Wien als Gefchäftsträger nach Kon-
stantinopel. 1869 wurde H. als Gesandter nach
Athen geschickt, war 1872-76 Gesandter im Haag,
wo er 1876 in den österr. Freiherrenstand erhoben
wurde, und wurde 1877 zum Botschafter am ital.
Hofe ernannt. 1878 nahm er als genauer Kenner
des Orients am Berliner Kongreß teil und wurde
8. Okt. 1879 als Nachfolger Ändrässys Minister
der auswärtigen Angelegenheiten. Ihm gelang die