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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heyducken - Heyne (Christian Gottlob)
bürg übernahm er die Vertretung des Wahlkreises
Elberfeld und wurde 6. Dez. 1848, bei Auflösung
der preuß. Nationalversammlung, Mitglied des
Kabinetts Brandenburg-Manteuffel als ^Minister
für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten. Als
solcher that er ungemein viel auf dem Gebiete des
Eisenbahn-, Post-und Telegraphenwesens; so sührte
er u. a. den elektrischen Telegraphen ein und regelte
den Betrieb der Privatbahnen. Er wurde bei der
Entlassung des Ministeriums Manteuffel im Amte
gelassen, trat auch 1862 in das neue Ministerium
Hohenlohe ein und übernahm die Finanzen. In
dem Konflikt zwischen der Krone und dem Abgeord-
netenhause wegen der Militärreorganisation suchte
er zu vermitteln und riet dem Kriegsminister zu Er-
sparnissen am Militäretat. Seine Vermittelungs-
politik schlug aber doch nicht durch, und als Bis-
marck 24. Sept. 1862 an die Spitze des Kabinetts
trat, legte H. fein Portefeuille nieder, unterstützte
aber als Abgeordneter die Negierung. Nachdem
H. 31. Jan. 1863 in den Freiherrenstand erhoben
worden, trat er 5. Juni 1866, als es galt, ohne
Anleben Mittel zum Kriege zu beschaffen, als Fi-
nanzminister wieder ein und löste seine schwierige
Aufgabe vollkommen. Im Aug. 1866 legte H. dem
Landtage das Indemnitätsgefetz vor, dessen An-
nahme den Konflikt beendete. Zugleich wurde auf
H.s Vorschlag die Dotierung des Staatsschatzes
auf neuen gefetzlichen Grundlagen geregelt. Die
schwierigere Finanzlage Preußens in den folgenden
Jahren führte dazu, daß H. 26. Okt. 1869 seine Ent-
lassung nahm; er starb 13. Juni 1874 in Berlin.
Heyducken, s. Haiduken.
Heyduk, Adolf, czech. Lyriker, geb. 7. Juni 1835
zu Richenburg bei Hohenmauth, studierte in Brunn
und Prag Technologie und ist seit 1860 Pro-
fessor an der Realschule in Pisek. Seine Gedichte
treffen gut den Volkston; Sammlungen erschienen
schon 1859 in Brunn und 1864 und 1865 in Prag;
dann folgten eine Reihe weiterer Poet. Werke zum
Teil epifchcn Charakters: "I.6Lin Kviti" ("Wald-
blumen", 1875) und "Di'6voi-ul)0c" ("Der Holz-
hauer", 1882) beziehen sich auf den Böhmerwald;
<^)iul)lt1 ll Kugle" ("Zymbal und Geige", 1876),
Bilder aus dem Slowakenlande, gelten für H.s
bestes Werk; ferner sind zu nennen: "Döäüv oäkax"
("Des Großvaters Vermächtnis"), "Nilota", die
Idylle "Oiäi'icli a Zo^snH", "2a voinost' a viru"
("Für Freiheit und Glauben"), "liäne" ("Lieder",
1885), "2av5t6 liätv" ("Verwehte Blätter", 1886),
"Ng. vwacii" (ccAuf Wellen", 1890) u. s. w.
Heye, f. Handramme.
Heyer, Gust., Forstmann, Sohn des folgenden,
geb. 11. März 1826 zu Gießen, besuchte die dortige
Universität, an welcher er sich als Privatdocent der
Forstwissenschaft 1849 habilitierte, wurde 1853
außerord., 1857 ord. Professor, 1868 Direktor der
Forstakademie zu Münden. 1878 übernahm er
eine Professur sür Forstwirtschaft an der Univerfi-
tät München. Er starb 10. Juli 1883. Auf feinem
Grabe in München wurde ihm 1887 ein Denkmal
(Marmorbüste) errichtet. Von 1856 bis 1878 redi-
gierte H. die "Allgemeine Forst- und Iagdzeitung".
Außer den neuen Auflagen der Schriften feines
Vaters fchrieo er: "Das Verhalten der Waldbäume
gegen Licht und Schatten" (Erlangen 1852), "Er-
mittelung der Masse, des Alters und des Zuwachfes
der Holzbestünde" (Dess. 1852), "Lehrbuch der forst-
Uchen Mdeniunde und Klimatologie" (Erlangen
1856), "Anleitung zur Waldwertrechnung" (Lpz.
