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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hieroglyphen
bedient man sich der Bilder konkreter Gegenstände,
deren Begriff mit jenem abstrakten verwandt ist: so
schreibt man di-p "leiten" mit einem Kommando-
slad v! h^ "herrschen" mit dem Königsscepter I;
?8 "Süden" mit der Wappenpstanze Oberägyptens
^i. Der Gebrauch der Wortzeichen ist aber noch
ein weiterer. Man gebraucht sie auch, um Wörter
auszudrücken, die zufällig aus denselben Konsonan-
ten bestehen, wie das durch das Wortzeichen dar-
gestellte Wort; so steht z. B. cn^n pr "Haus" auch
für xr "herausgehen"; ^^ ^r "Taube" für ^r
"groß"; ^^ 8^ "Gans" für L' "Sohn"; I ulr
"Laute" für nli- "gut".
4) Determinativa, die dem l alphabetisch,
durch Silben- oder Wortzeichen geschriebenen) Worte
nachgesetzt werden, um das Lesen zu erleichtern oder
Irrtümern vorzubeugen. So setzt man hinter das
alphabetisch geschriebene ^. > n mßii "Krokodil"
ein Determinativ "^->. (Krokodil), um genauer die
Bedeutung des Wortes zu kennzeichnen. Ähnlich
jchreibt man ^^8 hh^ "Bier" mit dem Deter-
minativ 3 Krug, um die Flüssigkeit anzudeuten.
Derartige Determinative sind ^ für Mann, ^ für
Bäume, ^1 Pflanze, s^^ Wüste, ^^> (eine
Buchrolle) für abstrakte Begriffe u. a. m.
Worte geschrieben. In der Regel braucht man nur
das Wortzeichen und setzt, um die Aussprache an-
zudeuten, noch ein oder mehrere alphabetische Zeichen
hinzu; dem Ganzen folgt dann häusig das Deter-
minativ ; z. B. ^^ V^ "herausgehen" (n^iü Wort-
zeichen für pr, <m^> i- zur Andeutung der Aus-
sprache, V>> Beine, als Determinativ für den Be-
? 1^
griff des Gehens); ^ ^X ^^> Ich; "herrschen"
I 1^ Wortzeichen k^' "herrschen", ^ -^ tz, ^. ^ >,
> " > Determinativ für den abstrakten Begriff).
Rein alphabetisch oder syllabisch schreibt man ge-
wöhnlich nur Worte, für die kein Wortzeichen eri-
stiert; z. B. l^ V>^>v "sein"; "Name"
l K^ Determinativ für alles, was mit dem Munde
geschieht).
Beim Schreiben mit der Rohrfeder wurden die
komplizierten hieroglyphischen Scyriftzeichen abge-
kürzt und vielfach untereinander verbunden. Diefe
Kursivschrift, in der die meisten ägypt. Handschriften,
Urkunden, Briefe u. s. w. geschrieben sind, bezeichnet
man nach einem Ausdruck des Klemens Alexandri-
nus mit dem Namen hieratische Schrift (Fr3.ni-
mata, dieraul^). Sie unterscheidet sich von der
hieroglyphischen Schrift der Denkmäler ähnlich wie
unsere geschriebenen Buchstaben von den gedruckten.
