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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hieronymus - Hietzing
Hieronymi) gründete Peter Gambacorti oder Petrus von Pisa 1377 in einer Einöde bei Montebello aus bekehrten Räubern. Er gab ihnen eine sehr strenge Regel, die 1444 gemildert und 1568 durch die Regel des Augustinus ersetzt wurde. Anfangs rasch verbreitet, auch in Tirol und Bayern, zählt der Orden jetzt nur noch wenige Klöster.
Ein dritter Orden der H., 1360 begründet von Karl von Montegranelli zu Fiesole, daher Congregatio Fesulana genannt, wurde 1668 von Papst Clemens IX. aufgelöst. (S. auch Jesuaten des heiligen Hieronymus.)
Hiëronymus^[y mit Kürzezeichen - nicht vorhanden bei y], Herrscher von Syrakus, Enkel des Königs Hiero II., folgte, da sein Vater bereits gestorben war, zu Anfang 215 v. Chr., erst 15 J. alt, seinem Großvater auf dem Throne von Syrakus. Nachdem er sich mit Hilfe eines feiner Ratgeber der durch Hiero eingesetzten Regentschaft seiner 15 Vormünder entledigt hatte, änderte er sofort das ganze System der Regierung. Nach außen schloß er sich an Karthago an, weil er nach Cannä von Hannibal große Gebietserweiterungen erwartete; nach innen dagegen trat er tyrannisch auf und stützte sich nur auf die Söldner und das Proletariat. Dadurch erbittert, nahm ein Teil der römisch und zugleich republikanisch gesinnten Partei Veranlassung, den H. 214 zu Leontini zu ermorden.
Hiëronymus^[y mit Kürzezeichen - nicht vorhandenes Zeichen], (Jérôme), König von Westfalen, s. Bonaparte Bd. 3, S. 276).
Hiëronymus^[y mit Kürzezeichen - nicht vorhanden bei y], Sophronius Eusebius, der Heilige, lat. Kirchenvater, geb. um 340 zu Stridon in Dalmatien, Sohn christl. Eltern, wurde in Rom von Donatus (s. d.) und Viktorinus (s. d.) in die röm. Litteratur und griech. Philosophie eingeführt. Später machte er weite Reifen, bis nach Trier, erkrankte schwer auf einer Reife in den Orient (373) und wurde durch einen Fiebertraum bewogen, sein Studium der heiligen Litteratur zuzuwenden. Er brachte vier Jahre in der Wüste von Chalkis, unter harten Bußübungen und fleißigen Studien zu, wurde 379 in Antiochien zum Presbyter geweiht und ging dann nach Konstantinopel, um Gregor von Nazianz (s. d.) zu hören. 382 reiste H. nach Rom, wo er auf Wunsch des Bischofs Damasus blieb. Nach dessen Tode wandte sich H. 386 nach Palästina, hielt sich kurze Zeit in Ägypten auf und siedelte sich dann in der Nähe von Bethlehem in einer Mönchszelle an. Die heil. Paula begleitete ihn und gründete ein Mönchskloster und ein Frauenstift. Hier starb H. 30. Sept. 420. Seine Bedeutung beruht vor allem darauf, daß er dem Abendlande die Schätze der griech. Theologie vermittelt hat; griechisch und hebräisch verstand er wie wenige lat. Kirchenväter. Dagegen fehlt es seinen eigenen Arbeiten an Scharfsinn und Gründlichkeit und seine Verdienste sind getrübt durch maßlose Eitelkeit und Streitsucht im Dienste der Orthodoxie, wie er gleichmäßig den Origenes, Jovinianus, Vigilantius und die Pelagianer bekämpfte und verketzerte. Von seinen Arbeiten ist die wertvollste die sog. Vulgata (s. d.); ferner übersetzte er die Chronik des Eusebius (s. d.) von Cäsarea ins Lateinische und begründete durch Abfassung der Lebensgeschichten des heil. Paulus, Hilarion, Malchus die Heiligenlegende, durch die Schrift "De viris illustribus sive de scriptoribus ecclesiasticis" die kirchliche Patristik. Beste Ausgabe der Werke von Vallarsi (11 Bde., Verona 1734-42; neue Ausg., 15 Bde., Vened. 1770 fg.), eine Auswahl in deutscher Übersetzung von Leipelt in der "Bibliothek der Kirchenväter" (2 Bde., Kempten 1872-74). - Vgl. Zöckler, H., sein Leben und Wirken (Gotha 1865); Thierry, St.-Jérôme (2 Bde., 2. Aufl., Par. 1875); Nowack, Die Bedeutung des H. für die alttestamentliche Textkritik (Gott. 1875); Cutts, St.-Jerome (Lond. 1877); Gölzer, Étude sur la latinité de St.-Jérôme (Par. 1886); Röhrich, Essai sur St.-Jérôme exégète (Genf 1891).
