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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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i. e. - Iffland
patriarchalischer Lebenszustände (nach Jean Paul:
des Vollglücks in der Beschränkung). Je mehr die
Menschen sich von dem Naturleben und der Sitten-
einfalt der frühesten Zeiten entfernten und je stärker
der Gegensatz der beengenden Verhältnisse der bür-
gerlichen Konvenienz hervortrat, um so sehnsüchti-
ger mußten sie auf das ursprüngliche Naturleben
als ein verlorenes ideales Dasein, als ein Leben
voll Einfalt und Nuhe zurückblicken, das in der Be-
friedigung der einfachsten Bedürfnisse Glück und
Genüge fand. In der That gehört daher die I., als
eigentümliche Dichtsorm, überall einer solchen Zeit
an, in der das einfache Naturleben der Wirklichkeit
gegenüber als ein idealer Zustand bereits in eine
poet. Ferne zurückgetreten war. Darum wählten
die Idyllendichter von jeher am liebsten Menschen,
Scenen und Vorgänge des ländlichen Daseins,
insbesondere des .Hirten-, Schäfer-, Fischer- und
Iägerlebens, zu ihren Gemälden, und namentlich
gab das harmlose Hirtenleben der alten Völker mit
dem Ideal eines Goldenen Zeitalters oder einer
Unschuldswelt zu solchen Schilderungen reichen
Stoff. Diese Hirtendichtungen werden auch (vom
grch. buköloZ, Rinderhirt) als bukolische
Poesie bezeichnet. Die ersten Spuren dieser
Dichtgattung findet man im Orient, nur daß sie hier
noch nicht als für sich bestehende Gattung ausge-
prägt ist, sondern bald mehr als Erzählung, wie
das Buch Ruth, bald wie Kalidasas "s'aKnntHiH"
mehr als Drama mit idyllischem Charakter erscheint.
Auch bei den Griechen war sie anfangs mehr epi-
scher Art, doch schon mit Beimischung eines lyrischen
Gements, wie bei Stesichorus, der die Leiden des
Daphnis zum Gegenstand wählte. Als selbständige
Gattung tritt bei ihnen die I. erst zu Anfang des
Alerandrinischen Zeitalters mit Theokrit auf, der in
'sorgfältig ausgeführten Bildern vorzugsweise das
Naturleben sicil. Hirten zur Anschauung bringt.
Ihm schließen sich Vion und Moschus an. Unter
den röm. Dichtern nimmt Virgil die erste Stelle ein.
Aus der Nachahmung Virgils entsprang die I. der
ital. Nenaissancedichtung, die dialogische Form ent-
wickelte sich zur dramatischen, zum Schäferspiel (Pa-
storale) von Tasso, Guarini, Sannazaro, Alamanni.
Dieses l^chäferspiel wanderte nach Spanien, Frank-
reich, Deutschland und England, mit kokettem Raf-
finement das naiv Anmutige in das widerlich Affek-
tierte und füßlich Sentimentale verzerrend. Fast
zwei Jahrhunderte hat diefe Unnatur geherrscht, bis
die neu erstehende Blüte der deutschen Litteratur
eine kräftige Reaktion brachte. Während Salomon
Gehners graziöse Prosaidyllen noch ganz in der alten
verzopft-sentimentalen Richtung wurzeln, führte der
offene Sinn der sog. Sturm- und Drangperiode für
das Ursprüngliche wieder zurück zum naiv Gesunden
und Wahren. Die Wendung wird besonders durch
die Pfälzer I. des Maler Müller bezeichnet; Voß
in seiner "Luise" und andern I. und besonders
Goethe in "Aleris und Dora" und dem klassisch
vollendeten, idyllischen Epos "Hermann und Do-
rethea" wußten diese I. sogar auf die Höhe echt antiker
Formenhoheit zu heben. In neuerer Zeit hat die I.
besonders nach zwei Seiten hin eine wesentliche Um-
bildung erfahren. Einerseits eine Steigerung nach
dem Volkstümlichen durch Aufnahme der Lokalfarbe
des Volksdialekts: der Begründer dieser Richtung,
die schon Voh durch einige plattdeutsche Gedichte
vorbereitet hatte, ist Hebel mit seinen "Alamann.
