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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hersilia - Herter
förstereien, hat (1890) 6758 E., darunter 224 Katho-
liken und 200 Israeliten, Postamt erster Klasse,
Telegraph, ein königl. Gymnasium, 1570 vom
Abt Michael gestiftet (Direktor Duden, 21 Lehrer,
14 Klassen, 316 Schüler), ver-
bunden mit Realprogymnasium,
eine Kriegsschule, eine Vürger-
und eine.handwerkerschule, ein
Waisen- und ein Krankenhaus.
Die alten Festungsmauern sind
nur noch zum Teil erhalten,
an die Stelle der Wälle und
Gräben sind Gartenanlagen mit
geschmackvollen Villen und an-
dern Wohnhäusern getreten. Bemerkenswert sind
noch das altertümliche Rathaus, die Stadtkirche
(15. Jahrh.) mit einem zierlichen Turme und einer
großen Glocke, sowie die schöne Ruine der Stifts-
kirche, im 11. und 12. Jahrh, auf dem Grunde
des abgebrannten alten Doms im byzant. Stile er-
baut und 1761 von den Franzosen eingeäschert.
Das ehemalige Stift selbst bildet einen von der
Stadt abgeschlossenen, die Kirchenruine umgeben-
den Bezirk von Gärten und Gebäuden, in denen
die Amter ihren Sitz haben. Die Stadt hat bedeu-
tende Tuch- und Baumwollwarenfabrikation, Ma-.
schinenwollspinnerei, Färberei und Gerberei sowie
Ackerbau und Handel. - Die ehemalige reichs-
unmittelbare VenediktinerabteiH. wurde etwa
um 770 von Lullus, Erzbischof von Mainz, gestiftet,
nachmals von Karl d. Gr. reich dotiert und kam
bald zu ausgedehntem Besitz, zugleich gewann sie
hohen Ruhm durch ihre Klosterschule und ihr lit-
terar. Leben. Durch die Geschichte des Stifts zieht
sich ein Streit mit dem Stift Fulda und seit dem
13. Jahrh, mit der Stadt H., wodurch letztere seit
Anfang des 16. Jahrh, genötigt wurde, sich immer
enger an ihren Schirmvogt, den Landgrafen von
Hessen, anzuschließen, dem sie auch 1525 huldigte.
Schon der Abt Crato I. (1517-56) war ein großer
Verehrer Luthers; der Abt Joachim Roll hinterließ
das Stift bei seinem Tode 1606 dem Sohne des ihm
befreundeten Landgrafen von Hessen, Otto, als welt-
lichem Administrator. Die förmliche Organisierung
H.s als weltliches Fürstentum (570 ^m) er-
folgte erst, als es im Westfälischen Frieden endgültig
an Hessen-Cassel abgetreten war. - Vgl. Hafner,
Die Reichsabtei H. bis zur Mitte des 13. Jahrh.
(Hersfeld 1889); Demme, Nachrichten und Urkunden
zur Chronik von H. (Bd. 1 und 2, ebd. 1891-93).
Herfilka, in der röm. Sage eine der von den
Römern geraubten Sabinerinnen, nach einigen die
Gattin des Romulus. Als man diesen nach seiner
Aufnahme unter die Götter unter dem Namen Qui-
rinus verehrte, wurde H. mit der alten Göttin Hora,
Gemahlin des Quirinus, gleichgestellt. - H. ist auch
der Name des 206. Planetoiden.
Herftal, früher H er ist all, Ort in der belg. Pro-
vinz Lüttich, 5 km unterhalb Lüttich, dessen Vorort
er bildet, links der Maas, an der Linie Lüttich-
Eindhoven der Niederländ. Staatsbahnen, hat
(1889) 13877 E., meist Arbeiter, Kohlenbergbau
und blühende Eisenindustrie. Die einst über H.
emporsteigende, jetzt bis auf wenige Spuren ver-
schwundene Burg ist das Stammschloß Pippins (s. d.)
von Heristall. Der Ort wird gewöhnlich das frän-
kische H. genannt, zum Unterschied von dem säch-
sischen H. (s. Herstelle). Die Herrschaft H. war von
1444 an im Besitz des Hauses Nassau, unter Lütticher
Oberhoheit. Mit dem Tode Wilhelms III. entstand
1702 Streit über dieses Erbe, bis es 1714 dem
König von Preußen zufiel, der es gegen 1740 für
150000 Thlr. dem Lütticher Hochstift verkaufte.
Herstelle, Dorf im Kreis Höxter des preuß. Reg.-
Vez. Minden, 3 Km von Carlshafen, an der Weser,
hat (1890) 755 kath. E., Post, Telegraph und war
ein schon in den Römerkriegen militärisch wichtiger
Punkt. H. wurde ursprünglich Heristall genannt,
und zwar das sächsische im Gegensatz zu dem frän-
lifchen. (S. Herstal.)
