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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hermetisch - Hermitage

Thoth nach dem Glauben der alten Ägypter die Hauptstücke seiner Weisheit in verschiedenen Büchern niedergelegt, die man seit den ältesten. Zeiten als göttliche überlieferte. Nach Clemens Alexandrinus belief sich die Zahl der dem H. T. zugeschriebenen Werke auf 42, die eine vollständige ägypt. Encyklopädie ausmachten und sowohl die Religion (Gesetze, Gotterlehre, Liturgien, Kultusvorschriften, Hymnen) als die Wissenschaften und Künste (Hieroglyphik, Geometrie, Astronomie, Medizin) behandelten. Die Annahme, daß eins dieser Hermetischen Bücher in dem nach Georg Ebers (s. d.) benannten ägypt. Papyrus, einem mediz. Sammelwerk, erhalten sei, ist unhaltbar. Die Hermetischen Bücher waren wohl durchweg mystisch gefärbt und mit magischem Beiwerk versehen. Ähnliche Eigentümlichkeiten haften einer apokryphen Litteratur an, die nach dem Erlöschen der Hieroglyphenkunde aus dem Widerstreit griech., süd. und ägypt. Ideen in Alexandria hervorging und aus der sich unter dem Namen des H. T. eine Anzahl von philos. Traktaten teils in griech., teils in lat. und arab. Sprache erhalten hat.

Diese Hermetischen Schriften sind meist Dialoge zwischen H. T. und seinem angeblichen Sohn Tat oder seinem Schüler Asklepios, andere sind an den König Ammon gerichtet. Sie enthalten nichtgriech. Philosophie, obwohl sie an neuplatonische Ideen anknüpfen; auch sind sie nicht jüdisch, obwohl sie den Einfluß der Schriften Philos nicht verleugnen können; noch weniger sind sie der Ausdruck ägypt. Philosophie, obgleich hier und dort sich Ideen finden mögen, die an das "Totenbuch" erinnern. Die Hermetischen Bücher gehören Ägypten an, aber dem stark hellenisierten, in dem bereits christl. Betrachtungsweise Eingang gefunden hatte. Sie sind die letzten Denkmäler des Heidentums. Der Text in griech. und lat. Sprache ist sehr mangelhaft überliefert, zum Teil nur in Bruchstücken bei Stobäus, Cyrillus, Suidas und Lactantius. Die hauptsächlichsten dieser Schriften gab Parthey heraus ("Hermetis Trismegisti Poëmander", Berl. 1854), indem er den Titel nach dem ersten Traktat "Ηοιμανδρος" wählte. Eine ältere Ausgabe ist die des Patrizzi ("Nova de universis philosophia", Vened. 1593). Den Poemander übersetzte Lindemann (Berl. 1781); die meisten Stücke vereinigte die franz. Übersetzung von L. Ménard ("Hermès Trismégiste", Par. 1866; 2. Aufl. 1868). Vermutlich gehört die Mehrzahl dieser Schriften in das 2. Jahrh.; die Definitionen des Astlepios sind nicht älter als das Zeitalter Konstantins; der oder die Verfasser sind ganz unbekannt; der nur lateinisch erhaltene Asklepius wurde irrtümlich dem Apulejus zugeschrieben. Den Umfang und die Mannigfaltigkeit dieser ganzen Litteratur kann man aus der Bemerkung des Jamblichus ahnen, wonach es an 20000 Hermetische Bücher gegeben hat. Ihr Einfluß dauerte bis ins Mittelalter, und man gab vor, daß diese mystische Weisheit durch die Hermetische Kette aus alten Zeiten überliefert sei. Besonders scheint sie unter den Arabern gepflegt worden zu sein; sie schreiben dem Trismegist eine Unzahl von Schriften zu; namentlich über die Steine, die Alchimie, die Medizin, die Astrologie, über Talismane und Amulette und selbst über die Schriftarten und allerlei Geheimnisse. Einzelne dieser Bücher, deren der Fihrist, eine alte arab. Litteraturgeschichte, viele aufführt, sind noch erhalten; einen theosophisch-ascetischen Traktat eines christl. Verfassers, "An die menschliche Seele", gaben Fleischer (Lpz. 1870) und

