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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heiratsgut - Heißhunger

kung nicht ausgesprochen. Nach dem Sächs. Bürgert. Gefetzb. Art. 1259 und nach kurhess. Verordnung von 1804 ist das Versprechen für Nachweisung oder für Vermittelung nichtig. Der Deutsche Entwurf hat eine ähnliche Bestimmung abgelehnt. Wird der Maklerlohn für Nachweisung versprochen, so muß dem Betreffenden irgend eine für die Verheiratung mit der nachgewiesenen Person erhebliche, ihm bisher unbekannte Thatsache mitgeteilt sein, sei es die Existenz jener Person als einer heiratsfähigen, sei es eine andere Thatsache, welche es ihm wünschenswert erscheinen lassen, sich mit dieser Person zu verbinden. Macht sich der Heiratsvermittler betrügerischer Vorspiegelungen schuldig, so kommen in strafrechtlicher und civilrechtlicher Beziehung die Bestimmungen über den Betrug zur Anwendung.

Heiratsgut, s. Mitgift und Ausstattung.

Heiratspakten, Heiratsvertrag, s. Ehevertrag.

Heiratsregister, das Civilstandsregister (s. d.) über die Heiraten.

Heiratsvermittelung, s. Heiratsbureau.

Heiratswappen, soviel wie Ehewappen (s. d.).

Heiratsziffer, s. Ehestatistik.

Heiratszwang wurde im frühen Mittelalter von dem Vater gegen die Tochter, von dem Bruder gegen die in seiner Vormundschaft befindliche Schwester mit rechtlicher Wirksamkeit geübt. Daß ein H. durch königl. Ehegebot nicht gestattet sei, wurde im 7. Jahrh. auszusprechen für notwendig gehalten. Der Kirche gelang es, den H. überhaupt, selbst gegen Hörige, zu beseitigen.

Heiris, s. Kamele.

Heis, Eduard, Astronom, geb. 18. Febr. 1806 zu Köln, wurde 1827 daselbst, 1837 in Aachen Gymnasiallehrer und 1852 Professor der Mathematik und Astronomie an der Akademie in Münster, wo er 30. Juni 1877 starb. H. widmete sich namentlich der Beobachtung der Sternschnuppen, der veränderlichen Sterne, der Milchstraße, der Dämmerungserscheinungen, des Zodiakallichts und des Nordlichts. Besonders berühmt ist sein "Atlas coelestis novus" (Köln 1872), in welchen alle mit bloßem Auge sichtbaren Sterne aufgenommen sind, und seine "Zodiakallicht-Beobachtungen" (ebd. 1875). Auch veröffentlichte er eine "Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus der allgemeinen Arithmetik und Algebra" (85. Aufl., Köln 1891), ferner mit Eschweiler ein "Lehrbuch der Geometrie" (Tl. 1: "Planimetrie", 7. Aufl., ebd. 1881; Tl. 2: "Stereometrie", 4. Aufl., ebd. 1881; Tl. 3: "Ebene und sphärische Trigonometrie", 3. Aufl., ebd. 1888), und gab die "Wöchentlichen Unterhaltungen aus dem Gebiete der Astronomie und Meteorologie" heraus.

Heise, Peter, dän. Komponist, geb. 11. Febr. 1830 in Kopenhagen, gest. daselbst 12. Sept. 1879, erhielt seine musikalische Bildung auf dem Leipziger Konservatorium. Er hat sich besonders durch Lieder, Balladen und die Oper "Die Tochter des Pascha" l1869) bekannt gemacht.

H-Eisen, s. Walzeisen.

Heiser Kanal, s. Tabelle zum Artikel Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6, S. 629).

