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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hessen (Großh.; Oberflächengestaltung. Bewässerung. Bevölkerung. Landwirtschaft)
und Rheinland, das Königreich Bayern und Groh-
herzogtum Baden, mit den Exklaven teilweise auch
an das Königreich Württemberg, und umfaßt
7681,84 ^km oder 139,6 geogr. Quadratmeilen. Es
besteht aus zwei durch preuß. Gebiet voneinander
geschiedenen Hauptteilen und 11 kleinern, in benach-
bartem Gebiet gelegenen Teilstücken. Den südl.
Teil, durch den Rhein getrennt, bilden die Provin-
zen Starkenburg und Rheinhessen, den nördlichen
die Provinz Oberhessen. Von den 11 Exklaven ge-
hören 7 zu Starkenburg und 4 zu Oberhessen; 5 von
erstem, im Süden liegend und teils an Baden, teils
an Württemberg grenzend, sind dem Kreis Heppen-
heim zugeteilt und bilden den Amtsgerichtsbezirk
Wimpfen, darunter die mit Baden gemeinschaftliche
Gemarkung Kürnbach; von den übrigen, sämtlich
von preuß. Gebiet umgeben, gehören 2 zum Kreis
und Amtsgerichtsbezirk Offenbach und 4 zum Kreis
Friedbergund Amtsgerichtsbezirk Vilbel. Innerhalb
des großherzogl. Gebietes liegen 8 Exklaven (6 ba-
dische in Starkenburg, 2 preußische in Oberhessen).
- Oberflächeugestaltung. Das Großherzogtum ist
teils eben, teils Hügel-, teils Gebirgsland. Der
nördl. Teil, die Provinz Oberhessen, ist größtenteils
gebirgig. Haupterhebung dieser Provinz lst der basal-
tische Vogelsberg. Der vom Hauptzug nach Süd-
west auslaufende Bergrücken verflacht sich bis zum
Main hin zu einer hügeligen, wellenförmigen Land-
schaft, der fast ganz aus jungem, von Vasaltkuppen
öfter durchbrochenenFlötzgliedernbestehenden frucht-
baren Wetterau, einem Teil des ehemaligen Rhein-
seebeckens, in einer Länge von 50 bis 60 lim und
einer Breite von etwa 30 km. In den Südwesten
und Westen der Provinz sendet der Taunus seine
Ausläufer, die sich hier bis zu 589 m (Winterstein)
erheben. In der Provinz Starkenburg ist der
größtenteils aus Urgebirge bestehende, fast die Hälfte
dieser Provinz und zwar den östl. Teil einnehmende
Odenwald (s.d.) das einzige Gebirge. Seine bedeu-
tendsten Höhen in H. sind der Hardberg (592 m),
die NeunkircherHöhe (592 m), der Krähberg (599 m),
die Tromm (580 m), die Sensbacher Höhe (541 m).
Durch die Bergstraße wird er von dem westl. Teil
der Provinz Starkenburg, der Rheinebene, geschie-
den, an die sich im nördl. Teil dieser Provinz die
Mainebene anschließt. Die Provinz Rheinhessen
gehört zum Teil zur Rheinebene, zum Teil ist sie
ein wellenförmiges Hügelland ohne bedeutende Er-
hebungen. Im südwestlichsten Teil der Provinz
ziehen sich die nördl. Verzweigungen derHardt (s. d.)
ms Land hinein, bis zu einer Höhe von 321 m
(Eichelberg) emporsteigend. (S. Karte: Rhein-
provinz, Westfalen u. s. w. II. Südlicher
Teil, beim Artikel Rheinprovinz.)
Bewässerung. H. gehört größtenteils zum Strom-
gebiet des Rheins, nur der östl^ Teil des Vogels-
berges gehört zum Wesergebiet. Hauptfluß des Lan-
des ist der Rhein. Er tritt oberhalb Worms in das
Grohherzogtum, bildet von da an bis Mainz die
Grenze zwischen Starkenburg und Rheinhessen und
ist von unterhalb Mainz bis Bingen, wo er das
Großherzogtum verläßt, Grenzstuß gegen Preußen.
Er berührt auf einer Länge von etwa 90 km das
Gebiet des Großherzogtums. Seine Nebenflüsse
sind von rechts: der Neckar, nur auf kurze Strecken
H. streifend, die Weschnitz, die Modau, der Main,
größtenteils Grenzstuß, mit der Mümling, Ger-
sprenz und Nidda, die Lahn mit der Ohm, Lumda
und Wieieck; von links: die Selz und die Nahe.
