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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hegel (Immanuel); Hegel (Karl von)

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Hegel (Immanuel) – Hegel (Karl von)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Hegel (Georg Wilh. Friedr.)'

Michelet; die Ästhetik und Kunstgeschichte wurden von Hinrichs, Hotho, Rosenkranz, Vischer, Ruge, Schnaase betrieben. Am lebhaftesten wurde die Bewegung in der Religionsphilosophie durch die Mitleidenschaft, in die sich die Theologie gezogen sah. Wie Kant, Fichte und Schelling gethan, so suchte auch H., und mit ihm Daub, Marheineke, Rosenkranz, Göschel, Vatke u. a., den ewigen Vernunftgehalt des Christentums in seinen histor. und symbolischen Formen nachzuweisen. Aber mit diesem Streben zerfiel die H.sche Schule durch den Streit über die Christologie, den vorzüglich Strauß durch sein «Leben Jesu» (1835) anregte und durch seine «Christl. Glaubenslehre» (1840) nährte. Es bildete sich eine supranaturalistische, eine rationalistische und eine vermittelnde rationellmystische Fraktion, die man die Rechte, die Linke und das Centrum der H.schen Schule zu nennen pflegte. Für die Geschichte der Philosophie, in der H. selbst viel geleistet, ist seine Schule in Feuerbach, Schwegler, Zeller, Erdmann, Kuno Fischer vorzüglich thätig gewesen. Die «Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik» (1827–47 durch Henning redigiert) galten gewissermaßen als das Organ der Orthodoxie der H.schen Doktrin bis 1841, wo Schelling nach Berlin kam.

Das Bedürfnis, den gleichsam häretischen Ansichten der jüngern Hegelianer einen zwanglosen Ausdruck zu ermöglichen, hatte indessen Ruge und Echtermayer schon 1838 veranlaßt, die «Hallischen Jahrbücher» zu gründen. Infolge der Kölner Streitigkeiten gerieten die Junghegelianer mit Leo in Kampf, der sie des Atheismus anklagte. Schubart und andere gesellten zu dieser Anklage die der Revolution. So ward die H.sche Philosophie, die zu Lebzeiten H.s für kirchlich und politisch konservativ gegolten hatte, als destruktiv verurteilt. Rüge verlegte seine Zeitschrift von Halle nach Leipzig und nannte sie «Deutsche Jahrbücher», die aber 1843 ebenfalls dem Verbot erlagen, Seit dieser Zeit hat der H.sche Denkweg sich in einer freiern Weise als früher weiter entwickelt, nämlich in Gestalt einer fortgesetzten Arbeit auf den Grundlagen der Kantischen Kritik und der Fichteschen Wissenschaftslehre, indem einerseits bedeutende Repräsentanten der Schule sich erhebliche Abweichungen im System erlaubten, wie K. Werder in seiner «Logik» (Berl. 1841), Rosenkranz in seiner «Wissenschaft der logischen Idee» (2 Tle., Königsb. 1858–59), Kuno Fischer in seiner «Logik und Metaphysik oder Wissenschaftslehre» (Stuttg. 1852; 2. Aufl., Heidelb. 1865); andererseits Männer von entgegengesetzten Weltansichten, wie J. H. Fichte, Weiße, K. Ph. Fischer, Chalybäus, Wirth, Ulrici, Carriere, sich der dialektischen Methode bei ihren Arbeiten bedienten und dadurch von seiten der strengen Schulanhänger sich den Namen der Pseudo-Hegelianer zuzogen. Von innen her reinigte sich die Schule dadurch, daß ihre in Empirismus und Materialismus auslaufenden Zweige (Feuerbach, Moleschott, Noack) förmlich sich von ihr trennten. Dagegen hat sich die Schule der strengen Observanz seit 1860 in der philos. Zeitschrift «Der Gedanke, Organ der Philosophischen Gesellschaft zu Berlin» (hg. von Michelet) ein Werkzeug ihres festen Bestandes und Einverständnisses gegründet. Im Auslande hat sich das Studium der Philosophie H.s mehr und mehr verbreitet. In Frankreich hat Cousin so lange für sie gewirkt, bis er nach H.s Tode zu Schelling übertrat und von hier ab dessen Polemik teilte. Diese Polemik blieb in ↔ Frankreich vorherrschend, bis man neuerdings ein eindringenderes Studium H.s vornahm, das sich sowohl in Übersetzungen der H.schen Werke als in raisonnierenden Darstellungen ihres Inhalts bekundete. Warme Anhänger fand das H.sche System in Dänemark (Heiberg, Martensen), Schweden und Finland (Snellmann, Tengström, Bring), Norwegen (Monrad). Später drang das Studium H.s nach Italien, wo es durch Desanctis, den Rechtsphilosophen Salvetti, den Ästhetiker Tari und ganz besonders durch Vera und Spaventa vertreten ist, und in neuerer Zeit nach England, wo es, durch Hutchison Stirling («The secret of H.», 2 Bde., Lond. 1865) eingeführt, namentlich in der Ethik zahlreiche Anhänger gefunden hat. Auch in Polen, Ungarn und Nordamerika hat die H.sche Philosophie Einfluß gewonnen. – Vgl. Rosenkranz, H.s Leben (Berl. 1844); Haym, H. und seine Zeit (ebd. 1857); Köstlin, H. in philos., polit. und nationaler Beziehung (Tüb. 1870); Rosenkranz, H. als deutscher Nationalphilosoph (Lpz. 1870); E. Caird, Hegel (Lond. 1883).

