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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heemskerk (Jan) - Heerbann
ruhmvoll gegen die Portugiesen und wurde zum
Admiral eruauut. Als Viceadmiral1607 mit eiuer
Flotte gegen die weit stärkere spanische unter Dcwila
gesandt, griff er dieselbe 25. April vor Gibraltar
an und zerstörte sie gänzlich, fand aber dabei selbst
den Tod. Sein prächtiges Grabmal ist in der alten
Kirche zu Amsterdam.
Heemskerk, Jan, niederländ. Staatsmann, geb.
30. Juli 1818 zu Amsterdam, studierte an den: dor-
tigen Athenäum Philologie und Jura. 1859 zum
Mitglied der Zweiten Kammer gewählt, war er
einer der talentvollsten Wortführer der konservati-
ven Partei, sodaß er nach dem Sturz Geertscmas
und van de Püttes zum Chef des neuen Kabinetts
vom l. Juni 1860 und zum Minister des Innern
ernannt wurde. Doch hatte H. von Anfang an
gegen eine heftige Opposition zu kämpfen und musite
im Mai 1868 zurücktreten. Noch 1868 wurde er zum
Mitglied der Zweiten Kammer gewählt, und 1873
wurde er Ratsherr im obersten Gerichtshof. Zum
zweitenmal kam er Aug. 1874 an die Spitze der
Verwaltung, und es gelang ihm, mehrere wicktige
Gesetze, wie das über den höhern Unterricht und
das über die Ausdehnung des Staatsbahnsystcms,
durchzusetzen. Im Sept. 1877 reichte H. mit seinen
Amtsgenossen wegen der feindlichen Haltung der
Kammer seine Entlassung ein. 1879 wurde er zum
Staatsrat ernannt und trat im April 1883 zum
drittenmal an die Spitze des Ministeriums; im
Nov. 1887 brachte er eine Verfassungsrevision zu
stände. Als aber die Wahlen von März 1888 der
verbundenen ultramontanen und sog. antirevolu-
tionären Partei die Mehrheit brachte, muhte er
zurücktreten. H. veröffentlichte: "Voordi-^wn over
cieu ei^ndom v^n voortdren^olen van ^sn, F668t"
(Haarl.1856; 2.Aufl., Amsterd.1869), "Dspi'akti.ik
"nxer Fi-0nä^6t" (2 Bde., Utr. 1881) und außer-
dem mit Spakler "IiaulUeidinF tot äs 3tu6i6 ä^r
onä1i6iä" (Amsterd. 1843).
Heemskerk, Johann van, niederländ. Dichter,
geb. 1597 zu Amsterdam, studierte in Leiden die
Rechte, ging 1624 nach Paris zu seinem Verwandten
Hugo Grotius, erhielt dann im Haag die Anstel-
lung als Advokat der Ostindischen Handelsgesell-
schaft, war von 1628 bis 1634 in England beschäf-
tigt, lebte darauf wieder im Haag und später in
Amsterdam, wo er 1645 Mitglied des Hoyen Rats
ward und 27. Febr. 1656 starb. Von seinen Dich-
tungen sind zu nennen: "Niun6icun8t, Ninusdoei,
NiuneäiciitLQ, NeuZeiäiciiteii" (1622), "Ninn6-
pliciit" (1625), "NinnLkunäs, ol äß piiiloFOpkis
ä6r lißfäe" (1628), "vo V6räui^8t6 Nä" (1641), "1)6
0QZ63tHäiF6 II^IllZ, äo V6i anäerii^ Ice 8te1lN, äe liclit-
vaai-äigL ^mpIiiluZ" (1670); berühmt wurde beson-
ders seine "LHtHvisciiö^i-cHliiH" (1637; 10. Ausg.
von W. G. Wolters und H. C. Rogge, 1871).
Heemskerk, Martin van, Holland. Maler, geb.
1198 zu Heemskerk bei Haarlem, Sohn eines Mau-
rers, Namens van Veen, ging nach Delftzu einein
Maler, Joh. Lucas, und später zu Jan van Scorel.
In dieser Zeit schuf er: Der heil. Lukas die heil. Jung-
frau malend, und fchenkte das Gemälde der Maler-
innung zu Haarlem. Hierauf war er drei Jahre iu
Italien, wo er feinen Geschmack nach der Antike
und nach Michelangelo bildete. Nach seiner Rück-
kehr nach Holland erhielt er zahlreiche Schüler. Er
starb 1. Okt. 1574. H. blieb trotz seines bedeuten-
den Talents im Schwanken zwischen dem altüber-
lieferten niederländ. Kunslgeiste und seinen ital.
