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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hufbeschlaglehranstalten - Hufeisen
das Aufnageln (Aufschlagen) der Eisen nach ganz be-
stimmten Regeln. (S. Hufnägel.) Der Hufbeschlag
beschäftigt sich aber außerdem noch mit dem Be-
schlagen fehlerhafter und kranker Hufe und dem Be-
schlagen bei fehlerhaften Stellungen und Gang-
arten, wodurch oftmals allein noch Tiere dem Dienst
erhalten werden, die barfuß dienstunfähig fein wür-
den. Beim deutfchen H. werden die meisten Pferde
mit Griff und Stolleneifen verfehen, wohingegen
in England die Hufe vorn mit Eifcn ohne Griff
und ohne Stollen, die Hinterhufe mit zwei Stollen
oder mit einem äußern Stollen, innen dagegen mit
^treichfchenkel versehen werden. Der Engländer
bedient sich keines Aufhälters, macht am Pferde
alles allein, dabei werden die Hufe nicht fo hoch ge-
hoben und es stehen infolgedessen die Pferde ruhiger.
- Vgl. Groß, Lehr- und Handbuch der Hufdeschlags-
kunst (4. Aufl., 1868); Dominik, Lehrbuch über'H.
(Berl. 1887); Gutenäcker, Die Lehre vom H. (2. Aufl.,
Stuttg. 1889); Leifering-Hartmann, Der Fuß des
Pferdes (7. Aufl., Dresd. 1889); Walther, Katechis-
mus des H. (3. Aufl., Lpz. 1889); derf., Der Huf-
schmied (6. Aufl., Bautzen 1890); Graf Einsiedel,
Gedankenzettel zu Ausübung des englischen H.
(10. Aufl., ebd. 1890); Möller, Die Hufkrankheiten
des Pferdes (2. Aufl., Verl. 1892); Pillwax, Lehrbuch
des Huf- und Klauenbeschlages (5. Aufl., von Guten-
äcker, Wien 1892); C. A. Schmidt, Der rationelle H.
(2. Aufl., Bresl. 1892); Lungwitz, Der Lehrmeister
im H. (6. Aufl., Dresd. 1893).
Hufbeschlaglehranstalten, in Deutschland ur-
sprünglich mit den tierärztlichen Hochschulen ver-
bundene Institute. Später wurden sie vielfach beim
Militär (zuerst in Baden 1836) und in den letzten
Jahrzehnten auch für Civilschmiede eingeführt. Hier
wirkte besonders förderlich die Reichsgewerbeord-
nung vom 1. Juli 1883, welche für den Betrieb des
Hufbefchlags den Befähigungsnachweis fordert. Es
wurden zahlreiche H. gegründet, meist von Privat-
personen, oft mit Unterstützung landwirtschaftlicher
Vereine. 1893 bestanden H. für Civilschmiede in
Baden (5), Bayern (4), Hessen (3), Mecklenburg (1),
Preußen (30),'Sachsen (2; in Dresden, zugleich für
Militär, und Mittel bei Bautzen), Württemberg
(hier "Lehrwerkstätten" genannt; 6). Der Kurfus
dauert 1-6 Monate und hat je 2-30 Teilnehmer.
Nber die Ausbildungs- und Prüfungsvcrordnungcn
bei den H. vgl. Lungwitz, Der Lehrmeister im Huf-
befchlag i6. Aufl., Dresd. 1893, Anhang), über
H. beim Militär (Militärlehrschmieden), f. Lehr-
schmieden. - Auch in Österreich-Ungarn unterliegt
der Betrieb des Hufbeschlags einer Konzession. H.
sind hier vorbanden 3 bei Tierarznei-Instituten, ge-
sondert 8 für Militär-, 4 für Civilschmiede. In Ruß-
land bestehen H. bei den Vcterinärschulen, bei der
Offiziersschule in Petersburg und bei jeder Ka-
vallericdivision; in der Schweiz 2, Dänemark 2,
Schweden 3, Niederlande 3. In Belgien, England,
Frankreich, Italien giebt es für Civilschmiede keine H.
