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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hydrargyrum - Hydraulische Pressung

Hydrargyrum (grch.), Quecksilber. Über die auf Rezepten vorkommenden, mit H. zusammengesetzten lat. Benennungen der verschiedenen Quecksilberpräparate s. Quecksilbermittel.

Hydrastin, Hydrastinin, s. Hydrastis canadensis.

Hydrastis canadensis L., canadisches Wasserkraut, eine in Nordamerika heimische Ranunkulacee, deren Wurzel (Radix Hydrastis, Gelbwurz, Yellowroot) außer Eiweiß, Zucker, Extraktivstoffen und Harzen Berberin und ein eigentümliches Alkaloid, Hydrastin, C22H28NO6, enthält. Die Wurzel wird als ein wertvolles tonisches, antiphlogistisches und antimenorrhoisches Mittel geschätzt und im Aufguß oder als Fluidextrakt gegen chronische Magenleiden, Dyspepsie, Wechselfieber, Katarrhe der äußern Schleimhäute, Hämorrhoiden sowie gegen Menstruationsanomalien vielfach mit Vorteil benutzt. Das Hydrastin wird auch innerlich angewendet; es steht in seiner Wirkung dem Chinin sehr nahe. Ein Oxydationsprodukt des Hydrastins, das Hydrastinin, C11H13NO3, ist in der Gynäkologie als blutstillendes Mittel sehr geschätzt.

Hydrate oder Hydroxyde, chem. Verbindungen, die sich vom Wasser dadurch ableiten, daß ein Atom Wasserstoff durch ein Atom eines andern Elements oder ein Radikal vertreten wird, das alsdann mit der verbleibenden einwertigen Atomgruppe OH, dem Hydroxyl, in Verbindung tritt. So entsteht aus Kalium und Wasser (K + OH) Kaliumhydroxyd (KOH), während 1 Atom Wasserstoff frei wird. Zweiwertige Körper binden auf gleiche Weise zwei Hydroxyle, so ist das Hydrat des zweiwertigen Calciums = Ca(OH)2; sechswertige Atomgruppen nehmen sechs Hydroxyle auf. Ferrihydroxyd z. B. hat die Formel Fe2(OH)6. Die H., die Metalle oder Metalle ersetzende Radikale enthalten, entsprechen den frühern Metalloxydhydraten oder basischen H., so das Kaliumhydroxyd dem Kalihydrat, das Calciumhydroxyd dem Kalkhydrat, das Ferrihydroxyd dem Eisenoxydhydrat. Wird der vertretbare Wasserstoff des Wassers durch ein säurebildendes Radikal ersetzt, so entstehen die Säuren. So leitet sich die Salpetersäure, NO2OH, vom Wasser ab, indem NO2, das Nitryl genannte Radikal der Salpetersäure, an die Stelle von einem Atom Wasserstoff getreten ist, oder sie ist eine Verbindung des Nitryls mit Hydroxyl. Und ebenso wie die zwei- und mehrwertigen Metalle zwei und mehr Hydroxyle binden, so ist es auch mit den säurebildenden Radikalen: das zweiwertige Radikal SO2 verbindet sich mit zwei Hydroxylen zu SO2(OH)2 oder Schwefelsäure, das dreiwertige Radikal PO mit drei Hydroxylen zu PO(OH)3 oder Phosphorsäure. Die frühere Chemie betrachtete die H. als Verbindungen der anhydrischen Oxyde mit Wasser und schrieb z. B., unter Annahme des halben wirklichen Wertes für das Atomgewicht des Sauerstoffs, Calciums und Schwefels und für das Molekulargewicht des Wassers, das Kaliumhydrat KO·HO, Calciumhydrat CaO·HO, Schwefelsäure HO·SO3, Phosphorsäure 3 HO·PO5 u. s. w.

