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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hoffmann (Franz) - Hoffmann (Friedr.)
ein Capriccio nach Jakob Callot" (Bresl. 1821),
"Meister Floh, ein Märchen in sieben Abenteuern
zweier Freunde" (Franks. 1822), "Lebcnsansichten
des Katers Murr, nebst fragmentarischer Biogra-
phie des Kapellmeister Johannes Kreisler in zufälli-
gen Makulaturblättern", vielleicht seine virtuoseste
Schöpfung (2 Bde., Verl. 1820-22), "Der Doppelt-
gänger" (Brünn1822) und einige kleinere Erzählun-
gen. Die reinste Befriedigung gewährt eine Anzahl
kleiner Novellen, Meisterstücke in engem Nahmen,
die, wie "Meister Martin der Küfner und seine Ge-
sellen", "Fräulein von Scude'ry", "Doge und Do-
garefse", vor allem "Meister Johannes Wacht", sich
von der gespenstischen Maschinerie frei erhalten.
Seine eigentümliche Art, Traumleben und Wirklich-
keit mit genialer Kunst zu verquicken, lehrt am besten
sein Märchen "Der goldene Topf" kennen; seine
Arbeitsart charakterisiert die Skizze "Des Vaters
Eckfenster". Auch als gefchickter Karikaturenzeichner
zeichnete sich H. aus, und mehrere der populärsten
Karikaturen auf Napoleon rühren von ihm her.
Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1856
-57 (12 Bde.) zu Berlin, ferner mit Federzeichnun-
gen von Hosemann in 12 Bänden (Berl. 1871-73),
eine andere mit Biographie H.s von R. Borberger
<6 Bde., ebd. 1873), Auswahlen vonH. Kurz (2 Bde.,
Hildburgh. 1870) und M. Koch (in Kürschners
"Deutscher Nationallitteratur"). - Eine Bio-
graphie H.s lieferte sein Freund I. E. Hitzig, "Aus
H.s Leben und Nachlaß" (2 Bde., Verl. 1823; 3.Aufl.,
im 3. bis 5. Bde. der "Ausgewählten Schriften",
Stuttg. 1839). Funck (Pseudonym für F. Kunz) gab
"Erinnerungen an H." in der Schrift "Aus dem
Leben zweier Dichter: Ernst Theodor Wilhelm H.
und Fr. Gottlob Wetzel" (Lpz. 1836) heraus.
Hoffmann, Franz, Volks- und Jugendschrift-
steller, geb. 21. Febr. 1814 zu Vernburg, besuchte
das dortige Gymnasium, widmete sich dann dem
Buchhandel, entsagte aber 1839 dem Geschäftsleben
und hörte in Halle philos. und naturwissenschaftliche
Vorlesungen. Nachdem er einige Jahre in Dessau
gelebt hatte, siedelte er 1855 nach Dresden über, wo
er 11. Juli 1882 starb. Seine litterar. Thätigkeit
begann er mit einer Bearbeitung der Märchen
"Tausendundeine Nacht" für die Jugend (8. Aufl.,
Stuttg. 1886), die ebenfo wie einige Original-
erzählungen sehr günstig aufgenommen wurden,
sodaß er fortan feine schriftstellerische Thätigkeit
ganz der Jugend- und Volksschriftenlitteratur wid-
mete. H. hat feit 1840 weit über hundert Er-
zählungen, Märchen u. s. w. veröffentlicht. Auch
gab er seit 1846 den "Deutschen Jugendfreund",
eins der besten Blätter feiner Art, heraus.
Hoffmann, Franz, theistischer Philosoph, geb.
19. Jan. 1804 zu Aschaffenburg, studierte in Mün-
chen 1826-27 Jurisprudenz, dann bis 1832 Philo-
sophie, auch Theologie und Naturwissenschaft und
wurde 1834 Professor der Philosophie am Lyceum
zu Amberg, 1835 ord. Professor der Philosophie in
Würzburg, wo er 22. Okt. 1881 starb. Als bedeu-
tendster Schüler von Vaader (s. d.) hat H. zur Ver-
breitung von dessen Philosophie viel beigetragen.
Dahin gehören u. a. von dessen Schriften: "Speku-
lative Entwicklung der ewigen Seldsterzeugung
Gottes" (Amberg 1835), "Vorhalle zur spekulativen
Lehre Baaders" (Aschaffenb. 1836), "Vaader in
seinem Verhältnis zu Hegel und Schelling" (Lpz.
