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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hospitalbrüder - Hoßbach (Benj. Theod. Johs.)
pel und Knochen bewirken. Ein großer Prozentsatz
der Kranken erliegt der hinzutretenden Blutvergif-
tung und Erschöpfung; aber auch bei günstigem
Ausgang bleiben nicht selten erhebliche Verstümme-
lungen und Störungen im Gebrauch der befallenen
Körperteile zurück. Übrigens ergreift der H. nicht
bloß größere Wunden und Operationsstächen, son-
dern oft auch geringfügige und unbedeutende Ver-
letzungen, wie Blutegelbisse und Sckröpfwunden,
während er niemals unverletzte Hau l stellen befällt.
über die Ursache des H., der außerordentlich
ansteckend ist und meist durch die Hände der Ärzte
und Wärter, durch unsaubere Verbandstoffe u. dgl.
übertragen wird, haben die neuern Untersuchungen
ergeben, daß in der Luft schwebende mikroskopische
Pilze (Bakterien) die Träger des Ansteckungsstosss
sind, daß dieselben in schlecht ventilierten Räumen
besonders üppig wuchern und, auf Wunden ge-
bracht, in diesen eine schnelle Gerinnung der Er-
nährungsflüssigkeit und durch Verschluß der feinsten
Gefäße den brandigen Zerfall der Gewebe hervor-
rufen. Nur durch eine strenge Durchführung der
antiseptischen Wundbehandlung und nur durch sorg-
fältige Ventilation und Desinfektion der Kranken-
häuser läßt sich der Ausbruch und die Verbreitung
des H. verhüten; ist die Krankheit einmal ausge-
brochen, so kann bloß durch die strengste Isolierung
der Erkrankten der weitern Entwicklung der Epide-
mie Einhalt gethan werden; alle brandigen Wun-
den müssen sofort energisch mit dem Glüheisen oder
rauchender Salpetersäure ausgeätzt und antiseptisch
verbunden und die Kranken selbst unter möglichst
günstigeErnährungsbedingungenversetztwerden.-
Vgl. Heine, Der H. (in Pitha-Billroths "Handbuch
der Chirurgie", Bd. 1, Abteil. 2, Stuttg. 1874);
König, über H. (Lpz. 1872); Rosenbach, über H. (in
Mllroth und Lückes "Deutscher Chirurgie", Heft 6,
Stuttg. 1888).
Hospitalbrüder, s. Hospitaliter und Johan-
niterorden. - H. des heiligen Antonius,
s. Antoniusorden.
Hospitalfteber, Kollektivbezeichnung für ge-
wisse bösartige Fiebertrankheiten, welche in über-
füllten und schlecht ventilierten Hospitälern auf-
treten und mehr oder minder mörderische Epidemien
veranlassen können. Man pflegt hierher oenHospital-
brand (s. d.), die Pyämie (s. d.), den Wundrotlauf
(s. Rose) und den Flecktyphus (s. d.) zu zählen.
Hofpitaltt, ein ins Hospital Aufgenommener.
Hospitalität (lat.), Gastfreundschaft.
Hofpitallter oder Hospitalbrüder, in der
kath. Kirche alle Laienbrüder und Mönche, Chor-
herren und Ritter geistlicher Orden, die sich der
Pflege von Armen und Kranken widmen. Meist
sind sie mit eigentlichen Klosterorden verbunden,
folgen der Regel Augustins und haben besondere
Hospitäler und Armenhäuser unter sich. Zur Zeit
der Kreuzzüge wuchs ihre Zahl außerordentlich, auch
die meisten geistlichen Ritterorden dienten ursprüng-
lich diesem Zweck. Im besondern bezeichnet man als
H. oder als Hospitalbrüder des Heiligen Geistes
(Orden des Heiligen Geistes) den vom Genfer
Guido von Montpellier um 1190 nach Augustins
Regel gestifteten, 1198 vom Papst Innocenz III. be-
stätigten Orden, der 1204 das Hospital St. Maria in
Rom übernahm und zum Mutterkloster erhob. Die
H., mit denen sich nach und nach ähnliche Vereinigun-
gen verbanden, wurden 1700 in reguläre Chorherren
verwandelt. (S. auch Barmherzige Brüder.)
