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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Horsens - Horst (Julius Joseph Joachim Ludw., Freiherr von)
rechten Ufer der Hörsel, dacht gegen N. sanft ab, ist
aber gegen S. in schroffen, abenteuerlichen Formen
abgekantet. Der Berg ist der Sage nach der Sitz
der Seelen der Gestorbenen, namentlich der Gott-
losen und des Teufels. Aus dem Hörselloch, einer
Felsspalte, die in eine niedrige, etwa 22 m lange
Höhle führt, wollte der Volksglaube wimmernde
Stimmen aus dem Fegefeuer vernehmen. Vor ihm
sitzt der treue Eckart und warnt die Menschen, in
den Berg zu gehen. Polack, der die Höhle unter-
suchte, vernahm das chorgesangähnliche Summen
von Millionen kleiner Mücken. Im H. wohnt das
wütende Heer, Frau Holle, die Venus, zu der Tann-
häuser kommt. (Vgl. Witzschel, Sagen aus Thü-
ringen, Bd. 1, Wien 1886.) Am 26. Okt. 1813 fand
am H. ein Gefecht zwifchen den Preußen und Fran-
zosen statt, worauf Jork Eisenach besetzte.
Horfens, Stadt im dä'n. Amte Aarhus, auf der
Ostküste Iütlands, am Horsensfjord und an der
Linie Vamdrup-Frederikshavn, ist gut gebaut, hat
(1890) 17 290 E., eine höhere Schule, eine Vor
Frelsers Kirke (Erlöserkirche), altertümliche Kloster-
nrche, großes Zuchthaus; Weberei, Eisengießerei
und Maschinenwerkstätten, Schiffswerfte, Holz-
warenfabriken und Kalkbrennerei. Wichtig ist der
Handel; eingeführt wurde Kleie (1892: 6,02 Mill.
Ks), Noggen (0,55), Ölkuchen <1,8i), Weizen (3,4?),
Gerste (16 Mill. 1^); ferner Hafer und Düngemittel.
Ausgeführt wurden: Weizen, Roggen und Speck,
Butter(2,28Mill.^),Eier(862082Stück),Schweine-
fleisch und Mastvieh (5507 Stück). H. ist Sitz eines
deutschen Konsuls.
^OT-F/., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Thomas Horsfield, geb. um 1773;
er lebte lange Zeit in Java, veröffentlichte, 1817
nach England zurückgekehrt: "ZooloAicHi r686arcti68
in ^ava. aucl. tk6 iiLiAiidoni'iiiF iglHuäZ" (1821-24)
und"?i3.Qta6^g.vNiiicH6 i-3.ri0r68"(3Bde. mit Atlas,
1838-52), und starb 1859.
Horsford, Ebenezar Norton, amerik. Chemiker,
geb. 27. Juli 1818 zu Moscow im Staate Neuyork,
studierte seit 1844 in Gießen, wo ihm durch Liebig
das Interesse für agrikulturchem. und physiol.-chem.
Gegenstände erweckt wurde. Nach Amerika zurück-
gekehrt, erhielt er 1847 die Professur für Chemie an
der Harvard-Universität zu Cambridge bei Boston,
wo er 1. Jan. 1893 starb. Von seinen für Liebigs
"Annalen" gelieferten Arbeiten sind zu nennen:
"Über den Wert verfchiedener vegetabilischer Nah-
rungsmittel, hergeleitet aus ihrem Stickstoffgehalt"
(1846), "Analyse der Asche von Iriloliuni pt-at6ii86"
(1846), "über den Ammoniakgehalt der Gletscher"
(1846), "Über den Ammoniakgehalt derAtmosphäre"
(1850). 1856 erfand er das aus saurem phosphor-
saurem Kalk und doppeltkohlensaurem Natron be-
reitete Backpulver (s. d.), H. begründete einen neuen
Industriezweig, die Kondensation der Milch; wäh-
rend des ^ecessionistenkrieges erwarb er sich große
Verdienste durch die auf wissenschaftlicher Grund-
lage basierte Verproviantierung der Unionsarmee.
Seit 1863 ist H. Präsident der Iwmlorä 01i6inick1
>Vork8 zu Providence (Rhode-Island). H. hat auch
Schriften über Indianersprachen und die älteste Be-
siedelung Amerikas verfaßt: "^de äiLcover^ ot'
^.mericg. d^ ^oitiimLQ" (Bost. 1887), "1K6 pro-
di6m ol tk6 Xortlimsii" (ebd. 1880).