1865; 4. Aufl., von Wimmenauer, 1892), "Handbuch
der forstl. Statik" (Abteil. 1, auch u. d. T. "Die Me-
thoden der forstl. Rentabilitätsrechnung", ebd. 1871).
Heyer, Karl Iustus, Forstmann, geb. 9. April
1797 zu Vcssungen bei Darmstadt, studierte in
Gießen und Tharandt und war seit 1818 teils als
Lehrer, teils als praktischer Forstmann in Darm-
stadt und auf Hess. Revieren thätig. 1825 wurde er
Lehrer an der Forstlehranstalt zu Gießen, trat 1831
als Forstmeister in die Dienste des Grafen Erbach-
Fürstenau und wurde 1835 Professor an der Uni-
versität Gießen, wo er bis zu seinem 24. Aug.
1856 erfolgten Tode wirkte. 1892 wurde ihm in
Gießen ein Denkmal errichtet. Er veröffentlichte na-
mentlich: "Die Waldertragsregelung" (Gieß. 1841;
3. Aufl., bearbeitet von seinem Sohne G. Heyer,
Lpz. 1883), worin er ein besonderes Verfahren der
Ertragsregelung entwickelte (f. Kombinierte Metho-
den); "Der Waldbau oder die Forstproduktenzucht"
(Lvz. 1851; 4. Aufl. von Heß, 1891 fg.), "Anleitung
zu forststatifchen Untersuchungen" (Gieß. 1846), "Die
Hauptmcthoden zur Waldertragsregelung" (ebd.
1848), "Beiträge zur Forstwissenschaft" (2 Hefte,
ebd. 1842 u. 1847).
Heygendorf, Frau von, s.Iagemann, Karoline.
Heymanns Verlag, Earl, in Berlin, wurde
als Sorlimentsbuchhandlung 1815 zu Glogau von
Karl Heymann (gest. 1862 zu Berlin) gegründet,
wozu allmählich populärwissenschaftlicher Verlag
kam. Diefer wurde (nach Auflösung des Sorti-
ments) 1836 nach Berlin verlegt, und 1871 über-
nahm den rechtswissenschaftlichen Teil desfelben mit
der Firma der Enkel von Karl Heymann, 1)i-. Otto
Loewenstein, der zugleich Besitzer der Buch-
druckerei von Julius Sittenfeld (Dampfmaschine
von 30 Pferdestärken, 25 Pressen, 14 Hilfsmafchi-
nen, 130 Perfonen) in Berlin ist. Für das Personal
beider Firmen besteht eine Hauskasse. Der Verlag
umfaßt vorwiegend Rechts- und Staatswissenfchaft,
ferner Social- und Kolonialpolitisches, Heraldik
u. a. Bemerkenswert ist eine große Zahl von Zeit-
schriften und periodischen Unternehmungen, dar-
unter viele amtlichen Charakters, wie: "Central-
blatt für das Deutfche Reich" (1873 fg.), "Eisen-
bahn-Verordnungsblatt" (1878 fg.), "Patentblatt"
(das kleine, 1877'fg.; das große, 1880 fg.); ferner
"Deutfche Kolonialzeitung" (1887 fg.), "Jurist.
Litteraturblatt" (1889 fg.), "Verwaltungsarchio"
(1892 fg.) u. a. Mit dem Verlag ist ein Sorti-
mentsgeschäft und ein Magazin von Formularen
der Behörden verbunden.
Heyne, Christian Gottlob, Altertumsforfcher,
geb. 25. Sept. 1729 zu Chemnitz als Sohn eines
Leinwebers, studierte in Leipzig, erhielt 1753 die
Stelle eines Kopisten an der Bibliothek des Mini-
sters Grafen von Vrühl in Dresden und begab sich
1759 als Führer eines jungen Mannes auf die Uni-
versität Wittenberg, mußte aber wegen der Kriegs-
unruhen diese Stadt bald wieder verlassen und
kehrte nach Dresden zurück, wo er während der Be-
schießung 1760 seine ganze Habe verlor. Seinen
Unterhalt suchte er sich jetzt durch Bearbeitung eines
Teils des lat. Textes zu Lipperts "Daktyliothek" zu
erwerben, bis er 1763 als Professor der Beredsam-
keit nach Göttingen berufen wurde, wo er 1764 zu-
gleich die Aufsicht über die Universitätsbibliothek
erhielt, deren schnelles Emporblühen wesentlich sein
Verdienst ist. Hier wirtle er bis an ^einm Tod,