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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hohenlohe-Öhringen - Hohenlohe-Schillingsfürst (Chlodw. Karl Victor, Fürst zu)
eine der thatkräftigsten Stützen der deutschen Kolo-
nialpolitik und wurde 1891 in den Kolonialrat be-
rufen. In der preuß. Armee bekleidet er den Rang
eines Generals der Kavallerie ö. 1a, 8uit6 der Armee.
Hohenlohe-Dhringen, Friedr. Wilh. Eugen
Karl Hugo, Fürst zu, Herzog von Ujest, geb.
^7. Mai 1816 zu Stuttgart, preuß. General der In-
fanterie ü. 1a suite der Armee und württemb. General
der Kavallerie, hat seine Residenz zu Slawentzitz im
oberschles. Kreis Kosel und ist seit 1870 Senior des
sürstl. Gesamthauses H. Er ist Besitzer des Fürsten-
tums Zohenlohe-Ohringen und des Herzogtums
Ujest, unter welchem Namen König Wilhelm I.
18. Okt. 1861 die in Oberschlesien gelegenen Fidei-
kommißgüter zu einer freien Standesherrschaft ver-
einigte. Auch gehören ihm noch die Fideikommiß-
güter Oppurg, Positz und Colba im Großherzogtum
"Hachsen-Weimar und die Allodialgüter Kottulin
und Proboschowitz, Nieder-Sersno, Iabinietz und
Kuschnitzka in Schlesien, Malinowice, Gorenice,
Zawada und Rudniki im ehemaligen Königreich
Polen. Fürst Hugo ist erbliches Mitglied des preuß.
Herrenhauses sowie der Kammer der Standesherren
in Württemberg; in letzterer läßt er sich zur Zeit
durch den 21. März 1848 geborenen Erbprinzen
Christian Kraft H., Rittmeister ö. 1a. 8uits der preuß.
Armee, vertreten. Der Fürst war während des Deut-
schen Krieges von 1866 Gouverneur von Mähren
und dann Mitglied und Vicepräsident des Nord-
deutschen Reichstags in allen Sessionen desselben,
sowie auch von 1871 bis 1876 Mitglied des Deut-
schen Reichstags, woselbst er der deutschen Reichs-
partei angehörte.
Hohenlohe-Schillingsfürst, Chlodwig Karl
Victor, Fürst zu, Prinz zu Ratibor und Corvei,
Staatsmann, geb. 31. März 1819 zu Rotenburg an
der Fulda als Sohn des Fürsten Franz Joseph und
durg), studierte in Heidelberg, Göttingen und Bonn
die Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1841
Auskultator beim Gericht in Ehrenbreitstein, dann
Referendar bei der Negierung in Potsdam und
verließ diefe Laufbahn 1845, um die ihm zugefallene
Standesherrschaft Schillingsfürst im bayr. Reg.-
Bez. Mittelfranken zu übernehmen (12. Febr. 1846).
In die Kammer der bayr. Reichsräte 1846 als erb-
liches Mitglied eingeführt, bekämpfte er die österr.-
ultramontane Politik der beiden Ministerien Schrenk
und von der Pfordten. Nach dem Kriege von
1866 forderte er offenen und ehrlichen Anschluß
Bayerns an Preußen und Stellung der süddeutschen
Kontingente unter Preußens Führung im Kriegsfall.
Auf dieses Programm hin wurde er 31. Dez. 1866
zum Minister des königl. Hauses und des Auswär-
tigen ernannt. Gegen den Widerstand der Klerika-
len und Patrioten setzte H. die Zolleinigung der
süddeutschen Staaten mit Preußen durch. Im
Wahlkreise Forchheim als Abgeordneter zum Ioll-
parlament gewählt, war H. drei Sessionen lang
dessen erster Viceprüsident. H.s preußenfreundliche
Haltung fand scharfe Anfeindung, mehr noch seine
Anregung zum Vorgehen gegen die Jesuiten und
der Versuch, zunächst die kath. Staaten Deutsch-
lands, dann alle kath. Mächte Europas zu einer
gemeinsamen Abwehr des von feiten des Vatikani-
schen Konzils drohenden Angriffs zu bestinunen.