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Bardenhewer (Bonn 1873) mit Übersetzung heraus. Gegen Ende des Mittelalters kam die Richtung wieder zu besondern Ehren; die Hermetische Medizin des Paracelsus steht unter ihrem Einflüsse; ebenso die Hermetische Freimaurerei; Schwärmer heißen schlechthin Hermetiker. Alle Geheimnisse der Magie führte man auf H. T. zurück; durch magische Spiegel konnte er angeblich Schätze und Gefäße unzugänglich machen; daher spricht man noch jetzt von hermetischem Verschluß bei Dingen, die so vollkommen verschlossen sind, daß keine Luft zu ihnen treten kann. - Vgl. Pietschmann, Hermes Trismegistos (Lpz. 1875).

Hermētisch, Hermetĭker, Hermētische Kette, s. Hermes Trismegistus.

Hermētische Kunst und Hermētische Philosophie, soviel wie Alchimie.

Hermētische Schriften, s. Hermes Trismegistus.

Hermĭas, einer der Apologeten (s. Apologie), sofern unter seinem Namen eine Schrift "Verspottung der heidn. Philosophen" überliefert ist, die man den apologetischen Werken des 2. Jahrh. zuzählt, obwohl sie wahrscheinlich spätern Ursprungs ist. - Vgl. Otto, Corpus apologetarum, Bd. 9 (Jena 1872).

Herminōnen (Hermionen, Erminonen) oder richtiger Ermĭnen, Irmĭnen, der bei Plinius und Tacitus überlieferte Name für die auch Sueven genannten german. Stämme, aus denen in den ersten Jahrhunderten n. Chr. die hochdeutschen Stämme der Thüringer, Bayern und Alamannen hervorgegangen sind. Zu Beginn unserer Zeitrechnung saßen die H. im Flußgebiet der Elbe und des Mains. Sie bildeten die eine Hauptgruppe der Westgermanen (s. d.).

Hermiŏne, alte, ursprünglich dryopische Seestadt in Griechenland, am Südrande der Argivischen Halbinsel. Sie bewahrte ihre Unabhängigkeit, auch nachdem die beiden andern dryopischen Städte, Eïones und Asine, dem Angriff der dor. Argiver erlegen waren. Mases und Halike gehörten zu ihrem Gebiet. Trümmer der noch in später Kaiserzeit blühenden Stadt finden sich beim heutigen Kastri.

Hermiŏne, die Tochter von Menelaos und Helena. Nach der Odyssee wurde sie Gemahlin des Neoptolemos. Nach spätern Dichtern war sie von ihrem Großvater schon mit Orestes verlobt, wurde jedoch von Neoptolemos, dem sie Menelaos in Troja versprochen hatte, geraubt. Neoptolemos fand dann aber in Delphi unter Mitwirkung des Orestes einen gewaltsamen Tod, und H. wurde nun die Gemahlin des Orestes, dem sie den Tisamenos gebar. - H. ist auch der Name des 121. Planetoiden.

Hermiŏne hystix Sav., s. Borstenwürmer.

Hermiōnen, s. Herminonen.

Hermitage (engl., spr. hörmĭtĕdsch), Einsiedelei (s. Eremitage).

Hermitages (spr. ermitahsch'), auch Eremitage, einer der vorzüglichsten Weine Frankreichs, der in der Dauphins auf einer granitischen Hügelreihe des linken Rhône-Ufers, gegenüber der Eisenbahnstation Tain, wächst. Schon im ersten Mittelalter waren die "rupes ab eremo dictae" ihres Produkts halber berühmt. Ein Einsiedler soll die ersten Reben dahin verpflanzt haben (daher der Name). An der Stelle der Einsiedelei erbauten im 13. Jahrh. die deutschen Ritter von Sterimberg eine Burg, welche im 14. die Bernhardinermönche erwarben und in ein Kloster verwandelten. Sie besonders hoben und pflegten den Weinbau. Die drei Lagen des Gebirges von unten nach oben heißen: Le Gressieux, Le Méal und