Hegel, Immanuel, Vertreter der positiv-kirchlichen Partei in Preußen, jüngerer Sohn des vorigen, geb. 24. Sept. 1814 zu Nürnberg, studierte in Berlin, München und Heidelberg Philosophie, Jurisprudenz und Staatswissenschaften, trat 1836 in den preuß. Staatsdienst, war seit 1842 Regierungsassessor in Magdeburg und wurde 1844 in das neuerrichtete Handelsamt in Berlin als Hilfsarbeiter berufen. In dieser Stellung gab er mit Delbrück die beiden ersten Jahrgänge des «Handelsarchivs» heraus. Im April 1848 wurde er dem neugebildeten Handelsministerium überwiesen und im Juli 1848 in das Bureau des Staatsministeriums berufen. 1849 wurde er zum Regierungsrat, 1853 zum Geh. Regierungsrat und vortragenden Rat und 1859 zum Geh. Oberregierungsrat befördert. H. war 1853–58 Kurator des «Preuß. Staatsanzeigers» und des Litterarischen Bureaus im Staatsministerium. 1858 wurde er Kurator des Staatsschatzes und vortragender Rat bei der Verwaltung des Staatsschatzes, 1861 Mitglied der Ober-Examinationskommission für das Fach der Nationalökonomie und des Finanzwesens. Aus allen diesen Stellungen schied er 1865 infolge seiner Ernennung zum Präsidenten des Konsistoriums der Provinz Brandenburg. Anfang 1891 nahm er seine Entlassung und starb 26. Nov. in Berlin. Er veröffentlichte noch zuletzt kurze «Erinnerungen aus meinem Leben» (Berl. 1891).

Hegel, Karl von, Geschichtsforscher, älterer Sohn des Philosophen H., geb. 7. Juni 1813 zu Nürnberg, studierte in Berlin und Heidelberg Philosophie, Philologie, Theologie und Geschichte, war dann Hilfslehrer am Köllnischen Gymnasium zu Berlin, erhielt 1841 einen Ruf als außerord. Professor der Geschichte nach Rostock, wurde daselbst 1849 zum ord. Professor ernannt und ging in gleicher Eigenschaft 1856 nach Erlangen. H.s Hauptwerk ist: «Geschichte der Städteverfassung von Italien» (2 Bde., Lpz. 1847). Außerdem leitet er die Herausgabe der «Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrh.» (Bd. 1–22, Lpz. 1862–92). Ferner veröffentlichte er: «Geschichte der mecklenb. Landstände bis zum J. 1555» (Rost. 1856), «Die Ordnungen der Gerechtigkeit in der florentin. Republik» (Erlangen 1867), «Die Chronik des Dino Compagni» (Lpz. 1875), «Über den histor. Wert der ältern Dante-Kommentare" (ebd. 1878), «Verfassungsgeschichte von Köln im Mittelalter» (ebd. 1877), «Verfassungs-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 948.