Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

968
Heilige Stätten - Heilsarmee
es ein Reich der "deutschen Nation", weil der von
den Deutschen gewählte König der Herr dieses
Reichs war. Er führte als solcher den Titel Kaiser,
aber die Gewalt erhielt er nicht erst durch die Kaiser-
krönung, sondern als König der Deutschen.
Heilige Stätten, s. Stätten, heilige.
Heilige Tiere, s. Tierdienst.
Heilige Vehm, s. Femgerichte.
Heilige Woche, soviel wie Karwoche.
Heiligkeit (lat. 83.nctitg.8), im Alten Testament
ursprünglich Bezeichnung der Erhabenheit Gottes
über jede Verunreinigung durch die Kreatur und der
Unverletzlichkeit seines Wesens und Willens, danach
Bezeichnung von allem, was als Eigentum Gottes
ausschließlich seinem Dienst geweiht und von pro-
fanem Gebrauch ausgesondert war. (S. Heilig.) In
der christl. Dogmatik ist H. diejenige Eigenschaft
Gottes, darunter man ihn als Urquell und Urbild
sittlicher Vollkommenheit oder als den die Ord-
nungen der sittlichen Welt unverbrüchlich aufrecht
erhaltenden absolut guten Willen betrachtet. -
SeineH. (lat. 8anctitÄ8 8ua), in der Anrede Eure
H. (8knctita8 Vk8ti-3>), ist die übliche Ehrenbezeich-
nung des Papstes, der von den Katholiken Aller-
heiligfter Vater in Christo, in der Anrede
8lrncti88iin6 oder I^ati88im6 ?atk!i' genannt wird.
Heiligsprechung, s. Heilig und Kanonisation.
Heiligung, s. Heilig und Heilsordnung.
Heiligungsgelübde, s. Gelübde
Heilimpfung, s. Schutzimpfung.
Heiling, Hans, nach deutschböhm. Sage ein Erd-
oder Berggeist, der eine Sterbliche liebte, sie hei-
ratete, aber von Eifersucht gequält, sie und ihre
Umgebung in Felsen (Hans-Heilingsfelsen,
zwischen Karlsbad und Einbogen) verwandelte.
Marschner hat den Stoff zu einer Oper benutzt.
Heilkraut, s. ll6i-n,oi6um.
Heilkunde oder Heilkunst, s. Medizin.
Heilmagnetifeur, Heilmagnetismus, s. Tie-
rischer Magnetismus.
Heilmann, Johann, bayr. Generallieutenant
und Militärschriftsteller, geb. 5. Febr. 1825 zu
Müncken, trat, im Kadettenkorps erzogen, in das
bayr. Heer ein, wurde 1859 Hauptmann im General-
stabe und machte die Feldzüge 1866 und 1870/71
als Generalstabsoffizier mit. 1872 zum Bataillons-
commandeur im 1. Infanterieregiment ernannt,
wurde er im folgenden Jahre Oberst und Comman-
deur des 4. Infanterieregiments und demnächst
Commandeur der bayr. Besatzungsbrigade in Metz.
1883 schied H. als Generallieutenant aus dem
aktiven Militärdienst und starb 1888 in München.
H. hat sich durch zablreiche Werke und kriegsgeschicht-
liche Aufsätze in Militärzeitungen bekannt gemacht.
Zu nennen sind besonders "DieSchlacht beiLeuthen"
(Berl. 1849), "Die Feldzüge der Bayern in den
I. l643, 1044 und 1645 unter Marschall von
Mercy" (Meiß. 1851), "Das Kriegswesen der
Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des Dreißig-
jährigen Krieges" (ebd. 1850), "Die Kriegskunst der
Preußen unter Friedrich d. Gr." (2 Bde., ebd. 1852
-53),"Lebendes Generals GrafenB. E. vonDeroy"
(Augsb. 1855), "Der Feldzug 1813. Anteil der
Bayern seit dem Rieder Vertrag" (Münch. 1857),
"Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und
Schwaben 1506-1651" (2 Bde., ebd. 1868), "An-
teil des 2. bayr. Armeekorps am Feldzuge 1870/71
gegen Frankreich" (ebd. 1872), "Feldmarschall Fürst
Mede" (Lpz. 1881).