Studien stehen. Die letztern zeigen sich in der
vollern, reichern Entfaltung der Form, des Nackten,
während er sich doch von der nordischen Befangen-
heit in Ausdruck und Gewandung nicht losmachen
konnte, ^eine ältern Leistungen haben den Vorzug
größerer Wahrheit und Innigkeit.
Heer, die gesamte Landkriegsmacht eines Staa-
tes. Über die geschichtliche Entwicklung der europ.
Heere s. Heerwesen Europas; Specielleres s. bei den
Artikeln der einzelnen Staaten.
Heer, Oswald, schweiz. Naturforscher, geb.
31. Aug. 1809 zu Nieder-Utzwyl im Kanton St. Gal-
len, studierte Theologie, daneben aber von Jugend
auf Naturgeschichte, wandte sich nach Beendigung
seiner Studien 1832 nach Zürich, wo er 1835 die
Professur der Botanik und Entomologie an der Hoch-
schule, später auch eine Professur am Eidgenössischen
Polytechnikum erhielt. Er war an der Errichtung
des Votanischen Gartens zu Zürich beteiligt und seit
1835 Direktor desselben. Die Sommer der 1.1832
-36 benutzte er zu wissenschaftlicher Untersuchung
der alpinen Tier- und Pflanzenwelt und 1850-51
bereiste er Madeira, Spanien und Südfrankreich.
Auch war H. 20Jahre hindurch Mitglied des Großen
Rats des Kautons Zürich und starb 27. Sept. 1883
zu Laufanne. Seinen Ruf begründete H. mit meh-
rern vortrefflichen entomolog. Werken, unter denen
"Die Käfer der Schweiz" (Tl. 1, 1.-3. Lfg., und
Tl. 2,1. Lfg., Neuenburg 1838-41) und die "I^una
coleoptLi'um Iieivßtica" (Tl. 1, Heft 1 - 3, Zür.
1839-41) die bedeutendsten sind. Hieran schlössen
sich zunächst eine Reihe von Arbeiten über die fossile
Fauna und Flora, wie "Die Insektenfauna der Ter-
tiärgebilde von Öningen und von Radoboj in Kroa-
tien" (3Vde.,Lpz. 1847-53) und die"1^0i-at6rti3.ril,.
lleivetic^L)) (3 Bde., Winterth. 1855-59), woran sich
anreihen die Untersuchungen über "Die Pflanzen der
Pfahlbauten" (Zür. 1865), fernerdie Monographien:
"Über die sä'chs.-thüring. Vraunkohlenflora" (Berl.
1861), "Die Vraunkohlenpflanzen von Bornstedt"
(Halle 1869), "Die miocene baltische Flora" (Kö-
nigsb. 1869), "Beitrage zur Kreideflora" (Zür.
1869-72) u. s. w. Hierzu kamen noch die "Unter-
suchungen über das Klima und die Vegetations-
verhältnisse des Tertittrlandes" (Wintcrth. 1860),
"Die fossile Flora der Polarländer" (7 Bde., Zür.
1868-83), "Die Urwelt der Schweiz" (ebd. 1865;
2. Aufl. 1879), die Biographie "Arnold Escher von
der Linth" (cbd. 1873), "i^ioi'H lo88ili8 Iieivetica."
(ebd. 1877), "über fossile Pflanzen von Sumatra"
(ebd. 1875), "(^ontriliutionL a, 1a tior" t'o88il6 du
1?orwFIi" (Lissab. 1881), "Die uivale Flora der
Schweiz" (Zür. 1883). Auch suchte er das frühere
Vorhandensein der hypothetischen Landmasse At-
lantis (s. d.) wissenschaftlich zu begründen. - Vgl.
Schröter, Oswald H. (Zür. 1888)'.
Heerbann hieß im Fränkischen Reiche das Auf-
gebot fowie das dazu aufgebotene Heer felbst. Ur-
sprünglich waren alle Freien pflichtig, aber bei der
Ausdehnung des Reichs konnten immer nur die
Mannschaften der dem Kriegsfchauplatz nächst-
gelegenen Teile aufgeboten werden und aus den
ferner gelegenen nur die Großen. Unter Karl d. Gr.
bildeten Loire, Seine und Rhein die Grenzen für
vier große Aufgebotsbezirke. Ferner wurden die
kleinern Besitzer zu Gruppen vereinigt, die einen
aus ihrer Mitte ausrüsten mußten. Da aber die
! Mannschast selbst für Waffen lind Verpflegung sor-
! gen mußte und keinen Sold erhielt, für Versäumnis