1850), "Grundzüge der Societätsphilofophie Baa-
ders" (Würzb. 1837; 2. Aufl. 1865), "Fr. von
Baader als Begründer der Philosophie der Zukunft"
(Lpz. 1856) und "Die Weltalter. Lichtstrahlen aus
Franz von Vaaders Werken" (Erlangen 1868).
Von H.s felbständigern Schriften sind zu erwäh-
nen: "Grundriß der allgemeinen reinen Logik"
(2. Aufl., Würzb. 1855) und "Kirche und Staat"
(Gütersloh 1872). Seine sämtlichen Werke sind in
den "Philos. Schriften" (8 Bde., Erlangen 1868
-81) erschienen.
Hoffmann, Franz Georg, Botaniker, geb.
31. Jan. 1761 zu Marktbreit in Bayern, war Pro-
fessor der Medizin in Erlangen, 1792-1804 Pro-
fessor der Botanik in Göttingen, dann Professor der
Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in
Moskau, wo er 17. März 1826 starb. Er veröffent-
lichte: "Nnunieratio licdknum" (Bd. 1, 2 u. Bd. 3,
Heft 1, Erlangen 1784-96), "Hiätoria 83.1iouiw"
(Bd. 1 u. Bd. 2, Heft 1, Lpz. 1785-91), "VeZL-
tadilig. ci'^pwZaiua" (2 Hefte, Erlangen 1787-90),
"riantas 1ick6N08k6" (3 Bde., Lpz. 1789-1801),
"Deutfchlands Flora" (2 Bde., Erlangen 1791-95;
2. Aufl. 1800 - 4), "8Madu8 pi3.ntI.ruin umdsiii-
fsi-arum" (Mosk. 1814), "(Genera, pi^ntai-nm um-
dLiliksrai'uin" (ebd. 1814; 2. Aufl., ebd. 1816).
Hoffmann, Friedr., neben Boerhave der be-
rühmteste Arzt feiner Zeit, geb. 19. Febr. 1660 zu
Halle, bezog 1678 die Universität zu Jena und be-
gab sich 1679 nach Erfurt zu dem berühmten Pro-
fessor der Chemie Kaspar Cramer, kehrte jedoch
1680 wieder nach Jena zurück, wo er promoviert
wurde und sich 1681 habilitierte. Er ließ sich 1685
als praktischer Arzt zu Minden in Westfalen nieder,
wo er dann Garnifonsarzt, 1686 Physikus des
Fürstentums Minden und kurfürstl. Hofmedikus
wurde. 1688 folgte er dem Rufe als Physikus nach
Halberstadt. Bei Begründung der Universität zu
Halle berief ihn Kurfürst Friedrich III. von Bran-
denburg 1693 als ersten Professor der Medizin da-
hin und beauftragte ihn mit der Bildung und der
Einrichtung der mediz. Fakultät. 1708 erhielt er
bei König Friedrich I. die Stelle eines Leibarztes
und ging mit Beibehaltung seiner Professur nach
Berlin, kehrte aber 1712 nach Halle zurück, wo er
bis zu seinem Tode, 12. Nov. 1742, blieb.
Das größte Verdienst erwarb sich H. um die
praktische Heilkunde, insofern er eine Menge wich-
tiger Arzneimittel prüfte und ihre Anwendung auf-
klärte, befondcrs aber durch einfache Mittel und
Diät große Erfolge zu erringen wußte. Seine Un-
tersuchungen vieler Mineralwässer brachten diese
Heilmittel mehr in Aufnahme, und einige von ihm
angegebene Arzneipräparate, namentlich derl^Hiior
an0ä)'QU8 mili6ra1i8 (Hoffmanns Tropfen, s. d.),
sind noch jetzt allgemein in Gebrauch. Weniger
Wert hat sein System, nach welchem er dem Körper
eigentümliche Kräfte und eigentümliches Leben zu-
schrieb, die durch eine höchst feine ätherische Sub-
stanz, die empfindende Seele (anim^ 86H8itivH), in
Bewegung gesetzt würden. Diese Substanz werde
teils im Körper abgesondert, teils aus der Atmo-
sphäre eingesogen, sei jedoch wieder in ihren Be-
wegungen einer obersten, unbewußten Seele unter-
worfen. Die Krankheitsursachen wirken nach ihm
durch Druck und Ausdehnung auf die festen Teile.
Die Verderbnis der Säfte fei eine erst im Verlaufe
der Krankheit sich entwickelnde Erscheinung; dte
Krankheiten selbst beständen in zu schwacher oder zu
starker Bewegung und seien danach einzuteilen. So
wollte H. das Wesen des Lebens nach Masi, Zahl