Aus dieser Kursive ist später durch eine noch größere
Abkürzung der Zeichen, deren ursprüngliche Form
hier kaum noch zu erkennen ist, die sog. demotische
Schrift (d. i. Volksschrift, griech. äßmotikä. oder
dßuioäs Fi-HinniatH) entstanden. Man nennt sie auch
enchorische, "einheimische" (snokoi-ig. ^HmiuHta),
Fi-apliika.). Ihr Gebrauch läßt sich bis ins 7. und
8. Jahrh. v. Chr. zurückverfolgen.
Die Hieroglyphenschrift und die aus ihr abgelei-
tete Kursive blieben bis in die ersten Jahrhunderte
nach Christus, die hieroglyphische nachweisbar bis
auf den Kaifer Decius, in Gebrauch. Als aber das
Christentum sich immer mehr in Ägypten verbreitete
und in seinem Gefolge die griech.-kirchliche Littera-
tur, begann man auch für die christl. Schriften in
ägypt. Sprache sich des griech. Alphabets zu be-
dienen, indem man diefem für^die den Ägyptern
eigentümlichen Laute (k, h, ti, 8, k, D) sechs der demo-
tischen Schrift entlehnte Zeichen hinzufügte. Diefe
von den ägypt. Christen gebrauchte Schrift ist unter
dem Namen der koptischen Schrift (f. Kopten)
bekannt. - Näheres über das hieroglyphische Schrift-
fystem s. unter andern bei Erman, Ägypten und
ägypt. Leben im Altertum (S. 449 fg.) und in des-
selben Ägypt. Grammatik.
Die Entzifferung der einheimischen, nament-
lich aber der hieroglyphifchen Schrift wurde von
Niebuhr mit Recht eine der größten Entdeckungen
des 19. Jahrh, genannt. Sie hat eine neue und
umfangreiche Wissenschaft begründet und auf alle
übrigen Zweige der Altertumsforschung den ent-
schiedensten Einfluß geübt, indem sie uns allmäh-
lich in den Stand gesetzt hat, die älteste der Kul-
turen unserer Kenntnis wieder zugänglich zu machen.
Die Auffindung der Inschrift von Rosette (Rafchid)
während der Napoleonischen Expedition 1799 gab
die erste gegründete Hoffnung zur Entzifferung
der H. Sie enthielt einen dreifachen Text in hiero-
glyphifcher, demotischer und griech. Schrift. Aus
dem griech. Texte ging hervor, daß alle drei das-
selbe Dekret zu Gunsten des Ptolemäus Epiphanes
enthielten, das die ägypt. Priester im 9. Jahre der
Regierung des Königs, 196 v. Chr., abgefaßt und
in allen ptolemäischen Tempeln aufzustellen verord-
net hatten. Von diefem Stein, der jetzt im Britischen
Museum aufbewahrt wird, beeilte man sich, Abgüsse
und Abdrücke der Inschriften anzufertigen, und
1803 erfchien die erste Publikation derselben, von
der ^mihug.rjkm 80ciet^ in London besorgt.
Aber die Entzifferung der H. gelang nicht so
schnell, wie eine solche mehrsprachige Inschrift
hoffen zu lassen fchien. Da der hieroglyphische
Text nicht vollständig war, so beschäftigten sich die
Gelehrten zunächst nur mit dem demotifchen Texte.
Der erste, der sich an diefer Aufgabe versuchte, war
Silvestre de Sacy, welcher in seiner bereits 1802
erschienenen "I^ettrs an cito^en Obkpt^I" (damals
Minister des Innern) die Resultate seiner Vera^n-
chunH des griech. und demotifchen Textes mitteilte.
Er hrelt die hieroglyphische Schrift für eine durch-
gängig ideographische oder Wortschrift, die hiera-
tifche, die er in andern Inschriften richtig erkannt
hatte, sür sylladisch oder alphabetisch, die enchorifche
für rem alphabetisch, ohne jedoch die einzelnen
Lautzeichen lesen zu können. Doch erkannte er, daß
alle drei Schriftarten von rechts nach links zu lefen
seien, und fchied eine Anzahl Gruppen, welche die
Namen Ptolemäus, Arsinoe, Alexander u. a. ent-
hielten, aus dem fortlaufenden Texte richtig aus.
Den zweiten wichtigern Schritt tbat der schweo.
Diplomat Äkerblad in feiner gleichfalls 1802 ge-
druckten "I^tti-6 3.U cito^6Q 8iiv68ti-6 äs 8ac^ 3ur
1'in8cripti0ii 6F^pti6nn6 äs Ii,086tt6". Diefer blieb
nicht beim Ausscheiden der ganzen Gruppen stehen,
sondern analysierte sie und bestimmte den phone-