Herstellung des ehelichen Lebens. Da die
Ehe beide Eheleute zu einem gemeinschaftlichen
Leben verpflichtet, so hat jeder Ehegatte gegen den
andern, welcher ihn verläßt oder vertreibt, die Klage
auf H. d. e. L., der Ehemann auf Rückkehr der Ehe-
frau, die Ehefrau auf Wiederaufnahme. Nur in
besondern Fällen gestattet der Richter, gewöhnlich
durch Einstweilige Verfüaung (s. d.) unter ent-
sprechender Ordnung der Alimentation, die Tren-
nung bis zu einem gewissen Zeitpunkte (Beendigung
des schwebenden Ehescheidungsprozesses oder Besse-
rung des andern Teils), namentlich wenn dem einen
Ehegatten bei einemZusammenleben mitdem andern
Gefahr für Leib und Leben droht. (S. Eheprozeß.)
Herster Brunnen, s. Dribura.
Hertel, Albert, Landschaftsmaler, geb. 19. April
1843 in Berlin, bildete sich auf der dortigen Kunst-
akademie und verweilte 1863-67 in Rom; er malte
hauptsächlich stilisierte südl. Landschaften, bei denen
er gern biblifche Staffagen wählt. So in dem 1873
-74 gemalten Cyklus aus der Umgebung von Rom
mit den sieben Werken der Barmherzigkeit. Die
Nationalgalerie in Berlin besitzt von ihm eine Bucht
bei Nervi unter heranziehendem Gewitter(1878), das
Museum zu Breslau eine Landschaft im Charakter
der ital. Voralpen mit der Ruhe auf der Flucht nach
'Ägypten (1881), die Kunsthalle in Hamburg einen
Sommerabend bei Ariccia. Auf der Kunstausstel-
lung zu Berlin 1891 sah man von ihm: Saracenen-
turm in der Bucht von Rapallo, Villa am Strande
von Rapallo; 1893: Garda-Insel. Einen Aquarell-
cyklus mit Darstellungen aus Rom, dem röm. Ge-
birge und der Campagna bewahrt die National-
galerie in Berlin. Der Künstler pflegt jedoch mit
gleichem Erfolg auch die nordische Landschaft. So
in dem Sommerabend vor dem Brandenburger
Thor (1874), in Strandbildern mit mytholog. Staf-
fage und in der Holland. Strandscene mit heimkehren-
den Fischerbooten (1883; Nationalgalerie in Berlin).
Der Künstler leitete 1875-77 ein Landschafter-
atelier an der Akademie zu Berlin.
Herter, Ernst, Bildhauer, geb. 14. Mai 1846
in Berlin, besuchte 1863-67 die dortige Akademie
und das Atelier von Bläser und Aug. Fischer und
arbeitete dann bei Alb. Wolfs. 1885 wurde er Mit-
glied der Berliner Akademie, 1889 königl. Pro-
fessor, 1890 Leiter des Bildhaueraktsaals an der
Kunstakademie zu Berlin; er lebt in Berlin. Seine
Schöpfungen sind meistens der Antike entnommen,
so: Antigone (Schloß in Berlin), der ruh ende Alexan-
der d. Gr. (Bronze, 1879; Nationalgalerie in Ber-
lin), der sterbende Achilles (1882; von der Kaiserin
von Osterreich für die Villa Achilleion angekauft;
1886 für die Nationalgalerie in Berlin wiederholt),
Hermes (Schloß Lainz bei Wien), Ruhende Afpasia
(1886), Ein seltener Fisch (Bronze, 1892). Werke
anderer Art sind die Kriegerdenkmäler für die Kirch-
höfe zu Epandau und Brüssel, die Figuren aus dem