Gedichten". Andererseits eine Steigerung nach dem
konfliktvollhandelndenLeben, welches das Gebietdes
Romans und Dramas ist; BegründerdieserRichtung
ist Immermann mit seinem "Münchhausen", wäh-
rend besonders Verthold Auerbach und Ieremias
Gotthelf die I. zur Dorfgeschichte modelten,
l. o., Abkürzung für iä 68t (lat., "das ist", "das
Ierne (Irland), s. Hibernia. Heißt").
If, L'ile du chateau d'If, Felseninsel im W.
des Hafens von Marseille, 2 km von der Küste ge-
legen, wurde durch Franz I. befestigt, ist bekannt als
Gefängnis Mirabeaus (1774) und durch Alexandre
Dumas' Roman "Der Graf von Monte-Christo".
l. t., Abkürzung für ip86 lscit (lat., d. h. er selbst
hat es gemacht). ^s. Iverdon.
Iferten, Bezirk im schweiz. Kanton Waadt,
Iffland, Aug. Wilh., Schauspieler, Theater-
dichter und Dramaturg, geb. 19. April 1759 zu
Hannover, wo sein Vater Registrator bei der Kriegs-
kanzlei war, wurde für das Studium der Theologie
bestimmt. Durch die Vorstellungen der Ackermann-
schen Gesellschaft wurde jedoch in ihm die Neigung
für die Bühne erweckt; er ging in seinem 18. Jahre
heimlich nach Gotha, bildete sich hier unter Lettung
Ekhofs (s. d.) aus und wurde 1779 Mitglied des
Mannheimer Theaters. Hier legte er den Grund zu
feinem Ruhm, den er durch Gastvorstellungen bald
über ganz Deutschland ausbreitete. 1796 kam er
nach Berlin, wo er Direktor des Nationaltheaters,
1811 Generaldirektor aller königl. Schauspiele wurde
und 22. Sept. 1814 starb. Vor dem Theater in
Mannheim wurde ihm 1864 ein Vronzestandbild
(nach Widemanns Modell) errichtet. Seine Theater-
leitung bezeichnet eine Blütezeit der Berliner Bühne.
Die klassischen Dichtungen Goethes und Schillers
brachte er rasch und in reicher Ausstattung zur Auf-
führung. Daneben pflegte er das ihm selbst am
nächsten liegende bürgerliche Schauspiel, während er
den Versuchen der Romantiker kühl gegenüberstand.
Als Schauspieler nahm I. einen hohen Rang ein.
Seine feinkomischen Charaktere zeichnete er mit
großer Sauberkeit, in hochkomischen Rollen ver-
schmähte er auch eine starke Würze nicht. Seine
edlen Biedermänner, feinen Weltleute, vornehmen
Fürsten waren mustergültig. Gestalt und Organ
machten ihn für das Trauerspiel weniger geeignet;
auch fehlte ihm der dichterische Schwung; doch be-
währte auch hier sein edler Stil der Darstellung
seine großen Vorzüge. I.s Theaterstücke zeugen
von vollendeter Vühnenpraktik, großer Menschen-
kenntnis und sittlichem Streben; namentlich haben
sich "Die Jäger", "Dienstpflicht", "Der Spieler",
"Die Mündel" und "Die Hagestolzen" bis jetzt auf
dem Repertoire erhalten. Als tüchtigen Drama-
turgen zeigt sich I. in den theoretischen Abhand-
lungen und Aufsätzen seines "Almanach für das
Theater" (Berl. 1807 - 9, 1811 - 12). An die
Sammlung seiner "Dramat. Werke" (16 Bde., Lpz.
1798-1802) schlössen sich die "Neuen dramat.
Werke" (2 Bde., Verl. 1807-9). Eine Auswahl
enthalten die Ausgaben in 11 Bänden (Lpz. 1827
-28) und in 10 Bänden (ebd. 1844 und Stuttg.
1858-60). - Vgl. K. Duncker, I. in seinen Schrif-
ten als Künstler, Lehrer und Direktor der Berliner
Bühne (Berl. 1859); Koffka, I. und Dalberg (Lpz.
1865); Briefe von August Wilhelm I. und F. L.
Schröder an den Schauspieler Werdy (hg. von O.
Devrient, Franks. a.M. 1881); Holsteins Einleitung
zu der neuen Ausgabe der Selbstbiographie I.s:
"Über meine theatralische Lausbahn" (tzeübr. 1830).
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