Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

76
Hermas - Hermenegild
Ideen und Bräuchen, welche aus den semit. Reli-
gionen in die griech. Mythologie eingedrungen sind.
In diesen dient die mannweibliche Bildung öfter zum
Allsdruck üppig zeugender Naturkraft. Eine solche
Gottheit wurde auf Cypern unter dem Namen
Aphroditos verehrt und als bärtige Aphrodite dar-
gestellt. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. findet
man den Kult derfelben auch zu Athen, und hier
scheint sich aus ihrer hermenartigen Bildung der
Name H. entwickelt zu haben. Die falsche Deutung
dieses Namens führte später dazu, ihn zum Sohne
des Hermes und der Aphrodite zu machen. Die
spätere verweichlichte griech. Kunst in der Zeit des
Hellenismus versuchte sich viel in Darstellung des
H., wobei es dann meist nicht sowohl auf die Dar-
stellung der diesen Göttern zu Grunde liegenden
religiösen Ideen als auf die Lösung des künstleri-
schen Problems einer Verschmelzung männlicher und
weiblicher Formen abgesehen war. Es sind noch viele
Darstellungen von Hermaphroditen in Statuen, Re-
liefs, Wandgemälden, Gemmen erhalten.
Hermas, einer der Apostolischen Väter (s. d.),
weil ihm ein Buch, betitelt "Der Hirte", beigelegt
wird, dessen Verfasser der Röm. 16,14 von Paulus
begrüßte H. sein soll. In Wirklichkeit war nach
einem alten Zeugnisse der Verfasser ein Bruder des
röm. Bischofs Pius (Mitte des 2. Jahrh.). Das
Buch, eine Apokalypse, verkündigt auf Grund einer
vorgeblich von Christus selbst veranlaßten Offen-
barung mit Rücksicht auf das nahe Weltende die
Gewährung einer nochmaligen Buhzeit für die nach
ihrer Taufe wieder in allerlei Sünden verfallenen
Christen. Die alte Kirche rechnete den "Hirten" (der
offenbarende Engel tritt in Gestalt eines Hirten auf)
vielfach noch zu den neutestamentlichen Schriften.
Das Buch ist eins der wichtigsten Zeugnisse für das
Christentum des 2. Jahrh. Früher nur in einer
alten lat. Überfetzung vorhandelt, ist der griech.
Originaltext neuerdings fast vollständig wieder ent-
deckt; außerdem fand man eine zweite lat. und
eine äthiop. Überfetzung. Die erste Ausgabe des
griech. Textes ist von Anger und Dindorf (Lpz.
1856), neuere Ausgaben von Hilgenfeld (in "^o-
vum leLtamEiituin sxtrg. ckmonein l6c6pwin",
ebd. 1866; 2. Aufl. 1881; vollständig griechisch:
ebd. 1887), von Gebhardt und Harnack (in "I^ti-uin
kpoLtolicorum opera", Bd. 3, ebd. 1877), von Funk
(in "Opera. Mtlum HpoLtolicoi-uin", Bd. 1,Tüb.
1878). - Vgl. Behm, Über den Verfasser der Schrift,
welche den Titel Hirt führt (Rostock 1876); Hück-
städt, Der Lehrbegriff des Hirten (Anklam 1889).
Apologetische Tendenz verfolgt die Schrift von
Zahn, Der Hirt des H. (Halle 1868).
Hermelm oder großes Wiefel (Nugtsla
erinwka ^>.; s. Tafel: Marder II, Fig. 1), ein klei-
nes, aber blutgieriges und grausames Raubtier aus
der Gattung der Marder (s. d.), welches, in Europa
und Asien, besonders aber in Sibirien einheimisch,
die Nähe menschlicher Wohnungen flieht und felsige
Wälder den Ebenen vorzieht. Es hält sich in Stein-
haufen, Löchern und hohlen Bäumen auf, klettert
und springt vortrefflich und geht nachts auf Raub
aus, der aus kleinen Säugetieren und Vögeln,
schlangen, Eidechsen und Eiern besteht. Durch
massenhafte Mäusevertilgung wird es nützlich. Es
mordet mehr als es frißt, paart sich im März und
das Weibchen wirft im Mai fünf bis acht Junge.