Horsforth, Stadt in der engl. Grafschaft Dork,
im West-Riding, unweit links des Aire, im NW.
von Leeds, hat (1891) 7102 E.
Horsham (spr. hohrschämm, auch hohrshämm),
Stadt in der engl. Grafschaft Sussex, 32 km im
NW. von Lewes, bei den Quellen des Arun, ist
Eisenbahnknotenpunkt, hat (1891) 8637 E., Handel
mit Getreide und Geflügel.
Horfky, Franz, Ritter von Horskysfeld, Land-
wirt, geb. 29. Sept. 1801 zu Vilin, besuchte das
landwirtschaftliche Institut in Krumau und stand
von 1821 bis 1855 in verschiedenen Stellungen, zu-
letzt als Wirtschaftsdirektor im Dienste des Fürsten
Joh. Adolf Schwarzenberg. 1860 pachtete er Schloß
und Meierei Mühlhausen und kaufte 1862 die Herr-
schaft Kolin, 1868 das Gut Welmschloß und 1871
das Gut Saar. Er gestaltete Kolin zu einer Muster-
wirtschaft und wirkte verdienstvoll als Reorganisator
der bäuerlichen Wirtschaften, zu welchem Zwecke er
auch feine "Feldpredigten" hielt. Zu erwähnen ist
auch feine vielfach befolgte Methode der Dünger-
behandlung, die darin besteht, daß der Dünger
mehrere Monate im Stalle unter den Tieren liegen
bleibt, wodurch eine ausgezeichnete Konservierung
desselben bewirkt wird und Iauchegrube sowie
Düngestätte überflüssig sind. H. starb 6. April
1877 in Kolin. Er schrieb: "Die vervollkomm-
nete Drillkultur der Feldfrüchte" (Prag 1851),
"Landwirtschaftliche Feldpredigten" (1. bis 6. Heft,
ebd. 1861-63), "Mein Streben, Wirken, meine
Resultate nebst praktischen Ratschlägen" (ebd. 1874).
Horsley (spr. -le), John Callcott, engl. Maler,
geb. 29. Jan. 1817 zu Brompton, war seit 1831
Schüler der Londoner Akademie und widmete sich
dem Genre. Einiges besitzt das South-Kensington-
Museum sowie die Nationalgalerie, so: Der Virtuos
und der Canarienvogel, Der Stolz des Dorfs, Der
verlorene Sohn; ferner sind zu erwähnen: Mal-
volio in der Sonne, L'Allegro und II Penseroso,
Iane Gray und RogerAscham, Der Tag der Toten
und Die Barmherzigkeit Christi (Altarblatt für das
Thomashospital in London). 1845 führte er im
Hause der Lords ein Fresko: Geist der Religion, und
1847 in der Dichterhalle des Parlamentsgebäudes
ein Wandgemälde nach Milton: Verwundung des
Satans durch Ithuriels Lanze, aus.
Horsley Dynamit (spr. -le), ein Sprengmittel,
welches zu den Dynamiten (s. 0.), speciell zu den
Nobeliten (s. d.) gehört. Es besteht aus 25 Teilen
Nitroglycerin, 56 Teilen chlorsaurem Kalium und
19 Teilen Galläpfeln.
Horst, eigentlich soviel wie Strauchwerk, dann
das aus Reisern gebaute Nest der Raubvögel. -
Über H. in der Forstwirtschaft s. Bestand.
Horst, Julius Joseph Joachim Ludw., Freiherr
von, österr. Generalmajor und Staatsmann, geb.
12. April 1830 zu Hermannstadt in Siebenbürgen,
trat 1844 als Kadett in die österr. Armee und wurde
1846 Offizier. Nach dem Deutschen Kriege von
1866 legte H. in einer Denkschrift die Notwendigkeit
dar, die Wehrkraft Österreichs nach preuß. Muster
umzugestalten, und wurde im Herbst 1866 in die
Organisationskommission nach Wien, später auch in
den Marschallsrat berufen. Der 1868 zum Reichs-
kriegsminister ernannte Freiherr von Kühn beauf-
tragte H. mit der Ausarbeitung und später auch mit
der parlamentarischen Vertretung der auf die Heeres-
organifation bezüglichen Gesetzentwürfe. Nach
dem Sturze des Ministeriums Hohenwart wurde
H. 25. Nov. 1871 zum Obersten in der Landwehr
befördert und mit der Leitung des Ministeriums
für die Landesverteidigung der im Neichsrate ver-