Heilmittel, im weitern Sinne alles, was zur
Beseitigung und Heilung von Krankheiten und
Störungen der Funktionen des menschlichen Kör-
pers jedweder Art benutzt wird, im engern Sinne
die in den Apotheken bereiteten Arzneimittel oder
Medikamente. Man pflegt folgende Klassen von H.
zu unterscheiden: 1) die pharmaceutischen H.
oder Arzneimittel (s. d.), chemisch wirkende Stoffe,
welche teils dem Tierreich, teils dem Wanzen- und
Mineralreich entnommen werden und hinsichtlich
ihrer Physik, und chem. Eigenschaften, ihrer Anwen-
dung und Wirkungsweife die größte Verschieden-
artigkeit darbieten; 2) die diätetischen H., welche
teils für sich allein, teils in Verbindung mit andern
H. angewendet werden und in vielen Fällen mehr
vermögen als alle übrigen H. zusammengenommen;
hierher gehören die zweckmäßige Wahl der Nahrungs-
mittel und Getränke (s. Diät), gehörige Hautpflege
durch Bäder, Waschungen und Abreibungen, die
Beschaffung einer möglichst reinen sauerstoffreichen
Luft (Land- und Waldluft, klimatische Kuren), ge-
regelter Schlaf sowie gehörige Ruhe und Schonung
des kranken Körperteils, ferner zweckmüßige Be-
wegungen (s. Heilgymnastik) u. dgl. m.; 3) die
physikalischen H., welche in den erkrankten
Organen und Geweben rein physik. Veränderun-
gen hervorrufen und dadurch unter Umständen ge-
wisse pathol. Veränderungen zu beseitigen im stände
sind; hierher zählen die Kälte und die Wärme in
ihren verschiedenen Anwendungsweisen, das Wasser
(s.Kaltwasserkur), die Elektricität (s. Elektrotherapie),
die Massage (s. d.), die Einatmung komprimierter
Luft (s. d.) u. a.; 4) die chirurgischen oder me-
chanischen H., solche Stoffe und Gerätfchaften,
welche, mit dem Körper in Berührung gebracht,
eine rein mechan. Wirkung auf denselben ausüben,
wie die zahlreichen Instrumente, deren sich der Arzt
bei der Vornahme chirurg. Operationen bedient,
die verschiedenartigen Verbandstoffe und Bandagen,
orthopäd. Apparate u. dgl. - Vgl. von Ziemssen,
Handbuch der allgemeinen Therapie (4 Bde., Lpz.
1881-86); I. A. Hofsmann, Vorlesungen über all-
gemeine Therapie (2. Aufl., ebd. 1888).
Heilmond, s. Dezember.
Heilpflaster, schwarzes, s. Mutterpflaster.
Heilquellen, s. Mineralwässer.
Heilsarmee (engl. saivation ^rm^) oder Heer
der Seligmacher (Salutisten), eine von William
Vooth (s. d.) gestiftete religiöse Vereinigung von
Männern und Frauen, die in militär. Organi-
sation und Uniform unter dem "General" Bootb
und unter männlichen und weiblichen Offizieren mit
den bekehrten Sündern als "Soldaten Christi" die
"Burgen des Satans" durch Bußpredigt, Lobge-
sänge und Andachtsübungen stürmen will. Schon
seit 1865 trieb Vooth in London unter den verkom-
mensten Schichten der Bevölkerung auf Straßen und
Plätzen sein Heilswerk. Seit 1878 schuf er mit feiner
1890 gestorbenen Gattin aus seinen Anhängern
auf einer "Kriegsversammlung" die H. Die engl.
Bischöfe nannten sie einen ungesunden Auswuchs
am Leibe der Kirche und stellten ihr in der Okurcd
^i-in)5 einen Rivalen entgegen. Die H. erstreckt sich
bereits über einen Teil von Asien (namentlich Ost-
indien), Amerika und Australien, Frankreich, die
Niederlande und Schweden. Das "Hauptquartier"
mit dem "Generalstab" bleibt London. In der
Schweiz wurden die Versammlungen der Salutisten
wcgen des gegen sie hervortretenden VolksunwillenH