Hofpitaliterinnen, Hospitalschwestern,
auch Gottestöchter, Vereine von Laienschwestern,
Kloster- und Chorfrauen zur Ausübung von Kran-
kenpflege, daneben auch zur Erziehung armer, be-
sonders verwaister Mädchen, sowie zur Bekehrung
gefallener Mädchen und Frauen. Sie entstanden
im 12. Jahrh, und waren später in Italien, Frank-
reich und den Niederlanden zahlreich.
Hofpitalritter des heiligen Lazarus, s.
Lazarus-Orden.
Hospitalfchwestern, s. Hospitaliterinnen.
Hospitaltuch, s. Gummiwarenfabrikation (Bd.8,
S. 558a). ,^
Hospitaltyphus, soviel wie Flecktyphus.
Hospitant, s. Hospitieren.
U08pitS8 (Hosplten), s. Ü08P68.
Hospitieren (lat.), als Gast (Hospitant) bei-
wohnen, besonders auf Universitäten Kollegien
besuchen, die man nicht "belegt" hat. Hospitan-
ten sind auch außerordentlicheVcsucher einer Schule,
die mit besonderer Genehmigung der Schulbehörde
(z. B. wegen ihres Alters, oder wegen körperlicher
Verhältnisse, oder als Ausländer) der Nnterrichts-
und Disciplinarordnung nur teilweise unterworfen
sind. (S. auch Fraktion.)
Hosptz (lat. 1i08pitium), d. h. Fremdenhaus, hei-
ßen die erstmals wohl noch während der Regierung
Konstantins errichteten kirchlichen Anstalten zur
Pflege der Fremden und Notleidenden. Sie finden
sich noch auf der Höhe wichtiger Alpenpässe, wie
Mont-Cenis, Kleiner St. Bernhard, Simplon, St.
Gotthard, Arlberg u. s. w., als von Mönchen an-
gelegte fromme Stiftungen, die den Zweck haben,
Reisende unentgeltlich aufzunehmen und zu ver-
pflegen und ihnen, wenn sie sich verirren, Hilfe zu
leisten. Als das älteste der noch bestehenden H.
gilt das auf dem Großen St. Bernhard, angeblich
fchon 962 von Bernhard de Menthon gegründet,
urkundlich aber erst 1125 erwähnt.
Hospodar (slaw., d. i. Herr; altslaw. und russ.
808p0ä3^) war die alte Urkundentitulatur der Für-
sten der Moldau und der Walachei. In der Lan-
dessprache selbst hießen die Fürsten kurzweg vomuu
(vom lat. ä0minu8, Herr).
Hoßbach, Benj. Theod. Johs., prot. Theolog,
Sohn des folgenden, geb. 1. Juli 1834 in Berlin,
studierte hier und in Bonn, wurde 1858 Pfarrvikar
in der Nähe von Aachen, 1861 HilfsPrediger an der
Jerusalems- und Neuen Kirche zu Berlin, 1868,
nachdem er den Feldzug von 1866 als freiwilliger
Feldprediger bei der Avantgarde der Elbarmee mit-
gemacht hatte, Prediger an der Andreaskirche da-
selbst. H. ist ein hervorragendes Mitglied des Pro-
testantenvereins; 1873 hat er in dem Falle Sydow
(s. d.) die Erklärung, in der sich eine Anzahl Geist-
licher Berlins und der Provinz Brandenburg zu der
von Sydow vertretenen Ansicht über die wunderbare
Geburt Jesu bekannten, verfaßt. Als er 1877 zum
Pfarrer an St. Iakobi in Berlin gewählt worden
war, versagten ihm die kirchlichen Oberbehörden,
auf einen Protest der orthodoxen Minorität der Ge-
meinde hin, die Bestätigung; vgl. dazu "Von der
Einigkeit im Geist. Gastpredigt zu St. Iakobi" (I.bis
5. Aufl.,Berl. 1877), "Aktenstückebetreffend dieWachl
des Predigers H." (ebd. 1877), "Entscheidung des
Evangelischen Oberkirchenrats u. s. w." (ebd. 1877).
1877 - 89 war H. stellvertretender Vorsitzender der
vereinigten Kreissynoden Berlins; seit 1874 giebt
er mit Schmeidler den "Neuen evang. Gemeinde-
?.'.""z^^ü!^-^^.