Hiëronymus^[y mit Kürzezeichen - nicht vorhanden bei y] von Prag (die Angabe, sein Familienname sei Faulfisch gewesen, ist unrichtig), Freund und Gesinnungsgenosse des Joh. Huß (s. d.), geb. zu Prag, studierte daselbst, darauf seit 1396 in Oxford, von wo er die ersten theol. Schriften Wiclifs nach Prag brachte, später in Heidelberg, Köln und Paris, machte weite Reifen bis nach Jerusalem und kehrte erst 1407 nach Prag zurück, wo er sich eng an Huß anschloß. Auf Einladung Wladislaws’ II. von Polen half er 1410 die Universität Krakau einrichten. Entschieden und treu stand er Huß zur Seite und eilte, als dieser in Konstanz verhaftet wurde, ihm zu Hilfe, erhielt indessen das von dem benachbarten Überlingen aus begehrte freie Geleit vom Kaiser nicht, trat darauf den Heimweg an, wurde aber April 1415 in Hirschau in der Oberpfalz verhaftet und als Gefangener nach Konstanz zurückgebracht. Durch mehrmonatige Kerkerhaft gebrochen, widerrief er 23. Sept. 1415 in öffentlicher Sitzung des Konzils seine Irrlehren; als er aber dennoch im Kerker festgehalten wurde, nahm er 26. Mai 1416 den Widerruf zurück und erlitt 30. Mai mutig den Tod auf dem Scheiterhaufen. - Vgl. Helfert, Hus und H. (Prag 1853); C. Becker, Me beiden böhm. Reformatoren und Märtyrer: Joh. Hus und H. von Prag (Nördl. 1858); Böhringer, Die Vorreformatoren (2. Aufl., Stuttg. 1879).
Hiërophántes, der erste Priester oder Vorsteher der Mysterien in Eleusis (s. d.). Er wurde stets aus dem Geschlecht der Eumolpiden (s. Eumolpos) gewählt, mußte das erste männliche Alter zurückgelegt haben und ohne körperliche Gebrechen sein. Er wurde von einer Hierophantis aus dem Geschlechte der Phylliden unterstützt.
Hiërós Gamos (grch., "heilige Hochzeit"), s. Hera.
Hiëroskŏpie (Schau der Opfertiere) hieß bei den Griechen die Zeichendeutung aus den Eingeweiden von geopferten Tieren, aus der Form und Beschaffenheit der Leber, des Herzens, der Galle, Milz, Lunge. In den Homerischen Gedichten wird die H. nicht erwähnt, in der histor. Zeit war sie aber weit verbreitet, sodaß sie wohl fremden Ursprungs sein dürfte. Sie findet sich sowohl im Orient als bei den Etruskern in Gebrauch. (S. Haruspices.)
Hiërós Lochos (grch. ἱερὸς λόχος), s. Heilige Schar.
Hiërosolyma^[y mit Kürzezeichen - nicht vorhanden bei y], der griech. und lat. Name von Jerusalem.
Hiërothēk (grch.), Heiligenschrein; auch Grab heiliger Personen.
Hiërothēt (grch.), Einführer, Anordner heiliger Bräuche.
Hiërōtik (grch.), Lehre von der Heiligung.
Hierro (spr. iér-), span. Name der Insel Ferro.
Hier steh’ ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen! soll Luther am Schluß seiner Verteidigungsrede auf dem Reichstage zu Worms 18. April 1521 ausgerufen haben. Diese Worte, welche auch als Inschrift auf dem Lutherdenkmal zu Worms stehen, sind zwar nicht sicher überliefert, bezeichnen aber gut die Stimmung Luthers.
Hietzing. 1) Bezirkshauptmannschaft in Niederösterreich, hat 484,70 qkm und (1890) 44272