Zum Flußgebiet der Wefer gehört in H. die Fulda
mit der Schlitz und die Schwalm, welch letztere sich
in die Edder ergießt.
Das Klima ist im Süden und in der Wetterau
im ganzen mild, im Vogelsberg dagegen mehr oder
weniger rauh. Die mittlere Jahrestemperatur be-
trägt in der Hauptstadt -l 9,8° (^., die mittlere Tem-
peratur des Frühlings ^9,6° (^., des Sommers
-5-18,3° 0., des Herbstes -j-9,8° 0., des Winters
-^1,3° (^.; die jährliche Regen- und Schneemenge
erreicht im Mittel eine Höhe von 710 mm. Hagel-
fälle kommen im Jahr durchschnittlich 7, Gewitter
an 14 Tagen vor. Die vorherrschende Windrich-
tung ist SW. Mineralquellen finden sich in
Groh-Karben,Vad-Nauheim,Salzhausen,Theodors-
halle mit Karlshalle bei Kreuznach u. s. w., Bäder
in letztern drei Orten sowie in Wimpfen am Berg.
Die Bäder sind Solbäder, in Vad-Nauheim natur-
warm, die sog. Kreuznacher Mutterlauge ist ein Er-
zeugnis der Saline Theodorshalle.
Bevölkerung. H. hatte 1880: 936 340, 1885:
956 611,1890: 992 883 (492 348 männl., 500 535
weibl.) E., d.i. 129 auf 1 ykm; 143853Wohnhäuser,
212567 Haushaltungen und Anstalten. Dem Re-
ligionsbekenntnis nach waren 666118 Evan-
gelische (^ 67 Proz.), 293 632 Katholiken (30Proz.),
7409 sonstige Christen, 25531 Israeliten und 193
andere; dem Civilstand nach 592795 ledig,
334918 verheiratet, 64268 verwitwet und 902 ge-
schieden; der Staatsangehörigkeit nach 3472
Reichsausländer; geboren waren 886 324 Personen
in H., 101693 in andern Staaten des Deutschen
Reichs, 4866 im Ausland. Die Bewegung der
Bevölkerung gestaltete sich im Mittel der ^jäh-
rigen Periode 1872/91 folgendermaßen: Zahl der
Geborenen 32865, darunter 2446 uneheliche und
1334 totgeborene, der Eheschließungen 7125, der
Gestorbenen 22 592. Es gab (1890) 5 Mittelstädte
(über 20000 E.) mit zusammen 209588 E., 10 Ge-
meinden von 5000 bis 20000 E. mit 62449 E.,
982 Gemeinden von unter 5000 E. mit 720846 E.
Landwirtschaft. Der Boden ist meist fruchtbar,
insbesondere in den Ebenen des südl. Hauptteils, in
Nheinhessen und in der Wetterau, der Ertrag ein ver-
hältnismäßig hoher, aber in manchen Gegenden noch
einer Steigerung sähig. Nach den Ergebnissen der
berufsstatist. Erhebung von 1882 waren im Groß-
herzogtum 128526 landwirtschaftliche Betriebe vor-
handen. Dieselben verteilten sich folgendermaßen:
Betriebe von weniger als 1 ka -^ 54029 (42,0 Proz.),
von 1 bis 10 da ^ 65199 (50,8 Proz.), 10 -100 ka
- 9174 (7,i Proz.) und 100 ba und darüber - 124
(0,i Proz.). In Hektar umfaßten 1881/82: das Acker-
feld und die Grabgärten 381143 (49,6 Proz.), die
Wiesen, Grasgärten und Weiden 100529 (13,i
Proz.), Weinberge 10825 (1,4 Proz.), die Wal-
dungen 239 230 (31,2 Proz.), die übrige Fläche
36 457 (4,7 Proz.). Von dem Acker- und Garten-
lande waren 1892 bestellt mit Weizen und Spelz
40 996 lia (10,8 Proz.), Roggen 62 880 ba (16,5 Proz.),
Gerste 57 425 ba (15,i Proz.), Hafer 46158 ^
(12,i Proz.), Kartoffeln 67129 lia (17,6 Proz.),
Futterpflanzen 47504 w (12,5 Proz.). Die Ernte-
menge betrug (1892) 77 978 t Weizen und Spelz,
116556 t Roggen, 109 783 t Gerste, 73189 t
Hafer, 762300 t Kartoffeln, 294080 t Wiesen-
heu, 161640 t Kleeheu u. s. w. Gartenbau fin-
det namentlich in der Nähe der Städte Mainz,
Darmstadt, Offenbach und Friedberg in größerm
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