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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Holtzmann - Holy-Island
Holtzmann, Adolf, Sprachforscher und Germa-
nist, geb. 2. Mai 1810 zu Karlsruhe, studierte in
Halle und Berlin Theologie und war Vikar in Rän-
dern. Seit 1832 studierte er in München und Paris
Sanskrit, wurde 1837 Erzieher der jungen Prinzen
von Baden, 1852 ord. Professor des Sanskrit und
der deutschen Sprache und Litteratur in Heidelberg,
wo er 3. Juli 1870 starb. Von seinen erfolgreichen
ind.-pers. Studien zeugen die Schriften "Über den
griech. Ursprung des ind. Tierkreises" (Karlsr. 1841)
sowie seine "Indischen Sagen" (2. Aufl., Stuttg.
1854), Poet. Übersetzungen aus den ind. Epen. Auf
germanistischem Gebiete machte sich H. namentlich
als Grammatiker verdient durch seine sprachlich wich-
tige Ausgabe des althochdeutschen Hsidor (Karlsr.
1836), durch die kleinen Schriften "über den Nm-
laut" (ebd. 1843), "Über den Ablaut" (ebd. 1844)
und besonders durch seine unvollendete "Altdeutsche
Grammatik" (Lpz. 1870-75). Weniger gelungen
sind seine Ausgaben des Nibelungenliedes (Stuttg.
1857), der "Klage" (ebd. 1859), des "Großen Wolf-
dieterich" (Heidelb. 1865) sowie sein Buch "Kelten
und Germanen" (Stuttg. 1855), das die beiden
Völkerfamilien identifizieren will; seine "Unter-
suchungen über das Nibelungenlied" (ebd. 1854)
erregten Aufsehen, da sie Lachmanns Nibelungen-
theorie bekämpften und haben das Verdienst ge-
habt, daß sie die Fraae wieder in Fluh brachten.
Seine Vorlesungen über "German. Altertümer"
(Lpz. 1873) und "Deutsche Mythologie" (ebd. 1874)
wurden nach seinem Tode veröffentlicht.
Holtzmann,tzeinrichIulius,prot.Theolog, Neffe
des vorigen, geb. 17. Mai 1832 zu Karlsruhe als
Sohn des spätern Prälaten Karl Julius H., studierte
in Heidelberg und Berlin, stand 1854-57 in bad.
Kirchendienst, habilitierte sich 1858 in Heidelberg,
wo er 1861 außerord., 1865 ord. Professor der
Theologie wurde. 1874 folgte er einem Rufe nach
Strahburg. H. gilt als einer der geachtetsten Ver-
treter einer mahvoll freisinnigen Theologie. Von
seinen zahlreichen Schriften feien genannt: "Kanon
und Tradition" (Ludwigsb. 1859), "Die synopti-
schen Evangelien, ihr Ursprung und ihr geschicht-
licher Charakter" (Lpz. 1863), "Kritik der Epheser-
und Kolosserbriefe" (ebd. 1872), "Die Pastoralbriefe"
(ebd. 1880), "Lehrbuch der histor.-kritischen Ein-
leitung in das Neue Testament" (Freib.i. Br. 1885;
3. Aufl. 1892). H. war ferner an Bunfens "Bibel-
werk" beteiligt (Bd. 4, 6-9) und behandelt im
"Hand-Kommentar zum Neuen Testament" die
synoptischen (Freib. i. Br. 1889; 2. Aufl. 1892) und
johanneischen Schriften (ebd. 1890; 2. Aufl. 1893).
Mit Iöpffel schrieb er das "Lexikon für Theologie
und Kirchenwesen" (Lpz. 1882; 2. Aufl., Braunschw.
1888-91) und giebt seit 1893 den "Theol. Jahres-
bericht" heraus. Auch veröffentlichte er zwei Samm-
lungen "Predigten" (Elberf. 1865 und Lpz. 1873) und
viele Abhandlungen in Fachzeitschriften.
Holtzmann, Wilh., Gelehrter, s. Xylander.
