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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hellebäk - Hellenistische Staaten
Hellebäk, Fischerdorf auf der dän. Insel See-
land, an der Nordostküste, in reizender Lage am
Öresund, 5 km im NW. von Helsingör, hat 1064 E.,
viel befuchte Seebäder und eine Tuchfabrik.
Hellebarde, Helmbarte (entweder Barte, d.h.
Beil, zum Einschlagen der Helme, oder - Helm in der
Bedeutung als Stiel genommen - gestieltes Beil),
vielgebrauchte Waffe des Fußvolks im spätern
Mittelalter. Ursprünglich im 14. Jahrh, ein lang-
gestieltes Beil, also .Hiebwaffe, tritt sie im 15. und
16. Jahrh, gleichzeitig als Hieb- und Stoßwaffe
auf. Der über 2 m lange hölzerne Schaft war oben
mit einer langen Stoßtlinge verfehen, an deren
unterm Ende sich auf einer Seite ein dünnes, meist
halbmondförmiges scharfes Beil (Barte) befand, das
nach der Rückseite in eine wagerechte, zuweilen auch
nach abwärts gekrümmte Spitze endigte; letztere
diente dazu, den feindlichen Reiter vom Pferde zu
reißen. Mit dem 16. Jahrh, wird die H. als Kriegs-
waffe allmählich durch den langen Spieß oder die
Pieke verdrängt, erhielt sich aber noch längere Zeit
als Paradewaffe, der die Waffenschmiede häusig
eine künstlerische Ausstattung verliehen.
Helleborem, Helleboresin, s. Helleborin.
Helleborm, (^"ll^s, Glykosid, das den nar-
kotischen Bestandteil der früher offizinellen grünen
Nieswurz, Naäix Ilsiiedori viriäig, bildet; es
findet sich darin neben einem andern Glykosid, dem
Zellebore'in, (^H^O^. Das H. bildet weiße,
in Wasser unlösliche, leicht in Alkohol und Chloro-
form, schwieriger in 'Äther lösliche Krystallnadeln,
ist geruch- und geschmacklos, in alkoholischer Lösung
von scharfem und brennendem Geschmack. Von
verdünnten Säuren wird es erst bei langem Kochen
zerfetzt; beim Erhitzen mit konzentrierter Chlorzink-
lösung wird es gespalten in Zucker und einen
harzigen Körper, Helleboresin, (^oUggO^ H.
wirkt schon in geringen Mengen giftig durch Läh-
mung der Nervencentren.
Ilsiisdörus ^., Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Ranunkulaceen (s. d.). Man kennt 11 Arten,
die in Europa und im westl. Asien vorkommen. Es
sind ausdauernde krautartige Gewächse mit dunkel
gefärbten Rhizomen, lederartigen, Hand- oder fuh-
förmig geteilten Blättern und großen, grünlich oder
weiß gefärbten Blüten. Eine der bekanntesten Arten
ist die in den Gebirgen des mittlern und südl. Europa
einheimische schwarze Nieswurz, Christ würz,
Schnee- oder Weihnachtsrose, II. inZ6i- !>.,
deren große, weitgco'ffnete weihe, später purpurn
anlaufende Blumen je nach Standort und Witterung
vom Dezember oder Januar bis zum Februar, bis-
weilen auch noch im März erscheinen. Das Rhizom
dieser Art war früher als schwarze Nieswurz
s^äix Hßilkdoli niFli) ofsizinell. Sie enthält einen
sehr giftigen Saft, der, in größeren Gaben in den
Körper aufgenommen, bei Menschen und Tieren
bemmend aus die Respiration und den Herzschlag
wirtt und nach vorausgegangener Muskelschwächc
und Darmentzündung den Tod herbeiführen kann.
