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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hesen - Hesperis
Hesen, Heesen, in der Jägersprache das Durchhauen der großen Flechsen (vgl. Hessen) an den Hinterläufen des parforce gejagten oder gekrellten (s. Federn) Wildes.
Hesidrus, Hesydrus, richtiger Heßidrus, im Altertum (bei Plinius) Name des Flusses Satladsch (s. d.) im Pandschab.
Hesĭod, griech. Dichter des 8. Jahrh. v. Chr., gebürtig aus Askra in Böotien, wohin sein Vater aus Kyme in Kleinasien eingewandert war, scheint, soviel sich aus den Sagen und mangelhaften Nachrichten über sein Leben ergiebt, der Stifter oder das Haupt einer neuen Dichterschule gewesen zu sein, welche, im Unterschied von der Homerischen, einen didaktischen Charakter hatte. Eine Sage, die namentlich in einem eigenen Schriftchen aus späterer Zeit überliefert ist, ließ zu Chalkis einen poet. Wettkampf zwischen Homer und H. stattfinden. H. soll im Heiligtum des nemeischen Zeus bei Naupaktos in Lokris einen gewaltsamen Tod gefunden haben, seine Gebeine aber nach dem böot. Orchomenos, wo man noch in später Zeit sein Grab zeigte, gebracht worden sein. Unter den unter seinem Namen noch vorhandenen Dichtungen nimmt in Hinsicht der Bedeutsamkeit für die griech. Litteratur die "Theogonie" die erste Stelle ein, eine Zusammenstellung der frühesten Mythen und Spekulationen über die Abstammung der Götter und die Entstehung der Welt (Kosmogonie). Doch ist das Werk gewiß nicht von einem Dichter verfaßt, sondern entweder geradezu als ein Aggregat aus verschiedenen Gedichten oder Bruchstücken von Gedichten oder wenigstens als ein mit Benutzung älterer Dichtungen komponiertes und nachmals erweitertes und vermehrtes Werk anzusehen. (Vgl. Schömann, Die H.sche Theogonie, Berl. 1868; Flach, Die H.sche Theogonie, ebd. 1873; ders., System der H.schen Kosmogonie, Lpz. 1874.) An poet. Gehalt wird dieses Gedicht durch ein zweites, mehr didaktisches, "Werke und Tage" betitelt, übertroffen, welches nicht nur Vorschriften über die Landwirtschaft, sondern auch Regeln der Lebensklugheit, über Erziehung, Hauswesen u. s. w. enthält. Es rührt in seinen Hauptteilen gewiß von H. selbst her, der darin mehrfach seinen Bruder Perses anredet, ist aber ebenfalls mit fremden Bestandteilen versetzt. Unter den übrigen, dem H. beigelegten, aber nur in Bruchstücken erhaltenen Dichtungen sind die bedeutendsten der "Katalog der Frauen" in drei Büchern und die "Eden" in einem oder in zwei Büchern, welche mit dem Katalog zu einem Werke verbunden worden sind. Von diesem Werk ist ein größeres Bruchstück auf uns gekommen, welches einem selbständigen Gedicht von zweifelhafter Autorschaft, "Der Schild des Herakles", vorgesetzt ist. Gesamtausgaben der Gedichte und Fragmente lieferten Göttling (Gotha 1831; 3. Aufl., hg. von Flach, Lpz. 1878); Lehrs (zusammen mit den Fragmenten anderer Epiker, Par. 1840), Schömann (Berl. 1869), Köchly (Lpz. 1870), Flach (ebd. 1878), Paley (Lond. 1889), Sittl (mit neugriech. Kommentar, Lpz. 1889). Von den zahlreichen Bearbeitungen der einzelnen Gedichte sind zu nennen die der "Theogonie" von Gerhard (Berl. 1856), Welcker (Elberf. 1865), Schömann (Berl. 1868), Flach (ebd. 1873), der "Werke und Tage" von Vollbehr (Kiel 1844), Lennep (Amsterd. 1847), Kirchhoff ("H.s Mahnlieder an Perses", Berl. 1889), des "Schildes des Herakles" von Fr. Ranke (Quedlinb. 1840). Eine Sammlung der Bruchstücke des H. und einiger anderer Epiker hat Marckscheffel (Lpz. 1840) veröffentlicht. Unter den deutschen Übersetzungen des H. sind die von J. H. Voß (nebst der Argonautika des sog. Orpheus, Heidelb. 1806), aus neuerer Zeit die von Eyth (2. Aufl., Stuttg. 1864), Gebhardt (ebd. 1861) und Uschner (Berl. 1865) hervorzuheben. - Vgl. Schömanns (in den "Opugculg. acHäkinicH", 4 Bde., Berl. 1856-71) gesammelte Arbeiten über H.; Steitz, Die Werke und Tage des H. (Lpz. 1869).