Holub, Emil, Afrikareifender, geb. 7. Okt. 1847
zu Holitz in Böhmen, studierte in Prag Medizin
und Naturwissenschaften, begab sich 1872 nach Süd-
afrika, wo er siH als Arzt in den Diamantfeldern
niederlieh. Er unternahm Febr. 1873 feine erste
Reise durch die südl. Gebiete der Vantu, im Novem-
ber die zweite nach Transvaal und die nördlich an-
grenzenden Länder. Im März 1875 brach er wieder
nach Norden aus und drang bis zum Sambesi und
den Victoriafällen vor. 1879 kehrte er mit reichen
naturwissenschaftlichen und ethnolog. Sammlungen,
die er an österr. und außerösterr. Anstalten ver-
teilte, nach Europa zurück. Ende 1883 ging H. aber- '
mals nach Südafrika, um von Kapstadt'aus, be-
gleitet von seiner Frau, ganz Afrika meridional
durch das Seengebiet bis nach dem Sudan und
Ägypten zu durchwandern. Sein Plan wurde schon
im nahen Drittel der Reise durch das feindselige
Auftreten der Maschukulumbe-Stämme am obern
Kafue (nördl. Zufluß des Sambesi) vereitelt. Aus-
geplündert und mit den größten Strapazen käm-
pfend, lchrte er im Febr. 1887 nach Schoschong im
Betschuanenlande und bald darauf nach Europa
zurück. Seine 13 000 Objekte umfassenden Samm-
lungen wurden gerettet und 1891 in Wien und 1892
in Prag ausgestellt. Er schrieb: "Kulturskizze des
Marutse-Mabunda-Reichs" (Wien 1879), "IKs
Victoria la1i3" (Grahamstown 1879), "Sieben
Jahre in Südafrika" (2 Bde., Wien 1880-81), "Die
Kolonifation Afrikas" (ebd. 1882), "Beiträge zur
Ornithologie Südafrikas" (ebd. 1882; im Verein
mit von Pelzeln), "Von Kapstadt ins Land der
Maschukulumbe" (2 Bde., ebd. 1888-90).
Holunder, Hollunder oder Holder, in der
Volkssprache die Arten von 83.uibiicii8 (s. d.) und
V^i-inFu. (s. d.).
Holmlderblattlaus (^pki8 gainduoi ^.), eine
blaubereifte Blattlaus mit langen Honigröhren, die
im Juni und Juli die jungen Triebe des Holunders
(8amducu8 ni^ra. _k.) oft in dicht gedrängten Gesell-
schaften überzieht und den befallenen Pflanzen recht
nachteilig werden kann.
Holnndernmrk, s. 8amdu(M8.
Holunderspanner (Hr^ptei-^x ^mducai-ig. ^.),
eine der schönsten einheimischen Schmetterlings-
arten aus der Familie der Spanner (s. d.), 50 mm
klafternd, von heller, schwefelgelber Farbe, aus den
Vorderflügeln mit zwei, auf den Hinterstügeln mit
einer grünlichbraunen Querbinde, die rotgesäumten
Hinterflügel sind in ein kurzes Schwänzchen aus-
gezogen, vor dem ein gelbbrauner Flecken steht. Der
Falter stiegt nicht selten im Juni und Juli, die
Raupe erscheint im August, überwintert und ver-
puppt sich im Mai in einem lockern Gespinst zwi-
schen Blättern ihrer Futterpflanzen, Holunder, Lin-
den, Geißblatt, Rosen u. s. w.
Noi^ (engl.), heilig, häufig in Zusammen-
setzungen vorkommend.
Holyhead (spr. holllhedd), walisisch Pen Caer
Gydi, Hafenplatz, auf der Westseite der Insel
H., die durch einen schmalen Sund von der Insel
Anglesey (s. d.) des engl. Fürstentums Wales ge-
trennt wird, ist unregelmäßig gebaut, hat (1891)
8726 E., Küstenhandel und Schiffbau. Der Ort hat
Wichtigkeit als der Irland nächst gelegene Hafen,
von wo täglich zweimal nach Kingstown und zwei-
mal nach Dublin Dampfer fahren; die Reife von
London nach Dublin dauert 14, von H. nach Dublin
nur 4 Stunden. Der Hafen wurde 1880 verbessert,
hat einen 1240 m langen Quai und zwei große
Wellenbrecher. H. ist Sitz eines deutschen Vice-
konsuls. Die Insel steigt an ihrem Nordwestende
in H. Hill 226 m empor und schließt an der Nord-
seite mit Anglesey die Holyheadbai ein.
Holy-Island (spr. hohli eiländ), Lindis-
farne, kleine engl. Insel, 3 km von der Küste von
Northumberland, nut 700 E., ist zur Ebbezeit zu.
Fuß erreichbar, trägt Ruinen einer Prioreikirche
und eines Schlosses von 1500. H. war seit