Sein im Sommer oben brauner, auf der Unterseite
gelblichweißer Pelz wird im Winter im Norden schnee-
weiß, die Spitze des Schwanzes aber, welche an
Länge die Hälfte des Körpers übertrifft, ist stets
glänzend schwarz gefärbt. (S. Hermelinfelle.) Als
Wappenbild führt die Bretagne den H.
Hermelm, heraldisches Pelzwerk, ordnungs-
mäßig mit mehrern Reihen stilisierter, abhängen-
der schwarzer Hermelinschwänzchen (wobei die der
geraden Reihen auf den Lücken der ungeraden stehen)
in Silber dargestellt. (S. Tafel: HeraldischeTy-
pen I, Fig. 8'beim Artikel Heraldik.)
Hermelinfelle, die mit den schwarzen Schwanz-
spitzen geschmückten weihen Winterpelze des Herme-
lins (s. d.), die aus Sibirien und dem übrigen nördl.
Rußland in jährlichen Mengen von etwa 400000
Stück über Varabinsk, Ischin, Ienisseisk und Ia-
kutsk in den Handel gelangen. Früher war das Tra-
gen der Hermelinmäntel ein Vorrecht der Fürsten,
heute werden sie vielfach von der feinen Damenwelt
begehrt. Hauptabfatzgebiete sind außer Rußland na-
mentlich China und die Türkei, in geringerm Maße
England, Frankreich, Nordamerika und Deutschland.
Der Wert des Felles beträgt 1,2 - 1,5 Mark; zu
einem Mantel gehören durchschnittlich 130 Stück.
Hermelinfpinner, soviel wie Gabelschwanz.
Hermen, viereckige mit Köpfen versehene Pfei-
ler, dergleichen es im alten Athen auf Plätzen und
Straßen viele gab. Den Namen erhielten sie von
Hermes, infofern dieser auch als Gott der Wege
und des Verkehrs verehrt wurde. Aus dem ältesten
Kultus des Hermes in Gestalt von Steinhaufen an
Wegen und Grenzmarken, dann auch unter den
Formen des Phallus (Zeugungsglied) entwickelte
sich die Gestalt der H., zunächst als einfacher Pfahl,
welcher inmitten der Steinhaufen errichtet wurde,
dann als phallusförmiger Pfeiler, welchem zuletzt
der Kopf des Gottes aufgefetzt wurde. An Kreuz-
wegen wurde die einfache Herme nach der Anzahl der
Wege verdrei-oder vervierfacht. Auch auf andere
Götter, besonders auf den bärtigen Dionysos, wurde
diese Darstellungsform übertragen, ebenso bildete
man Büsten von Staatsmännern, Philosophen,
Dichtern u. s. w. in Hermenform und stellte in späterer
Zeit gern zwei solcher als Doppelherme zusammen.
Auch die moderne Kunst wendet die Form der H. für
Büsten und im Bauwefen vielfach an.
Hermenegild, Orden des heiligen, vom
König Ferdinand VII. von Spanien 27. Nov. 1814
zur Belohnung für Offiziere des Heers und der
Marine gestiftet, zerfällt in Grohkreuze, zweite und
dritte Klasse und ist nach zehnjährigem Besitz des
Ordens während aktiver Dienstzeit mit gewissen
Pensionen verbunden. Das Ordenszeichen ist ein
von der Königskrone überragtes weißes Kreuz mit
rundem blauem Mittelschilde mit dem Bild des heili-
gen H. zu Pferde und der Umschrift "?i-6inio a 1a
conLtÄnoiN inilitar". Die Großkreuze tragen das-
selbe am breiten weißen, zweifach karmesin gestreif-
ten Bande von der rechten Schulter zur linken Hüfte
nebst einem Stern auf der linken Brust; die zweite
Klasse trägt dieselben Insignien, jedoch nicht das
breite Band, die dritte das Kreuz im Knopfloch.
Hermenegild, Sohn des span. Westgotenkönigs
Leovigild, erhob sich um 580 gegen seinen Vater, er-
lag aber nach einem mehrjährigen Bürgerkriege, ob-
schon ihn die Byzantiner unterstützten. Leovigild
nahm H. in Cordoba gefangen (584), hielt ihn erst ein
Jahr lang in leichter Haft, dann mußte er ihn hin-
richten lassen. Die Legende läßt H. zum Katholicis-
mus übertreten und macht ihn zum Märtyrer; aber