Hesiŏne, die Tochter des Königs Laomedon (s. d.) von Troja.
Hesperĭa, der 69. Planetoid.
Hesperīden, in der griech. Sage die unsterblichen Jungfrauen, die an der westl. Grenze der Erde, da wo Tag und Nacht sich begegnen, auf einem Eiland jenseit des Oceans im Paradiesesgarten mit dem Drachen Ladon die goldenen Apfel hüten, welche Hera bei ihrer Verheiratung mit Zeus von der Gaia als Geschenk erhalten hatte (das Symbol der Fruchtbarkeit und Liebe). Nach Hesiod hießen sie Töchter der Nacht, nach andern des Zeus und der Themis oder des Atlas oder des Hesperos; als einzelne Namen werden genannt: Aigle, Erytheia, Hespera (Hesperia, Hesperethusa) und Arethusa (die Zahl schwankt von drei bis sieben). Schon Hesiod verbindet sie mit dem himmeltragenden Atlas (Theogonie, 517); daher verlegte man später die Gärten der H. an das Atlasgebirge oder nach Libyen. Die Apfel der H. zu holen, war die letzte Aufgabe, die Eurystheus dem Herakles stellte. Eurystheus schenkte die Apfel dem Herakles; dieser gab sie der Athene, von der sie wieder an ihren alten Ort gebracht wurden.
Hesperīden (Hesperĭdae) oder Dickköpfe, Gruppe der Tagschmetterlinge, ausgezeichnet durch ihren plumpen Bau und die Eigentümlichkeit, in der Ruhe die Flügel nur halb aufgeklappt zu halten; die Raupen leben zwischen zusammengesponnenen Blättern. Von den mehrern hundert Arten, die sich besonders in Amerika und Europa finden, erreichen manche tropische bei großer Farbenpracht eine Flügelbreite von einigen Zoll. In den gemäßigten Gegenden sind diese Schmetterlinge unscheinbar und klein, meist braun, grau, schwarz mit weiß gezeichnet und gesteckt; von den etwa 30 europ. Arten ist eine der gemeinsten, Hesperia malvarum Ill., den Malven schädlich; ferner sind häufig: Hesperia alveolus Hb., Hesperia comma L., Carterocephalus Palaemon Pall. (s. Tafel: Schmetterlinge I, Fig. 25) u. s. w.
Hesperidēn, s. Limonen.
Hesperīdenfrucht, s. Citrus (Bd. 4, S. 339 a.).
Hesperidīn, ein Glykosid von der Zusammensetzung ^[chem. Formel], das in unreifen Apfelsinen, Citronen u. s. w. vorkommt. Es bildet Nadeln, die bei 251° schmelzen, und zerfällt beim Kochen mit Säuren in Zucker und Hesperitin, ^[chem. Formel]. Beim Kochen mit Kali liefert es Protokatechusäure.
Hesperĭen, bei den alten Griechen, besonders den Alexandrinern, die gegen Westen gelegenen Länder, namentlich Italien, dann und vorzugsweise auch bei den röm. Dichtern die Pyrenäische Halbinsel.
Hesperīnos (grch.), Name des Abendgottesdienstes in der griech. Kirche. Seine Feier beschreibt das Euchologion (s. d.).
Hespĕris D., Kilte, eine zu den Kruciferen (s. d.) gehörige Pflanzengattung mit etwa 20 in Europa und Asien einheimischen Arten, krautartigen Gewächsen mit großen lebhaft gefärbten Blüten. Die bekannteste Art ist die in Süddeutschland wild