Die Neuwahlen der bayr. Kammer im Nov. 1869
ergaben eine Majorität der Ultramontanen, und
sofort gab nun das Ministerium 26. Nov. seine
Entlassung. H. und der Kriegsminister ließen sich
vom König persönlich bestimmen, dieselbe zurück-
zunehmen; aber die leidenschaftliche Opposition bei-
der Kammern bestimmte H. 15. Febr., nochmals seine
Entlassung einzureichen; der König nahm sie 7. März
an. Als bayr. Reichsrat stimmte H. 30. Dez. 1870
für Eintritt Bayerns in das Deutsche Reich. In
den ersten Deutschen Reichstag trat er ebenfalls
als Abgeordneter für Forchheim ein, fchloß sich der
liberalen Reichspartei an und wurde 23. März
1871 zum ersten Vicepräsidenten gewählt, ebenso
für die Legislaturperiode 1874-77. Seit 1874
gehörte H. keiner Fraktion mehr an. Nach der Ab-
berufung des Grafen Arnim wurde H. im Mai
1874 zum deutschen Botschafter in Paris ernannt,
auf welchem Posten er durch sein ebenso patrioti-
sches als umsichtiges und taktvolles Auftreten sich
allgemeine Achtung und Anerkennung erwarb. Auf
dem Berliner Kongreß 1878 war er dritter Bevoll-
mächtigter des Deutschen Reichs. 1880 übernahm
er interimistisch die Geschäfte eines Staatssekretärs
der auswärtigen Angelegenheiten, präsidierte der
vom 16. Juni bis 1. Juli tagenden Berliner Kon-
ferenz zur Schlichtung der Grenzstreitigkeiten zwi-
schen der Türkei und Griechenland und kehrte Nov.
1880 auf seinen Botschafterposten in Paris zurück.
Im Juli 1885 wurde H. als Nachfolger Man-
teuffels zum Statthalter von Elfaß-Lothringen er-
nannt und verstand es, mit ruhiger Festigkeit all-
mählich das durch die Manteuffelsche Politik in den
Reichslanden verlorene Terrain wiederzugewinnen.
Die Gemeinderatswahlen vom 12. Juli 1886 be-
deuteten bereits einen Fortschritt des Deutschtums.
Um so auffallender war es, daß bei den Reichs-
tagswahlen vom 21. Febr. 1887 in sämtlichen 15
Wahlbezirken Elsaß-Lothringens Protestler gewählt
wurden. Die Ursache war freilich weniger cin Um-
schwung der Gesinnung, als vielmehr die Furcht
vor einer Rache Frankreichs in einem etwaigen
Nevanchekriege. Schon 22. Febr. erließ H. ein
Rundschreiben an die Vezirkspräsidenten, worin die
Auflösung der beiden Centralverbände der elsässi-
schen Gesang- und Turnvereine und eine schärfere
Überwachung des gesamten Vereinslebens befohlen
war. Die Reise H.s nach Berlin, wo er vom
17. März bis 2. April weilte, galt ganz besonders
den Verhandlungen über die Neugestaltung der
staatlichen Verhältnisse Elsaß-Lothringens. H. be-
kämpfte den namentlich vom Staatsminister von
Bötticher vertretenen Standpunkt der Rückkehr zu
den Zuständen vor 1879 und der Aufhebung des
Statthalteramtes und des Landesausschusses. Den
Vorschlägen H.s, die dem Statthalter eine wirk-
samere Beteiligung an den eigentlichen Verwal-
tungsgeschäften ermöglichte, stimmte der Kaiser zu.
Der Staatssekretär Staatsminister von Hofmann
und die Unterstaatssekretäre von Mayr und Ledder-
hose traten zurück. Das Eintreten eines straffern
Regiments war sofort bemerklich (f. Elsaß-Lothrin-
gen, Bd. 6, S< 54d). H. ließ sich durch die Klagen
auch mancher deutschfreundlichen Elemente über die
strengen Maßregeln nicht beirren, und der Erfolg
blieb fchliehlich nicht aus. Die Reichstagswahlen
vom 20. Febr. 1890 ergaben einen Rückgang der
protestlerischen Stimmen von 247000 auf 100000
und die Wahl von 4 deutschfreundlichen Abgeord-
neten; 15. Juni 1893 wurden deren 5 gewählt,
darunter H.s jüngster Sohn, der Prinz Alexander
zu H. (geb. 6. Aug. 1862).