Heiserkeit (Raucedo), diejenige krankhafte Beschaffenheit der Stimme, bei welcher sie ihren reinen, vollen metallischen Klang verliert und statt dessen rauhe, schnarrende oder klanglose, auch wohl lispelnde, zischende oder pfeifende Töne hervorbringt. Den höchsten Grad der H., bei welcher die Stimme vollkommen klanglos ist und der Kranke sich nur durch Lispeln verständlich machen kann, nennt man Stimmlosigkeit oder Aphonie. Die nächste Ursache dieser Unregelmäßigkeit liegt in entzündlicher Schwellung, Auflockerung und Schlaffheit der Kehlkopfschleimhaut, namentlich der die Stimmbänder überziehenden, mitunter auch in Erschlaffung, Lähmung, Zerstörung der Stimmbänder selbst. Zumeist ist es ein Katarrh des Kehlkopfs, welcher die Rauhigkeit der Stimmbänder verursacht, und mit der Intensität des Katarrhs nimmt die H. Zu und ab; in andern Fällen wird die H. durch tuberkulöse, syphilitische oder typhöse Geschwüre der Kehlkopfschleimhaut oder durch Geschwülste im Innern des Kehlkopfs hervorgerufen. Unter den Gelegenheitsursachen der H. sind namentlich übermäßiges Reden, Singen und Kommandieren, das Einatmen kalter, staubiger oder rauchiger Luft, Erkältungen der äußern Haut, insbesondere des Halses und der Füße sowie der Mißbrauch alkoholischer Getränke hervorzuheben. Zerstört ein Geschwür die Schleimhaut oder die Stimmbänder, so wird die H. dauernd, wie dies bei Schwindsüchtigen häufig ist, bei denen zu der tuberkulösen Lungenaffektion leicht eine chronische Entzündung und Verschwärung der Kehlkopfschleimhaut hinzutritt. Durch Veränderung der Schleimhaut ist auch die H. bei Krupp und Diphtherie der Luftröhre bedingt. Bei Anwesenheit fremdartiger Gebilde (Polypen und anderer Geschwülste) im Kehlkopf zeigt sich ebenfalls oft hochgradige H. Eine nervöse H., der keine anatom. Veränderung des Stimmorgans zu Grunde liegt und die nur aus krankhaftem Nerveneinfluß entspringt, findet sich bei gewissen Nervenleiden, vorzüglich bei Hysterie. Die Behandlung richtet sich auf die Hebung der Ursache. Bei Katarrh ist dieser durch Schonung und Ruhe des Organs, Enthaltung vom Sprechen und Singen, Prießnitzsche Umschläge und Anwendung von ätzenden und adstringierenden Mitteln zu heben, während die Geschwüre durch örtliche Behandlung zu heilen, die Polypen wegzuschneiden sind. (S. Kehlkopf [Krankheiten].) - Vgl. Bresgen, Die H. (Neuwied 1889).

Heißen (Hissen), der seemännische Ausdruck für in die Höhe ziehen. Man heißt ein Segel, ein Boot, eine Flagge. Das Gegenteil von H. ist Fieren (s. d.) oder Niederholen (s. Holen).

Heißgußporzellan, s. Milchglas und Kryolith.

Heißhunger, Ochsenhunger (Bulimia), der Zustand, in welchem ein Mensch an heftigem Hunger mit schmerzhafter Empfindung im Magen und Ohnmachtsgefühl leidet. Dieser Zustand tritt auf bei chronischem Magen- und Darmkatarrh, bei Magen- und Darmfisteln sowie bei Reizung des Darms durch Würmer (Bandwürmer), ist aber auch häufig das Zeichen einer Nervenkrankheit und zeigt sich als solches bei Hysterischen, Schwangern und Gemütskranken, insbesondere Blödsinnigen. Der Anfall tritt meist nach längerm Fasten auf und kann durch Genuß von Nahrung oder durch narkotische Mittel beseitigt werden; gänzlich beseitigt wird er nur durch Hebung der Ursache. Vom H. verschieden ist die Art des Hungers, bei welchem die Kranken trotz reichlichster Nahrungszufuhr nicht gesättigt werden, z. B. bei hochgradiger Zuckerharnruhr (s. Diabetes), nach bedeutenden Blut- und Säfteverlusten, nach sehr erschöpfenden Krankheiten. Ferner unterscheidet sich vom H. der sog. Wolfshunger (fames lupina), bei welchem sich der Appetit auch auf sonst nicht genießbare Dinge erstreckt.