Ähnliche Eigenschaften besitzt der Wurzelstock der
grünen Nieswurz, H. vii-iäi8 ^., einer im mitt-
lern und südl. Deutschland, in der Schweiz und in
Frankreich wild wachsenden Art mit beblättertem
Stengel und im Frühling mit grünlichen Blumen,
sowie der der Stinknieswurz, II. loLtiäuZ ^.,
die in den Alpen und verschiedenen Gegenden
Deutschlands vorkommt und sich von der vorigen
durch schellenförmigc grüne, purpurn gesäumte
Blumen unterscheidet. Beide werden bisweilen auch
in Ziergärten unterhalten, häufiger aber neben
andern Arten, H. oi-ientÄliZ ^am., die echte schwarze
Nieswurz der Alten mit grünlichweißen, purpurn
gerandeten, H. oi^mpicuL ^>M. (II. adsolikLicuä
Ilo? t.) mit außen grünlichrosenroten, innen rötlich-
weißen Blumen. Von diesen und andern Arten
sind in neuerer Zeit zahlreiche Blendlinge mit teil-
weise lebhafter gefärbten Blumen erzogen und in
den Handel gebracht worden. Sie lassen sich durch
Stockteilung im Herbst, leicht aber auch durch Aus-
saat vermehren und eignen sich auch, wenigstens II.
uiß6i-, zur Topfkultur, bei der sie im Sommer einen
halbschattigen Platz im Freien, im Winter einen
solchen im Keller erhalten und im Kalthause oder
Zimmer schon zu Weihnachten blühen. - Vgl.
Schiffner, ^lonoßi-ap^ia Helißdoi-orum (Lpz. 1890).
Hellegatts, Schiffsräumlichkeiten unterhalb des
Zwischendecks (s. Deck) zur Ausbewahrung von
Werkzeugen, Reserveteilen und Materialien. Man
unterscheidet Bootsmanns-, Feuerwerker-, Maschi-
nen-, Verwalters-,Zimmermanns-Hellegatts. Hel-
legattsleute heißen die zur Instandhaltung der
H. bestimmten Mannschaften.
Hellehirt, alte Bezeichnung für den Teufel (s. d.).
Hellen, Stammvater der Hellenen (s. d.).
Helle Nächte, weiße Nächte, s. Dämmerung.
Hellenen, ein ursprünglich in Epirus, dann im
südl. Thessalien seßhafter griech. Stamm (f. Hellas),
erhielten der Sage nach den Namen von ihrem
Ahnherrn Hellen, einem Sohne des Deukalion
und der Pyrrha, oder des Zeus und der Dorippe,
der in Phthia als König geherrfcht haben soll.
Seine Söhne Aiolos und Doros und seine Enkel
Ion und Achaios (von einem dritten Sohne Hu-
thos) sollen den vier griech. Hauptstämmen (Aoler,
Dorer, Ionier und Achäer) ihre Namen gegeben
haben. Später bezeichnete man mit H. die Gesamt-
nation der Griechen. Sophie.
Hellenische Philosophie, s. Griechische Philo-
Hellenismns, die nationale Eigentümlichkeit
des Griechenvolts, insbesondere in Bezug auf
Sprache, Sitte und Bildung; im speciellen Sinne
soviel wie hellenistisches Idiom. (S. Hellenisten.)
In der Geschichte der Baukunst nennt man H.
den Stil, der sich in Deutschland, besonders in Ber-
lin ausbildete und eine Neubelebung der Formen
Griechenlands (Hellas) anstrebte. Schinkel war der
Führer, Karl Vötticher der Ästhetiker der Schule,
welche in Berlin noch durch Adler, Orlh, Iakobs-
thal, Eggert u. a. vertreten wird. In München ver-
trat sie Klenze, in Wien strebte Hansen in der "Helle-
nischen Renaissance", in Paris Duc, Labrouste u.a.
im "Xko-Zrec^uß" ähnliche Ziele an.
Hellenisten hießen zur Zeit Alexanders d. Gr.
bis in die nachchristl. Zeit die nicht in Griechenland
geborenen, aber griechisch sprechenden und etwa auch
in Nachahmung griech. Lebensweise sich gefallenden
Gebildeten und Gelehrten in den Reichen des Ostens,
besonders in Syrien und Ägypten, in letzterm Land
besonders die Juden in der Hauptstadt Älerandria.
Unter der hellenistischenPeriodc versteht man
den aus der Mischung griech. und oricnt. Elemente
hervorgegangenen Kulturzustand. Jetzt heißen H.
(Gräcisten) diejenigen Philologen, deren Studium
vorzugsweise auf griech. Sprache und gricch. Alter-
tum gerichtet ist; außerdem in der Bautunst die
Vertreter des sog. Hellenismus ls. d.).
Hellenistische Staaten, s. Tiadochen.