Hydraulik (grch.), auch Hydrodynamik genannt, ein Teil der angewandten Mathematik und im besondern der Hydromechanik (s. d.). Der Name wird im weitern und engern Sinne gebraucht: im erstern begreift H. die wissenschaftliche Betrachtung alles dessen, was auf die Bewegung tropfbarer Flüssigkeiten Bezug hat; im letztern Sinne (und dann praktische H. genannt) beschäftigt sie sich nur mit den praktischen Anwendungen, die von der Bewegung des Wassers gemacht werden, umfaßt also den Wasserbau (s. d.), ferner die Untersuchung der Quellen, die Wasserhebung sowie den Bau der Wassermotoren (s. d.). - Über theoretische H. vgl. Meißner, Die H., Bd. 1 (Jena 1876-77); Auerbach, Theoretische Hydrodynamik (Braunschw. 1881); Haton de la Goupillière, H. und hydraulische Motoren (deutsch von Rauscher, Lpz. 1886); von Wex, Die Hydrodynamik (ebd. 1888); Scheffler, Die H. auf neuen Grundlagen (ebd. 1891). - Über die praktische H. vgl. die Litteratur der Artikel Pumpe, Wasserbau und Wassermotoren.

Hydraulis (Wasserorgel), s. Orgel.

Hydraulische Bremsen, von W. Siemens zuerst bei Geschützen angewandte Bremsen. Sie bestehen aus einem Cylinder, der mit einer Flüssigkeit (Glycerin) gefüllt ist, und aus dem Kolben, der sich im Cylinder bewegt und dem Glycerin nur geringen Durchfluß gestattet. Einer von beiden Teilen ist an der Oberlafette, der andere am Rahmen befestigt. Tritt nun beim Schuß der Rücklauf der Oberlafette mit Rohr ein, so setzt das Glycerin der heftigen Bewegung des Kolbens und daher auch der ganzen Oberlafette einen energischen Widerstand entgegen. Es giebt von den H. B. sehr verschiedene Arten, je nach der Form der Durchflußöffnungen für das Glycerin und ob dieselben während des Rücklaufs gleich groß bleiben oder nicht, sowie ob sie durch Ventile geschlossen sind oder nicht. H. B. werden neuerdings auch vielfach bei Belagerungsgeschützen verwendet, indem der eine Teil der H. B. an der Lafette (gewöhnlich am Lafettenschwanz), der andere an einem besondern Pivot auf der Bettung befestigt wird.

Hydraulische Lafetten, Lafetten, bei denen entweder zum Hemmen des Rücklaufs oder zum Richten des Rohrs oder endlich zum Bewegen des ganzen Geschützes Hydraulik benutzt wird; hauptsächlich auf Schiffen und in Festungen in Anwendung.

Hydraulische Maschinen, s. Wassermotoren.

Hydraulische Presse, s. Pressen.

Hydraulische Pressung, die Wirkung der Infanteriegeschosse innerhalb des menschlichen und tierischen Körpers (s. Geschoßwirkung). Den Ausgangspunkt der auf die H. P. gerichteten Untersuchungen bildet die Thatsache, daß Geschosse vom Kaliber 11 mm und mehr, welche auf nahe Entfernungen gegen Menschen- und Tierkörper abgefeuert werden, erstaunlich schwere Schußwunden erzeugen. Der Schußkanal erweitert sich unregelmäßig gegen den Ausschuß hin, es zeigt sich eine gewaltige Zerschmetterung und Zertrümmerung der Weichteile und Knochen, die Ausschußöffnung ist bis zu 10- oder 20mal größer als die Eingangsöffnung. Diese auffallenden Erscheinungen gaben im Feldzuge 1870/71 auf beiden Seiten zu der Anschuldigung Veranlassung, der Feind schieße aus Handfeuerwaffen mit den durch die Petersburger Konvention von 1868 verbotenen Sprenggeschossen. Eingehende Versuche bedeutender Chirurgen haben nunmehr die Ursache der erwähnten Eigentümlichkeiten der Schußwunden auf H. P. des Feuchtigkeitsgehalts der Gewebe zurückgeführt, also auf eine Gewalt, welche nach Art eines Sprengstoffs nach allen Seiten wirkt und die Gewebe von innen nach außen zerreißt und fortschleudert. Natürlich ist die Ausdehnung der Zone dieser explosiven Wirkung in den einzelnen Geweben je nach deren physik. Eigenschaften sehr wechselnd. So kommt die H. P. bei der Kaliberstufe 10-11 mm