Hufe (althochdeutsch kuoda.; angelsächsisch Ii^äo;
lat. M3.Q8H3; dän. dool), das uralte, auf eine Fa-
milie berechnete, mit einem Pslngc und Gefpanne
zu bestellende Ackerlos von 20, 30,40 Morgen. Oft
ist die H. im Laufe der Zeit geteilt, daher neben Voll-
bauern, Vollfpännern, Hüfnern, die Halbbauern,
Halbspänncr, Halbhüfner. (S. Bauer, Bauern-
gut, Bauernstand.) Auch wird die H. lediglich im
Sinne eines bestimmten Grnndstückmaßes ge-
braucht, z. B. bei Waldgrundstücken; ferner diente
sie in der ältern Steuerverfassung als Steuerein^
heit; so führte namentlich in der Mark Branden-
burg und in dem ehemaligen Ordensland Preußen
die auf die H. gelegte Steuer den Namen Hufen-
fchoh. (S. auch Generalhufenfchoß.) - Vgl.Waitz,
Die altdeutsche H. (Gott. 1854); Meitzen, Volkshufe
und Königshufe in ihren alten Maßverhältnissen
("Festgabe für G. Hannssen", Tüb. 1889); Artikel:
Hufe und Hufenverfassung im "Handwörterbuch der
Staatswissenschaftew', Bd. 4 (Jena 1892), S. 490 fg.
Hufeisen, ein dem Tragrande des Hufes in seiner
Form angepaßter, 2-3 cm breiter und je nach der
Gebrauchsart des Pferdes verschieden dicker, hinten
offener Eisenring, der vermittelst 5-8 besonderer
Nägel (Hufnägel, s. d.) an dem Hufe befestigt wird.
(S. Hufbeschlag.) Die H. verhindern die schnelle Ab-
nutzung der Hufe auf steinigtem oder gepflastertem
Boden. Namentlich bedürfen die Vorderhufe wegen
ihres geringern Höhenmaßes und der von Natur
flacher angelegten Sohle des Schutzes durch H.;
bei vielen Gebrauchsarten der Pferde genügt es-
auch, lediglich die Vorderhufe mit H. zu beschlagen.
In ihrer Form unterscheiden sich die Vordereisen
von den Hinter eisen; erstere sind mehr rundlich
an der Zehe, letztere dagegen herzförmig. Am H.
unterscheidet man 1) die dem Hufe und die dem
Boden zugekehrte Fläche; 2) den einzelnen Huf-
gegenden entfprechend einen Zehenteil und die beiden
Schenkel, an letztern wieder die Seitenteile und zu-
hinterst die Trachtenteile. Die obere, dem Hufe zu-
gewandte Fläche des H. besitzt außen einen schmalen
Tragrand, während der innere Teil nach unten
abgeschrägt ist (Abdachung). Die dem Boden zu-
gekehrte Fläche des H. ist entweder glatt und mit
5-8 Versenkungen für die Köpfe der Hufnägel ver-
fehen, oder sie trägt einen Falz < F a l z e i s c n), worin
die Nagellöchcr liegen. Bei Neit- und Wagenpferden
findet letzterer Beschlag (auch en^l. Beschlag ge-
nannt) fast ausschließliche Anwendung. Jedes H.
besitzt an dem Zehcnteil einen schildförmigen nach
oben gerichteten Fortsatz (die Kappe oder den
Kappenaufzug), der dem Eifen einen festen Halt
gegen Verschiebungen nach hinten gewährt. Außer
dieser Zehenkappe, mitunter auch an Stelle dieser,
kann man seitliche Kappen anbringen. Pferde, die
ihre H. an der Zehe stark abnützen, fei es durch eine
eigentümliche Gangart oder durch Gebrauch im
fchwerenIug, erhalten an derZehe eine Verstärkung
durch ein rechteckig geformtes Stahlstück (Griff).
An den Hintereisen gewöhnlich und bei schweren
Zugpferden an sämtlichen vier Eisen bringt man
außer dem Griff noch die fog. Stollen an, das
sind je zwei am'hintersten Ende durch Umbiegen
der Eifenfchenkel und entsprechendes Zurichten der-
selben gebildete kubische Erhöhungen. In neuerer
Zeit werden an den H. auch einsetzbare Stollen an-
gebracht (Steck- und Schraub st ollen), die bei
Eintritt von Glatteis eingesetzt werden und daher
das Schärfen von Griff und Stollen (Eisgriff
und Eis st ollen) überflüssig machen.
Die meisten H. werden jetzt wohl fabrikmäßig
(getemperter Guß oder Walzeifen) hergestellt. Von
den Fabrikeifen finden besonders die aus schmied-
barem Gusse, mit einer geteerten Taueinlage ver-
sehenen (Tau - oderStrickeisen) in großen Städten
mit vielen Asphaltstraßen starke Verwendung.
Besondere Konstruktionsarten der H. sind: das
geschlossene Eisen, das einen vollkommenen
Ring bildet; das Steg eisen, das zur Verbindung